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Nr. 37

Samstag, den 9. Mai 1931

Aus Nah und Fern.

Wiesed. Auf Verlangen der Sozialdemokraten ist die fällige Bürgermeisterwahl zunächst bis zum 1. Juni hinausgeschoben.

Großen- Linden. Das Fest der goldenen Hochzeit können am 8. Mai die Eheleute Altbürgermeister Leun und Frau Christine geb. Pirr in förperlicher und geistiger Rüstigkeit begehen. Leun war 30 Jahre Bürgermeister von Großen- Linden und lange Jahre Mitglied des Hessischen Landtages.

Bad Nauheim. Im Alter von 76 Jahren starb der lang­jährige Geschäftsführer der Verkehrskommission, Wilhelm Wall­mann, der über 40 Jahre die Entwicklung des Weltbades mit allen Kräften förderte und sich große Verdienste erwarb.

Bad Nauheim. Die Leitung des Kurhausorchesters über­nimmt Kapellmeister José Degen aus München, der seither schon in zahlreichen Großstädten und Badeorten tätig war.

Friedberg. An der hiesigen Lehranstalt für Obstbau und Landwirtschaft fand ein mehrtägiger Lehrgang für Baumwär­ter statt, der aus allen hessischen Provinzen beschickt war. Der abschließenden Prüfung wohnte auch Ministerialrat Bauer- Darm­stadt bei, der sich sehr anerkennend über das Prüfungsergebnis aussprach.- Eine Brotpreiserhöhung um 4 Rpfg. tritt hier ab Donnerstag laut einer Bekanntmachung der Bäckerinnung Friedberg- Fauerbach in Kraft.

Aus dem Vogelsberg. Die Preise für landwirtschaftliche Erzeugnisse haben einen taum gekannten Tiefstand erreicht, der im Gegensatz zu Preisen für andere Artikel steht. So werden hier z. B. bezahlt für einen Liter Vollmilch nur 12 Rpfg. und für ein Pfund Butter 1.- bis 1,10 R.-Mt. Frische Trinkeier fosten nur 6 Rpfg. pro Stück.

Schotten. Die hiesige Vogelsberger Volksbant, eins der bekanntesten ländlichen Geldinstitute des Vogelsberges, beging ihr 25jähriges Bestehen. Als reine Mittelstandsbank hat das Institut heute 275 Landwirte, über 100 Handwerker und Ge­werbetreibende und über 50 Beamte und Arbeiter zu Mitglie­

dern.

Schotten. Auf einer Radtour stürzte ein 43jähriger Arbei­tere auf einer abschüssigen Straße derart unglücklich vom Rade, so daß er an den erlittenen Verlegungen starb. Der Mann hinter­läßt Frau und 3 Kinder.

Hattenheim. Ein 22jähriger junger Mann starb an Typhus­erkrankung. Er soll aus einer Quelle im Felde Wasser getrunken haben, das tödliche Bazillen enthielt.

Darmstadt. Die Darmstädter Stadtratsversammlung lehnte zum dritten Male die Deckungsvorschläge des Oberbürgermeisters zum Etat ab bei Stimmenthaltung der Demokraten, des Zen­trums und einiger Sozialdemokraten. Der vorliegende Etat, der einen ungedeckten Fehlbetrag von rund 2 Millionen Mark auf­weist, wurde angenommen. Für die Deckung hat also der Staatskommissar zu sorgen.

Reichelsheim. Der Blitz schlug während des Gewitters am Donnerstag in eine Schule ein, ohne jedoch größeren Schaden anzurichten. Unter den Kindern brach eine Panik aus, so daß der Lehrer nur mit Mühe die Kinder beruhigen konnte.

Gernsheim. Das größte Werk in der Gemeinde, die Zucker­fabrik, wird auf 3 Jahre stillgelegt. Etwa 60 Arbeiter hatten in diesem Betrieb das ganze Jahr Arbeit gefunden und in der Saison sind über 300 Personen beschäftigt worden. Die Be= triebsstillegung war schon längere Zeit geplant.

Bingen. Der deutsche Burschentag und Alte Herrentag fin­det in diesem Jahr hier statt. Zu der Tagung, die in früheren Jahren fast nur in Eisenach abgehalten wurde, werden rund 2000 Teilnehmer erwartet.

