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Camstag, den 7. Gebruar 1931.

Ein rheinisches Mädchen" wird 103 Jahre alt.

Vor 103 Jahren wurde Sofie Gaß in Unkel am Rhein geboren. Vergnügt und rüstig lebt sie mit ihren 103 Jahren noch jetzt im Riehler Wohndistrikt in Köln. Hier will Frau Gaß ihren Lebensabend verbringen. Sie lebt mit ihrer jüng­sten" Tochter zusammen, die ,, erst" 75 Jahre alt ist. Frau Gaz ist weder frank gewesen, noch hat sie vor, es zu werden. Sie fümmert sich noch gern um den Haushalt. Ihr ganzes Inter­esse gilt der Politik. Sie ist eifrige Zeitungsleserin und eine treue Rundfunkhörerin.

Eine Spigenorganisation der Verbände deutscher Heimatmuseen.

Ein Ring der Verbände deutscher Heimatmuseen ist als Spitzenorganisation in Leipzig begründet worden. Die Grün­dung erfolgte in Anwesenheit der Verbandsvertreter von Bran­denburg, Hessen, Mitteldeutschland, Niedersachsen, Pommern, Rheinland, Schleswig- Holstein, Schwaben, Provinz Sachsen, Westfalen und eines Vertreters des Bundesdenkmalamtes von Deutsch- Desterreich. Die Tagung brachte ein einhelliges Be­fenntnis zur Lebendigkeit und Bedeutung des Heimatmuseums als des wichtigsten Faktors der Heimatpflege.

Das Ende des Münchener ,, Goldmacher"-Prozesses. München. Jm Tausend- Prozeß wurde am Donnerstag das Urteil verkündet. Hiernach wird der Angeklagte wegen fünf Vergehen des vollendeten Betrugs und eines Vergehens des versuchten Betrugs zu drei Jahren acht Monaten Gefängnis ver­urteilt. Von der Anklage eines Vergehens des versuchten Be­truges wurde er freigesprochen. Auf die Strafe wird ein Jahr acht Monate Untersuchungshaft angerechnet. Der Schmelztiegel, sowie die Materialien, mit denen die Versuche vorgenommen wurden, werden eingezogen.

Todesopfer eines Studentenstreichs.

Greifswald, 6. Febr. Ein beliebter Studentenstreich, ist es hier, dem Friedensengel des auf dem Markte stehenden Krieger­denkmals ein weißes Tuch um den Hals zu binden. Bei einem solchen Kletterversuch stürzte der Student der Zahnheilkunde, Paul Ferie aus Ahaus i. W., so unglücklich ab, daß er sich schwere innere Verletzungen zuzog, denen er noch in der Nacht erlag.

Ein Riesenflugboot stürzt ab

zwei Offiziere und 8 Mana tot.

Ein Riesenflugboot der Jris- III"-Klasse der englischen Luft­marine ist am Mittwoch in der Bucht von Plymouth einer fürch terlichen Katastrophe zum Opfer gefallen. Zwei Offiziere und acht Mann der Besayung haben dabei den Tod gefunden. Wei­tere drei Mann konnten unmittelbar nach dem Unglück auf Boo­ten gerettet werden, darunter zwei Offiziere, die sehr schwer verwundet sind.

Die Explosion auf dem englischen U- Boot. London, 6. Febr. Die Explosion auf dem englischen Unter­seebot ,, 11" war weit ernster, als anfangs zugegeben wurde. Insgesamt sind 12 Mann schwer verletzt worden.

Erfinderlos.

Jm Besitz von 270 Patenten ist der englische Erfinder Fre­deric Marten Hale zu Torquay im Alter von 70 Jahren im größten Elend gestorben. Man erinnert sich jetzt wieder der großen Verdienste, die er auf dem Gebiet der Technik besaß. Die meisten seiner Erfindungen beziehen sich auf alle Arten von Ma­schinen. Die englische Regierung, die seine Erfindungen aus= nuzte, hatte ihm eine Abfindungssumme von 440 000 Mark zu­gesprochen, aber erst nach einem langwierigen Prozeß, dessen Führung Hale 280 000 Marf kostete. Von dem Geld, das ihm übrig blieb, mußte er Schulden bezahlen. Und so war er bald mittellos und geriet ins Elend, von dem ihn jetzt der Tod er= löst hat.

