DIE AXT IM HAUSE...?
Zur Reichs- Handwerks- Woche vom 15.- 22. März 1931
Es ist oft ein mißlich Ding mit Zitaten; nicht selten werden sie an ungeeignetster Stelle und zur ungelegensten Zeit angewendet und dann womöglich auch noch falsch. Dabei gibt es Leute, die dicke Zitatenlegita auf dem Schreibtisch stehen haben und in der Westentasche auch noch eins mit umherschleppen, um für alle Fälle gerüstet zu sein. Und doch sind gerade diese Literaturkundigen" es, die uns veranlassen, ihnen gern und höflich aus dem Wege zu gehen.
Angesichts der Ueberschrift allerdings möchte es fast scheinen, als ob auch ich zu diesen angenehmen Zeitgenossen gehörte. Aber gemach: irgendeinen Titel muß ein Auffah doch schon haben und meine fleine Anleihe bei dem braven Schiller hat ihren tieferen Grund. Dieser Grund ist blond, hat Mund und Ohren und heißt: meine Frau! Sie ist es nämlich gewesen, die mir eines schönen Tages mit Nachdruck erklärte, ein sparsamer und aufmerksamer Ehemann und Familienvater müsse alles fönnen, vor allem aber basteln und sich als handwerklicher Schwarzarbeiter nützlich erweisen durch allerhand Kleinigkeiten, als da sind tapezieren, Möbel und Fußboden streichen, Gardinen aufhängen, Defen reinigen, Fenster einfitten und so weiter und so fort. Denn, die Art im Hause erspare den Zimmermann, meinte fie, und übersah geflissentlich mein verständnisloses Gesicht. Mir schien es unmöglich, einen logischen Zusammenhang zwischen besagter Art und all den übrigen Dingen zu finden. Da jedoch Logit bekanntlich ein vornehmlicher Bestandteil weiblicher Verstandsbetätigung ist, so beschied ich mich und dachte nur, kommt Zeit, tommt Rat, tommt- Gelegenheit.
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Dem Installateur
wäre das nicht passiert.
Und sie lam! Mehrfach sogar! Mit der Aufzählung dieser Gelegenheiten möchte ich hier nicht läftig fallen, genug, daß sie überreichlich waren und mir allmählich schier feine Zeit mehr ließen, meinem beruflichen Erwerb nachzugehen. Denn ich mußte die den Zimmermann im Hause ersparende Art spielen: Dichten des Wasserhahnes, Einsetzen von Fensterscheiben, Reparieren der Klingelleitung usw. usw. Daß dabei der Wasserhahn abbrach und eine Pleine Sintflut sich durch die Wohnung ergoß, daß die kunstvoll gemusterte Milchglasscheibe zersprang und die Klingel, vormals still und schweigsam, sich plötzlich eines Besseren befann und das Bersäumte in mehrstündigem, ohrenbetäu bendem Rasen nachholte, bis sie an Erschöpfung zugrunde ging, das alles schien leinen Eindruck auf meine Frau zu machen. Erst, als ich wutschnaubend selbst ein so gutmütiger Kerl wie ich fann zu dem bekannten tobsüchtigen Kamel am Halfterband werden meinen von einem mißlungenen Hammerschlag blutunterlaufenen Daumen fühlte und einwickelte, meinte sie still:„ Na, dann muß eben doch ein Handwerker her!"
Von A. H. Linden
Diese Einsicht hätte sie billiger und ich mühe- und schmerzloser haben fönnen, und da sie im Grunde doch eine belehrbare Frau ist, so ist sie auch durch meinen, allerdings von ihr veranlaßten Ausflug ins Handwerkliche befehrt worden: Bo und wann sich jezt im Hause nur ein Schaden findet, sich die Notwendigkeit einer Ausbesserung zeigt, oder gar die Erkenntnis einer Neuanschaffung von Hausrat aufsteigt, stets weiß sie den Weg zum Handwerker zu finden.
Dieser Mann wird fünftig die Kunst des Tapezierers zu schäßen wissen.
Noch mehr: Sie inspiziert Haushalt und Wohnung nach erneuerungs- oder ersahbedürftigen Gegenständen, bespricht mit mir die etwaigen Neuanschaffungen und wirkt auch in ihrem Bekanntenkreise im gleichen Sinne, stets den handwerflichen Fachmann zu Rate zu ziehen anstatt durch unfachgemäße Selbsthilfe Schaden und Roften nur noch zu vergrößern. Wobei es sich zugleich zeigt, wie unwirtschaftlich das Abwarten sogenannter besserer Zeiten ist, weil nach und nach eins zum anderen tommt und der Griff des Familienvaters in die Tasche notgedrungen immer tiefer führen muß, um alle häuslichen Bedürfnisse zu befriedigen, anstatt nach Zeit und können eins nach dem anderen zu erledigen.
