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Nr. 5

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Gießener Zeitung

( Gießener Tageblatt)

Erscheint Mittwochs und Samstags. Bezugspreis 2,40 M vierteljährlich frei ins Haus. Redaktionsschluß früh 8 Uhr. Für Aufbewahrung oder Rüd­endung nicht verlangter Manuskripte wird nicht garantiert.

44. Jahrg.

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Politische Rundschau.

Reichspräsident von Hindenburg wird programmäßig heute jein Gut Neuded verlassen und nach Berlin zurüdfehren. Botschafter v. Hoesch unterrichtete am Sonntag spät abends den französischen Ministerpräsidenten Laval über den Ernst der Lage in Deutschland.

Der Verwaltungsrat der BJ3. hat sich in einem amtlichen Bericht zur Mitwirkung an der finanziellen Unterstügung Deutschlands in Zusammenarbeit mit den Zentralbanken bereit ertlärt. Der Verwaltungsrat hat den Präsidenten ermächtigt, den der Reichsbank fürzlich gewährten Rediskontkredit zu ver­längern.

Die BJZ. verhandelte am Montag auch über die Garan= tiefrage und schloß sich dem französischen Standpunkt an.

Jm Auslande werden die Vorgänge in Deutschland mit Spannung verfolgt. Nach Washingtoner Berichten widmet Hoo­ver Deutschland ungeteilte Aufmerksamkeit. Paris zeigt nach wie vor Zurüdhaltung. Macdonald hat im Unterhaus eine Aeußerung abgelehnt.

Drud und Berlag von Albin Klein in Gießen Geschäftsstelle: Gießen, Südanlage 21.

Fernsprecher Nr. 2525 und 2526. Bostschedtonto Nr. 69 530 Amt Frankfurt a. M.

Mittwoch, den 15. Juli 1931

Nerven behalten!

Berlin. Die Vorgänge bei der Danatbank haben augen­blicklich in der Bevölkerung große Beunruhigung hervorgerufen und in verstärktem Maße werden heute bei den Depositenkassen Geldabhebungen vorgenommen. Von Großbankkreisen wird dar­auf hingewiesen, daß die Banken durchaus in der Lage sind, die normalen Geldmittelbedürfnisse zu befriedigen. Wenn darüber hinaus aber unvernünftiger Weise in größerem Maßstabe Angst­abhebungen erfolgen, so sei keine Bank in der Lage, diesen An­forderungen gerecht zu werden. Dieses umso weniger zu einer Zeit, da durch verschärfte Destriktionsmaßnahmen der Reichsbank die Banken ohnehin in ihrer Liquidität stark beengt wurden. Je­der Depoſitär und jeder Sparkassengläubiger müsse sich vernünf­tigerweise sagen, daß er für seine Depositen keine Zinsen verlan gen könne, wenn die Bankinstitute diese Depositen in ihren Kas­sen zur jederzeitigen Abziehung bereithalten sollten. Die Un­vernunft des großen Publikums wird also dazu führen, daß die Banken die Auszahlung von Geldern, die nicht notwendig sind, einstellen.

( Neueste Nachrichten)

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Nummer 56

Landwirtschaft und Handwerk.

Von Friedrich Derlien Hannover, Vorsitzender des Reichsverbandes des deutschen Handwerks.

Der Vorsitzende des Reichsverbandes des deutschen Hand­werks schrieb aus Anlaß der soeben in Hannover stattgehabten Großen Landwirtschaftlichen Ausstellung nachstehenden Aufsatz für die große deutsche Tagespresse:

Landwirtschaft und Handwerk sind seit alters her auf das engste miteinander verbunden. Das ländliche Handwerk arbei­tet fast nur für den Bedarf der Landwirtschaft. Hingewiesen sei hier auf die Sattler, Schmiede, Stellmacher usw., deren wirtschaftliche Lage wohl der der Landwirtschaft gleichgesetzt wer den kann. Andere Gruppen wieder wie Müller, Bäcker, Schlachter usw. treten uns als Abnehmer landwirtschaftlicher Erzeugnisse entgegen. Zu dieser wechselseitigen wirtschaftlichen Verbundenheit kommt noch hinzu, daß ein großer Teil der Handwerker auf dem Lande selbst im Nebenberuf Landwirtschaft betreibt. Der Ausschuß zur Untersuchung der Erzeugungs- und Absatzbedingungen der deutschen Wirtschaft schätzt die Zahl der Handwerksmeister, die nebenberuflich in der Landwirtschaft tätig

Die Reichsbank ist am Montag zu einer schärferer til der amerikanische Anteil am Rediskontkredit, auf etwa 350 000, was einem Viertel der Gesamtzahl der

tion in der Form geschritten, daß eine Abgabe von Devisen nur bei sofortiger Barbezahlung in Reichsmart erfolgt. Die Reichs­bant fonnte im Laufe des Tages jogar verschiedentlich Devisen hereinnehmen.