Marburg. In der Nähe von Marburg wurde ein junges Mädchen auf der Straße nach Kassel von Autofahrern nach dem Wege gefragt. Während es Auskunft gab, wurde ihm von den

,, Gießener Zeitung"

rufe eilte ein Landjäger herbei, worauf die Autoinjassen in schnellem Tempo davonfuhren und leider unerkannt entkommen sind.

Ludwigshafen. Wegen schwerer Mißhandlung seines Stief­findes wurde ein Arbeiter zu 4 Monaten Gefängnis verurteilt.

Der Balkon im Frühjahr.

Von Diplomlandwirt Dr. P. Lieb, Landwirtschaftslehrer und Wirtschaftsberater. Unverhältnismäßig lange hielt heuer der Frost die Natur in seinen starren Armen, langsam erwachen Feld und Garten zu neuem Leben. Doch auch der Städter möchte etwas sehen, von dem knospenden, sprießenden Frühling, er trägt seine ge= liebten Balkonpflanzen aus dem Winterquartier im Keller wieder herauf ans Licht, richtet die Kästen wieder her, sät und pflanzt neu an und wartet der Dinge, die nun kommen sollen. Aber ist mit dem Säen und Pflanzen auch alles getan, brau­chen unsere Lieblinge vor dem Fenster nicht auch Pflege und vor allem den richtigen Nährgrund, um freudig zu gedeihen? Prüfen wir genau die Kästen und ihre Erde, ehe wir ihnen Samen oder Pflanzen anvertrauen! Wo etwa die Erde sauer geworden ist, muß sie durch gute Komposterde( vom Gärtner) ersetzt werden, die noch mit Nährsalzlösung gedüngt wird( z. B. Hataphons- Volldünger). Auch während des Wachstums müſ­sen die Balkonpflanzen immer wieder mit Nährsalzlösungen be­gossen werden, da der Nährstoffgehalt der verhältnismäßig ge­ringen Menge Erde, die ihnen zur Verfügung steht, rasch ver­braucht ist und deren Anwendung das Vorhandensein sämtlicher Nährstoffe gewährleistet und Schädigungen von Ueberfluß oder Mangel an einem Stoff im Verhältnis zu den anderen sicher vermeiden hilft.

Der Balkon gehört zum Zimmer und die dankbaren Früh­lingsfinder, die ihn bei einer so einfachen Pflege schon freudig schmüden, stellen oft das einzige Bindeglied des Städters mit der Natur dar, deshalb sollte jeder, dem die Möglichkeit ge­geben ist, Balkonpflanzen z'ehen und ihnen ihre bescheidenen Ansprüche erfüllen.

Beseitigung der Feststellungsklage.

Wie wir erfahren, hat der Reichsarbeitsminister in einem besonderen, bisher nicht veröffentlichten Erlaß an die unter­stellten Verwaltungsbehörden sich auf den Standpunkt gestellt, daß in allen Fällen, in denen nach der Notverordnung vom 26. Juli 1930 ein Rechtsanspruch auf Leistung ausgeschlossen ist, der Antrag auf Feststellung des ursächlichen Zusammenhangs einer Gesundheitsstörung mit einer DB. gemäß§ 37 des Ver­fahrensgesetzes nicht mehr zulässig sei. Es sollen daher auf solche Anträge hinfort berufungsfähige Bescheide nicht mehr erteilt werden.

Zur Begründung dieser Auffassung stützt man sich auf die Ansicht, daß die Bestimmungen des§ 37 Verf.- Ges. über die Zulässigkeit von Feststellungsklagen nur unter der selbstverständ­lichen Voraussetzung in das Gesetz aufgenommen seien, daß in der Folgezeit Ansprüche auf Leistung entstehen können, die der Entscheidung im Spruchverfahren unterliegen. Die Vorschrift sei nur für den Fall bestimmt, daß ein Anspruch auf Leistung noch nicht erhoben werden konnte, weil die durch eine Dienst beschädigung verursachte Gesundheitsstörung die Erwerbsminde= rung um weniger als 25 v. H. beeinträchtigte.

