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Mittwoch, den 14. Januar 1931.

waltsame Bedrohungen ergibt sich ohne große Kunst aus dem natürlichen Zusammenstehen der Staatsangehörigen. Sogar die Kannibalen fressen eigene Stammesangehörige nicht auf. Wenn es kein Eigentum gäbe, so wäre bei uns kaum ein Men­schenleben bedroht, denn fast alle Streitigkeiten haben etwas damit zu tun. Auch die politischen Parteiungen hängen legten Endes meist mit der Stellung zum Eigentum zusammen. Also der Schutz des Lebens an sich selbst ist einfacherer Natur und mit einfacheren Mitteln zu erreichen.

Der Schutz des Eigentums ist eine weit kompliziertere und kostspieligere Cache. To kompliziert, wie die Wirtschaft, aus der es entsteht.

Die Zelle der Wirtschaft ist die Arbeit zur Gewinnung der Mittel für Erhaltung und Verschönerung des Lebens. Mit dem größeren Reichtum dieser Mittel wachsen die Ansprüche des Lebens und treiben weiter zur Erreichung immer größeren Reichtums. Ein komplizierter Vorgang also auch ohne In­rechnungstellung des höheren Segens der Arbeit, des Segens, der sich darin offenbart, unserm Leben Inhalt zu geben und Menschen zu erziehen, die selbstbewußt wollen und können, denken und wissen und Verantwortlichkeitsgefühl besigen. Mit einem Wort: Persönlichkeiten.

Die Automatenmaschine mag wohl mehr Dinge produzie ren; das Wertvollste aber, Persönlichkeiten für das Leben statt der Hammelherde schafft sie nicht. Die erzieht weit mehr der in Kontakt mit dem wirklichen Leben stehende, selbstverantwort liche Bauer und Handwerker, weil die Natur alles auf dem nächsten, geradesten Weg erreichen will.

Staat und Wirtschaft sind die bestimmenden Faktoren bei Erziehung des Menschengeschlechtes, die Wirtschaft als elastischer Körper, der sich den Anforderungen des Lebens an­paßt, der Staat als Verkündiger und Hüter strenggefaßter Gesetze, die Leben und Eigentum beschützen sollen.

Der Mensch will eine Heimat haben. Der Staat als Sohn des Verstandes und die Heimat als Kind des Gemütes sind nicht dasselbe. Und doch sind sie dasselbe und sollen es sein in inniger Ehe, denn eines kann ohne das andere nicht leben. Differenzen soll der Staat als der Klügere nachgiebig, aber fest beseitigen, die Wirtschaft als die geschicktere Schwe­ster wird mit ihrer Elastizität helfen und das Resultat wird immer wieder ,, Heimat" heißen.

Zurzeit sind wir in großen Verlegenheiten. Jeder kennt sie. Wir sind hineingeraten durch den Krieg und seine Fol­gen, auch dadurch, daß viele meinten, nach dem verlorenen Krieg müsse es jedem besser gehen, als es ihm vorher ging. Und durch das verantwortungslose Getriebe der Parteien, die allen Versprechungen machten, um sich Anhänger zu sichern und ihre Leithämmel an die Futtergrippe zu bringen. Nachdem das eine Versprechen sich als unerfüllbar erwiesen, mußte ein neues herhalten, das wieder keine Lösung bringen konnte, und so fort in Kreuz- und Quersprüngen, die man nun Sozialgesete nennt. Der Staat will Wirtschaft sein und die Wirtschaft soll Staat spielen. Das größte llebel dabei ist, daß die Massen sich angewöhnen, den Vater Staat als den Helfer aus aller wirtschaftlichen Not anzuschauen, daß soviel unmündige Kinder und so wenig verantwortungsbereite Männer erwachsen. Zuviel Raub und Bettel statt Recht und Gerechtigkeit.

Dem selbständigen Bauer und Gewerbetreibenden ist es jederzeit gestattet, zugrunde zu gehen, dazu hat er alle Frei­

Hausfrau und Preisabbau.