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Ein vierfacher Raubmord.

Bukarest, 6. Februar. Auf der Landstraße Orhe- Branica hat sich am Mittwoch ein vierfacher Raubmord ereignet. Der Fuhrmann Sopronean brachte vier jüdische Kaufleute nach Bra­nica. Plötzlich sprangen bewaffnete Banditen aus dem Gebüsch hervor, schossen drei Kaufleute und den Fuhrmann nieder und verletzten den vierten Kaufmann schwer.

Ein Schuhmann, der Millionär ist.

Paris, 6. Febr. Paris hat unter seinen Schutzleuten einen vielfachen Millionär. Er denkt gar nicht daran, den Abschied zu nehmen. Es ist der Beamte Jean Massat, Nr. 7782, der vor kurzem Erbe eines großen Vermögens wurde. ,, Geld fließt schneller als guter Rotwein," meinte Massat, als man ihn fragte, ob er nun nicht privatisieren wolle. In zwei Jahren werde ich meine 15 Jahre abgedient haben und dann mit 100 Mark monatlich in Pension gehen. Deren bin ich vielleicht noch einmal frol" Jm übrigen erfreut sich der Millionär- Schuhmann seines Reichstums, soweit es sein Beruf gestattet. Er verbrachte mit seiner jungen Frau seinen letzten Urlaub gleich anderen reichen Leuten in dem eleganten Deauville, und macht an dienstfreien Tagen gerne Ausflüge mit seinem großen, neuen Kraftwagen.

Kinder und Milch.

Von Mary Heller.

Kinder und Milch das sind zwei Begriffe, die eigentlich ganz eng verknüpft sein sollten, denn soweit man auch zurück­denkt, ist doch die Milch immer das wichtigste Produkt zum Auf­bau des kindlichen Organismus gewesen und muß und soll es auch heute mehr denn je sein.

Aber wie stehen die Kinder selbst in ihren oft merkwürdigen Geschmadsrichtungen zu diesem so überaus wichtigen Nahrungs­mittel? Ich habe nicht nur bei meinen eigenen Kindern vielfach die Beobachtung gemacht, daß gerade auf dem Lande, also gewissermaßen direkt zwischen den Kuhställen, die kleine Gesellschaft oft einen unbegreiflichen Widerwillen gegen den Genuß der reinen Miich hat. Oft klagen andere Landfrauen: Ich könnte meinen Kindern nun in Hülle und Fülle Milch geben, und sie sind weder im Guten noch im Bösen zum Milch­trinken zu bewegen.", Wie manches arme Stadtkind würde sich freuen," sagt wieder eine andere ,,, wenn es alle die Milch be= tommen könnte, die meine Kinder verschmähen."

Wie ist diesem Uebelstand abzuhelfen, um den Anti- Milch­kindern doch die notwendige Menge dieses kostbaren Produktes unserer Landwirtschaft zukommen zu lassen? Es ist wohl gar tein sehr origineller Rat, aber viele Mütter sind mir dafür schon dankbar gewesen: die Milch einfach in ein anderes Gewand kleiden! Es gibt ja so unendlich viele Verkleidungen dafür, daß man sie gar nicht alle aufzählen kann. Morgens beginnt die so gut gemeinte Verwandlung gleich mit dem Milch- Kakao. Daß | dann beim findlichen Frühstück Butter und wenn angängig auch Käse die Hauptrolle einnimmt, ergibt sich im allgemeinen schon daraus, daß die meisten Kinder anderen Belag oft verschmähen. Aber die reichhaltigste Milch verwendung bietet das Mittagessen. Man denke an die vielen Gemüsearten, die so ungemein schmad­haft mit einer Milch- Mehl- Schwitze gemacht werden können: Blumen- und Wirsingkohl, Kohlrabi, Spinat, grüne und Wachs­bohnen usw., dann der meist sehr beliebte Kartoffelbrei( zur Ab­wechselung etwas pikanter durch feingewiegte Petersilie). Und der Nachtisch, der wohl sast überall bei den Kleinen und Klein-. sten Jubelstürme hervorrust! Es weiß ja jeder, mit oder ohne Kochbuch, daß in allen Variationen von Süßspeisen nebst der dazu gehörigen Tunke Milch, natürlich auch Eier, das Wesent­lichste ist.

