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Mittwoch, den

Mittwoch, den 15. Juli 1931

getreten ist. Nicht mehr oder minder utopische Pläne bringen unsere Wirtschaft wieder in Gang, sondern nur ernste und durchgreifende Reformen auf steuerlichem und sozialem Gebiet sowie auf dem Gebiete der Verwaltung und schließlich noch auf eine gerechte tragbare Lösung des Reparationsproblems.

Handwerk und Landwirtschaft vertreten auch die gleiche Auffassung über die Förderung einer gesunden Landbevölkerung und über die notwendig werdende Eindämmung einer zu weit gehenden Landflucht. So erblickt die Landwirtschaft in der Erhaltung und in dem Schutz der durch lebensfähige Landge­meinden und Landkreise bodenständigen Kultur für einen mög­lichst großen Teil des Gesamtvolkes eine wesentliche Voraus­setzung zu einer gesunden wirtschaftlichen, sozialen, staatlichen und kulturellen Fortentwicklung, wie denn auch andererseits das Handwerk das Ideal zukünftiger Tage nicht in der Schaffung von Klein- und Riesenstädten, sondern in der Erhaltung von gesunden, lebenskräftigen Mittelstädten sieht, weil diese der Ent­faltung deutscher Kultur am günstigsten sind.

Die gezeigte wirtschaftliche Verbundenheit und die gleichen Anschauungen über die wichtigsten Fragen unserer Gesetzgebung sollten bei Handwerk und Landwirtschaft eine ständige gemein­same Arbeit zur Folge haben. Voraussetzung hierfür ist natur­gemäß, daß beide Berufsstände einander gleichberechtigte Aner­kennung zollen und einander die freie selbständige Berufsaus übung nicht beschneiden. Wie der Handwerker selbst, so sollte auch der Landwirt bei der Eindeckung seines täglichen Bedarfs an den Einkauf beim Handwerksmeister denken. Bei der Preispolitik des Handwerks darf der Bauer nicht übersehen, daß das Handwerk sowohl bei seiner Preisbildung wie bei seiner Lohnbildung zu den im Wirtschaftsprozeß abhängigen Schich­ten gehört. Das Handwerk allein kann für die Folgen einer steuerlichen und sozialen Ueberbelastung der Produktion nicht verantwortlich gemacht werden und ebensowenig für Preise der vor dem Handwerk in der Reihe der Gütererzeugung stehenden Wirtschaftskreise, an die es selbst gebunden ist.

,, Gießener Zeitung"

als Landesverband beigetreten. Dadurch ist eine weitere, wichtige Grundlage geschaffen für die Angleichung der deutsch­österreichischen Rechtsverhältnisse durch gleichmäßige Entwid­bung der in Oesterreich ebenso wie in Deutschland nach den bisherigen Erprobungen voll bewährten Rechtspfleger- Einrich tungen.

Auch das Handwerk hat den bislang gebrachten zollpoli­tischen Maßnahmen zum Schuße der Landwirtschaft nicht widersprochen. Es weiß aus eigener Erfahrung sehr wohl, daß auf die Dauer eine fehlende Rentabilität die Betriebe dem Untergang zuführen muß. Selbst die Zweige des Lebensmittel­handwerks sind der Agrarschußpolitik der Reichsregierung nicht entgegengetreten, obwohl die Preisgestaltung der von ihnen ver­arbeiteten Rohstoffe davon in einer Weise getroffen wird, die sich notwendig in einer Erhöhung der Preise ihrer eigenen Er­zeugnisse auswirken mußte. Wenn dann aber Brotpreiserhö hungen die Folge sind, so liegt deren Ausgangspunkt eben bei den als erforderlich erachteten Schußzöllen, was nicht übersehen werden darf. Das Bäckerhandwerk ist, wie alle übrigen hand­werkerlichen Gruppen, an der Gestaltung eines für die geschwäch te Kaufkraft günstig liegenden Preisniveaus recht lebhaft inter­effiert. Erfahren aber die Brotpreise aus den erwähnten Grün­den eine Steigerung, dann ist es verkehrt, etwa den Druck nach Preissenkung nach der Seite zu lenken, die aus der Erhöhung keinerlei Nugen zieht. Hier sollte sowohl die Landwirtschaft wie auch die gesamte Verbraucherschaft die Zusammenhänge nicht verkennen. Das Handwerk ist wohl noch nie Gegner zoll­und handelspolitischer Forderungen gewesen, die für den Bestand einer gesicherten Landwirtschaft unerläßlich sind. Auf allen Gebieten sollten beide Berufsstände einander das richtige Ver­ständnis entgegenbringen, denn eine gesunde Wirtschaft braucht immer den freien Bauer auf eigener Scholle und den selbstän digen Meister in freier Werkstatt.