Bei den Bemühungen um die Behebung der deut­schen Krise spielt neben anderen Faktoren die Frage der Senkung der Lebenshaltungskosten eine besonders wichtige, vielleicht die wichtigste Rolle. Daß die Kosten der industriellen Produktion mittelst Lohnkürzungen gesenkt werden, ist wichtig, aber wenn im Handel und Handwerk nichts geschieht, so sind Industrielle wie Ar­beiter hereingefallen. Man muß sich darüber klar werden, daß in der Verbilligung der Lebenshaltungskosten das Hauptproblem liegt. Was nußt die Kohlenpreissenfung, wenn die Kohlen nicht billiger in den Haushalt kom­men? Wie kann man der Arbeiterschaft entscheidende Lohnsenkungen zumuten, wenn die Arbeiterfrau nicht 3. B. billiger einkaufen kann? Was nutzen der Industrie ihre Preissenkungen, wenn sie nicht bis an den Ver­braucher herangebracht werden und den Markt beleben? Auf die Lebenshaltungskosten kommt es an. Gelingt es nicht, diese zu senken, so bleibt der Preisabbau eine leere Phrase und schadet nur, anstatt der deutschen Wirtschaft wieder aufzuhelfen.

Wen aber gehen die Lebenshaltungskosten zunächst an? Die deutsche Hausfrau ist es, durch deren Hände gut die Hälfte des Gesamteinkommens des deutschen Boltes geht. Sie ist in vollstem Sinne Verwalterin des deutschen Volkseinkommens. So ist es zu begreifen und zu begrüßen, daß die Hausfrauenvereine in den ver schiedensten Städten Deutschlands, vor allem in Berlin, unter Führung der rührigen Vorsigenden der Zentrale der Groß- Berliner Hausfrauenvereine, Frau Charlotte Mühsam- Werther, in der jezigen kritischen Lage ihre Stimme erheben und nachdrücklichst für Senkung der Lebenshaltungskosten im allgemeinen wie für Verbilli­gung der Lebensmittel im besonderen eintreten. Hier bleibt noch vieles zu wünschen, vieles zu tun. Mag die Reichsinderziffer der Lebenshaltungskosten für den Dk­toberdurchschnitt auch eine geringe Senkung erfahren haben und mag diese Senkung durch den Rückgang ge­wisser Nahrungsmittelpreise herbeigeführt sein, so bleibt doch die Tatsache bestehen, daß die Gestaltung der ein­zelnen Inderwerte keineswegs einheitlich ist und daß 3. B. die Kennzahlen für Miete, Heizung, Beleuchtung, Verkehr usw. noch immer wesentlich über dem Gesamt­durchschnitt liegen. Wie soll die Hausfrau wirtschaften, wenn diese Ausgaben nicht sinken und wenn auch die Preise für reine Lebensmittel wie Brot, Butter, Kar­toffeln, Fleisch, Gemüse, Fette im wesentlichen under­ändert bleiben? Wir haben auf diesem Gebiete den Großhandelspreisen gegenüber die Erzeugerpreise mögen hier außer Betracht bleiben im Detailverkauf Preisspannen, die z. B. bei Milch 26, bei Erbsen 32, bei Mehl 50-60, bei Kartoffeln sogar 230 betragen, und sich bei den verschiedensten Fleischsorten auch bis zu 100% erheben. Die Hausfrauen werden sich gewiß flar darüber sein, daß das Nahrungsmittelgewerbe un­ter einer schweren Steuerlast seufzt, und mit dem Reichs­

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,, Gießener Zeitung"

heit. Seinem Bestreben, zu bestehen, womöglich vorwärts zu kommen, sind tausend Pfunde angehängt. Vielleicht ist das für den Augenblick nicht zu vermeiden. Ob es immer so blei­ben muß, ist die Frage.

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Ein gesunder Mittelstand ist notwendig. Nicht etwa, damit einer bestimmten Anzahl Menschen ein besseres Wohl leben winkt denn das ist ein sehr relativer Begriff dern damit eine größere Anzahl von Menschen existiert, die Verantwortlichkeitsgefühl kennen, das nur aus dem Kontakt mit dem wirklichen Leben, seinen Anforderungen und Risiken, seinem Ja und Nein erwächst. Dieser Mittelstand ist not­wendig, solange noch nicht alle so reich sind, solches Verant wortungsgefühl zu besitzen, weil vielleicht ihre Geistes- und Willensanlagen dazu nicht ausreichen, oder sagen wir noch mals: Solange, bis den Lauf der Welt Philosophie zusam­menhält.

Die Volkswirtschaftslehre sagt: Zuerst machen die Ver­hältnisse den Menschen, dann der Mensch die Verhältnisse." Es ist dies etwa so gemeint, wie beispielsweise die Verhältnisse des französischen Staates in der Revolutionszeit Napoleon emporhoben, ihn werden ließen, wonach dann Napoleon die wei­teren Verhältnisse des Staates und eines Stückes Welt be­stimmte.