Die Berliner Banken sind übereingekommen, die Restrik­tionsmaßnahme, wie sie am Montag bei Auszahlungen ange= wandt wurde, einheitlich und in demselben Maße beizubehal­ten.

Der Berliner Polizeipräsident Grzesinski hat seinen Urlaub abgebrochen. Die Rüdkehr des Polizeipräsidenten hängt mit der Entwicklung der allgemeinen Lage zusammen.

Dr. Edener teilte mit, daß er angesichts des außerordent­lichen Ernstes der Lage Deutschlands die Fahrt nach England mit dem Luftschiff Graf Zeppelin" vom Fahrtenprogramm ab= gejetzt hat. Die Fahrt soll zu einem geeigneteren Zeitpunkt er: folgen.

Der Vorstand der Deutschen Studentenschaft hat mit Rücksicht auf die derzeitige wirtschaftliche und allgemeinpolitische Lage den für Donnerstag angesetzten 14. Deutschen Studententag in Graz verschoben. Er hat für Ende der Woche den Hauptausschuß ber Deutschen Studentenschaft nach Berlin einberufen.

Die Danatbant in Schwierigkeiten.

Die Darmstädter und Nationalbank hat mitgeteilt, daß sie

genötigt am geſchloſſen

Reichsregierung hat die Darmstädter und Nationalbank zu fol­gender Erklärung ermächtigt:

Die Reichsregierung wird auf Grund einer im Laufe des Montags ergehenden Notverordnung des Herrn Reichs­präsidenten durch volle Garantieleistung für alle Einlagen für eine ruhige Abwicklung der Geschäfte der Danatbank Sorge tragen.

Mit Rücksicht auf die Bedeutung der eingetretenen Zahlungs­

eiden großen Filmpreis stodung ist den Banken die Anregung gegeben worden, den Ver

or allem die fünftigen Fil lossteuern, tönnen an ein klicht wurde, sehen, wie m Woche" überall für 50 bedingungen beim Reichstar

K.W.) Fassadenfarben Rid Prüfung( R.A.L. 840, Se Preis 50 Pf.). Das nschaftsarbeit zwischen Farba Tenschaft.

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Südanlage 21.

hbinderei. schriften.

Verbände

tehr mit Effekten und Devisen am Montag und Dienstag einzu­stellen.

Wie wir erfahren, bleiben auf eine Verordnung des preußi­schen Handelsministers am Montag und Dienstag die Börsen geschlossen. Es ist anzunehmen, daß die gleichen Maßnahmen auch von den übrigen deutschen Ländern getroffen werden.

2 Banffeiertage beschlossen.

Berlin. Auf Grund einer Verordnung des Reichspräsiden= ten vom Montag hat die Reichsregierung angeordnet, daß alle Banken, Sparkassen und anderen Kreditinstitute mit Ausnahme der Reichsbank Dienstag und Mittwoch dieser Woche geschlossen bleiben. Die Reichsregierung und die berufenen Vertreter der Banten und Sparkassen werden im Verlauf dieser zwei Tage die nötigen Maßnahmen und Vorbereitungen treffen, damit am Donnerstag die zur Weiterführung der Wirtschaft und zur Be­wirkung der Gehalts- und Lohnzahlungen erforderlichen Mittel bereitgestellt werden. Die Wertpapierbörsen bleiben voraussicht­lich bis Ende der Woche geschlossen.

um drei Monate verlängert. Newyork. Der Vollzugsausschuß der Federal Reservebank Newyork hat am Dienstag nachmittag beschlossen, seinen 25 Mil­lionen Dollar betragenden Anteil an dem 100- Millionen- Dollar. Rediskontkredit für die Reichsbank um drei Monate zu ver längern.

Geldbeschaffung auf Umwegen.

Basel. An den schweizerischen Börsen fanden heute starke Obligationenverkäufe bei sinkenden Kursen statt. In Zürich dauerte es eine Stunde, bis die Obligationslesung erledigt war.

Ferner sind bei schweizerischen Banken erhebliche Abzüge von deutscher Seite festzustellen, als Folge der Bankfeiertage in Deutschland. Es scheint, daß Geld flüssig gemacht wird zur Be­friedigung der dringenden Ansprüche.

