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Nr. 19

Samstag,

Samstag, den 7. März 1931.

Aus dem hessischen Landtag.

Darmstadt, 6. März. Der Finanzausschuß des Landtages verhandelte in seinen beiden letzten Gigungen das Kapitel ,, Polizei und Gendarmerie", wobei alle im Ausschuß vertretenen Fraktionen der hessischen Polizei ihre Anerkennung aussprachen und betonten, daß im Interesse der Staatsautorität wesentliche Abstriche am Polizeietat nicht zu verantworten wären. Land­bund und Nationalsozialisten wünschen, daß die Polizeikosten wieder von den Städten aufgebracht würden.

Bei dem Kapitel Heil- und Pflegeanstalten" wurde ein Antrag angenommen, der sich dagegen wendet, daß in diesen Anstalten auch Personen, die untergeordnete Funktionen aus­üben, Beamte werden.

Beim Kapitel ,, Volksgesundheitspflege" wurden 15 000 RM. verlangt als Zuschuß für die in Gießen neu errichtete Heilstätte zur Bekämpfung der Tuberkulose der oberen Luftwege. Die Ent­scheidung ist bis zur zweiten Lesung zurückgestellt.

Im Gesetzgebungsausschuß wurde die Jmmunität des sozial­demokratischen Abgeordneten Steffan aus Oppenheim aufgehoben, um gegen ihn die Durchführung eines Verfahrens wegen Körper­verletzung zu ermöglichen.

Demonstrationsverbot in Plauen.

Gießener Zeitung"

im vorherigen Wintersemester. Unter den 877 Ausländern be­finden sich nur 64 Reichsdeutsche und 28 Desterreicher, dagegen 424 polnische Staatsbürger. Bon den Studierenden bekannten fich 3728 zur deutschen Nationalität.

Die Filmstatistik des tschechoslowakischen Innenministeriums gibt für das Jahr 1930 im ganzen 2147 zenfurierte Filme an, von denen 68 verboten wurden. Von den verbotenen Filmen waren die meisten, nämlich 29, reichsdeutscher Herkunft.

Als Demonstration gegen das am Mittwoch in Plauen ge= fällte freisprechende Schwurgerichtsurteil gegen die National­sozialisten Spengler und Schneider, die wegen Totschlags von zwei Arbeitersportlern angeklagt waren, fanden am Mittwoch und Donnerstag kommunistische Massenversammlungen und Um­züge in der Stadt statt, die wiederholt zu Zusammenstößen mit der Polizei führten. Auf Grund dieser Vorkommnisse hat die Polizeidirektion Plauen ein Demonstrationsverbot erlassen, das am heutigen Tage( 6. März) in Wirksamkeit tritt und bis ein­schließlich 15. April andauert. In dieser Zeit sind alle Versamm­lungen und Umzüge unter freiem Himmel im Stadtbezirk Plauen verboten.

Auch in Frankfurt a. M.

Nach Angaben des Prager Schulministeriums befanden sich bei den Einschreibungen zu Beginn des Schuljahres 1930-31 unter insgesamt 97 291 Mittelschülern 21 717, die in deutschen Schulanstalten eingeschrieben wurden.

Das Landesamt in Prag hat der deutschböhmischen Stadt­gemeinde Aussig den Auftrag erteilt, die unzulässige Bezeich= nung ,, Rosegger- Park" zu beseitigen.

Die Stadt Preßburg hat auf Grund von Zeitungsmeldun gen nach der letzten Volkszählung 123 821 Einwohner, das be= deutet gegenüber dem Jahre 1921 einen Zuwachs von 30 640 Personen. Die Zahl der Deutschen in Preßburg stieg von 25 831 auf 35 793, also nach dem Hundertsak von 29,40 Prozent auf über 30 Prozent.

Der für Samstag und Sonntag vorgesehene Gautag der Nationalsozialisten in der Frankfurter Festhalle, bei dem General a. D. Litzmann, Dr. Goebbels und Hauptmann a. D. Goehring sprechen sollen, hat die politische Gegnerschaft auf den Plan ge= rufen. Das Reichsbanner hat einen großen Alarm angeordnet und die Kommunisten fündigen ,, Massenkundgebungen" an. In­folgedessen hat sich der Polizeipräsident veranlaßt gesehen, alle Umzüge, Demonstrationen und Versammlungen unter freiem Himmel für den Ortspolizeibezirk Frankfurt bis auf weiteres zu verbieten.