Es ist schon etwas daran. So ganz stimmt das aber doch nicht, besonders nicht in der Welt des Handwerks. Da ge staltet der dazu veranlagte Mensch zuerst durch Fleiß, Ver­stand und Sparsinn seine eigenen, engeren Verhältnisse. Im weiteren Gang spielen Glück und Unglück mit. Glückliche Verhältnisse können ein Unternehmen fördern, doch der Per­son des Unternehmers bleibt die Hauptaufgabe. Ist das Unternehmen aber ganz groß geworden, dann tritt das Wol­len der Person mehr zurück und die Verhältnisse wirken so be­stimmend, daß die Person ihnen nur zu folgen hat, weil nun das meiste sich zwangsläufig abspielt, oftmals gar gegen innere Wünsche der Person. Auch Napoleon wäre vielleicht lieber einfach Franzosenkaiser geblieben, als daß er, von den Ver­hältnissen getrieben, suchen mußte, die Welt zu erobern. Also auch der Glückszustand der ganz Großen ist nur ein sehr rela­tiver, so daß auch sie oft gewinnen würden bei der Umgestal­tung der geschraubten Verhältnisse in einfach- gesunde. Man sollte darüber nur einmal die ehemals ganz Großen des zaristi­schen Rußland befragen.

Alles Bergängliche ist nur ein Gleichnis. Diese Er kenntnis soll aber nicht dazu dienen, es in Allahs Namen gut sein zu lassen, sondern zu schaffen, daß es besser werde, denn ,, Am Anfang war die Tat". Vorher der Wille.

Der Wille sucht den Weg und die Tat schreitet auf ihm dahin. Der hier gesuchte Weg führt fort von dem Sumpf, in dem Raub und Bettel brüten. Er führt durch fruchtbare Aecker, saubere Städte und Dörfer, zu Menschen, die Persön­lichkeiten sind, weil sie Selbstverantwortlichkeit besitzen, zu Bürgern und Bauern, Arbeitern und Unternehmern, Kauf­leuten, Rentnern und Beamten, alles, wie schon einmal und besser, wie schon einmal, nur die Wolkenkratzer kleiner und die Hütten wohnlicher. Es führen auch Seitenpfade zum Ziel durch besondere Blumengärten und aussichtsreicheren Höhen,

Nr. 4.

Mittw

zu machen? Die Parteien und ihre Presse? Wers glaubt, bezahlt einen Taler.

Und cennoch, der Weg wird einst begangen werden. Vielleicht in tausend Jahren, nachdem die Menschheit über Kapitalismus, Faschismus, Sozialismus, Marrismus und Bolscherismus hinausgestolpert ist, die alle vergessen haben, die Persönlichkeit, ihre Pflege und ihren Wert richtig in die Gleichung einzustellen. Der Weg ist doch so einfach, grad, so breit und freiheitlassend, so ohne allen Schrecken, daß auch der Hochgestellteste sein Begehen nur wünschen kann in der Wahl zwischen ihm und dem Bolscherismus. Ec führt in Freiheit zu dem Ziel, von dem Faust sagt: Colch ein Gewimmel möcht ich sehn, auf freiem Grund mit freiem Volke stehen! H. E. M.

850000 RM. Lohnausfall während

des wilden Streifs im Ruhrgebiet.

Der Bergbauverein in Essen teilt mit: Der Ausstand im Ruhrgebiet ist beendet. Die Höchstziffer der Beteiligung am Streit betrug in der Morgenschicht vom 3. Januar 15 834. Der Gesamtschichtausfall beläuft sich auf rund 95 000 Schichten und der Gesamtlohnausfall auf rund 850 000 RM. Für den Häuer, der vom ersten bis zum letzten Streiftag, zusammen sieben Tage, wicht zur Arbeit erschienen ist, ergibt sich bei einem Schichtver= dienst von etwa 10 RM. ein Lchnausfall von rund 70 RM."

Kommunistisches Waffenlager in Berlin aufgedeckt.