Steuern müssen bezahlt werden.

Berlin, Amtlich wird mitgeteilt: Die bestehenden wirt­schaftlichen Verhältnisse haben in gewissem Umfange zu einer Stockung der Steuerzahlungen geführt. Eine derartige Stockung muß im Interesse der Allgemeinheit mit allen Mitteln be= fämpft werden. Gerade in Zeiten, wie den gegenwärtigen ist besonderer Wert darauf zu legen, daß jeder seinen steuerlichen Verpflichtungen pünktlich nachkommt. Gehen die geschuldeten Steuern nicht pünktlich ein, so wird, wie bisher, mit Einziehung im Nachnahmeverfahren, Mahnung und Beitreibung vorgegan­gen werden. Es wird ausdrücklich darauf hingewiesen, daß auch trotz der beiden Bankfeiertage Steuerüberweisungen jederzeit vorgenommen werden können. Das gilt auch für die Inhaber von Konten bei der Darmstädter und Nationalbank.

Einberufung des Reichstags?

selbständigen Meister entspricht. Nach den Ergebnissen der Be­triebszählung vom Jahre 1925 sind drei Viertel der Schmiede im Nebenberuf Landwirte und ebenso sind fast alle Stellmacher auch Landwirte. Bei den Fleischern ist es noch die Hälfte, die neben dem Schlachtereibetriebe auch noch die Landwirtschaft ausübt.

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Die gewerblichen und landwirtschaftlichen Klein­Mittelbetriebe bleiben weiter in ihrer gleichgearteten kulturel­len, sittlichen und sozialen Bedeutung für die gesunde Struktur eines jeden Staatswesens von ausschlaggebendem Wert. Ihre Aufgaben gegenüber Staat und Volk sind die aleichen. Mit Liebe und Sorgfalt hängt der Bauer an der erarbeiteten Scholle. Auch der Handwerksmeister ist voll Stolz und Freude über sei­nen Betrieb, dessen Erhaltung und Freiheit ihm am Herzen liegt. Beide Berufsstände stellen über den Gewinn des Alltags und über die Schwere ihrer Arbeit den hohen ideellen Wert ihrer Selbständigkeit. Die an die Ausübung des landwirt­schaftlichen und handwerklichen Berufs gestellten Anforderungen erziehen zu tüchtigen Persönlichkeiten. Die Bodenständigkeit in Handwerk und Landwirtschaft fördert das Gefühl der Ver­bundenheit mit der Heimat und bedingt einen guten konservativen Geist, dem gewaltsame Umsturzpläne fern liegen. Landwirt­schaft und Handwerk finden sich wieder in ihrer gemeinsamen vermittelnden Rolle des Ausgleichs und der Versöhnung zwi schen dem mächtigen Großkapital und der ebenfalls machtpolitisch nicht zu unterschäßenden Masse der abhängigen Lohnarbeiter zusammen. Sie sind so Grundpfeiler des inneren Friedens und geordneter Verhältnisse.

Den Wert und die Bedeutung von Landwirtschaft und Handwerk erkennt die Reichsverfassung an, indem Artikel 164 festlegt, daß der selbständige Mittelstand in Landwirtschaft, Gewerbe und Handel in Gesetzgebung und Verwaltung zu för­dern und vor Ueberlastung und Auffangung zu schüßen ist. Es muß somit als eine ernste Aufgabe der Gesetzgebung betrachtet werden, in allen ihren Maßnahmen der Erhaltung von Hand­werk und Landwirtschaft Rechnung zu tragen. Einseitige ge= Reichs- setzgeberische Maßnahmen müssen sich früher oder später zum Nachteil dieser oder jener Gruppe auswirken. Gesetze dürfen grundsätzlich nur erlassen werden, nachdem vorher in ausreichen­der Vorbereitung und nach eingehender Prüfung ihre Auswir­fung auf alle Kreise der Wirtschaft berücksichtigt und bei dem vorliegenden Widerstreit der verschiedenen Interessen ein billiger Ausgleich gefunden wurde.

Berlin. Die beiden radikalen Parteien, die Kommunisten und die Nationalsozialisten, haben die Einberufung des tages verlangt. Es ist bereits für die nächsten Tage die Einbe­rufung des Aeltestenrats zu erwarten. Ob aber das Reichstags= plenum selbst zusammentreten wird, hängt nicht zuletzt von der Stellungnahme der Sozialdemokraten ab. Dem Vorgehen der Flügelparteien hat sich nunmehr auch die Deutschnationale Par­tei angeschlossen.