Deutsch reden verboten!

Im Jahre 1930 war Marienbad von insgesamt 41 092 Kurgästen besucht, unter denen die Reichsdeutschen mit 23 485 bei weitem an der Spitze stehen; an vierter Stelle stehen die Desterreicher mit 2093 Personen.

Wie in allen Aemtern in Südtirol, so ist es auch bei Gericht( bei Verhandlungen, Eingaben usw.) verboten, sich der deutschen Sprache zu bedienen. Die italienischen Behörden sind aber mit der Verdrängung der deutschen Sprache aus den Aemtern immer noch nicht zufrieden.

Kann der Deutsche überhaupt noch auswandern?

Lokales.

Jagdkalender für März in Hessen, mitgeteilt vom Hessischen Jagdklub, Darmstadt.

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Der März ist ein Monat der Hege, nur ganz wenige Felder des Jagdscheins zeigen Schußzeiten. Da ist erstens für Fasa­nenhähne, die dort, wo die Hahnenzahl überwiegt, noch weg­genommen werden können, dann für Waldschnepfen, Sumpf­schnepfen, Brachnögel und Trappen. Aber auch hier sollte mit dem Abschuß nicht zu früh begonnen werden, damit das Fort­pflanzungsgeschäft nicht unmöglich wird. Such- oder Treibjagd auf Schnepfen im Frühling ist streng zu vermeiden. Der Be­such des abendlichen Anstandes mit seiner hohen Poesie und seinen relativ geringen Resultaten wird dem Jäger niemand neiden. Hoffen wir, daß der Winter mit Eis, Schnee und Feuch­tigkeit bald zu Ende ist, damit die Aussichten auf eine weitere Besserung unserer Niederwildbestände, die im vergangenen Jahre zu konstatieren war, auch weiterhin anhalten. Gegen Ende des Monats ist es schon angängig, die Feldstücke mit dem Hund abzusuchen, in denen die Brut der Hühner wegen der frühen Mahd gefährdet wäre.

Dem Schalenwild wird der März leicht gefährlich, wenn es nämlich allzu viel von der jungen Saat aufnimmt. Des halb ist gerade jetzt die künstliche Fütterung von Trodenfutter, also Eicheln oder Kastanien, besonders zu empfehlen, um den Ausgleich herzustellen. Selbstverständlich tommt auch der Ge­weih- und Gehörnbildung diese Fütterung und vor allen Din­gen auch die Salzbeigaben durch reichliches Auslegen von Salz­pfannensteinen sehr zu statten.

Wie ein immer enger sich schließendes Gitter legen sich die verschärften Einreisebestimmungen europäischer und überseeischer Länder heute um Deutschland. Die Vereinigten Staaten, die bisher noch 77 Prozent unserer deutschen Auswanderer aufnah­men, haben das Ausstellen von Visen so gut wie eingestellt. Die westlichen Provinzen Kanadas, Manitoba, Saskatchewan und Alberta, die in den letzten Jahren Tausende von deutschen Einwanderern anzogen, geben neuerdings kein freies Regie­rungsland mehr ab. Brasilien fordert von seinen Einwande­rern persönliche oder geldliche Sicherungen, damit sie nicht die hohe Zahl der Arbeitslosen vermehren. Argentinien suchte sich durch eine elffache Erhöhung seiner Paßvisatosten vor mittel­losen Einwanderern zu schützen. Peru schloß sich so gut wie ganz gegen jede Einwanderung ab. In Afrika hat nur der deutsche Einwanderer mit beträchtlichem Kapital Aussicht auf eine selbständige Existenz. Asien ist schon seit langem fein deutsches Einwanderungsland mehr. Auch Australien und Neu­seeland melden unter dem Drud ihrer katastrophalen Wirt­schaftslage eine stärkere Abwanderung und warnen vor frem­der Einwanderung. Das europäische Ausland stellt fast un­erfüllbare Bedingungen für dauernde Zulassung und Ueber­nahme von Arbeit. Von überall her scheint dem auswande= rungswilligen Deutschen ein ablehnendes ,, Nein, bleibe wo du bist!" entgegen zu klingen.

