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Mittwoch, den 4. März 1931.

Lokales.

* Gedenkfeier zu Ehren der Gefallenen. Der Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge, Ortsgruppe Gießen, hatte am Sonntag mittag zu einer weihevollen Feierstunde in die Neue Aula der Universität eingeladen. Die Aula war voll besetzt, als die Kapelle unseres Reichswehrbataillons die Feier mit Schuberts ,, Ave Maria" eröffnete. Nach einem Gesangsvortrag von Frau Wolff, auf der Orgel begleitet von Musiklehrer Kasten, hielt Herr Beigeordneter Dr. Hamm die Gedenkansprache, in der er die gefallenen Brüder als Hüter des Grals des reinen Men­schentums und als Träger der Opferidee verherrlichte und zum Schluß ausführte, daß der Voltstrauertag uns zum Born von Gemeinschaftsgefühl, Opferbereitschaft und Verantwortungs­bewußtsein werden möge, damit wir vor den Toten bestehen können. Ein weiterer Gesangsvortrag von Frau Wolff und die Ouvertüre zu Mendelssohns Die Hebriden", ausgeführt von der Reichswehrkapelle schloß die würdig verlaufene Feier.

* Ein Entel Liebigs gestorben. Der außerordentliche Pro­fessor Dr. Hans Freiherr von Liebig, ein Enfel des berühmten Forschers Liebig, ist in Bernried im 57. Lebensjahr im vorigen Monat gestorben.

* Stadttheater. Heute abend ist das Theater geschlossen. Morgen: Gastspiel des Darmstädter Landestheaters ,, Die Hoch­zeit des Figaro"( im Mittwochabonnement); Freitag: Erstauf­führung ,, Nachtasyl"; Sonntag: 3um letzten Male: Schinder

hannes".

* Feilhalten und Verlauf von Weidenkätzchen. Das Poli­zeiamt teilt mit: Nach der Polizeiverordnung vom 18. Februar 1922 ist das Feilhalten und der Verkauf von Weidenkätzchen verboten. Zur Förderung der Bienenzucht ist es überaus wich­tig, daß die Blütenstaub spendenden Sträucher, wie Weide, Hasel usw. geschont werden. Gegen Zuwiderhandelnde wird deshalb unnachsichtlich mit Strafanzeige vorgegangen.

* Von der Reichswehr. Unser Bataillon wird morgen mit­tag auf neun Tage nach Ohrdruf abrücken, um dort das vorge­sehende Winterschießen vorzunehmen.

* Prüfung für Geschäftsstenographen. Am 22. März findet in den Räumen der Industrie- und Handelskammer eine Ge­schäftsstenographen- Prüfung in der Einheitskurzschrift statt. An­meldungen unter Vorauszahlung der Gebühren bis zum 14. März dortselbst.

* Deutsche Voltspartei. Die hiesige Ortsgruppe hält heute abend im ,, Hindenburg" ihre Jahres- Hauptversammlung, ver­bunden mit einer fommunalpolitischen Aussprache, ab.

* Der Turngau Hessen, der in Oberhessen und Kurhessen 160 Vereine umfaßt, hält am Sonntag, dem 8. März, in Gießen seinen 99. Gauturntag ab. Die Tagesordnung weist neben dem geschäftlichen Teil wichtige Anträge auf.

* Krieger- Verein. Der Vorstand lädt die Mitglieder mit ihren Angehörigen zur Jahres- Hauptversammlung, die am Don= nerstag abend, dem 5. März, im Postkeller" stattfindet, ein.

* Blinden- Konzert. In der neuen Aula findet heute abend ein Blinden- Konzert der Gebrüder Sandfort statt. Am Flügel begleitet Elfriede Fischer.

* Manches Feuer ist schon durch in Brand geratene Gardi­nen und Fenstervorhänge verursacht worden. Man kann ihre leichte Entflammbarkeit herabmindern, indem man sie nach dem Waschen in Alaunwasser spült.

Aus Nah und Fern.

Gießener Zeitung"

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Mainz. Eine alleinstehende 48jährige Büglerin aus der Neubrunnenstraße hat sich in ihrer Wohnung aus wirtschaftlichen Sorgen mit Gas vergiftet. Ein 17jähriges Bürofräulein und eine 32jährige Frau von hier versuchten durch Einnehmen eines größeren Quantums Schlaftabletten freiwillig aus dem Leben zu scheiden. Beide wurden noch rechtzeitig ins Krankenhaus über­geführt. Ein 55jähriger Landwirt aus Mainz- Bischofsheim warf sich in der Nähe des Bahnhofs Mainz- Gustavsburg vor Aus einen Personenzug; er wurde überfahren und getötet.

Wiesed. Da der derzeitige Sportplatz der Gemeinde den Ansprüchen gar nicht mehr genügt, hat der Gemeinderat ernstlich die Neuerrichtung eines weiteren Sportplates in Erwägung gezogen.

