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folgt.

Samstag, den 9. Mai 1931

Lokales.

Sonntagsgedanken.

Das Leben ist Sieger geblieben. Der Blütenbäume weißes Band lodert empor zum blauen Himmel des Maien. Aus dunklem Tann haucht der Duft der Anemonen, als ob dort die Reinheit blühe. Selbst das einsamste Fledchen, das sonst von allem Zauber leer bleibt, träumt einmal im Jahr einen schö= nen Traum. Im Frühling kommt auch dorthin ein Gruß von der ewigen Natur. Wahrlich, die ganze Erde ist wieder Gottes Garten, ein offen aufgeschlagenes Bilderbuch. Und jedes ein­zelne Blatt zeigt der ewigen Allmacht Spur und lehrt uns glau= ben, hoffen und lieben. Lausche auf das Wunder, das sich da wieder vollzieht; schau den Blütenbaum in seiner weißen Pracht, sich das Saatfeld, wie es emporwächst, um Frucht zu werden, lausche dem Jubellied der Lerche und dem Sang der Nachtigall, dem Wachtelruf im Felde und dem Kududsruf im Walde. Jetzt geh hinaus und suche jene stillen, einsamen Wege, auf denen sich nicht der Strom der gedankenlosen Menschenmas= sen wälzt; laß des Maien Auferstehung leuchten tief in dein Herz hinein, daß du es heimtragen kannst in deine Stube. Jede Blüte, und mag sie noch so klein sein, ist ein duftendes Kunst­werk, das seine Schönheit so selbstverständlich trägt, ohne jede Selbstgefälligkeit, ganz in sein glüdliches Sein versunken.

Wo fass' ich dich, du herrliche Natur? Jetzt, wo der Frühling wieder alle seine Pracht über die Erde ausgießt. Jeder einzelne Baum ist ein großer Blumenstrauß, der nur in der großen Stube der Natur seinen Platz findet. Und jedes noch so kleine Frühlingskind hat die Sonne schön gemacht. Siehst du dort den Frühling, wie er durch die Wiesen geht, ein Lied auf den Lippen, Blumen in Händen und Sonne im Auge. Sachte, ganz leise, laß uns hinter ihm hergehen. Er führt uns zu den goldenen Quellen des Lebens.

Welt, du bist so wunderschön im Maien! Der Frühling ist wieder da! Wiesen!

Draußen geht er auf den Der Sonntagsschreiber.

Die Mutter.

So geht die Sonne Gottes vom Morgen bis zum Abend ihre Bahn. Dein Auge bemerkt teinen ihrer Schritte und dein Ohr höret ihren Lauf nicht, aber bei ihrem Untergange weißt du, daß sie wieder aufsteht und fortwirkt, die Erde zu wärmen, bis ihre Früchte reif sind. Leser, es ist viel, was ich juge. Aber ich scheue mich nicht, es zu sagen. Dieses Bild der großen at= ter, die über der Erde brütet, ist das Bild eines jeden Weibes, das seine Wohnstube zum Heiligtum Gottes erhebt und Mann und den Himmel verdient. Pestalozzi.

* Praktische Mutterhilfe am Muttertag. Der Verband der evangelisch- firchlichen Frauenvereine in Hessen veranstaltet zur Zeit in seinem Heim in Nieder- Ramstadt eine Freizeit für Frauen von Erwerbslosen. Diese Zeit soll den Teilnehmerin­nen Gelegenheit zur Ruhe und Stille geben. Wie nötig ist diese namentlich für solche, die unter der Arbeitslosennot besonders zu leiden haben. Die Freizeit ist unentgeltlich.

* Vom Evangelischen Kirchengesangverein. Der Evangelische Kirchengesangverein für Hessen begeht sein diesjähriges Jahres­fest morgen und übermorgen in Wöllstein. Festprediger ist Pfarrer Hrost( Planig). Den Chor stellen die Dekanats- Kir­chengesangvereine des Dekanats Wöllstein. Professor D. Gott­fried Weimar( Darmstadt) wird einen Vortrag halten über ,, Kirchengesang und Kirchengesangvereine".

