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Samstag, den 14. Februar 1931.

Haiger. In der benachbarten Gemeinde Wilnsdorf ist der Posten des Bürgermeisters neu ausgeschrieben worden. Am Schlusse der Meldefrist lagen 180 Bewerbungen vor.

Kassel. In der Holländischen Straße stürzte ein 75jähriger Invalide infolge gänzlicher Schwäche bewußtlos zusammen. Der Greis, der ohne Angehörige ist, war völlig verwahrlost und grauenhaft abgemagert; man verbrachte ihn in das Karls= hospital.

Kassel. Kunstflugmeister Gerhard Fieseler ist von der fran­zösischen Gesellschaft für die Entwicklung der Luftfahrt von An­fang Juni bis Mitte Juli verpflichtet worden, um in sechs französischen Großstädten mit den besten französischen Kunstflie­gern in Wettbewerb zu treten.

Kassel. Antonius Raab, der Gründer der Raab- Katzenstein­werke, ist aus Amerika zurückgekehrt, um zu beweisen, daß er sich keine Unredlichkeiten hat zuschulden kommen lassen.

Göttingen. Alt- Oberbürgermeister Dr. Georg Calsow ist Donnerstag abend nach kurzer, schwerer Krankheit im Alter von 73% Jahren verschieden.

Bremen. Das Schulschiff ,, Bremen", das sich auf der Reise von der Ostküste Südamerikas befindet, hatte am Donnerstag in der Nähe von Dover eine Kollision mit dem Dampfer ,, Depute Abel Ferry". Dabei hat das Schulschiff ,, Bremen" einige Ueber­wasserschäden davongetragen, setzte jedoch seine Reise fort und wird für Freitag abend unter Assistenz eines Schleppdampfers auf der Reede von Vlissingen erwartet. Die Besatzung ist un­versehrt.

Zwingli- Gedächtnis.

In diesem Jahr wird in der Schweiz die 400. Wiederkehr des Todestags des Reformators Huldreich Zwingli begangen werden, der in den Kämpfen zwischen den reformierten und den

,, Gießener Zeitung"

in Europa ein internationales Zusammenwirken in der Elektri­zitätswirtschaft anbahnt, von den Fjorden Norwegens bis zu den Tälern der Alpen. Die Verwertung der Wasserkräfte ist jedoch nur erst ein Kapitel aus dem großen Buche der technischen Aufgaben fünftiger Generationen. Nicht minder vielseitig wie die Kraftgewinnung ist die Verwendung der Naturkräfte. Höchst interessant sind die automatischen Maschinen, die für zahlreiche Industrien konstruiert worden sind, und etwas Besonderes wiederum sind die Maschinenwerkzeuge, die dem Handwerk eine technische Renaissance und damit die Existenzmöglichkeit neben der Großindustrie auch in der Zukunft sichern. Die unerhörten Fortschritte der Technik sind vielleicht für das Schicksal der Menschheit entscheidender als alle politischen Debatten. In den Maschinen schlägt das Herz unserer Epoche, und nirgendwo fühlt man sich dem Zeitgeiste näher als beim Besuche der be­rühmten internationalen Parade aller Zweige der Technik, der Leipziger Technischen Messe. In den hohen Hallen des Aus­stellungsgeländes sind in langen Reihen die neuesten Typen der Kraftmaschinen, der Werkzeugmaschinen, der Textilmaschinen, der Transportanlagen, der Elektromaschinen aufgebaut, sämtlich in vollem Betrieb, ein grandioses, unvergleichliches Bild. Und immer erscheint Neues und Besseres, und eine Erfindung über­trumpft die andere. Schon heute rüsten sich die Maschinenbauer und Elektrotechniker für die nächste Leipziger Frühjahrsmesse, die am 1. März 1931 beginnt, um auf Hunderten von Muster­ständen ihre Erzeugnisse auszustellen. Aufs neue wird man auf der Messe im Takte der Maschinen, im Sausen der Räder die große Melodie unserer Zeit vernehmen, das Lied vom Triumphe der menschlichen Arbeit und Intelligenz. Und 420 Millionen PS warten noch auf uns!

beim alten Glauben verbliebenen Kantonen auf dem Schlacht- Winke für den Anbau von Frühfartoffeln.

feld bei Kappel den Tod erlitt.

Hunderte von Bergleuten lebendig eingeschlossen. Beting, 12. Februar. Die Lage der durch die Bergwerks­explosion in Fushan in der Mandschurei eingeschlossenen Berg­arbeiter wird immer bedrohlicher. Nach neueren Meldungen sind in dem Bergwerk immer noch Hunderte von Bergleuten lebendig eingeschlossen, ohne daß es trotz eifriger Rettungsarbei ten gelungen wäre, zu ihnen zu gelangen. Wieviel Bergleute bei dem Unglück getötet worden sind, läßt sich noch nicht sagen. Die Rache der Unterwelt.