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Es ist mit dieser Anregung wohl ähnlich, wie mit dem Ei des Columbus... natürlich, es ist ja so einfach, man muß das Ding nur beherzt anfassen und so handeln, wie es zum Wohl eines neuen starten Geschlechts notwendig ist.

Rundfunk auf dem Lande.

Es ist nicht zu viel gesagt, wenn man feststellt, daß der Rundfunk für den ländlichen Hörer vielleicht eine noch größere Bedeutung hat als für den in der Stadt. In den Städten tann man Konzerte besuchen, ins Theater gehen. In den Städien gibt es Vorträge und Volkshochschulen. Man kann in politische Versammlungen gehen und ins Kino. Auf dem

Lande ist das alles anders. Wer am Abend überhaupt noch Lust und Kraft verspürt, sich weiter zu bilden oder sich unter­halten zu lassen, ist meistens auf sich selbst angewiesen. Besten­falls, daß man in eine Kneipe gehen kann oder vielleicht am Sonntag in die Kirche. Sonst ist es einsam auf dem Dorfe. Es fehlt an Anregungen äußerer Art.

Hier hat der Rundfunk eine wichtige Aufgabe. Er kann auch den ländlichen Hörer an den Ereignissen der großen Welt teilnehmen lassen. Bedauerlich bleibt, da die deutschen Sender von sich aus bisher nur wenig auf die besonderen Wünsche des ländlichen Publikums Rüdsicht genommen haben. Abgesehen von Wetter- und Marktnachrichten und einer gelegentlichen Stunde des Landes" oder Stunde für die Landhausfrau". Die ländlichen Hörer müssen den Sendeleitungen sagen, welche Dar­bietungen sie für sich am wertvollsten halten.

Literarisches.

Geheimrat Leo Frobenius, bekannt durch seine aussehen­erregenden Forschungen in Afrika, der Schöpfer des ersten ful­turmorphologischen Forschungsinstituts, übernimmt die Leitung der Zeitschrift für Länder- und Völkerkunde Der Erdball" ( Hugo Bermühler Verlag, Berlin- Lichterfelde).

Der Schuß in den Weltfrieden. Die Wahrheit über Sera­jcwo. Unier diesem Titel gibt Bruno Adler im bekannten Verlage Died& Co., Stuttgart, ein außerordentlich lesenswertes Buch heraus( geh. 3,50 RM., in Ganzleinen 4,90 RM.). Wie wenig wußten wir bisher von den dramatischen Vorgängen, die am 28. Juni 1914 den Frieden der Welt zerstörten! Und noch weniger von den Triebkräften dieses welthistorischen Attentats, von den Drahtziehern und Brandstiftern, die den Planeten in Flammen setzten. Der Schuß in den Weltfrieden" heißt der Bericht, der die Wahrheit meldet. Mit historischer Genauigkeit, frei von jeder politischen Tendenz, geht er den seltsamen, un­heimlichen, taum glaubhaften Dingen auf den Grund. Was er bringt, sind nicht einfache Akten und Protokolle, es ist Fälle lebendigen Geschehens! Ein Historiker mit Einfühlungskraft, ein Erzähler mit wissenschaftlicher Gründlichkeit hat hier das gesamte Dokumentenmaterial und neue Forschungsergebnisse zu einem eindrucksstarken Buch verarbeitet. Nur die Ereignisse sprechen und die Menschen: Fürsten und Anarchisten, Minister und Schüler, Offiziere, Geheimbündler, lebensvoll wie die Ge­stalten eines spannenden Romans, jeder ein Name, welcher der Geschichte angehört.

Die ,, Deutsche Rundschau"( Berlin W. 30) veröffentlicht im Februarheft einen interessanten Briefwechsel über die Juden­frage"; einen wichtigen Beitrag zum Reparationsproblem ,,, Die Rohstoffkrise in der Welt".

Verantwortlich: Paul Christian Klein in Gießen.

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