Zusammenschluß

der deutschen und österreichischen Rechtspfleger.

Die Gewerkschaft der oberen Justizbeamten Desterreichs ist dem Bund Deutscher Justizamtmänner, der Standesver­tretung der Rechtspfleger und Urkundsbeamten Deutschlands,

Auf der Straße" nach Samborz.

Lokales.

* Hessische Personalnachrichten. Erledigt sind: die Lehrer­stelle für einen evangelischen Lehrer an der Volksschule in Wet­terfeld, Kreis Schotten( Dienstwohnung vorhanden und frei); die Lehrerſtelle für einen evangelischen Lehrer an der Volksschule in Olfen, Kreis Erbach i. O.( Dienstwohnung ist vorhanden.)

* Von der Universität. Dr. med. Günther Anton, der sich für das Fach der inneren Medizin zu habilitieren wünscht, wird Donnerstag, den 16. Juli, 18 Uhr in der Kleinen Aula, Ludwig­straße 23, über das Thema: ,, Wirkungsmechanismus und Anwen­dungsformen des Insulins" eine Probevorlesung halten.

* Studentenschaft. Der Vorstand der Deutschen Studenten­schaft hat nach einem telegraphischen Eigenbericht der Hessischen Akademischen Rundschau" den für Donnerstag nach Graz ein­berufenen 14. Deutschen Studententag mit Rücksicht auf die kritische politische und wirtschaftliche Lage einstweilen verscho­ben. Er hat den Hauptausschuß zur Stellungnahme über die derzeitige Lage für kommenden Donnerstag, den 16. Juli, abends, nach Berlin einberufen.

Die Straße" nach Samborz ist ein ganz gewöhnlicher Feldweg, der von Dorf und Gut Miszewo östlich nach Samborz führt. Man findet beide Dörfer auf dem Blatt Posen, Bres lau, Oppeln, Plod, Piotrkow, herausgegeben von der Karto­graphischen Abteilung des Stellvertretenden Generalstabs der Armee 1914, Maßstab 1: 300 000, und zwar etwa 10 Kilometer östlich von Plock, das an der Weichsel liegt, und nördlich von Glupno.

* Beschädigung des Wetterhäuschens in der Südanlage. Die Täter, die in der Nacht vom 5. zum 6. 7. 31 das Wetterhäuschen in der Südanlage beschädigten, fonnten nunmehr ermittelt wer­den. Es handelt sich um die Studenten Hermann Rinne und Werner Geitner, die bei dem Korps Silvania angehören. Es steht einwandfrei fest, daß weitere Personen nicht an der Zerstörung teilgenommen haben.

Es ist der 4. Juli 1915, ein Sonntag. Wir die 5. Kor­poralschaft der 2. Komp. des 2. Landst.- Inf.- Batls. Darmstadt

liegen in einem Bauernhause, das nicht weit von dem Her­renhause des Gutes Miszewo etwas gedeckt in einer Mulde steht. Dieser Mulde folgt ein Bächlein, das im Winter und auch noch im April recht munter ist. Bei Slupno vereinigt es sich mit einem anderen Wasserlauf und gewinnt dann in west­licher Richtung die Weichsel.