Zerfall der Wirtschaftspartei.

Frankfurt a. M. Die Wahlkreis- Konferenz der Wirtschafts­partei von Hessen- Nassau, die unter dem Vorsitz des Landtags­abgeordneten Dr. Rohde in Frankfurt a. M. am Sonntag tagte, hat beschlossen, aus der Reichspartei des Deutschen Mittelstandes ( Wirtschaftspartei) auszuschneiden und sich mit dem Wahlkreis Koblenz- Trier für solidarisch zu erklären. Die sächsischen Wahl­freise der Partei haben sich ebenfalls mit dem von Hessen- Nassau solidarisch erklärt.

Wie die Landwirtschaft leidet auch das Handwerk unter den vielen nachteiligen Folgen einer verkehrten Wirtschafts-, und Sozialpolitik der letzten Jahre. Die steuerliche Last hat eine Höhe erreicht, die den Ertrag der Betriebe in Frage stellt und Lust und Liebe zu ihrer Weiterführung mindert. Auch die sozialen Abgaben haben auf die Leistungsfähigkeit der Wirt­schaft keine Rücksicht genommen. Eine verbrauchshemmende steuerliche Mehrbelastung in den gegenwärtigen Zeiten einer stark geschwundenen Konsumkraft zeigt nur zu bald, daß dem Herauswirtschaften hoher Beträge Grenzen gesetzt sind, Grenzen, die unsere Steuerpolitik bereits achtlos überschritten hat. Eben­so kann auch eine soziale Fürsorge, deren Notwendigkeit an

Die Verordnung über die Bankfeiertage auch auf die der Völkische Beobachter" 3 Wochen verboten. ich anerkannt wird ,,, im luftleeren Raum" nicht mehr betrieben

Wechselordnung und das Scheckgesetz ausgedehnt. Die Reichsregierung hat am Dienstag nachmittag eine zweite Durchführungsverordnung zur Verordnung über die Bankseier­tage erlassen, in der bestimmt wird, daß die Bankfeiertage auch als gesetzliche Feiertage im Sinne der Wechselordnung und des Schedgesetzes anzusehen sind, so daß demgemäß Wechselproteste, die an Bankfeiertagen aufgenommen werden, keine Gültigkeit haben.

Arbeitslosenunterstüßung wird gezahlt.

Berlin. Wie die Reichsanstalt für Arbeitsvermittlung und Arbeitslosenversicherung mitteilt, werden die Bankfeiertage kei­nen Einfluß auf die Auszahlung der Arbeitslosen- und Krisen­unterstützungen ausüben, da die Reichsanstalt in Bankverbin= bung vor allem mit der Reichsbank steht.

München. Einem Ersuchen des Reichsministers des Innern entsprechend, wurde der in München erscheinende ,, Völkische Be­obachter" in seiner Bayern- und Reichsausgabe von der Polizei­direktion München auf drei Wochen verboten.

Erzbischof Söderblom*.

Stockholm. Der schwedische Erzbischof Dr. Söderblom ist in Upsala gestorben. Dr. Söderblom ist 65 Jahre alt geworden. Er war eine der hervorragendsten Persönlichkeiten des ganzen skandinavischen Nordens. Erst im vorigen Jahre wurde er mit dem Friedens- Nobel- Preis ausgezeichnet. Besonders ist er be= fannt geworden durch die große von ihm eingeleitete Annähe­rung zur Zusammenarbeit der christlichen Konfessionen. Hier­durch hat er sich Weltruhm erworben.

werden. Auf beiden Gebieten fordert Landwirtschaft und Hand­werk dringende Erleichterung.

Handwerk und Landwirtschaft sind sich weiter darüber einig, daß auch die so notwendige Reichsreform an Haupt und Glie­dern und ebenso die so notwendige Neuregelung der Repara­tionsverpflichtungen nicht länger mehr hinausgeschoben werden dürfen. Der gesamte Verwaltungsapparat ist auf das durch den Zwang zur Sparsamkeit gebotene Maß, das zugleich dem technischen Fortschritt der letzten Jahrzehnte entspricht, herab­zusehen. Auch eine durchgreifende Revision der außenpolitischen Bindungen muß folgen, denn die Belastung aus dem Young­Plan übersteigt die Leistungsfähigkeit der deutschen Wirtschaft. Die Reichsregierung muß an dieses Problem um so eher heran­gehen, als durch das Absinken der Weltmarktpreise eine Er­höhung der deutschen Reparationszahlungen um 20 Prozent ein­