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Samstag, den 13. Juni 1931

zur Pfarrei des beanspruchten Pfarrers gehörenden Evange= lischen nur vorgenommen werden, wenn der Dimissorialschein des zuständigen Pfarrers vorliegt. Auch für das Uebergreifen in außerhessisches Gebiet gilt das gleiche. Schwierigkeiten fön= nen mitunter wegen der Kürze der Zeit bei Beerdigung und Feuerbestattungen eintreten, für die die gleichen Bestimmungen gelten. Man besorge sich darum stets rechtzeitig die nötigen Ausweise.

* Wohin steuern wir? Der Kampf gegen den Kulturbol­schewismus ist eine dringende Aufgabe, die nur gelöst werden kann, wenn alle verantwortungsbewußten Kreise sich daran be­teiligen. Ein wirksames Hilfsmittel ist dabei ein Flugblatt, das unter dem Titel der Ueberschrift erschienen ist. Es eignet sich gleicherweise für die Auseinandersetzung von Mann zu Mann, als auch zur Massenverbreitung. Es ist herausgegeben vom Evangelischen Bund und kann von dessen Landesgeschäfts­stelle, Darmstadt, Schwanenstraße 29, in kleineren Mengen fostenlos bezogen werden.

Aus Nah und Fern.

Bad Nauheim. Das Verkehrsamt der Kurverwaltung teilt mit, daß bis zum 11. Juni 1931 der Gesamtbesuch 13 087 Gäte betrug, darunter 1952 Ausländer; anwesend waren am 11. Juni 4887 Gäste.

Friedberg. In Oberroßbach v. d. H. ist der Gastwirt und Aepfelweinfelterer Heinrich Engel( genannt Gudes) gestorben, eine bei allen Taunusfreunden bekannte und beliebte Per­sönlichkeit.

Vilbel. Der Vilbeler Markt findet am 16., 17., 18. und 22. August d. J. statt. Verbunden mit dem Markt ist ein gro= ßer Flugtag mit Passagier- und Schaufliegen. Am ersten Markt­lage findet eine Rathausillumination statt. In der Turnhalle soll eine Mineralwasserausstellung veranstaltet werden.

Schotten. Die Freiw. Sanitätskolonnen vom Roten Kreuz in Oberhessen veranstalteten hier eine gut besuchte Führertagung unter Leitung des Provinzialinspektors Sanitätsrats Dr. Hahn­Bad Nauheim. Fabrikant Willi Frankl- Offenbach a. M. hielt einen Lichtbildervortrag über Gas- und Wasserrettungsdienst und Wiederbelebung. Kolonnenführer Krayz- Gießen sprach über die Haftpflicht- und Unfallbestimmungen, und Geheimrat von Hahn über die Tätigkeit des Roten Kreuzes in Hessen. Die Hauptversammlung des Hessischen Landesvereins vom Roten Kreuz wird am 18. Oktober in Gießen stattfinden.

Hirzenhain. Nach schwerer Krankheit ist gestern im 72. Le­bensjahre der langjährige Bürgermeister und Lehrer a. D. Hein­rich Hensel hierselbst verstorben. Der Entschlafene war durch ein jahrzehntelanges Wirken um die Aufwärtsentwicklung der hessi­schen und der deutschen Bienenzucht außerordentlich verdienter Imferführer, der sich nicht nur in Hessen, sondern auch weit dar­über hinaus größter Wertschätzung und autoritativer Geltung in Bienenzuchtfragen erfreute.

Darmstadt. Landtagsabg. Steffan( Oppenheim) wurde in der Berufungsinstanz wegen Körperverlegung zu 600 Mark Geld­buße verurteilt. Steffan hatte bekanntlich einen Metzgerburschen infolge politischer Meinungsverschiedenheiten geschlagen und schwer verletzt.

Mainz. Vom 20. bis zum 24. Juni wird Mainz Gutenberg­Festtage veranstalten. Zu diesen ,, Rosentagen am Rhein", die ein Volksfest und ein Kulturfest zu gleicher Zeit sein werden, wird ein Gutenberg- Festspiel ,, Johanniswunder" zur Ausführung kom­men. Daneben sind Konzerte und Reigenspiele im Rosengarten, Auffahrten der Wassersportvereine, abendliche Uferbeleuchtungen u. a. m. vorgesehen. Den wissenschaftlichen Kern der Gutenberg­Festtage bildet die Generalversammlung der Gutenberg- Gesell­schaft am 21. Juni.

Mainz. Der flüchtige Defraudant Klok, der die Stadtkasse um 43 000 Mark geschädigt hatte, hat sich nunmehr der Staats­anwaltschaft in Mainz gestellt. Kloz hatte sich inzwischen in Kanada aufgehalten.

