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Samstag, den 14. November 1931.

was bis jetzt eingetreten ist, haben wir vorausgesagt. Die An­nahme des Youngplans und des Dawespaktes haben der deut­schen Wirtschaft größte Belastungen gebracht und es trat ein Verfallprozeß ein. Die Schuld trägt das System der Regierung. Und schon die letzte Reichstagswahl läßt deutlich erkennen, daß das Volk diese Politik nicht mehr mitmachen will. Und diese Opposition, die entstand, hat man nun durch Notverordnungen eingeengt. Doch je mehr man den Radikalismus zum Schweigen bringt, um so größer wird die Katastrophe. Radikaler noch denkt das Volf, ein gelinder Abglanz ist es, was wir sagen, aber man läßt uns ja gar nicht in die Regierung. Doch diese Macht wollen wir uns erobern auf dem legalen Weg. Es ist der gedankenloseste Vorwurf, den man uns macht, daß wir nach Ministersesseln strebten; wenn wir das wollten, müßten wir Sozialdemokraten sein. Doch die Opposition nimmt nach altem Recht für sich in Anspruch zu kritisieren. Das Streitobjekt dabei ist die politische Macht. Man sollte diese nur der Opposition geben, denn wäre jetzt die beste Möglichkeit gegeben, der Welt zu sagen, daß wir z. B. keine Tributlasten mehr zahlen können. Darum der Kampf darum. Der Kurs der Re­gierung ist unrichtig. Ueber die drei Ziele der Regierung Brü­ning: ,, Die Finanzen sanieren; den inneren Frieden erhalten; die Außenpolitik aktivieren, referierte Dr. Göbbels dann in län­geren Ausführungen, von denen besonders festgehalten seien:

es

Was hat Brüning saniert? Bei der Uebernahme der Re­gierung hatten wir 1,5 bis 2 Milliarden Schulden, nach 1% Jah­ren waren diese auf 3 Milliarden angewachsen. Die Steuerkraft des Volkes ist bis zum Aeußersten in Anspruch genommen. In 13 Jahren hat man die deutsche Vermögenssubstanz aufgebraucht. Den Bauer vertreibt man von Haus und Hof. Die deutsche Wirtschaft gleicht einer Ruine. Das sind die Folgen der Tribut­politik. Er zitiert folgende Gleichung: Die Operation ist ge= lungen, doch der Patient ist gestorben." Dazu kommt noch, daß es nun in Deutschland kein wirtschaftliches Vertrauen mehr gibt. Wir stehen in der Katastrophe und das Volk schluckt sie, trotzdem das Leben des Volkes von allen Seiten bedroht ist. Aber eine Regierung, die nicht getragen ist vom Volf, fann nicht regieren, denn das Vertrauenskapital, was man ihr gegeben hat, ist fort. Die Folge ist der Bürgerkrieg, den wir heute schon haben, denn täglich werden von Kommunisten Nationalsozialisten ermordet, selbst Polizeioffiziere, und man findet deren Mörder nicht. Ein solches System ist reif zum Sturz. Kein Zweiglein rührt sich, wenn ein Nationalsozialist sich auf der Straße in seinem Blute liegt, aber wenn einem anderen die Wange nur gerißt wird, schreit die ganze Presse von Newyork bis Wien. Doch die Gefahr ist die internationale Weltrevolution.

Unser Kampf gilt dem Bolschewismus und so müssen auch wir ein revolutionäres Volk sein. Wundert es da, wenn der Nationalsozialismus so wächst? Wir sind ein politisches Phäno­men der Leidenschaft und wir sind da, weil wir da sein müssen wegen der Volfsverzweiflung: Deutschlands Schicksal zu wenden. Patrioten haben wir aus den deutschen Volksgenossen gemacht. Gäbe es dies nicht, so wäre der Bolschewismus hier. Wir haben bewiesen, daß nicht alle Deutsche unter den Ruinen liegen und dieser Marsch ist nicht mehr aufzuhalten, wenn gleich haufen­weise Tote von uns an der Straße liegen. So werden wir auch am Sonntag in Hessen siegen.( Ungeheurer Beifall!) Ich rede für mein Volk, nicht für eine Klasse, ich verschmähe es, mich unter die Interessenhaufen zu stellen. Wir wollen den Widerstandswillen aufrichten und unsere Bewegung ist eine Erziehungsschule zum nationalen Bewußtsein und man wird an uns die Schicksals= frage richten: ,, Wo ist Deutschland?" Die Antwort wird lauten ,, Am Erwachen!"

Den Ausführungen folgten minutenlange Beifallsstürme. Der Kreisleiter Graf Solms zu Laubach dankte Herrn Dr. Göb­bels für seine hervorragende Rede, und mit dem Absingen des Horst- Wessel- Liedes schloß die große nationalsozialistische Kund­Kljr.

gebung.