Unter dem 31. Januar 1931 ist nämlich an alle Advokaten ein Erlaß des Präsidenten des Kreisgerichts Bozen ergangen, in dem es diesen unter dem Hinweis auf ihren Berufseid zur Pflicht gemacht wird ,,, sich in den Gerichtsräumen ausschließlich nur der italienischen Sprache zu bedienen, auch dann, wenn sie sich untereinander im Gespräche befinden". Dieser neue Zwang zur Ausschaltung der deutschen Sprache erfolgt übrigens nicht nur unter Berufung auf den Eid, sondern auch darauf ,,, daß es die heiligste Pflicht jedes guten Bürgers ist, nicht nur Italiener zu sein, sondern sich auch als solcher zu fühlen und zu bezeugen". Man sieht also: die Jtaliener wollen nicht den geringsten Unterschied zwischen Staatsbürger und Volksbürger machen.

Deutsche aus der Tschechoslowakei.

Nach einer Statistik des Deutschen Bühnenvereins entfallen von den zur Zeit in Europa vorhandenen 207 deutschen Bühnen 23 auf Bühnen- und Theatergesellschaften in der Tschechoslowa­kei, die in deutscher Sprache spielen.

An der Deutschen Universität Prag studieren im Winter­semester 1930-31 4927 Studierende gegenüber 4714 Studierenden

Frühling.

Es will nun wieder Frühling werden Ganz leise flüstert es mein Blut. Wie träume ich doch jetzt so gerne Von Plätzchen, wo ich einst geruht.

Wohl schmilzt der Schnee von allen Dächern Und manches Reis wird wach und blüht, Indes die warme Sonne scheinet Und mich so fragend weich umglüht.

Ich seh die Mädchen stehn und warten Im Park, gelehnt an einem Baum, Es liegt in ihrem bleichen Lächeln Der erste ungeahnte Traum.

Die Kinder lassen Drachen steigen Und bauen Schlösser in den Sand, Die Fenster stehen weit geöffnet Hinein ins weite Sonnenland.

Der Gärtner überstreicht die Bänke, Ein Beitler prüft die Krüden aus, Die Spatzen schrein aus allen Nestern, Die Welt ist wie ein Bienenhaus. In diesen wehverlor'nen Tagen Fiel in mein Herz ein welfer Gruß, Weil ich an allem Wunderbaren So abseits still vorüber muß.

Josef M. Bernegger.

Kunst und Photographie.

Die Rothirsche werfen ab, später der Damhirsch. Die Reh­böcke schieben noch und entwideln ihr Baſtgehörn. Der erste, für das ganze Jahr ausschlaggebende Hasensaz fällt. Gegen Ende des Monats beginnt die Balz des Auer, Birk- und Hasel­wildes, sowie des Fasans. Dieser Monat eignet sich am besten zum Aussetzen von Hühnern und Fasanen, zur Ergänzung des vorhandenen Bestandes bezw. zur Blutauffrischung. Die Reih­zeit der Wildenten geht zu Ende. Von Schwarzwild ist infolge des Abspürens durch den letzten Schnee noch manches Stüd ge= fallen. Man sollte jetzt Bachen, die vor dem Frischen stehen, unbedingt Ruhe gönnen und führende Bachen selbstverständlich schonen, wenn auch der Abschuß eines Keilers oder Ueberläufers, wo diese zu Schaden gehen, erlaubt ist.

