Nr. 9
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Gießener Zeitung
( Gießener Tageblatt)
Erscheint Mittwochs und Samstags. Bezugspreis 2,40 M vierteljährlich frei ins Haus. Redaktionsschluß früh 8 Uhr. Für Aufbewahrung oder Rüdfendung nicht verlangter Manuskripte wird nicht garantiert.
44 Jahrg.
Politische Rundschau.
Band II folgt im Frü einer Beteiligung von 79 v. H. ruhig verliefen. Das Endergebnis der Wahlen in Stuttgart erweist eine Berdoppelung der Nationalsozialisten und ein starkes Zurückgehen der Mittelbürgerlichen und sozialdemokratischen Stimmen auf. DNBP., Zentrum und KPD. konnten sich behaupten.
In Württemberg fanden Gemeindewahlen statt, die bei
Der nur beschränkte 3 RM. jür jeden Band Bei Rüdgabe eines net itons ermäßigt sich de
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Des täglichen Lebens vo
Bereits in nächster Zeit wird die preußische Regierung mit einer Notverordnung zur Sicherung des preußischen Haushaltes herauslommen. Tre Notverordnung sieht die Zusammenlegung von Kreis- und Amtsgerichten, Einsparungen bei Hochschulen und eine Verwaltungsreform vor.
Brüning gab der ausländischen Presse eine Erklärung ab, in der er die Verantwortung des Auslandes für die ,, national: sozialistische" Gefahr feststellte.
Der Reichspräsident empfing gestern abend die Bundesführer des Stahlhelms zu einer längeren Aussprache. Die Stahlhelmführer hatten offenbar den Wunsch, dem Reichsprä= fidenten ihre Auffassung zu dem Uniform verbot darzulegen. Im Reichsarbeitsministerium fanden Beratungen der Län: berkonferenz über Mietfragen statt.
Das Reichsbankdirektorium beschloß, den seit dem 2. September bestehenden Diskontsag von 8 auf 7 v. 5. und den Lombardsatz von 10 auf 8 v. H. herabzusetzen.
Im Rahmen der Erörterungen, die Mitte Januar der Verwaltungsrat der Reichspost über die Senkung der Posttarife führen wird, wird auch die Frage der Herabsetzung der Rundfunkgebühren behandelt werden. Die Sentung wird allerdings nicht sehr groß sein und wohl faum über die 10- Prozent- Grenze hinausgehen.
Der Vorstand der sozialdemokratischen Reichstagsfraktion hielt eine Sigung ab, in der u. a. festgestellt wurde, daß ver
en. An erster Stelle hätt ichiedene Bestimmungen der Notverordnung wegen des aus
raphische Ausstattung r eine besondere Stärke d So ist hier ein Wert en uch technisch eine Meiſte rstellt.
1932. 6. Jahrgang. Baumann. Konfordia- Be
RM.- ,, Die Reichsb
drücklichen Widerspruches der SPD. erlassen wurden.
Der Abgeordnete der Wirtschaftspartei im preußischen Landtag u. Vorsitzende des Norddeutschen Handwerkerbundes, Schneidermeister Kort- Kiel, ist zur NSDAP. übergetreten.
Nach einer Verordnung des württembergischen Ministeriums des Innern ist für 1932 jedes Fastnachtstreiben in der Deffentlichkeit verboten.
Der Vorsitzende des ADGB., Leipart, richtete an den Reichssmittel" ist das Motto flanzler einen Brief, in dem er die Reichsregierung warnt, den der 28 Reichsbahnbezit
eg der Lohnsenkung noch weiter zu gehen. Die Folgen würde t anderen Verkehrsmittah auch die Regierung nicht tragen können.
Deutschen Reichsbahn mi
In zwei Sigungen des Sonderausschusses der BJ3., hat
n Privatbahnen, der den der Vertreter Deutschlands, Dr. Melchior, einen erschöpfenden 800 Km. schiffbaren Läng Bericht über die deutsche Finanzlage im Zusammenhang mit Berkehrsmittel, das Flu aner Denkschrift erstattet, die den Mitgliedern des Ausschusses Neben der Durcharbeitung iberreicht wurde. er wie alljährlich Dart eichsbahn. Die Ausgefta
Die französische Regierung hat Präsident Hoover wissen laffen, daß Frankreich einer Revision der Tribute nur bei ent:
1. Der Bildjahmud ist sprechender Herabsegung der Kriegsschulden zustimmen werde.
erdient volle Anerkennung
it 1931. 49. Jahrgang.