* Von der Universität. Ernannt wurde am 5. November der Oberforstmeister Prof. Dr. Gustav Baader aus Darm­stadt, mit Wirkung vom 1. November 1931 an, zum ordentlichen Professor der Forstwissenschaft an der Landesuniversität.

*

Forstpersonalie. Versetzt wurde am 5. November der Förster Karl Diehl zu Jügesheim in gleicher Diensteigenschaft in die Försterei Ober- Widdersheim, Forstamt Nidda.

* Evangelisch- kirchliche Nachrichten. Durch die Kirchen­regierung wurde dem Pfarrer Fritz Marguth zu Seeheim die evangelische Pfarrstelle zu Beedenkirchen, Dekanat Zwingen­berg, übertragen.

* Wahlversammlung. Samstag, den 14. November, abends 8.30 Uhr, spricht in der Turnhalle am Oswaldsgarten in einer Versammlung des Christlich- sozialen Volksdienstes Reichstags= abgeordneter Prof. D. Strathmann über ,, Der Weg aus der Not unseres Volkes".

,, Gießener Zeitung"

* Gießener Konzertverein. In der Aula der Universität findet am morgigen Sonntag das Quendling- Quarett" mit Prof. Dreisbach statt.

* Deutschnationaler Handlungsgehilfen- Verein. Am heuti­gen Samstag abend spricht im Heim( Lonnstraße) Herr stud. phil. Szczech über ,, Unsere Heimat in vor und frühgeschichtlicher Zeit".

* Künstliche Augen werden demnächst in Gießen durch Ver­treter der Firma F. Ad. Müller Söhne, Anstalt für künstliche Augen, in Wiesbaden, in Anwesenheit der Patienten nach der Natur angefertigt und eingepaßt. Näheres siehe heutiges Inserat.

Aus Rah und Fern.

Butzbach. Acht Listen zur Stadtratswahl für nächsten Sonntag sind eingereicht, und zwar je eine von der SPD., KPD., NSDAP., Zentrum, ferner eine Bürgerliste, eine Mittel­standsliste und zwei unparteiliche Listen.

Bad Nauheim. Bis zum 12. November betrug der Gesamt­besuch 30 572 Gäste, darunter 5294 Ausländer. Anwesend waren an diesem Tage 678 Gäste.

Friedberg. Der älteste Lehrer Oberhessens, Ferdinand Weiz, vollendet heute sein 90. Lebensjahr. Er ist Ehrenmit glied des hessischen Landeslehrervereins.

Vom Vogelsberg.

Die Jagdpreise stehen jetzt unter Friedenspreis. Das zeigt sich bei fast allen Neuverpachtungen. Die Pachtpreise für die Nachkriegszeit werden vielfach im Vergleichsverfahren zwischen Gemeinden und Pächtern herabgesetzt.

Grünberg. Auf der Landstraße vom Tod ereilt wurde der 75jährige Gemeindeschäfer Fr. Schreiner aus Quedborn. Ein Schlaganfall hatte seinem Leben ein Ende gemacht.

Eichelsdorf. Die Weihe des Gefallenen- Ehrenmals für die 42 Söhne unseres Vogelsbergdorfes fand am Sonntag im Bei­sein der Einwohnerschaft und mehrerer Kriegervereine der Um­gegend statt.

Grossveinemachen

PARTEN

N/

BUCH.

Hilf mit!

Rund um Schotten 1932.

Der Deutsche Motorradfahrer- Verband hat in seiner Ta­gung in Dresden das große Motorradrennen ,, Rund um Schot­ten 1932" auf den 5. Juni 1932 festgesetzt. Die organisatorische Durchführung obliegt dem Motorradklub Schotten.

Schotten. Rund 150 Morgen neue Hutweide- Melioratio= nen wurden im abgelaufenen Wirtschaftsjahr ausgeführt, da= von in sechs Gemeinden des Kreises Lauterbach 84 Morgen, in zwei Gemarkungen des Kreises Schotten rund 28 Morgen und auf dem Versuchsgut Selgenhof 36 Morgen.

Alsfeld. Bei Kiertorf wurden zwei Jagdhauseinbrecher von einem Förster festgenommen. Die Verhafteten haben eine große Anzahl solcher Einbrüche auf dem Kerbholz.

Bingen. Der Vorstand des Carnevalvereins Bingen hai beschlossen, von einer Durchführung der karnevalistischen Veran­staltungen im kommenden Jahr abzusehen.

Biedenkopf. Hier wird seit längerer Zeit der Bau eines Alters- und Siechenheimes betrieben. Dem dafür bestimmten Fonds wurden bisher rund 13 000 RM. zugeführt. Der Bau soll erst begonnen werden, wenn die Finanzierung voll sicher= gestellt ist.

Biedenkopf. Die hiesige Handelsschule wird ihre Pforten schließen. Die Schule hat einen dermaßen geringen Schüler­bestand, daß ein weiterer Unterricht sich nicht mehr rentiert.