* Weihe des Hindenburg- Hauses. Anläßlich des zehnjähri­gen Bestehens der Studentenhilfe Gießen e. V. fand die offizielle Eröffnung des neuerbauten Hindenburg- Hauses" der Studenten­schaft der Universität Gießen mit einer schlichten Feier statt. Staatspräsident Dr. Adelung und Ministerialdirektor Dr. Löh lein, die ihr Erscheinen zugesagt hatten, waren am Kommen lei­der verhindert. Der 1. Vorsitzende der Studentenhilfe und der= zeitige Rektor der Universität, Magnifizenz Prof. Dr. Eger, gab in seiner Festrede einen gedrängten Ueberblick über die großen Aufgaben und Schwierigkeiten, die die 1921 gegründete Studen­tenhilfe sich gestellt und überwunden hat, und dankte allen denen, die an dem Wert mitgeholfen haben, besonders auch dem Hess. Staatspräsidenten. Namens der Gießener Hochschulgesellschaft überbrachte Syndikus Dr. Meesmann, für die Stadt Gießen und den Oberbürgermeister, die dem Werke großes Wohlwollen und Unterstützung angedeihen ließen, Bürgermeister Dr. Hamm, für die Universität Errettor Prof. Dr. Brüggemann die Wünsche und Grüße an die Studentenhilfe.

*

Nr. 56

Buzbach- Hochweisel ist vom Abzweig nach Hausen vom 16. Juli ab für jeglichen Verkehr gesperrt. Umleitung über Nieder­weisel- Ostheim und umgekehrt. Die Ortsdurchfahrt Schlitz im Zuge der Straße Schlitz- Lauterbach ist vom 20. Juli ds. Js. ab für jeglichen Verkehr gesperrt. Umleitung über Salzschlirf Angersbach. Die Provinzialstraße Alsfeld- Lauterbach( Abtlg. Brauerschwend- Neumaar) ist vom 25. Juli 1931 ab für jeg

Spartassentag fällt 1931 aus. Der für 1931 vorgesehene Sparkassentag fällt mit Rücksicht auf die schwierige allgemein­wirtschaftliche Lage aus. Dafür findet am 28. September- am 28. 9. 1881 ist der erste Sparkassenverband in Deutschland ge= gründet worden- in Berlin eine gemeinsame Tagung der Vor­stände des Deutschen Sparkassen- und Giroverbandes und seiner Mitgliederverbände statt.

Der Russe achtet nicht die Sonntagsruhe. Von morgens 4.30 Uhr bis 6 Uhr sendet er uns in der Form von Granaten und Schrapnells die üblichen Grüße. Schon die ersten Schrap­nells weden uns. Mein Schlafnachbar, Landsturmmann Leon­hard Daum aus Ober- Klingen, bekommt es etwas mit der Angst. Er springt auf und sucht in Strümpfen und mit den Stiefeln in der Hand nach einer sicheren Unterkunft. Die Schrapnellkugeln hören wir deutlich vom Dache unseres Häus­chens rollen. Bald sieht aber auch unser Kamerad ein, daß es in unserer Bauernstube verhältnismäßig immer noch am sichersten ist, weil nichts in der Nähe mehr Sicherheit bieten kann, und er kehrt zurüd. Wir stellen jetzt erst fest, daß er in der Eile meine Stiefe erwischt hatte Der Tag fängt gut an! Abends rückt unser Zug wieder in die Stellung. Bald er­zählt man sich, der Baum, der an der Straße" nach Samborz ( nach Osten) steht, solle nach Einbruch der Dunkelheit gesprengt werden. Wir werden nämlich seit Wochen von den Russen fortwährend durch einzelne Schüsse beunruhigt und auch ge= schädigt. Der russische Scharfschütze, den die Kameraden den Anton" nennen, tann seinen erhöhten Stand nur in jenem Baume haben, der am Wege nach Samborz fast unmittelbar vor der russischen Feldwache steht. Er muß also beseitigt werden, damit unsere Verluste aufhören.

* Begnadigt. Das hessische Gesamtministerium hat den Landwirt Lehr aus Altenstadt zu lebenslänglichem Zuchthaus

Am Samstag

lichen Verkehr gesperrt. Umleitung über Hergersdorf- Wallen glatt die westdeut Die Provinzialstraße Großen- Linden- Leihgestern ist in Sejuch am Samst

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der Nacht vom 18. auf 19. Juli für jeglichen Verkehr gesperrt Umleitung über Gießen oder Langgöns.