eitgemäß, sehr zeitgemäß
Im amerikanischen Staatsdepartement wurde heute erklärt, daß die Aufnahme der Tätigkeit der hiesigen Kriegsschuldentommission von den Baseler Verhandlungen abhängig sei;
Imanach der G. Grote lenn erst wenn festgestellt sei, auf welchen Betrag an Reparand 16 Jahre alt und mödie Zahlungsfähigkeit der Schuldner Amerikas geprüft werden.
tienen die alliierten Regierungen verzichten müssen, könne hier
wir in der neuen Garte
Nach einer Meldung des„ Berliner Lokalanzeigers" ist die
Sprechede, Vom Ohr erlöser- Kathedrale in Mostau, eines der bedeutendsten Bautagen beantwortet. Le verke Rußlands durch sechs Ladungen Dynamit in die Luft
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gesprengt worden.
Die spanische Nationalversammlung wählte Alcala Zamora
Die neueste Nummer pm Staatspräsidenten. Er erhielt 362 Stimmen von insg. 410.
Nr. 49) bringt einige b der West- Afrika- Expeditio Dolf Bernazit, die sich d en Gebiete und Voltsstämm abe machte.
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Südanlage Nr 21
Das japanische Kabinett hat nach einer stürmisch verlaufe: len Sigung, die die ganze Nacht hindurch währte, beschlossen, in Laufe des heutigen Tages unbedingt zurüdzutreten.
Aus dem hessischen Landtag.
Der neugewählte Hessische Landtag ist am Dienstag zu seiner bnstituierenden Sitzung zusammengetreten. Alterspräsident Abgeordneter Winter eröffnete die Sigung. Von den 70 gewählten bgeordneten sind 69 erschienen. Das Haus schritt dann zur Bahl des Landtagspräsidenten. Die Wahl ergab 40 Stimmen fir den Abgeordneten Dr. Werner( Nationalsozialist). Abgeord: eter Dr. Werner gilt hiermit als gewählt. Als erster VizeFräsident wurde der Abgeordnete Weckler( 3entr.) gewählt, zur Deiten Vizepräsidenten der Abgeordnete Delp( Sozialdem.).
Sodann nahm Staatspräsident Adelung das Wort und trat In Namen der Regierung zurüd. Er erklärte, daß das Gemtministerium entsprechend Artikel 38 Absatz 2 der Verfassung de Staatsgeschäfte so lange fortführen wird, bis der Landtag en Staatspräsidenten neugewählt hat.
Die von den Parteien vereinbarte Besetzung der Ausschüsse s Aeltestenrates und zahlreicher Kommissionen wird von hause gebilligt. Kommunisten, Kommunistische Opposition und
Drud und Verlag von Albin Klein in Gießen Geschäftsstelle: Gießen, Südanlage 21. Fernsprecher Nr. 2525 und 2526. Postschedtonto Nr. 69 530 Amt Frankfurt a. M.
Samstag, den 12. Dezember 1931
Nationalsozialisten verlangen, daß ihre Anträge auf Winterhilfe usw. sofort zur Beratung gestellt werden. Abg. Lenz( Nationalsoz.) bringt für seine Fraktion folgen: den Dringlichkeitsantrag ein:
,, Der Landrat wolle beschließen:
1. Allen Erwerbslosen, Sozialrentnern und deren unterstützungsbedürftigen Angehörigen eine besondere Zuwendung in bar für die Beschaffung von Winterkleidung zu gewähren. Als Mindestsatz beantragen wir a) Eheleute ohne Kinder 80 RM., für jedes Kind 35 RM., b) für Alleinstehende 50 RM. Diese einmalige Zuwendung ist am 1. Januar 1932 zu zahlen. Außerdem als laufende Beihilfe sofort: a) an Familien: mindestens 3 Zentner Kohlen pro Monat; b) an Alleinstehende mit eigener Wohnung 2 Zentner Kohlen pro Monat; c) an sämtliche Unterstützungsberechtigte nebst deren Angehörigen je 1 Zentner Kartoffeln für den Monat bereitzustellen.
Die Aufbringung der Mittel erfolgt durch einmaliges Notopfer von allen liquiden Vermögen über 20 000 RM. und von allen Gehalts- und Lohnempfängern über 8000 RM.
Dieser Antrag wurde mit denen der anderen Parteien an den Ausschuß zur Beratung verwiesen und hier mit den Stimmen der Nationalsozialisten bei Stimmenthaltung der an deren Parteien angenommen. In der Plenarsizung am gestrigen Freitag wurde dieser Antrag mit den Stimmen der Antragsteller und der gesamten Linken gegen die bürgerlichen Stimmen zum Landtagsbeschluß erhoben.
Nebenhier liefen die Regierungsverhandlungen.