Dillenburg. Die Vorstände der Zwangsinnungen für das Bädergewerbe, Dachdecker, Friseure, Maler, Tüncher und Ladie rer, Schlosser, Spengler und Installateure und Wagner, haben beschlossen, eine gemeinsame Jnungskrankenkasse zu errichten.

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137

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80: 6

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10,4 21,2 68,4 8,2 21,3 70,5 9,4 22,8 67,8 14,4 19,0 66,6

Erschein

Bezugspreis 2 Redaktionsschluß frü endung nicht verla

14 Jahrg.

Preußen

1930

201 877

164 872

1929

197 859 160 573

Bayern

1930

25884 14277

1929

28 49215 860

8,7 30,7 60,6

Sachsen

1930

22587

19 470

1929

27 043

23 2: 4

Württemberg

1930

11 710

1929

11 354

Baden

1930

9 408

1929

11 352

11 023

Thüringen Hessen.. Uebrige Länder

1930

4 479

2438

1929

4 994

30.1

1930

50581

3 461

1929

7235

12,1 22,5 65,4 15,1 18,0 66,9

1930 1929

24 293

23 941

21 569 21 464

5,5 35,8 58,7

5 289

5,2 39,4 55,4

Deutsches Reich 1930

305 296 1929 312 270

242 378 247 997

8,9 39,8 51,3 9,6 34,9 55,5

gegangen.

Um die Rundfunkstörungen.

Dem Reichsverband des deutschen Handwerks und dem Deutschen Handwerks- und Gewerbekammertag sind in der letz­ten Zeit in der Frage der Rundfunkstörungen zahlreiche Be­schwerden aus den Kreisen seiner Mitgliedskörperschaften zu­Das Handwerk ist an dieser Frage in zweifacher Hinsicht interessiert sowohl als Lieferant von Rundfunkanlagen wie auch als Betriebsinhaber, gegen die wiederholt wegen Rund­funkstörungen vorgegangen wurde. Das Handwerk kann kein Interesse daran haben, daß der Ausdehnung des Rundfunkver­kehrs Schwierigkeiten bereitet werden. Auf der anderen Seite aber muß das Vorgehen gegen Besitzer von rundfunkstörenden elektrischen Apparaten und Motoren sich ohne allen Zweifel im Rahmen des wirtschaftlich Zuträglichen bewegen. Grund­säglich wird es daher das Handwerk begrüßen können, wenn es gelingt, vorkommende Beschwerdefälle durch geeignetes Zu­sammenwirken aller beteiligten Stellen zu beseitigen. Zu die sem Zweck hat der Reichspostminister im Herbst des Jahres 1929 einen Ausschuß für Rundfunkstörungen gebildet, in dem bislang das Handwerk nicht vertreten war. Mit Rücksicht auf seine Bedeutung hat sich der Deutsche Handwerks- und Ge­werbekammertag an den Reichspostminister gewandt mit der Bitte, einen Vertreter des Handwerks in den Ausschuß für Rundfunkstörungen zu berufen. Als Vertreter des Handwerks wird Schlosserobermeister Volkmann, Berlin- Lichtenberg, in Vorschlag gebracht.

Der Reichspostminister hat nach seiner Mitteilung vom 29. Oktober diesen Vorschlag an den Vorsitzenden des Uus­schusses für Rundfunkstörungen, Staatssekretär a. D. Dr. Bredow weitergegeben mit der Bitte, die Zuwahl des vorge schlagenen Vertreters in den Ausschuß für Rundfunkstörungen herbeizuführen.

Neue Bücher.

Deutsch- französische Zusammenarbeit auf dem Gebiet der Schiffahrt, wie sie der französische Ministerpräsident bei seinem Berliner Besuch u. a. vorschlug, erscheint bedenklich. Das zeigt der Leitaufsatz des Novemberhefts der See"( 3eitschrift des Deutschen Flotten- Vereins, Berlin, Matthäifirstr. 13. In dem Aufsatz ,, Der Glaube an den Sieg ,, werden neue englische Aeuße­rungen über die Wirksamkeit des U- Bootkrieges mitgeteilt. Die enge Verbundenheit zwischen Schiffahrt und Luftfahrt kommt in dem Aufsatz ,, Flugwetterdienst auf dem Ozean" zum Ausdrud.

Was gibt es Neues aus Afrita? Die Münchner Jlln strierte Presse" beginnt in der neuesten Nummer( Nr. 46) mit der Veröffentlichung der photographischen Ausbeute der letzten Expedition des bekannten Afritaforschers Hugo Adolf Bernazzki. Diese Forschungsreise galt der wissenschaftlichen Er­fundung von Portugiesisch- Guinea an der Westküste Afrikas.

Mit neuen Kleid- und Mantelmodellen und neuen Gesell­schaftstänzen macht Sie das soeben erschienene neueste Heft der ,, Eleganten" bekannt. Beides wird Sie interessieren; denn trotz der Ungunit der Zeitverhältnisse werden Sie sich den vital sten Forderungen des gesellschaftlichen Lebens nicht entziehen können.

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