St. Louis.

Eine furchtbare Bluttat, ohne Zweifel ein Racheakt der Unterwelt, spielte sich in einer hiesigen Bar ab. Eine Bande von Berufsverbrechern stürmte in das Lokal und drang in das Hinterzimmer ein, wo ein gewisser William Goeb­bels und zwei Frauen saßen. Die Eindringlinge riefen: ,, Hände hoch!", feuerten aber, noch bevor die Ueberfallenen dem Befehle nachkommen konnten, aus ihren Pistolen eine Salve ab. beiden Frauen wurden durch die Brust geschossen und starben nach wenigen Minuten, auch Goebbels wird kaum mit dem Leben davonkommen. Ein Bruder Goebbels wurde erst vor wenigen Tagen von einer Hinrichtungskommission" der Unter­welt durch Schüsse ermordet.

2420 Millionen PS

Die

warten auf die technische Erschließung. Von den insgesamt 454 Millionen PS an Wasserkräften, die nach einer amerikanischen Berechnung auf der ganzen Erde vorhanden sind, sind bisher erst 34 Millionen PS für produk­tive Zwecke erschlossen worden. Selbst in einem industriell und fulturell so hoch entwickelten Lande wie Deutschland ist heute erst wenig mehr als die Hälfte der verfügbaren Wasserkräfte ausgebaut. Die gigantische Aufgabe, noch 420 Millionen PS Wasserkräfte in der Welt zum nützlichen Dienste für die Mensch­heit heranzuziehen, diese Aufgabe ist ein deutlicher Hinweis auf die gewaltige Entfaltung, die der modernen Technik noch bevor­steht. Mächtige Turbogeneratoren werden die Wasserkräfte ein­fangen und in elektrischen Strom verwandeln, riesige Anlagen den Strom in die Ferne schaffen, und Millionen von Arbeits­und Werkzeugmaschinen, Apparaten und Beleuchtungskörpern werden sich in das Stromnetz einschalten. Heute ist das noch ein Zukunftsbild; aber schon in der Gegenwart sehen wir wie sich

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Von Dr. P. Lieb, Landwirtschaftslehrer u. Wirischaftsberater. Die Qualität der Kartoffel läßt in diesem Jahre viel zu wünschen übrig. Die ungünstige Witterung der zweiten Hälfte des Sommers brachte eine Kartoffel mit der denkbar schlech­testen Haltbarkeit hervor; nicht nur der Landwirt, sondern vor allen Dingen die Hausfrau in der Stadt bekommen diese Tat­sache am Geldbeutel bitter zu spüren. Der Ruf und die Sehnsucht nach dem Genuß von Frühkartoffeln wird sich in die­sem Jahre besonders früh geltend machen.

Deutschlands jährliche Einfuhr an Frühkartoffein beträgt über 30 Millionen Mart,

diese Summen gehen natürlich unserem Wirtschaftskörper ver­loren. Der deutsche Landwirt und auch der Kleingartenbesitzer haben es bislang zu wenig verstanden, sich auf den Anbau von Frühkartoffeln, der noch immer recht lohnend ist, zu verlegen. Selbstverständlich muß das Saatgut einwandfrei sein, man wähle möglichst frebsfeste Sorten, z. B. Paulsens Juli, Richters Goldperle, Kaiserkrone, Thieles Magdeburger Blaue usw.

Eine große Rolle für eine frühzeitige Ernte spielt das Vor­feimen des Saatgutes. Große kostspielige Einrichtungen dazu, wie sie vielerorts angeboten werden, können sich die wenigsten leisten. Sehr bewährt hat sich nachfolgendes Verfahren: Man nehme etwa 6 bis 7 cm hohe Aufsatzkistchen, deren Boden man 2 bis 3 cm hoch mit Moostorfmull bedeckt. Letzterer wird mit der Nährsalzlösung eines Volldüngers leicht angefeuchtet. Als­dann werden die Saatkartoffeln nebeneinander aufgestellt, Augen nach oben. Die Kistchen bringt man dann an einen hellen, luf= tigen, kühlen und vor allen Dingen frostfreien Ort. Nach dem Hervorbrechen der Keime bedeckt man die Kartoffeln etwa 2 bis 3 cm mit Torfmull, der wiederum mit einer schwachen Nährsalzlösung durchtränkt wird. Alsdann überläßt man die also beschickten Kästchen sich selbst; erst etwa vier Wochen vor dem eigentlichen Pflanzen wird der Torfmull leicht angefeuchtet, am besten mit abgestandenem Wasser. Zu große Feuchtigkeit ist zu vermeiden, da sonst leicht Fäulnisgefahr besteht.