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* Pilzberatungsstellen und Pilzvergiftungen. Der beste ten Rüppel und Schutz vor Vergiftungen ist die Prüfung der gesammelten oder erständlich, daß d gekauften Pilze durch einen botanischen Sachverständigen. Die Deutsche Gesellschaft für Pilzkunde( Darmstadt) ist in der Lage, Pilzsachverständige und Beratungsstellen in allen Landestei len Deutschlands nachzuweisen.

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* Hessische Landesstelle für Pilz- und Hausschwamm- Be: Sochiprung: Kraat ratung. Die Not der Zeit äußert sich unter vielem anderen jo: 200 Meter: Schaur fern, wie sich auch holzzerstörende Pilze in unseren Häusern sistus; Kilo- VfL mehr oder weniger unangenehm bemerkbar machen, weil meist 5000 Meter: Gerha

wohl durch eine wesentliche Erhöhung der Pilzvergiftungs3: f

seit Jahrzehnten( 1914) keine größeren Reparaturen vorgenom men werden konnten. Die seit 1919 in Darmstadt bestehende öffentliche Pilz- Beratungsstelle übt ihre gemeinnützige Tätig feit im Rahmen der obengenannten Stelle in der Stadtknaben schule, Ballonplatz 1, zu Darmstadt aus. Geleitet wird dieser Beratungsdienst durch das Mykologische Institut der Deutschen Gesellschaft für Pilzkunde. Die Beratungsstunden finden Mon­tag und Donnerstag von 3-6 Uhr statt. Die Auskünfte sind tostenlos. An den übrigen Tagen ist der Leiter durch Fernruf

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4755 erreichbar. Auswärtige Ratsuchende wollen ihr Print schlecht.

fungsmaterial als Warenprobe einsenden.

* Verhindere Erkältung. Ein Gramm Verhinderung ist

ebenso viel wert, wie ein Pfund Heilung, und ist auch viel

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billiger. Verhindere Erkältung! Wenn du fühlst, daß sie tom men will, oder wenn ein anderer sie im Hause hat, und du sicher bist, daß sie sich nächstens dir zuwenden wird, beuge bei Zeit vor. Wenn früher jemand mit einer Erkältung nach Hause kam, fo Holte die Hausmutter schnell einige Zitronen herbei und machte eine richtige starke Zitronen- Limonade. Sie wußte nicht, warum Zitronen gut gegen Erkältung sind, aber sie wußte, daß sie es sind, und das altbewährte Heilmittel tat seine gute Wirkung. Heute aber hat man eine wissenschaftliche Begründung dafür gefunden. Die Aerzte sagen uns, daß es nicht nur gut ist, eine heiße Limonade zu nehmen, ehe man ins Bett steigt, weil diese schweißtreibend wirkt und somit den Körper von giftigen Stof: fen reinigt, sondern daß man auch mehrmals am Tage eine solche Limonade trinken sollte. Der Grund dafür ist, daß Zitro­nen eine alfalische Wirkung auf den Körper ausüben. Mehr und mehr bekommt man dafür Verständnis, daß Zitronen und Apfelsinen, trotz ihres säuerlichen Geschmads, doch schließlich eine alkalische Wirkung ausüben und das beste Mittel bilden, das alfalische Gleichgewicht des Körpers zu erhalten. Medizinische Autoritäten behaupten, daß bei einer jeden Erkältung ein Ueber­fluß von Säure vorhanden ist, der durch ein Sinfen des altali: schen Gleichgewichts verursacht wurde und daß die Herstellung dieses Gleichgewichts die schnellste und wirkungsvollste Art zur Behebung einer Erkältung ist.

begnadigt. Bekanntlich hatte Lehr feine Geliebte, die 19jährige Zur Gesichts- Bräunung

Maria Peppel, ermordet und war deshalb vom hiesigen Schwurgericht zum Tode verurteilt worden.