Mainz. Zum Präsidenten der Industrie- und Handels­tammer wurde an Stelle des verstorbenen Christian Scholz der Vorsitzende der Vereinigung der Arbeitgeberverbände am Mit­telrhein, Fabrikant Ludwig Meyer- Mainz, einstimmig gewählt.

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Mainz. Das hessische Wasserbauamt teilt mit, daß die vor­bereitenden Arbeiten für den geplanten Umbau der Straßen­brücke über den Rhein bei Mainz nahezu beendet sind und gegen­wärtig noch eine Nachprüfung der auf Grund einer Ausschrei­bung eingegangenen umfangreichen Entwürfe einiger Brücken­baufirmen erfolgt, um eine Entscheidung treffen zu können, in welcher Form der Umbau, der unter Aufrechterhaltung des ge= samten Verkehrs durchgeführt werden muß, erfolgen kann.

Mainz. Mit Beginn der neuen Spielzeit kann das Main­zer Stadttheater auf ein 100jähriges Bestehen zurückblicken. Es ist beabsichtigt, ein ganzes Jubiläumsjahr zu schaffen. Da gleichzeitig das Goethejahr ist, werden vor allem Goethewerke zur Aufführung kommen.

Bingen. In Bingen findet am 12. September der vierte Deutsche Bismardtag des Vereins zur Errichtung eines Bis­mard- Nationaldenkmals e. V. statt.

Marburg. Hier ereignete sich am Donnerstag abend ein schwerer Verkehrsunfall. Ein hiesiger Geschäftsmann fuhr mit seinem Auto in rasender Fahrt so dicht an einem unter einer brennenden Straßenlaterne stehenden Auto vorbei, daß er drei an ihm mit Beseitigung einer Panne beschäftigte Personen um­riß und etwa 20 Meter mitschleifte. Nach kurzem Halten fuhr der rasende Autofahrer weiter, ohne sich um seine Opfer zu bümmern, die 3. T. sehr schwer verletzt wurden. Wie festgestellt wurde, ist der Führer des rasenden Autos betrunken gewesen.

Marburg. Beim Fensterputzen stürzte die Frau des Satt­Termeisters Böker aus beträchtlicher Höhe ab. Mit schweren Verletzungen brachte man sie in die Klinik.

Schlüchtern. Wie der Magistrat bekannt gibt, haben die Stadtväter beschlossen, das Mieteinigungsamt für die Stadt Schlüchtern ab 15. Juni d. J. aufzuheben. Die Geschäfte des Amtes sind dem Amtsgericht Schlüchtern übertragen worden.

Alles um eine Mark!

Neu- Ulm. Durch Militär entstand einem Landwirt in Leibi ein Flurschaden, den er mit zehn Mark veranschlagte. Von der Behörde wurde seine Forderung in Höhe von neun Mark als berechtigt anerkannt. Wegen der strittigen zehnten Mark begab sich nun eine mehrköpfige Kommission an Ort und Stelle zur Schadenfeststellung, ohne daß man dabei bedachte, daß die Tages­gelder der Kommissionsmitglieder ein Vielfaches des strittigen Betrages ausmachten.

Wohnungssteuer

unsozial!

Sozialdemokratie verlangt Aenderung der Hauszinssteuer. Unter diesen Schlagzeilen lesen wir im ,, Vorwärts" vom 24. April 1931:

,, Die Hauszinssteuer ist längst nicht mehr Aufwertungs­steuer. Durch Erhöhung der Altmieten um 20 Prozent der Friedensmiete ist sie eine unsoziale Wohnungssteuer geworden.

Die Steuer ist roh. Sie macht keinen Unterschied zwi­schen dem Großmiethaus als Profitquelle und dem Kleinhaus zur Deckung des eigenen Wohnbedarfs. Durch diesen Mangel fördert sie den Verfall der Kleinhäuser und steigert damit die Wohnungsnot. Den im Einkommen beschränkten Mieter belastet die Steuer aber unsozial.

Die sozialdemokratische Reichstagsfraktion beantragte deshalb im Reichstag am 4. Dezember 1930, das Gesetz über die Geldentwertungssteuer bei bebauten Grundstücken dahin zu ändern: Von der Zahlung der Steuer sind befreit: Die Kleinhausbesitzer, deren Eigenhaus nur einen Friedenswert bis zu 5000 M. betragen hat. Arbeitslose für die Dauer der Arbeitslosigkeit, wenn diese länger als dreizehn Wochen dauert. Krisen-, Fürsorgeempfänger, Sozialrentner und ren­tenberechtigte Kriegsbeschädigte. Der Antrag ist am 23 März dem zuständigen Steuerausschuß überwiesen worden. Es ist erfreulich, daß auch die Sozialdemokraten endlich an­

Heizi

Kein Rauch, kein Ruß, keine Schlacken

Nr. 47

erkennen, daß die Hauszinssteuer eine unsoziale, brutale Steuer ist. Wenn sie aber konsequent sein wollen, dann müssen sie nicht nur für eine Milderung zugunsten der Kleinhausbesitzer eintreten, sondern für die baldige Beseitigung der alle Volks­schichten schwer belastenden Hauszinssteuer. Db sie das tun werden?!