Das Regierungsprogramm, das die hessischen Nationalsozialisten dem Zentrum in Hessen als Vorbedingung ihrer Uebernahme der vollen Verantwortung für die Regierung überreicht haben, enthält u. a. folgende Punkte:
Die Zahl der Minister wird auf einen den Staatspräsi= denten beschränkt. Der Staatspräsident wird von der NSDAP. gestellt.
Alle Parteibuchbeamte ohne die vorgeschriebene Fachbilduna werden sofort ohne Ruhegehalt entlassen.
In der Zentralstelle werden im Sinne des Gutachtens des Reichskommissars zahlreiche Funktionen teils abgebaut,
teils auf mittlere Behörden verteilt; zahlreiche Stellen werden teils sofort, teils mit der Durchführung der Verwaltungsreform gestrichen.
Das Gehalt des Staatspräsidenten wird auf 12 000 Mark im Jahr festgelegt.
( Neueste Nachrichten)
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Nummer 97
Die Zahl der Abgeordneten des Hessischen Landtages wird auf dreißig herabgesetzt.
Die Bezüge der Abgeordneten werden auf den Ersatz der wirklichen Auslagen herabgesetzt.
Die hessische Regierung tritt im Reichsrat für eine Politik des entschlossenen nationalen Widerstandes gegen Unterdrückung und Ausbeutung und für jede Möglichkeit einer aktiven Freiheitspolitik ein.
Die Zentrumsfraktion des Hessischen Landtages hat am Freitag ihre Antwort auf die 12 Punkte der Nationalsozialistischen Deutschen Arbeiterpartei schriftlich überreicht. In dem Schreiben heißt es u. a.: Die Zentrumspartei muß eine Zufamenarbeit mit der NSDAP. an folgende Bedingungen knüpfen, ohne deren Erfüllung weder die Verfassung gewahrt noch die öffentliche Ordnung gesichert bleibt: Die NSDAP. versichert öffentlich, daß sie auch während ihrer Mitwirkung in der Hessischen Regierung die Legalität in allen ihren Handlungen wahren.
Zu den formulierten ,, Grundsägen, Zielsetzungen, Mindeitforderungen" erklären wir folgendes: Die Punkte 1-10 wollen Vereinfachung und Verbilligung des Gesetzgebungs-, Regierungsund Verwaltungsapparates. Das hat die Zentrumspartei im Rahmen der Verfassung jederzeit angestrebt und durch die einschneidenden Sparmaßnahmen in vierjähriger Tätigkeit seit Uebernahme des Finanzministeriums bewiesen. Das Zentrum ist also bereit, über diese Punkte in Verhandlungen einzutreten und an ihrer Durchführung mitzuarbeiten.
Zu der Darmstädter Meldung von maßgebender Zentrumsfeite über die 12 Pfte. der Nationalsozialisten schreibt der ,, Völfische Beobachter": Aus dieser Eerklärung ist nur so viel zu entnehmen, daß sich das Zentrum auf das Verhandeln verlegen will. Die nationalsozialistische Fraktion des Hessischen Landtages hat aber ausdrücklich erklärt, daß ihre 12 Punkte als Ganzes angenommen oder abgelehnt werden müßten. Unter diesen Umständen ist auch jede ausweichende Antwort aleichbedeutend mit einer Ablehnung.
Vorläufig feine Wahl des Staatspräsidenten in Hessen. Darmstadt, 11. Dez. Bei Eröffnung der heutigen Landtagssizung gab Landtagspräsident Dr. Werner bekannt, daß die Wahl des Staatspräsidenten, die heute als erster Punkt zur Beratung stand, bis zur Klärung der politischen Lage in Hessen von der Tagesordnung abgesetzt wurde.
Die vierte Notverordnung.
Einzelheiten der neuen Notverordnung.
Die neue Notverordnung enthält in ihren einzelnen Teilen u. a. folgende Bestimmungen:
Erster Teil: Preis- und Zinssentung. Die Preissenkung bei den sogenannten gebundenen Preisen soll in der Weise erfolgen, daß alle gebundenen Preise gegenüber dem Stande vom 1. Juli 1931 mit Wirkung vom 1. Januar 1932 um 10 v. H. gesenkt sein müssen.
Ein Preiskommissar erhält als Hauptaufgabe die Ueberwachung der Preisentwidlung. Zu diesem Zweck erhält er weitgehende Machtbefugnisse.
Die Zinssenfung soll in der Weise erfolgen, daß alle Zinsen für festverzinsliche Papiere, Pfandbriefe, Hypotheken, Obligationen usw. im Verhältnis 8 zu 6 herabgesetzt werden. Im Zusammenhang hiermit werden auch die bisherigen Wirkung Steuerverzugszuschläge mit 1. Januar auf
gehoben.