Die Sprengung selbst sollen Pioniere ausführen. Sie sol­I aus Rastatt sein. Je ein Halbzug unserer 2. und 3. Kom­panie, zusammen 32 Mann, mit den nötigen Gruppenführern, haben das Unternehmen zu deden. Der 1. und 2. Zug unserer Kompanie stellen je eine Gruppe. Unteroffizier Nidels( aus Seeheim) und Landsturmmann Strauß( aus Oberrad) melden sich freiwillig. Die übrigen Teilnehmer werden ausgelost. Bei dem Auslosen deutet Unteroffizier Molitor( aus Lorsch) auf den Mann, Unteroffizier Ridels, der uns den Rüden zukehrt, entscheidet mit Ja oder Nein. Ich bin der letzte Mann, der die Zahl 16 voll macht.

*

Straßensperrung, mitgeteilt vom Oberhessischen Auto­mobil- Club E, V.( A. v. D.), Gießen. Die Provinzialstraße

Wir rücken auf den freien Platz vor dem Herrenhause des Gutes Miszewo. Die Pioniere zeigen uns an einem dicen Baume, wie sie an dem todgeweihten Baume vor Samborz das Sprengmittel anbringen wollen. Wir bekommen noch die nötigen Verhaltungsmaßregeln mitgeteilt. Zwei Gruppen decken die Pioniere rechts, zwei links. Die Pioniere selbst gehen auf der Straße vor. Alles hat liegen zu bleiben, bis die Sprengung erfolgt ist, und dann zu versuchen, möglichst rasch wieder unseren Graben zu erreichen. Wir rüden nach der Be­lehrung wieder in die Stellung.

Um 10 Uhr ist die Dunkelheit so weit vorgeschritten, daß das Unternehmen beginnen kann. Wir überklettern die Brust­wehr des Grabens und durchschreiten zunächst die 15 Meter Stoppelfeld, die der besseren Sicht wegen durch Abmähen des Roggens vor unserer Stellung geschaffen worden sind. In dem noch stehenden Roggen zerreißt unsere Schützenkette. Unter­offizier Nickels schickt mich etwas nach links, nach den abgekom menen Kameraden zu sehen. Unverrichteter Dinge tehre ich zurüd. Nach dem Durchschreiten des Kornfeldes kommen wir an einen flachen Graben, der das bestellte Feld von einem großen Brachader trennt. Wir machen darin einige Augen­blice Halt und beobachten. Da bringt Unteroffizier Vierheller von Hauptmann Künzel, der den Vorstoß auch mitmacht, den Befehl, weiter vorzugehen. Im Vorgehen sehen wir rechts von uns dunkle Gestalten in gebüdter Haltung vorhuschen. Es sind die Pioniere. Endlich sind wir genügend weit vor. Wir legen uns hin. Ringsum herrscht tiefe Stille! Es ist sternhelle Nacht. Der Mond ist nicht zu sehen. Wir haben ja heute lezz­tes Viertel. Der Brachacker ist mit Kamillen besiedelt. Wir blicken nach dem Baume halbrechts vor uns, auf den wir es ab­gesehen haben. Sein Geschick muß sich jeden Augenblick er­füllen!

Da sprühen vorn am Baume einige Funken. Gleich darauf springen die Pioniere auch schon zurüd, und es folgt ein ge­waltiger Schlag. Der Baum hebt sich etwas und legt sich dann auf die Seite. Der Russe kann bis dahin nichts gemerkt haben Er verhält sich im ersten Augenblick noch vollständig ruhig. Offenbar ist er nicht wenig verdugt, daß es so unvermittelt vor seiner Feldwache kracht. Bald aber hat er sich erholt, und es bricht ein wütendes Schnellfeuer los. Wir sind längst aufgesprun= gen und eilen über das Brachfeld unserem Graben zu. Wir per­zichten darauf, uns durch Hinlegen zu decken, so lange wir lau­fen können. Ich lange wieder an dem flachen Graben an, der den Brachacker vom Kornfeld scheidet. Unmittelbar vor mir springt ein Kamerad in die hohen Halme. Ich benutze die von ihm getretene Bahn. In dem Getreidefeld ist das Laufen außerordentlich erschwert. Die Halme verwideln sich in den Gewehrriemen, obwohl ich ihn feit an den Schaft drücke. Bald wirft sich mein Vorläufer, außer Atem, der Länge nach hin Ich mache noch wenige Schritte und liege neben ihm. Der Russe feuert in unverminderter Stärke. Fürchtet er vielleicht einen weiteren Angriff von unserer Seite? Wir stellen uns, da wir uns noch nie gesehen haben und uns in der Dunkelheit