Die politische Polizei in Berlin hat, wie aus Berlin ge­meldet wird, ein größeres Waffenlager ausgehoben, das in der Wohnung eines Kutschers im Nordosten Berlins versteckt ge­wesen war. Am Montagabend wurde die Polizei durch Denun­ziation auf das Waffenlager aufmerksam gemacht. Mehrere Beamte durchsuchten sofort die Wohnung und fanden hierbei mehrere schwere Kisten mit über 4000 Patronen, drei Infanterie­gewehre neuesten Modells, einige Eierhandgranaten, Pistolen und Maschinengewehrschlösser. Der Kutscher wurde festgenom­men. Es ist bereits ein Haftbefehl gegen ihn erlassen worden wegen Verbrechens gegen das Kriegsgerätegesetz, des Hochver rats und des Besitzes eines Waffenlagers. Der Verhaftete er­klärte, daß die Kisten, in denen sich die Munition befand, von Freunden bei ihm untergestellt worden seien, ohne daß er über den Inhalt orientiert gewesen sei. Die Wahrscheinlichkeit spricht gegen diese Erklärung, da die Kisten versteckt auf der Bodenkam­mer lagerten. Es liegt vielmehr der Verdacht nahe, daß es endlich der Polizei gelungen ist, ein kommunistisches Waffen­lager aufzudecken, denn der Verhaftete verkehrte viel in kommu­nistischen Kreisen und besuchte regelmäßig fommunistische Ver­anstaltungen und Versammlungen. Die Polizei ist zurzeit be­müht, die Hintermänner festzustellen. Bis zur Stunde aber hat sich der Verhaftete geweigert, die Personen anzugeben, die ihm die Kisten mit Waffen gebracht haben.

die wollen wir nächstens wandern. Heute soll uns das Auf- Universal- Reichssteuer- Kassebücher

finden des Hauptweges genügen.

Wer hilft dazu, den Weg der Allgemeinheit bekannt

lanzler werden sie hoffen, daß die inzwischen beschlossene Senfung der Realsteuern das Gewerbe zu Preissen­tungen veranlassen wird. Auch im Handwerk liegen die Dinge ähnlich Es geht nicht an, daß die Preissenkung vor Handwerk und Handel Halt macht, und selbst wenn man annimmt, daß mehr organisatorische Unzulänglich­feit als Gewinnsucht an diesen hohen Preisen schuld ist, so kann es linen Zweifel darüber geben, daß auch auf diesem Gebiete der Preisabbau durchgesetzt werden muß. Hier erwächst der deutschen Hausfrau eine wich­tige Aufgabe. Sie soll auf billige Preise halten, sie soll die Mühe nicht scheuen, am nächsten teuren Laden vorbeizugehen und solchen mit billigeren Preisen zu suchen, sie soll die Preisentwicklung mit wachsamem Auge verfolgen und auf die Gefahr hin, kleinlich zu scheinen, handeln, handeln und nochmals handeln. Sie soll die luxuriöse Aufmachung, die manche Einzelhänd­ler auch heute noch nicht entbehren zu können glauben, mit aller Entschiedenheit ablehnen und vielleicht auch von sich aus auf eine Rationalisierung der Verpackungs­methoden dringen, die z. B. in Amerika mit dem Er­folge erheblicher Preisverbilligung durchgeführt wurde. Auch der Kleinhändler und Handwerker wird schließ­lich vor der Energie und Zähigkeit der deutschen Haus­frau kapitulieren, jedenfalls kann niemand so gut wie gerade sie dazu helfen, daß die Preissenkung fein leeres Wort mehr bleibt, sondern eine Wirklichkeit wird.

Der, Mehrwert" im Ruhrbergbau. Neben der Eisenindustrie gehört der Ruhrbergbau zu den am meisten ,, durchleuchteten" Zweigen der deut­schen Wirtschaft. Selbst wer nichts von den freilich nicht leicht verständlichen Selbstfostenberechnungen weiß, ist doch genau darüber unterrichtet, daß der Ruhrberg­bau, der früher zu den am besten rentierenden In­dustrien gehörte, heute nur eine Rente abwirft, die weit unter dem festverzinslichen Werte liegt, daß sein Absatz mehr und mehr zurückgeht und daß seine Gesamt­lage durch zwei melancholische Ziffern gekennzeichnet wird: 10 Millionen Tonnen auf der Halde, 10 Milli­onen Feierschichten in der Zeit vom 1. Januar bis 1. Juli 1930. Wenn unter diesen Umständen die Ge­werkschaften noch immer an der Forderung einer Ver­fürzung der Arbeitszeit festhalten sie ist inzwischen durch den ergangenen Schiedsspruch abgelehnt worden und sich der Unternehmerforderung einer Lohnsen­fung widersetzen, so beweisen sie damit, daß sie den Ernst der Lage noch nicht erkannt haben. Charakteristisch für dieses leider noch immer mangelnde wirtschaftliche Verständnis sind insbesondere die Darlegungen, die Heri Zimmer, ein Vorstandsmitglied des Verbandes deutscher Bergbauindustriearbeiter, kürzlich im Dort­munder Generalanzeiger über die Rentabilität des Ruhrbergbaues veröffentlicht hat. Er wendet dabei das Verfahren an, diese Rentabilität allein nach der Ent­wicklung der Schichtleistung zu beurteilen. So sagt er, daß sich aus der Steigerung der Schichtleistung vom

