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Samstag, den 7. März 1931.

wurde jedoch der einstimmige Beschluß gefaßt, daß der Ober­westerwaldkreis bei der Kammer Dillenburg verbleiben soll, zu der er seit über 65 Jahren gehört.

Bad Ems. Das Genesungsheim für Gelehrte und Künstler wird auch in diesem Jahr am 1. April sein schönes, im Kurpark gelegenes Heim für minderbemittelte oder in wirtschaftliche Not geratene Akademiker, Schriftsteller, Journalisten, Sänger, Schau­spieler, Musiker, Maler, Bildhauer usw. eröffnen. Anmeldungen sind an den Vorstand zu richten.

Heidelberg. Als Tag der offiziellen Weihe des Schurmann­Hauses der Universität ist der 9. Juni in Aussicht genommen.

Köln. Das Sommer- Semester 1931 der Universität Köln be­ginnt am 1. April. Der Vorlesungsbeginn ist am Mittwoch, dem 15. April. Das Vorlesungsverzeichnis fann vom Universitäts­Sefretariat gegen Einsendung von 50 Rpfg. und 15 Rpfg. Porto bezogen werden.

Raubüberfall im Barmer Hauptbahnhof.

Ein aufsehenerregender Vorfall spielte sich Mittwoch beim Einlaufen eines Berliner D- 3uges auf dem Barmer Haupt­bahnhof ab. Ein Postbeamter hatte die Postsäcke gerade in Empfang genommen, als ein unbekannter Mann auf ihn zustürzte und ihn mit vorgehaltenem Revolver zu zwingen versuchte, ihm die Säde herauszugeben. Der Beamte weigerte sich. Als an­dere hinzueilten, entriß der Täter dem Postbeamten einen Sad und flüchteten. Seine Verfolger hielt er sich mit der Waffe vom Leibe. Infolge der Dunkelheit entfam er. Die Postverwal tung vermißt nur einen fleinen Beutel mit gewöhnlicher Brief= poſt.

Ein fetter Konkurs ein Prozent.

Augsburg, 6. März. Der Käsehändler Anton Grab aus Eisenberg bei Memmingen besaß die Stirn, seinen Gläubigern eine Konkursquote von einem Prozent anzubieten. Das Mem­minger Schöffengericht verurteilte den Angeklagten wegen be­trügerischen Bankerotts und siebenfachen Betrüges zu drei Jah­ren Zuchthaus und drei Jahren Ehrenrechtsverlust. Grab betrieb im vorigen Sommer einen umfangreichen Käsehandel. Die Lieferanten bezahlte er nicht und führte einen flotten Lebens­wandel.

Raubüberfall auf einen Bankboten.

Altona, 6. März. Am Freitag mittag wurde in der Schiller­straße ein außerordentlich frecher Raubüberfall auf einen Bank­boten ausgeführt. Aus einem mit vier Personen besetzten Kraftwagen stiegen plötzlich zwei Männer aus und sprangen auf den Bankboten zu. Während einer von ihnen den Ueberfallenen mit einem Revolver bedrohte, entriß der andere ihm eine Attentasche mit 20 000 RM. Inhalt. Die beiden Räuber flüch­teten dann wieder in dem Kraftwagen, der in schneller Fahrt davon fuhr.

Hauspuk im menschlichen Körper.

Von Dr. Curt Kayser.

Seit altersher fühlt die Menschheit mit dem Einzug des Frühjahrs das Bedürfnis, nicht nur in Haus und Hof, sondern auch im eigenen Körper ein Großreinemachen zu veranstalten. Gleich unserer Wohnung tut dies unserem Körper aber auch meist sehr nötig. Wie haben wir ihn doch im Winter, teils aus eigenem Verschulden, teils aus zwingender Notwendigkeit, miß­handelt! Wie wenige nur haben Wintersport getrieben, wie viele aber träge in der Stube am warmen Ofen gehodt! Dieser und jener hat auch bei festlicher Gelegenheit vielleicht seinem Magen Außergewöhnliches zugemutet. Viele Hausfrauen haben aus Mangel an Obst und frischem Gemüse zu übermäßiger Fleischkost ihre Zuflucht genommen und so die Ernährung der ihr anvertrauten Familie mehr oder minder einseitig gestaltet.

,, Gießener Zeitung"

Diese findet seit vielen Jahrhunderten ihren Ausdruck in den sogenannten Frühjahrsturen".

Man ließ zur Ader, man setzte Schröpftöpfe, man ver= abreichte Mittel zur Blutreinigung. Wer kennt sie nicht, die unzähligen Blutreinigungstees, die noch heute in allen Zeitungen angepriesen werden! Schade nur, daß die ganze Vorstellung vom | ,, unreinen" Blut, mindestens in diesem Sinne, völlig falsch ist. Es gibt kein ,, unreines Blut", also tann es auch nicht gereinigt werden. Trotzdem aber haben die verschiedenen Kuren auch ihr Gutes. Sie bewirken nämlich fast stets eine gewisse An­regung des Stoffwechsels und vor allem der Darmtätigkeit.