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Zweiter Teil: Wohnungswirtschaft.
Der Geldentwertungsausgleich bei bebauten Grundstücken besteht darin, daß die Hauszinssteuer gesenkt werden soll. Dies soll eine Senkung der Mieten der Altwohnungen um 10 v. 5. ermöglichen mit sofortiger Wirkung. Bei den Neubaumieten soll eine Snfung der Mieten um den Betrag eintreten, der durch die Senkung der Zinsen für Hypotheken eingespart mird. Tort wird eine höhere Senfung bis zu 15 v. H. erfolgen können. Für teuere Wohnungen fann bei ungünstigen Mietverträgen zum 1. April 1932 gekündigt werden. Die Hauszinssteuer wird ablösbar gemacht.
3. Teil: Maßnahmen auf dem Gebiet der Zwangsvollstreckung.
Sie sehen vor, daß eine Zwangsvollstredung für städtische Grundstücke nicht erfolgen darf, wenn das Gebot unter 70 v. 5. des Grundstücks bleibt. Für landwirtschaftliche Grundstücke wird vorgesehen, daß sich der Grundbesizer unter Zwangsverwaltung stellen darf, um eine 3wangsversteigerung abzuwenden.
4. Teil: Sonstige wirtschaftliche Maßnahmen. Hier sind steuerliche Erleichterungen für die Aufteilung von großen Gesellschaften vorgesehen, die Aufhebung der Mineralwassersteuer und die Ausprägung von Vierpfennigsstüden.
5. Teil: Sozialversicherung und-Fürsorge. Hier handelt es sich bei der Krankenkasse um eine Aer.derung des Verhältnisses zwischen Aerzten und Kruntentasien. In der Unfallversicherung ist eine Beseitigung der kleinsten
Renten vorgesehen. In der Invalidenversicherung werden fleinere sachliche Aenderungen vorgenommen.
6. Teil: Arbeitsrechtliche Vorschriften. Sämtliche Lohn- und Gehaltskürzungen der Arbeiter und Angestellten werden mit dem 30. April 1932 fällig. Alle Tarifverträge werden am Tage des Inkrafttretens der Notverordnung gekündigt. Sämtliche Lohn- und Gehaltssätze werden auf den Stand vom 10. Januar 1927 herabgesetzt, jedoch soll die Kürzung nicht mehr als 10 v. H. betragen, wenn nach dem 1. Juli 1931 bereits eine Kürzung erfolgt war. War seit dem 1. Juli 1931 feine Kürzung erfolgt, so tritt eine Senfung um 15. v. H. ein, feinesfalls aber unter dem Satz vom 10. Januar 1927. Diese Bestimmungen gelten aber nur für die Löhne und Gehälter, die im Rahmen von tariflichen Vereinbarungenn geschlossen wurden. Ueber Streitpunkte, die sich ergeben, fann der Schlichter angerufen werden.
7. Teil: Sicherung der Haushalte.
Zur Sicherung der Haushalte erfolgt eine allgemeine Erhöhung der Umsatzsteuer auf 2 v. H. Ausgenommen von dieser Erhöhung sind Getreide, Schrotbrot und Badwaren. Ferner wird eine Ausgleichssteuer auf Auslandswaren eingeführt.
Neu eingeführt wird eine Kapitalfluchtsteuer v. 25%. Ferner ist die Einführung einer Börsenumsatzsteuer bei Kompensationsgeschäften vorgesehen. Die Realsteuern der kleinen Gemeinden sollen zum Ausgleich der Haushalte erhöht werden dürfen.
Die Beamtengehälter werden um 9 v. 5., die Löhne der Arbeiter in Reich, Ländern und Gemeinden sowie die Gehälter der Angestellten werden um 10 v. 5. gekürzt.
8. Teil: Schutz des inneren Friedens. Hier sind scharfe Maßnahmen gegen Waffenmißbrauch vorgesehen. Ferner wird ein allgemeines Uniformverbot erlassen. Auch das Tragen von Abzeichen politischer Art wird verboten. Die Bestimmungen über die Verstärkung des Ehrenschutzes sehen vor, daß die üble Nachrede gegen Persönlichkeiten, die im öffentlichen Leben stehen, mit Gefängnis nicht unter drei Monaten bestraft wird. Bis zum 3. Januar tritt ein sogenannter Weihnachtsfriede in Kraft, der jede Art von politischen Umzügen, Versammlungen, Reden usw. untersagt.
9. Teil: Schlußbestimmungen.
Die Schlußbestimmungen sehen vor, daß alle Bestim mungen der Verordnung am 8. Dezember 1931 in Kraft treten.