Es wäre höchste Zeit, Ofen und Rauchrohr einmal durch Ofenseher und Schornsteinfeger in Ordnung bringen zu laffen.
Ein
boltswirtschaftliche Erkenntnisse ihnen innewohnen. furzes Beispiel nur. Aufträge an das Handwerk gegeben, nötigen den Meister, Arbeitskräfte einzustellen und somit die Arbeitslosigkeit zu vermindern; sie veranlassen ihn zu Neuanschaffungen an Material, leiten also Geld wieder in andere Wirtschaftskanäle, die somit ihrerseits weiterwirken, so daß ganz automatisch bis zum Großproduzenten, der Fabril, und bis zum Urprodukt, Kohle und Eisen, die Dielberufene Wiederanturbelung der Wirtschaft" aur Tat wird.
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Ist das aber so, laufen die Räder wieder, treift das Geld von Wirtschaft zu Wirtschaft, dann ergibt sich aus der abnehmenden Arbeitslosigkeit Wiederbelebung und Er. frischung, die zwangsläufig und ohne amtliche Berordnun gen zur Senfung der Preise führen.
Das alles haben nicht zum geringsten Teile unfere Hausfrauen in der Hand. Sie mögen bedenken, welch hohen Aufgaben ihnen von diesem Gesichtspunkte aus gestelt find, sie mögen aber auch aus diesen furzen Ausführungen erkennen, wie sie die Aufgaben zu lösen haben.
Ob bas halten wird? Der Tischler hätte mit weniger Gewalt mehr erreicht!
Ziel und Aufgabe der kommenden Reichs- HandwerksWoche vom 15. bis 22. März 1931 wird es sein, die hier geschilderten Gedanken und Erkenntnisse jedem deutschen Bolksgenossen lebendig zu vermitteln. In diesem Kampf gegen Bessimismus und untende Schwarzmalerei fällt eine wichtige Rolle der offiziellen Aufklärungsbroschüre aur Reichs- Handwerks- Woche zu, die unter dem Titel„ Handmert tut not! Fördert das Handwert! Das Büchlein für alle!" erschienen ist und durch alle Handwerksorganisationen im ganzen Reich fostenlos an das Publikum abgegeben wird. Jedermann findet darin in buntem Wechsel und doch folgerichtig zusammengestellt wertvollste Aufschlüsse über die Bedeutung des Handwerks und seine innige Berflechtung mit allen Lebensvorgängen in Stadt und Land. Die Ratschläge und Winke, die mannigfaltigen, reizend illuftrierten Abhandlungen sollen und werden von jedem gerne gelesen werden. Ist diese Schrift erst einmal in jedem Haushalt und jedem Betrieb zu finden und werden ihre Mahnungen überall befolgt, dann ist der erste Schritt zur vielbegehrten Anfurbelung der Wirtschaft" getan!
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Samstag, den 14 Gebt Ar
Kennt Ihr die Mehr denn je ist fei Kauft Eure Fleis Badwaren bei Wollfachen bei bei den hiesigen bei den hiesigen Dentt bei Vergebu
Maurer, Zimme
Glafer und Schr lateate, Sattler ednifer, Edyloff Bergeht nicht, daß der Gemeindefter jahlen fönnen, Befchäftigt te täglichen Bedürfn Bevorzugt die
Sattler! Kauft Qualität in der Großstadt!
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Der Maler hätte am rigtigen Ende angefangen.
Zu alledem tritt eine rein volkswirtschaftliche Erwägung, deren Hineinwerfen in die Sonstigen, an sich gewiß sehr wichtigen Erörterungen an meinem Stammtisch auf dessen " Sassen" nachhaltigen Eindrud gemacht hat: Jeder Auftrag, dem Handwerk erteilt, bildet ein wertvolles Zähnchen in dem machtvollen Getriebe unferer Wirtschaft, ift gleichbedeutend mit einem Deltropfen, durch den diefes Getriebe reibungslosen und werteschaffenden Lauf erhält. Hat der Bauer Geld, hat's die ganze Welt", pflegt man zu sagen. Im gleichen Sinne fft dies Wort auf das Handwerf anzuwenden, und an den Hausfrauen liegt es in erster Linie, es zur Lat werden zu laffen, und zu zeigen, daß auch
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und darum fage ich nochmals: in Zukunft wende ich mich an den berufsmäßigen Handwerker
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