Kein Wunder, wenn sich jetzt das alles rächt und wenn wir Kopf­daher zur Frühjahrszeit von allerlei Unbehagen, von schmerzen, Müdigkeit, Reizbarkeit usw. geplagt werden. Darum haben wir mit Recht den Wunsch, zur Frühjahrszeit all die Schlacken, die unzweckmäßige Ernährung im Körper aufgehäuft hat, los zu werden, und all die Schäden, die vernunftwidrige Lebensweise verursacht hat, auszubessern, mit einem Wort: auch unser Körper verlangt nach einer gründlichen Reinigung.

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Wichtiger als alle diese Mittel und Mittelchen ist dagegen die Umstellung unserer Ernährung, die das Wesen der eigent­lichen Frühjahrsfur ausmacht. Darum sollte eine vernünftige Frühjahrstur vor allem darin bestehen, der täglichen Kost so bald und soviel als möglich frisches Gemüse und frisches Obst zuzuführen und den Genuß von Fleisch und Fleischprodukten, aber auch den von Alkohol und Tabak, möglichst einzuschränken. So­bald es das Wetter irgend gestattet, suche man durch Spazier­gänge und Wanderungen den Körper zu erfrischen und Licht, Luft und Sonne überall Zutritt zu gewähren.

Eine in diesem Sinne geleitete Frühjahrstur wird dem Ziele einer Ertüchtigung unseres Körpers und einer Heilung von den Schäden des Winters weit eher nahe kommen, als die Verwendung künstlicher Mittel und Medikamente.

Winke für die Frühjahrsbestellung.

Von Dr. P. Lieb, Landwirtschaftslehrer u. Wirtschaftsberater. Das vergangene Erntejahr brachte uns viel Lagergetreide. Die Gründe dafür liegen insbesondere in der Tatsache, daß der Vorsommer zu naß war; eine weitere Ursache war vielerorts die einseitige Stidstoffdüngung, die der Landwirt insbesondere seinen Halmfrüchten zukommen ließ. An den Fehlern aber müssen wir lernen!

Das Getreide muß vor der Aussaat auf seine Keimfähigkeit geprüft und danach mit einem vom Deutschen Pflanzenschutz" amtlich geprüften Beizmittel gegen die bekannten Pflanzenkrank­heiten gebeizt werden. Diese Punkte zu vernachlässigen, wäre ein für den Landwirt großer betriebswirtschaftlicher Fehler. Ab­gesehen von den Hadfrüchten, denen ein frischgepflügtes und mit Stallmist gedüngtes Land sets am meisten zusagt, ist es für die Halmfrüchte keineswegs zweddienlich, wenn der Boden im Frühjahr zu stark gerührt, besonders aber gewendet wird, da sonst zu viel Unkrautsamen an die Oberfläche gebracht werden. Kultivator Eggen verschiedenster Schwere, Ackerschleife, Extirpator fönnen mit Erfolg angewendet werden.

und

Wo es sich im Frühjahr irgendwie einrichten läßt, muß dem ,, Weizenanbau" Tür und Tor geöffnet werden! Der deutsche Landwirt erstickt in seinem wenig marktgängigen Roggen, während das Reich infolge des geringen Angebotes an Weizen diese Fruchtart in nicht unerheblichem Maße vom Auslande ein­führen muß. Auch der Rübenanbau soll in diesem Jahre aus wirtschaftlichen Gründen zurücktreten.

Auf dem Gebiete des Kartoffelanbaues und des Anbaues der Halmfrüchte sind nach Möglichkeit nur erprobte Sorten anzuwenden. Neben einer sachgemäßen Vorbereitung des Acker­feldes und des Saatgutes ist einer zwedentsprechenden Pflanzen­ernährung das größte Augenmerk zu schenken: Stickstoff für die Masse, d. h. für die Menge des Strohertrages, außerdem für den Eiweißgehalt, Phosphorsäure für die Blüten- und Frucht­bildung, Kali für die Lagerfestigkeit des Getreides und für die Bildung von Stärke und Zuder bei den Hackfrüchten. Alle drei Nährstoffe gibt der Landwirt den Pflanzen als Am- Sup- Ka ( Ammoniaf- Superphosphat- Kali) Volldünger in seinen den ein­zelnen Früchten verschiedenst angepaßten Formen: zu Zuder= und Futterrüben Am- Sup Ka 7+ 8+ 12; zu Kartoffeln 5+ 8+ 12:; zu Weizen 7+ 7+ 10 und zu Hafer 8+ 8+ 8. Gerade in diesem Frühjahr mit seinen vielerorts starken Nieder­schlägen ist es betriebswirtschaftlich richtig, sämtliche Maßnah­men, die eine Vereinfachung der Betriebsführung gewährleisten, zu ergreifen, damit der Landwirt mit wenig hohem Arbeitsauf­wand möglichst hohe Roh-, vor allem aber Reinerträge in sei­nem Betriebe erzielt.