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aber auch zur Bräunung des ganzen Körpers bet Sonnen

bädern verwende man die reizmildernde und fühlende Creme Leodor­fettfret in roter Padung; fetthaltig in blauer Badung,-Tube 60 Pf. und 1 M Wirksam unterstützt durch Leodor Edelseife Stüd 60 Pf. 3u haben in allen Chlorodont- Berlaufsstellen.

auch nicht erkennen tönnen, in fliegender Hast vor Jeder nennt rasch seinen Namen, Heimatort uĭw. Neben mir liegt Land­sturmmann Hillebrand aus Bensheim( 3. Komp.). Wir wissen ja nicht, ob wir beide aus diesem Feuer herauskommen. Mein Gefährte drängt auf möglichst rasches Erreichen unseres Gra bens. Ich schlage vor, das Abflauen des russischen Feuers ab zuwarten. Unsere Leute schießen ja nicht, weil sie wissen, daß noch nicht alle zurück sind. Der Russe aber schießt ziemlich hoch, wie wir feststellen können Da macht mein Nebenmann Anstalten sich zu erheben Ein paar Geschosse, die in diesem Augenblid unmittelbar an uns vorbeigehen, veranlassen Hille brand, sich wieder zu mir zu legen. Nach einiger Zeit macht der Russe eine kleine Feuerpause. Sofort stehen wir auf und laufen weiter. Die Aufregung und das Verwideln der Halme in den Gewehrriemen zwingen uns aber bald, uns wieder hin zuwerfen. Wir kennen nicht genau die Richtung, die wir zu verfolgen haben. Um aber den Russen nicht vor die Gewehre zu laufen, halten wir uns möglichst rechts, denn von links her hören wir ihr Feuer. Nach mehreren Sprüngen in der schwü len Abendluft lichtet sich endlich, endlich das Kornfeld! Wit sind unmittelbar vor dem abgemähten Streifen, müssen also bald an unserem Graben sein. Wir rufen nach dem Graben hin: Hier Darmstadt!" Ein Kamerad antwortet uns, näher zu kommen. Er steht mit einem zweiten Mann am haufen" Posten. Wir sind ziemlich weit, von unserer Abmarsch stelle aus gerechnet, nach Nordwesten abgekommen! Nach einer fnappen Viertelstunde es ist bald 12 Uhr- gehen wir mit

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Außer uns zweien war auch noch Unteroffizier Jakob( 3. Komp.) vermißt gemeldet. Er hatte sich noch mehr verirrt und fam erst um 3 Uhr im ersten Morgengrauen zurück. Der Kirch turm von Miszewo wies ihm die Richtung.

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Kamerad Hillebrand lernte ich auch bei Tage kennen, als ich Neujahr 1916 in die 3. Kompagnie versetzt wurde. Er war da Angehöriger meiner Korporalschaft. Wir hatten vom 5. Juli ab vor unserem russischen Anton" Ruhe. Wir hatten zweifellos seinen Standpunkt" vernichtet. Als nun am 14. Juli 1915 im Osten der allgemeine Vormarsch begann, wurde ich nochmals an das Ereignis vom 4. Juli erinnert. Wir zo gen die Straße nach Samborz. Der entwurzelte Baum lag noch an seiner Stelle. An einer Seite des Stammes waren Bau flammern eingeschlagen, die das Besteigen des Baumes sehr erleichterten. Es führte von dem Baume aus auch ein Laus graben nach der russischen Stellung, die etwa 40 Meter zurüd lag. Wir hatten nun die Gewißheit, daß wir uns in jenem Baume an der Samborzer Straße nicht getäuscht hatten. Det Baum war nicht so harmlos, wie er aus der Ferne aussah Beschießen half nichts, da mußte er schon gestürzt werden. Unteroffizier Nickels hatte sich bei der Sache das Eiserne Kreuz 2. Klasse verdient, das ihm am 4. August ausgehändigt wurde. Landsturmmann Strauß und ich wurden am 6. über zählige Gefreite. Joh. Georg Jost.

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