* Reichsverband bildender Künstler, Gau Volksstaat Hessen. Anläßlich seines 90. Geburtstages hat der Gau Volksstaat Hessen sein Seniormitglied, Professor Reinhard Kröh- Darmstadt, zum Ehrenmitglied des Gauverbandes ernannt.

* Luftpost im Sommer 1931. Alle Linien des am 1. Mai beginnenden Sommerflugdienstes in Deutschland und den mit Deutschland Luftverkehr unterhaltenden Ländern werden, mit Ausnahme der nur nach Bedarf verkehrenden Flüge, auch zur Postbeförderung benutzt. Die Zuschläge sür Luftpostsendungen sind mäßig. Luftpostsendungen werden bei allen Postanstalten ange­nommen. Gewöhnliche Brieffendungen können auch durch die Briefkasten aufgeliefert werden. Nähere Auskunft über Flug­pläne und Bestimmungen für Luftpostsendungen erteilen die Postanstalten.

* Staditheater. Morgen zum letzten Male das Lustspiel ,, Die Welt, in der man sich langweilt". Dienstag ,, Carmen", Operngastspiel des Hessischen Landestheaters Darmstadt.

K

,, Gießener Zeitung"

Nr. 37

Steigende Frequenz der Studierenden an unserer hesi 1548 000 RM. Einkommensteuer in Gießen.

schen Landesuniversität. Bis jetzt sind an der Universität Gie­Ben über 2000 Studierende eingetragen. Da die Einschreibung noch bis zum 16. Mai weitergeht, wird diese Zahl start über­schritten werden. Besonders zugenommen hat das Studium der Theologie, der Veterinärmedizin und der Medizin. Die Ge­samtzahl der Studierenden im Sommere 1930 belief sich nach Abschluß der Einschreibung auf 1941.

Das Reichsfinanzamt hat soeben die Zahlen über die Ein­kommen und Körperschaftssteuerveranlagungen bis 1928, die erst Ende 1930 abgeschlossen wurden, herausgegeben. Es sind also die neuesten Ergebnisse der Einkommensteuerveranlagung, die jetzt vorliegen. Neben der Schichtung des Einkommens ist von besonderer Wichtigkeit zu wissen, aus welchen der vom

* Blinder Alarm. Heute nachmittag um 3 Uhr werden die Einkommensteuergesetz unterschiedenen Quellen das Einkommen Feuermeldesirenen zur Probe in Tätigkeit gesetzt.

Wichtig für Lungenkranke. Die Sprechstunden der Für­sorgestelle für Lungenfrante in der Medizinischen Poliklinik finden für die Besucher aus den Landgemeinden Gießen jeden Montag nachmittag von 4 bis 5 Uhr statt. Lungenkranke und Krankheitsgefährdete, die in ärztlicher Behandlung sind, bedür­fen einer Ueberweisung ihres Arztes in die Lungenfürsorgestelle. Unbemittelte werden unentgeltlich beraten.

* Aufgehobene Straßensperre. Die Sperrung der Georg Philipp Gailstraße wird, da die Walzarbeiten beendet sind, aufgehoben.

Gefundene Gegenstände. Das Verzeichnis über die im Monat April 1931 gefundenen bezw. abgelieferten Gegen­stände kann an der Anschlagtafel im Flur des Polizeiamts, Landgraf- Philipps- Platz 1, eingesehen werden. Die Empfangs berechtigten werden hiermit aufgefordert, ihre etwaigen Rechte innerhalb zwei Monaten beim Fundbüro während der Dienst­stunden geltend zu machen.

* Kriegsgräberfürsorge. Die im Herbst vorigen Jahres durchgeführten Sammlungen des Volksbundes Deutsche Kriegs­gräberfürsorge beweisen, daß weite Kreise der Bevölkerug Sinn und Verständnis für eine würdige Erhaltung und Ausgestal­tung unserer Kriegsgräberstätten im Ausland haben. Trotz der Not der Zeit ist der Gesamtertrag im Reich mit 498 611,46 RM. als sehr erfreulich zu bezeichnen. Aus dem Ertrag der Sammlung, der ausschließlich für Friedhofsbau verwandt wird, will der Volksbund in diesem Jahre eine ganze Reihe Fried­höfe in Frankreich und auch verschiedene kleinere Anlagen im Osten bedenken. Der Volksbund dankt auch auf diesem Wege allen Helfern und Spendern, die durch ihre freiwillige Mit­arbeit oder durch eine Spende zu dem Erfolg der Sammlung beigetragen haben, herzlich und aufrichtig.