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UNIVERSITAT KÖLN

Sommer- Semester 1931

Wirtschafts- u. Sozialwissenschaftliche, Rechtswissenschaft­liche, Medizinische( auch vorklinische Semester) und Philo­sophische Fakultät. Kaufmännisches- u.Handelslehrerstudium. Vorlesungsbeginn: Mittwoch, den 15. April. Die Ein­schreibefrist läuft vom 1. April bis 28. April einscht. Das Vor­lesungsverzeichnis fann vom Universitäts- Selretariat gegen Einsendg. v. 50 Rpfa.( dazu 15 Rpfg. Porto) bezogen werden.

Heizi

Kein Rauch, kein Ruß, keine Schlacken

Radler Regeln.

Nr. 19

Komm' dem Rade zart entgegen, dann trägt es dich von Ort zu Ort,

Doch trittst du wütend und verwegen, wirft's dich herunter, auf mein Wort.

Im Freilauf stelle das Pedal Horizontal.

Denn ich kann dir bestätigen,

Du kannst bei deinem Freund von Stahl Mit senkrecht stehendem Pedal

Den Rücktritt nicht betät'gen.

Es ziehen jeden Radlersmann, Der noch nicht richtig radeln kann, Die Steine, Bäume, Gräben an. Drum wehre dich dagegen,

Dich neben sie zu legen.

Faß nicht mit frampshaft jester Hand In deines Lenkers Bügel,

Der Lenker soll fein Rammbod jein, Er sei des Rades Zügel.

Laß' dir durch einen Mißerfolg die Laune nicht verderben, Bedenk, du stammst vom Affen ab, mußt sein Talent drum erben. Und was ein alter Affe kann, Kann auch ein neuer Radlersmann.

Neue Bücher.

Ein Ludner- Buch für 2,75 RM. Graf Luckner, der deutsche Seeheld, weilt noch immer in den Vereinigten Staaten. In Deutschland vermißt man seine von unverwüstlicher Zuversicht getragenen Vorträge. Der Verlag Koehler& Amelang in Leip­zig bringt deshalb in einer Reihe billiger, anerkannt guter Werke eine ungekürzte, unveränderte Volksausgabe seines jüngsten Buches Seeteufel erobert Amerika", zum Preis von nur 2,75 RM. heraus und gibt somit, der Not der Zeit Rech­nung tragend, jedem Gelegenheit, sich an den Worten und Taten des ,, Seeteufels" zu begeistern.

Eine fesselnde Geschichte aller Nordpolfahrten von den alten Griechen bis auf unsere Tage erscheint zu dem billigen Preis von 2,85 RM., Koehler& Amelang, Verlag, Leipzig, unter dem Titel ,, Der Ruf des Nordens", von H. H. Houben. Als eines der spannendsten Bücher der Weltliteratur, eine fesselnden Schilderung unerhörter menschlicher Tatkraft im fast zweitausend= jährigen Kampfe um den Pol. Der neuen Auflage sind die neuesten Berichte über Andrees Ballonfahrt und den Untergang der Franklin- Expedition beigefügt.

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,, Arbeit für Alle durch Heimatdienst". Allgemeine Arbeits­dienstpflicht und Freiwilliger Arbeitsdienst. Grundsätze und Richtlinien, festgestellt vom Arbeitsausschuß der Reichsarbeits­gemeinschaft für Deutsche Arbeitsdienstpflicht( Rada). Preis 50 Pfg. Verlegt von der Reichsarbeitsgemeinschaft für Deutsche Arbeitsdienstpflicht, Berlin NW. 7, Friedrichstraße 100. Die Broschüre, die das Interesse jedes Deutschen erregen muß, der sich mit der deutschen Arbeitsnot beschäftigt, findet zum ersten Male den Weg aus der Theorie zur Praxis. Sie tlärt nicht nur die bisher vielumstrittenen Grundfragen über die Arbeitsdienst­pflicht, sondern bringt vor allem einen genauen, fachmännisch sorgfältig aufgestellten Finanzierungsplan der Allgemeinen Arbeitsdienstpflicht.

Deutschlands lustige bunte Volkstrachten sind das schönste Zeichen einer tief wurzelnden Heimatkultur. Die große bunte Trachtenkarte des deutschen Volkes ist der schönste Schmud des neuen ,, Woche"-Heftes.

Im vergangenen Herbst fand in München eine Ausstellung über ein originelles Projekt statt, auf Grund dessen das Mittel­meer vom Atlantischen Ozean durch einen Siaudamım bei Gi­braltar getrennt werden soll. Der Urheber dieses Projektes ist Hermann Sörgel. Ueber dieses interessante Panropa- Projekt veröffentlicht die Münchener Illustrierte Presse in ihrer neue sten Nummer( Nr. 10) einen reichbebilderten Aufsatz von Her­mann Sörgel.

Verantwortlich: Paul Christian Klein in Gießen.

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