Albin Klein, Giessen, Südanlage 21.

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Durchschnitt des Jahres 1928 bis zum Juli 1930 um 161 Kilogramm ein Mehrwert für den Bergbau von 2,50 Mt. je Mann und Schicht ergibt. Ganz abgesehen davon, daß bei diesem Mehrbetrag von 2,50 Mr. die seitdem ingetretenen Lohnerhöhungen von 0,71 Mr. nicht berücksichtigt sind, ist es irreführend, bei Betrach­tung der Rentabilität von einem Mehrwert je Mann und Schicht zu sprechen. Denn dieser sogenannte Mehr­wert bedeutet an und für sich nichts.-Grundsäglich ist zu sagen, daß eine solche theoretische Rechnung über­haupt wertlos ist. Es ist doch ganz klar, daß eine so starke Fördereinschränkung, wie wir sie zurzeit im Ruhr­bergbau zu verzeichnen haben, zu einer Verteuerung nicht allein der Material- und sonstigen Kosten, sondern auch der Lohnkosten führen muß. Ein mehr oder weni­ger großer Teil auch der Lohnkosten ist nämlich als fir anzusprechen, wie sich das aus einer besonderen Unter­suchung ergibt, die vor längerer Zeit angestellt worden ist. Daneben sind die Material- und sonstigen Kosten vielfach noch in weit höherem Maße fir als die Lohn­fosten. Vor allem gilt dies für einen Teil der Material­kosten und den größten Teil der allgemeinen Unkosten sowie die Abschreibungen. Ist dieser angebliche Mehr­betrag also schon durch die firen Lohnkosten zusammen­geschrumpft, so wird er durch die Erhöhung der sonsti­gen Kosten mehr als aufgehoben. Die Gesamtselbst­fosten im Ruhrbergbau sind heute weit höher als im Jahre 1928. Dabei ist noch nicht einmal berücksichtigt, daß dem Bergbau aus den großen Lagerbeständen nicht allein eine erhebliche Belastung an Zinsen und Ent­wertungsabschreibung entsteht, sondern daß diese Be stände auch noch Wiederaufladekosten und zum Teil hohe Wagenstandgelder verursachen. Allein im Laufe des ersten Halbjahrs 1930 haben sich die Gesamtselbst­kosten der sogenannten Schmalenbachbetriebe, das sind die seinerzeit von der Schmalenbachkommission unter­suchten Gesellschaften, für den Grubenbetrieb um 1,60 RM. je Tonne Förderung erhöht. Die Behauptung Zimmers über einen Mehrertrag ist also irreführend. Ebenso unrichtig sind seine weiteren Auslassungen über die Haldenbestände. Er schreibt wörtlich: ,, Diese rie­sigen Haldenbestände sind weiter nichts als die aus der günstigen Entwicklung gewonnenen und in Sachwerte umgewandelten Kapitalreserven. Es sind weiter die Kapitalmassen des Ruhrbergbaues, die durch die Ver­ringerung der Gesamtproduktion infolge der Wirt­schaftskrise sowieso freigesetzt worden wären. Für die Zechenbesizer war die Frage also lediglich die, ob sie Diese Kapitalien ins Ausland bringen, in die Börsen­spekulation drängen oder aber in Sachwerte, also in Haldenbestände, umwandeln sollten. Das letztere war für sie das vorteilhaftere." Es ist bedauerlich, daß ein Vorstandsmitglied des Verbandes diese seine Ansicht in einer von Bergarbeitern vielgelesenen Zeitung verbrei tet und nicht nur die Arbeiterschaft, sondern auch den von der Arbeiterschaft lebenden gewerblichen Mittel­stand gegen die Großindustrie aufzuheben sucht.

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