Dennoch ließ sich auch in neuester Zeit schon für manchen arbeitswilligen Deutschen noch ein oder das andere Auswan= derungsventil öffnen. Solche Auswanderungsmöglichkeiten wol= len nur in jedem einzelnen Fall mit Sorgfalt und Liebe her= ausgearbeitet sein. Ist auch freies Regierungsland vielfach nicht mehr zu haben, so gab es doch selten so preiswert einge­richtete Farmen und Kolonien zu kaufen, wie heute. Für den einwandernden Siedler und Kolonisten läßt sich meist eine er= hebliche Verbilligung erhöhter Visakosten erreichen. Kanada läßt neuerdings auch die bisher ausgeschlossenen Bräute einge­wandter Deutscher wieder ins Land. Brasilien läßt unter Um­ständen die feste Anschrift und Anstellungsbereitschaft bezw. Einreiseempfehlung eines Angehörigen oder Bekannten im Land als Ersatz für fehlende Mittel gelten.

Man achte darauf, daß das Wild jetzt größte Ruhe hat. Wildernde Hunde und Katzen, deren Schaden gerade in diesen Tagen besonders ernst werden kann, sind mit allen Mitteln vom Revier fern zu halten.

Alles in allem: Wo ernste Auswanderungsabsichten be stehen und die wichtigsten Voraussetzungen nicht fehlen, lassen sich bei einigen Bemühungen auch Wege finden. In jedem Fall empfiehlt es sich stets, sich persönlich mit der nächst erreich­baren Auswandererberatungsstelle, wie sie z. B. in dem Deuts schen Ausland- Institut in Stuttgart gegeben ist, in Verbin­dung zu setzen. Ein vertrauensvolles Durchsprechen der mehr oder weniger brennenden Auswanderungsfrage hat hier schon manchem einen gangbaren Weg gezeigt, der zu einer befrie­digenden Arbeit und selbständigen Existenz verhalf.

Der bekannte Kunsthistoriker Kurt Karl Eberlein gibt im Märzheft der Deutschen Rundschau"( Berlin W. 30) folgenden interessanten Ueberblid:

* Fundsachen im Monat Februar 1931. Das Verzeichnis über die im Monat Februar 1931 gefundenen bezw. abgelieferten Gegenstände tann an der Anschlagtafel im Flur des Polizeiamts, Landgraf Philipps- Platz 1, eingesehen werden. Die Empfangs­berechtigten werden aufgefordert, ihre etwaigen Rechte inner halb zwei Monaten beim Fundbüro während der Dienststunden geltend zu machen.

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* Auszahlung von Frankreichguthaben ehemaliger Kriegs­gefangener. Einer Mitteilung zufolge werden auf Grund einer Entscheidung des Reichsfinanzministers die seit einigen Jahren in den Händen des Reichsfinanzministeriums befindlichen Gut­haben ehemaliger Kriegsgefangener aus französischer Kriegsge= fangenschaft nunmehr zur Auszahlung gelangen, insoweit sie den Betrag von RM. 10. übersteigen.

* Eine Fahrplankonferenz. Nach einer Mitteilung des Ver­fehrsbundes Oberhessen wird am 24. März in Gießen auf Ein­ladung der Reichsbahndirektion Frankfurt a. M. eine Fahrplan­konferenz stattfinden, bei der unter dem Vorsitz des Oberbahn­rats Pietz von der Reichsbahndirektion Frankfurt die Fahrplan­wünsche der Provinz Oberhessen und der anschließenden Streden zur Beratung fommen werden. Die Wünsche an die Reichsbahn­verwaltung sind in ausführlichen Eingaben der hessischen Ver fehrsverbände und Behörden niedergelegt.

schon die Frühzeit betont, zumal man ja längst als Künstler die camera obscura benüßte. Man betonte die Nützlichkeit der Photographie als Hilfsmittel für die Kunst, man verglich sie der Graphik, sprach von ,, the pencil of nature", von ,, photogenic drawing" und hielt irrtümlicherweise die Photographie für eine bildende Kunst. Die Maler, die ihre besten Vertreter waren, denn der Bildnismaler wurde oft zum Bildnisphotographen, lehnten sie auch als erste ab, und doch hat sie einen verhängnis­vollen Einfluß auf die Malerei bis zur Wende des Jahrhun­derts, und es soll heute noch Maler geben, die wie Lenbach nach und mit Photographien malen. Ich bin sest überzeugt, daß der Kunstgeschichte noch einige Ueberraschungen bevorstehen, wenn man diesen Zusammenhängen einmal nachgehend bis in unsere Tage nachforschen wird, und der kluge Lichtwark hat mit Recht immer wieder auf die Tragweite dieser Unter­suchung hingewiesen.