* 420 000 stellenlose Angestellte machen Gesuch um Herab­segung der Postgebühren für Bewerbungsbriefe! Die noch im= mer unvermindert anhaltende umfangreiche Beschäftigungslosig­keit, durch die vor allem auch rund 420 000 Angestellte in Mit­leidenschaft gezogen werden, hat dem Gewerkschaftsbund der Angestellten Veranlassung gegeben, an das Reichspostministe­rium mit der Bitte heranzutreten, den erwerbslosen Angestell­ten für die Versendung von Bewerbungsschreiben eine fühlbare Vengünstigung einzuräumen. Der Begründung sind Vorschläge für die praktische Durchführung beigegeben, u. a. der, zur Ver­meidung von Mißbräuchen die betr. Sendungen unter Vor­legung eines vom Arbeitsamt oder der Gewerkschaft ausgestell­ten Ausweises persönlich aufzuliefern.

* Treffen der N.S.D.A.P. in Gießen. Morgen veranstaltet die N.S.D.A.P. einen Deutschen Tag, zu dem die Mitglieder aus ganz Oberhessen sich hier treffen werden. Am Nachmittag spricht in der Volkshalle General von Epp- München, und M. d. R. Wagner- Bochum.

* Heimatvereinigung Schiffenberg". Morgen nachmittag hält die Vereinigung auf dem Schiffenberg ihre Hauptver­jammlung ab.

* Kulturfilm- Vorführung. Morgen früh zeigt ein Kultur­film im Lichtspielhaus die Schönheiten des bayerischen Hoch­landes.

* Künstliche Augen werden demnächst in der Universitäts­Klinik durch die Firma F. Ad. Müller Söhne, Anstalt für künstliche Augen, Wiesbaden, in Anwesenheit der Patienten nach der Natur angefertigt und eingepaßt. Näheres ist aus der heuti­gen Anzeige zu ersehen.

* Hegel- Preisausschreiben. Im Hinblick auf den hundert­sten Todestag des deutschen Philosophen G. W. F. Hegel am 14. November d. J. erläßt die Berliner politische Wochenschrift ,, Das Freie Deutschland"( Berlin SW. 48, Wilhelmstr. 18) ein Preisausschreiben für einen größeren Jubiläumsaussah. Das Thema lautet: ,, Segel als Wegweiser im Kampf um Deutsch­lands nationale Befreiung." Die Preise betragen: 700, 400 und zweimal 150 RM. Die Bedingungen sind in Nummer 32 der Zeitschrift mitgeteilt.

fließt, da diese Kenntnis eine Vorstellung über die wirtschaft­liche Struktur eines Gebietes vermittelt. Interessant ist ferner die Frage, welchen Einfluß die Gemeindegröße auf die Höhe des durchschnittlichen Einkommens je Pflichtigen hat. Hier ist es bekannte Tatsache, daß mit zunehmender Gemeindegröße auch die Intensität des Wirtschaftslebens steigt.

Die nachstehenden Zahlen geben einen Ueberblick über die Einnahmen der einzelnen Einkommensarten im Gießener Be steuerungsgebiet und die davon aufzubringende Stenerlast. Es ist dabei zu beachten, daß, wenn jemand über Einkommen aus mehreren Quellen verfügt, er bei jeder Einkommensquelle als Pflichtiger gezählt wird, dagegen erscheint der Besteuerte in der Endsumme des Einkommens natürlich nur einmal angeführt. Die Zahl der Pflichtigen, für die eine Steuer festgesetzt ist, ist erheblich kleiner als die Zahl der mit Einkommen veranlagten Pflichtigen. Dies erklärt sich dadurch, daß eine große Zahl der mit Einkommen veranlagten Pflichtigen infolge des ſtenerfreien Einkommenteils, der Familienermäßigungen oder auch der Steuerermäßigungen steuerfrei geworden ist. Naturgemäß ge­hören die steuerbefreiten Pflichtigen in der Hauptsache der un­tersten Einkommensgruppe aff.