Ob das Reichsversorgungsgericht der Auffassung des Reichs­arbeitsministeriums beitreten wird, bleibt abzuwarten und er­scheint zweifelhaft. Es empfiehlt sich jedenfalls, gegen der= artige Bescheide auch dann Berufung einzulegen, wenn das Versorgungsamt diese Bescheide nicht berufungsfähig gemacht hat. ( Aus Versorgung und Fürsorge des Kyffhäuserbundes.)

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Das Maihest der Deutschen Rundschau" bringt den Ab­schluß der hoch interessanten Diskussion über die Judenfrage. Es kommen zum Wort: Hans Friedrich Blund, Ludwig Holländer. Paul Fechter und Rudolf Zechel, der Herausgeber der Deut schen Rundschau". Das Heft enthält ferner 16 unbekannte Briefe von Richard Wagner, Aufsätze von Leopold Ziegler, Th. v Bodisco ,,, Geschichtliche Einkreisungen" von Richard Fester, ,, Die Gefahrenlage Danzigs" von Senator Strund, eine No­velle von Ernst Zahn usw. Schließlich weisen wir noch be sonders auf die in diesem Heft beginnende wichtige Aufsatz­reihe über Sowjetrußland hin, die durch Beiträge von P. v. Struve, René Fülöp- Miller und A. A. v. Löwis of Menar im Maiheft eröffnet wird.

Im Zeichen des Wonnemonats Mai steht die soeben er­schienene Ausgabe Nr. 10 der Zeitschrift der Frau Das Heft". Der interessante und vielseitige Inhalt wird durch ausgezeich­nete Bilder ergänzt, und wie immer findet sich für die Freunde dieser jetzt wieder in der Ausstattung verbesserten Zeitschrift eine lustige Preisaufgabe.

Um eine Zehntelsekunde. Ein Mann springt aus 300 Me­ter Höhe aus dem Flugzeug. Der Fallschirm- Abzug ist geris­sen. Kopfüber, stürzt er 280 Meter. Der Entfaltungsstoß des Schirms, 5 Meter über der Erde, rettet den Springer. Das Ganze ist photographiert in der neuen ,, Woche" zu sehen. Wie­der ein Heft, das jeder lesen muß. Auch wegen des reichbebil­derten Aufsatzes zur Eröffnung der Bau- Ausstellung. andere wertvolle Beiträge und Bilder. Für 50 Pfg. überall zu haben.

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Reichsminister Trevir Bollstonfervativen fenburg am 19. Mai af den Namen Deut In einer Kundgebun sprach der Parteifüh tige Gegenwartsfra niien eintrat und geg in jur Arbeitslosigkei

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Die neue Nummer der Münchener Illustrieten Presse( Nr. 19) ist besonders reichhaltig. Wir weisen auf die Bilderserie ,, Dichter im Nebenberuf", die Artikel Moderne Propheten", ,, Folterkammer der Schönheit", Tote Lamas" ,,, Sie gehen zum Ballett", und in der Fortsetzung der Serie ,, Deutsche Köpfe" Fritz Haber, der Direktor des Kaiser- Wilhelm- Instituts für physikalische Chemie und Elektrochemie. In der gleichen Num­mer beginnt auch ein spannender Roman von Paul Edmund von Hahn, Beine und Banditen".

Verantwortlich: J. V.: G. Burgeleit, Gießen.

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Seit dem Abend der Brandtatastrophe im Hernalfer Revuetheater werden 6 junge Mädchen, Girls der Schwarz Gelb Truppe, vermißt. Es besteht die Möglichkeit, daß sie einer Bande in die Hände gefallen sind, die unter dem Deckmantel einer Theateragentur ihr Geschäft betreibt. Die Unter suchung des Falles ist Erna Lindquist, der Spezialbeauftragten des Komitees gegen Mädchenhandel übertragen wor den. Alle Einzelheiten über die Unter suchung und die Schicksale der vermiß tenGirltruppe finden sie von jetzt ab jeden Freitag unter dem Titel Beine und Banditen" in der Münchner Illuftrier. ten. Lesen Sie diese Berichte: einen Roman der Wirklichkeit aus dem Jahre

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