Noch immer ist das Problem Kunst und Photographie un gelöst. Ich meine damit nicht die Photographie in der Kunst, die Darstellung des Photographen durch die Kunst, z. B. durch die Karikatur, sondern ich meine die große Bedeutung der Photographie für die bildende Kunst. Diese Bedeutung hatte

Meines Erachtens gibt es zwei große Entdeckungen und Erscheinungen für die Malerei des 19. Jahrhunderts, das Panorama und die Photographie, und beide hängen nicht zu­fällig zusammen, denn in beiden bricht das neue Freilicht mit allen Folgen der Schattenwirkung und des neuen optischen Realismus in die alte Kunstlehre der Akademie.

* Schöffengericht. Zu vier Wochen Gefängnis wurde der Vorsitzende einer Ortsgruppe des Reichsbundes der Kriegsbee schädigten und Kriegerhinterbliebenen einer Nachbarstadt vers urteilt, der für die Vertretung von Rentenangelegenheiten Vor­schüsse verlangte und diese für sich verbrauchte.

Die neue mechanische Organprojektion oder Fixierprothese des Menschen denn was ist der Photographenapparat ande­res! ist dem Künstlerauge wie der Kunstform gefährlich ge­worden. In der Frühzeit der Photographie sieht man noch überall das Künstlerauge herrschen. Aber die Kunst der Del malerei und Miniaturmalerei, die Reproduktionskunst der Lithographie hatten damit einen bedenklichen Ersatz, eine Syn­these lünstlerisch- technischer Arbeit erhalten, und mit der Ver­breitung dieser schnellen Naturfizierung änderte sich auch das bürgerliche Auge der ,, wirklichkeitsfordernden Calibane" des Publikum. Was der Wissenschaft zugute kam, ist doch der Kunst Abtrag, und die ewige Verwechslung von Kunst und Photo­graphie, die man heute wieder findet, hat gleichermaßen der Kunst wie der Photographie geschadet.

Aber nicht nur für die Kunstgeschichte ist der Einfluß der Photographie schidsalig", auch für die Kunstgeschichte, die bis dahin ganz auf das eigene Augenerlebnis und auf die künst lerische Reproduktion angewiesen war. Schon Hill begann da­mit, Gemälde, Bildwerke und Stiche zu photographieren, und für die Formen- und Stillehre war diese Photographie­wiedergabe gewiß erwünscht. Dem Kunsterlebnis und der Kunstästhetik hat sie aber schwer geschadet, und man wird später einmal die Kunstästhetik darauf untersuchen, ob sie eine Licht­bildästhetik ist oder nicht.

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Wir haben es miterlebt, wie der Film, die Großaufnahme und die Achsendrehung des Beschauerstandpunkts auch der Photo­graphie geschadet haben, wie die seit der Frühzeit gültige Hierarchie der Bildstoffe oder Bildwerte, d. h. des Photogra­phierbaren, Photographierenswerten endgültig zerstört ist. Wir wissen, wie heute die Nasenlöcher zu Tunnels, die Hosenknöpfe zu Elefanten, die Streichhölzer zu Balken und die Menschen zu Fleischhäusern photographiert werden, und daß diese sog. Sach­lichkeit ebenso bejubelt wird wie der abstrafte Surrealismus" jonnambuler Spiegelbilder oder Lichteffekte. Gulliver kommt heute als Photograph abwechselnd zu den Zwergen oder zu den Riesen und endet als Photomonteur für Plakat und Buchein band. Wirtschaft, Horatio, Wirtschaft!" Das ist die Rüdlehr zu den Daguerreotypien, Kalotypien und Photographien der Frühzeit eine nötige und erfrischende Heimkehr, und deshalb soll hier ausdrücklich auf diese Frühzeit der Photographie, auf ihre Meister und Meisterwerke hingewiesen sein, denn: ,, Wer des Feuers bedarf, sucht's unter der Asche!"

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