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Die Einkommensteuerveranlagung in Gießen. Die Einkünfte aus den einzelnen Quellen der Einkommen­steuer verteilen sich auf Land- und Forstwirtschaft, Gewerbe­betrieb, sonstige selbständige Berufstätigkeit, nichtselbständige Arbeit, ferner Kapitalvermögen, Vermietung und Verpachtung, andere wiederkehrende Bezüge und sonstige Leistungsgewinne. Die Untersuchung des Aufbaues des Einkommens aus den einzelnen Quellen vermittelt ein Bild der wirtschaftlichen Eigenart eines Landes, sowie der einzelnen Kreise. Bei den Einkünften aus Land- und Forstwirtschaft war im Reich von Jahr zu Jahr ein Rückgang bei den Pflichtigen und Beträgen zu verzeichnen. Nach der jetzt vorliegenden Einkommensteuer­veranlagung ergaben sich im Stadtbezirk Gießen in dieser Gruppe 33 Pflichtige mit einem Einkommen von rund 11 000 RM. Auf die Einkünfte aus Gewerbebetrieb kommen im Reich für Pflichtige und Beträge die höchsten Anteile. Für das Gießener Besteuerungsgebiet ergaben sich bei 1659 Pflichtigen insgesamt 8 959 000 Einkommen. Diese Zahlen sind natürlich inzwischen wesentlich geringer geworden, hervorgerufen durch die schlechte Wirtschaftslage und die große Arbeitslosigkeit. Nicht viel besser ist es bei den Anteilen der Einkünfte aus son: stiger selbständiger Berufstätigkeit. Auch hier ein Rückgang bereits seit 1927. Nach der letzten Einkommensteuerveran­lagung wurden im Gießener Gebiet 315 Pflichtige gezählt mit Wäh einem Einkommen von insgesamt 1 709 000 RM. rend in den Jahren 1925 bis 1927 bei den Einkünften aus nicht selbständiger Arbeit( ohne die zur Lohnsteuerveranlagten Pflichtigen) eine Erhöhung der Anteile zu beobachten war, ist seither eine Abnahme der Fall gewesen. Immerhin verzeich nete die Einkommensteuerveranlagung 1928 noch 200 Pflichtige mit einem Einkommen von 2 400 000 RM.

Die Anteile der Einkünfte aus Kapitalvermögen betrugen bei 452 Pflichtigen insgesamt 696 000 RM. Aus Ver­mietung und Verpachtung bezogen 680 Pflichtige insgesamt 643 000 RM. Einkommen. Einkünfte durch andere wieder­kehrende Bezüge und sonstige Leistungsgeivinne hatten 38 Pflich­tige mit 120 000 RM. zu verzeichnen.

Nach der Einkommensteuerveranlagung für 1928 hatten im Stadtbezirk Gießen insgesamt 2211 Pflichtige ein Einkom­men in Höhe 13 506 000 RM. Dagegen betrug das der Besteuerung unterworfene Einkommen( nach Abzug des steuer­freien Einkommensanteils und der Ermäßigungen für Familien­angehörige) bei nur noch 2004 Pflichtigen insgesamt 10 992 000 RM. Bei 1994 Einkommensteuerpflichtigen betrug die festgesetzte Steuer I 548 000 RM.

Wenn auch die vorstehenden Zahlen durch die schlechte Wirtschaftslage und die Arbeitslosigkeit verschoben wurden, so geben sie trotzdem einen Ueberblick über die wirtschaftliche Struk­tur des Gießener Steuergebietes.

Eine gute Tat

zum Muttertag!

Aber

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Heut können Sie noch liebevoll für Ihre alte Mutter sorgen. wie schutzlos würde sie sein, wenn Ihnen etwas zustossen sollte ein tödlicher Unfall eine tückische Krankheit. Schützen Sie Ihre Mutter auch für diesen Fall vor dem Schlimmsten: schließen Sie eine Lebensversicherung zugunsten Ihrer Mutter ab, damit sie auch dann versorgt bleibt; und wenn Sie Ihre Mutter überleben, wird die ver­sicherte Summe Ihnen selbst eine willkommene Altersversorgung sein.

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