Achtung bei der Heuernte!

Die Zeit der Heuernte naht heran und damit eine große Gefahr für das junge Wild ganz besonders für das frisch gesetzte Rehwild. Es ist eine bekannte Tatsache, daß das Rehwild namentlich in den heißen Sommertagen gerne in Wiesen und Kleeädern Einstand nimmt, die in der Nähe des Waldes liegen, weil es dort mehr Ruhe vor dem Ungeziefer hat. Solange die Heuernte mit der Sense betrieben wurde, kam ja auch ab und zu ein Vermähen des Jungwildes vor, aber mit der Einbürgerung der Mähmaschine ist die Zahl der verunglückten Stüde außer= ordentlich gestiegen. So sind z. B. allein in der Kreisstadt Erbach i. Odw. dem dortigen Vorsitzenden der Ortsgruppe Oden­wald des Hess. Jagdklubs über 20 vermähte Rehkizze im ver­gangenen Jahre gemeldet worden. Wie viele mögen außerdem auf die gleiche Weise zu Grunde gegangen sein! Nicht nur der grauenvolle Anblick eines noch lebenden schwer verletzten Reh­fizzes, das sich in heftigen Schmerzen windet, sondern auch das vergebliche Rufen der Mutter nach ihrem Jungen greift jedem, der für die Natur und ihre Geschöpfe fühlt, ans Herz.

Irgendwie verwertbar ist junges Rehwild nicht, aber für die Zukunft des Rehbestandes ist es von außerordentlicher Bedeutung und damit auch für den Wert der Jagd, den die Gemeinde und der weidgerechte Jäger erhalten will. Deshalb hat der Hessische Jagdklub sich an die Kreisämter des Landes gewandt und hat, im Vertrauen auf den tierfreundlichen Sinn der Landwirtschaft treibenden Bevölkerung, gebeten, daß durch die Gemeindeverwal­tungen auf ortsübliche Weise bekannt gemacht werden möge, daß von den Besitzern der in der Nähe gelegenen Wiesen, letztere doch unmittelbar vor dem Beginn des Schneidens, kreuz und quer unter Sayeuchen durchgegangen und das Wild daraus vertrieben wird. Wo der Jagdpächter oder dessen Beauftragte erreichbar sind, werden diese natürlich die Arbeit des Verscheuchens gerne übernehmen. So wird manches Stüd vor qualvollem Leiden bewahrt werden.

Neue Bücher.

Es ist schon alles einmal dagewesen. Die ,, Woche" bringt eine geschichtliche Bildreportage, die von den Azteken stammt und die Einnahme Merikes durch die Spanier im 16. Jahr­hundert darstellt. Geheimnisse der Farben und Geheimnisse der Schweinezucht. Zwei Themen, die zwar nichts miteinander zu tun haben, von denen aber jedes für sich sehr interessant ist. Und so gibt es noch vieles in der neuen ,, Woche". Sie bekom­men sie überall für 50 Pfennig.

,, Der Türmer Deutsche Monatshefte". Monatlich ein Heft im Umfange von über 100 Seiten mit ca. 60 prächtigen 3. T. farbigen Bildern. Preis nur 1,50 Mt. Verlag Heinrich Beenken in Berlin SW. 19. Mit Freude verfolgt man, wie ,, Der Türmer/ Deutsche Monatshefte" seine besondere Art im­mer zielbewußter und vielseitiger ausgestaltet. So bringt das Juni- Heft zunächst aus Anlaß des 100. Todestages von Stein eine Würdigung dieses Freiheitskämpfers, bringi ferner einen interessanten Vergleich zwischen Stein und Bismard und rüdt weiter in einem Aufsatz Der junge Arndt" diesen geistigen Mitkämpfer und Freund Steins in helles Licht. Auch jüngster Vergangenheit gedenkt das Hest, nämlich der Gründung der eben wiedererstehenden deutschen Flotte vor 75 Jahren. Daß auch der 400. Todestag von Luthers Mutter nicht vergessen ist, sei der Zeitschrift besonders gedankt. Im übrigen ist das Heft reich an Bildaufsätzen. Unsere Leser sollten von dem Angebot des Verlages, ein Probeheft gegen 30 Pfg. Portoersatz zu sen= den, Gebrauch machen, um einmal diese schöne und wertvolle deutsche illustrierte Zeitschrift kennen zu lernen.

Verantwortlich: G. Burgeleit, Gießen.

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