Das Auspflanzen der so gekeimten Kartoffeln erfolgt stets mit der Hand- Vorsicht!, da die bereits gebildeten Triebe leicht abbrechen. Das erste Anhäufeln hat nach etwa 14 Tagen zu ge­schehen; die Handhacke kann leicht Schädigungen an der Kar­toffel hervorrufen; ein Anhäufeln mit dem Pflug ist deshalb zweckmäßiger. Nachdem die Kartoffelstauden eine Höhe von etwa 8 bis 10 cm erreicht haben, folgt die zweite Anhäufelung. Diese

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erfolgt am besten umschichtig, damit die jungen Triebe nicht zu stark mit Erde bedeckt und in ihren Vegetationsprozessen ge= stört werden. Man läßt deshalb beim Anhäufeln stets eine Reihe aus und behäufelt diese dann erst nach 2 bis drei Tagen.

Durch diese Behandlung des nach obiger Methode vorge­feimten Kartoffelsaatgutes erzielt man eine etwa 2 bis 3 Wo­chen frühere Ernte. Selbstverständlich muß das Acker- bezw. Gartenland vorher richtig bearbeitet werden; ebenso wichtig ist die Regelung der richtigen Pflanzenernährung während der gan­zen Vegetationsperiode, auf die hier nicht näher eingegangen werden soll.

Wissen Sie schon?

Die verbreitetste Sprache unserer Erde ist Chinesisch, da diese von annähernd 400 Millionen Menschen gesprochen wird. Dann folgt Indisch( 260 Mill.), an dritter Stelle erst Englisch ( 170 Mill.), 80 Mill. Menschen sprechen Russisch.

In Europa gibt es, was man nicht glauben sollte, 120 ver­schiedene Sprachen. Die deutsche ist in diesem Erdteil die weit verbreitetste, denn 81 Millionen Menschen bezeichnen sie als ihre Muttersprache. Dann folgt das Russische, Englische( 47 Mill.), Jtalienische( 40,8 Mill.) und Französische( 39,8 Mill.). In Deutschland sind 40 000 Bahnübergänge nicht durch Schranken gesichert.

Newyork hat nach der letzten Statistik 5,6 Millionen Ein= wohner, darunter 2 Millionen Ausländer. Fernsprecher be= sitzt diese Riesenstadt mehr als London, Paris, Berlin und Rom zusammen. Alle 6 Minuten wird in Newyork ein Mensch ge­boren, alle 13 Minuten findet eine Trauung statt, alle 17 Mi­nuten wird ein Mensch vom Auto überfahren, alle 51 Minuten wird ein neues Haus errichtet.

Neue Bücher.

Bücherverzeichnis. Der Frundsberg- Almanach 1931 Frundsberg- Verlag, G. m. b. H., Berlin SW. 11-- zeigt vor allem eine wohltuende Einheit. Er bringt eingangs einige Worte von Franz Schauwecker, die auf den Durchbruch des deut­schen Seelentums hinweisen. Recht interessante Buchausschnitte schließen sich an.

,, Deutsche Lande". Unter diesem Titel erscheint soeben auf dem Gebiet der Heimatzeitschriften eine neue Publikation, die in weiten Kreisen großes Interesse hervorrufen dürfte.( Ver­lag ,, Deutsche Lande", Berlin S. 42). Halbmonatsschrift für Heimatkunde, Heimatkultur, Wandern und Reisen. Wir fin­den u. a. einen hochinteressanten Artikel des blinden Dichiers Oskar Baum ,, Wie ich Deutschland fühle", den Beitrag eines Engländers über den Zauber des Elztales" im Schwarzwald. Praktische Winke über Reisen und Reiseziele geben dem Leser Anregung und Ratschläge.

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,, Der Pfannkuchenfuß". Ueber diesen altenglischen Fastnachts­brauch erzählt in lustiger Weise ein Bilderartikel in der neue= sten Nummer der Zeitschrift der Frau Das Heft". Ueberhaupt steht diese ganze Nummer unter dem Zeichen des Faschings.

Das Bayerische Hochland", illustrierte Monatszeitschrift für Fremdenverkehr und Wintersport, erscheint in seiner Fe­bruarnummer in einem neuen Gewande. Diese Nummer bringt diesmal selten schöne Bilder von Tegernsee, der Wankbahn, von Schliersee, Immenstadt und Sonthofen im Allgäu. Interessen­ten erhalten Probenummern kostenlos durch den Verlag Mün­chen NW. 2, Sofienstraße 5.

Haben Sie schon einmal Aufnahmen von einem richtigen Atelierfest in Schwabing gesehen? Sie können sich dieses Ver­gnügen verschaffen, wenn Sie sich die neueste Nummer der Münchener Illustrierten Presse( Nr. 7), die Faschingsnummer, ansehen. Der unsinnige Donnerstag, der eigentliche Karnevals= tag in Mittenwald, bei dem die ganze Gemeinde maskiert geht, wird auf zwei weiteren Seiten behandelt.

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