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dem fahrenden Zug gesprungen ist in Mainz- Kastel ein 12jäh­riger Schüler aus Düsseldorf, der seinen Eltern durchgebrannt war und ohne Fahrkarte fuhr. Er stürzte so unglücklich, daß er einen schweren Schädelbruch erlitt.

Mainz. Am Sonntagabend wurde auf dem Hauptbahnhof Mainz im Abort eines Wagens 2. Klasse der in Mainz, Feld­bergstraße 32, wohnhafte 20jährige Kaufmann Friedrich Dingel­dein mit einer Schußwunde tot aufgefunden. Als Todesursache wurde Selbstmord festgestellt.

Harbach. Bei Rodungsarbeiten fand ein Landwirt vor einigen Wochen ein gut erhaltenes Bronzebeil. Untersuchungen ergaben, daß das Beil aus der mittleren Hügelgräber- Bronze­zeit( 1500 v. Chr.) stammt.

Burkhardsfelden. Fast das ganze Dorf ist an Grippe, die glücklicherweise nicht bösartig auftritt, erkrankt. Die Schule mußte Ende letzter Woche bis auf weiteres geschlossen werden.

Mainz. In den Ruhestand versetzt wurde der Oberstudien­rat Dr. Heinrich Willenbücher.

Worms. In Herrnsheim fiel ein Arbeiter in einen frisch­aufgeworfenen Graben und erstickte daselbst im Schlamm.

Wetzlar. Zwischen Dillheim und Ehringshausen wurde ein hier wohnender Schreiner vor den Augen seiner Gattin über­fahren und auf der Stelle getötet.

Bilbel. Nach 16jähriger Abwesenheit in die Heimat zu­rückgekehrt ist ein hiesiger Arbeiter, der freiwillig in der russi­schen Gefangenschaft verblieben war.

Kassel. In einem Zuge auf der Strecke Kassel- Harrles­hausen geriet ein Schlosser mit einem Mitfahrer in Streit und und brachte demselben einen schweren Messerstich in die Schläfe bei. Der Zustand ist hoffnungslos.

Darmstadt. Die Transportarbeiter, Pacer und Fuhrleute der hiesigen Möbelgeschäfte sind in den Ausstand getreten.

Kassel. Der Inhaber der Betriebe Hotel Kasseler Hof" und Café Polter, Hermann Polter, befindet sich in Zahlungs­schwierigkeiten, die in der Hauptsache auf steuerliche Ueber­lastung zurückzuführen sind. Es wird ein Moratorium ange­strebt.

Darmstadt. Ein 56jähriger Schuhmacher wurde wegen Sittlichkeitsverbrechen zu einem Jahr und 3 Monaten Zucht­haus verurteilt. Der Verurteilte hatte sich an einem 10jähri­gen Kind vergangen und dasselbe mit einer Geschlechtskrankheit infiziert.

Deutscher Naturschugtag 1931.

Der diesjährige 4. Deutsche Naturschutztag findet vom 8. bis 12. April 1931 in Berlin im Großen Sizungssaal des Preu­ßischen Abgeordnetenhauses statt. Er wird sich neben einigen speziellen Fragen des Naturschutzes, insbesondere des Vulkan­schutzes, vornehmlich den immer dringender werdenden Proble men der Landesplanung und Landschaftsgestaltung widmen. Mit der Veranstaltung ist eine Naturschutzausstellung in den Funk­hallen verbunden.

Darmstadt. In der am 2. März stattgefundenen Aufsichts­ratssitzung der Hekoga erstattete der Vorstand Bericht über die seit der Genehmigung der Ferngasverträge durch die General­versammlung im Juli v. J. mit Saar und Ruhr geführten ab= schließenden Verhandlungen und die im Anschluß daran erfolgte rechtsverbindliche Unterzeichnung der Gesamtverträge. Durch den Abschluß der Verträge, sowie die Genehmigung des Gasliefe= rungstarifs, ist die Bahn frei für die Jnangriffnahme der Gas­fernversorgung im hiesigen Wirtschaftsgebiet.

Ganzer Häuserblock vor der Ermittierung.

In der Welt am Abend"( Berlin) vom 14. Januar 1931 lesen wir:

Nr. 18

Amalgamfüllungen gesundheitsschädlich

oder nicht?

Das Füllen franker Zähne mit Amalgamen wird schon seit den fünfziger Jahren des vorigen Jahrhunderts geübt, und ebenso alt sind auch die Bedenken gegen deren schädliche Neben­wirkungen. Die Amalgame verdanken ihre Entstehung und Anwendung dem Bestreben, Zähne, die aus ökonomischen oder technischen Gründen nicht mit chemisch reinem Gold, Porzellan oder Zement gefüllt werden können, dennoch mit einer sehr guten, brauchbaren Füllung zu versehen. In der Frage der schädlichen Nebenwirkungen haben nun vor mehreren Jahren die größtes Aussehen erregenden Untersuchungsergebnisse des sehr bekannten Chemikers Professor Dr. Stock große Beunruhigung in allen Kreisen der Krankenkassenverwaltungen, der Zahn be­handler und Zahnkranken hervorgerufen. Sogar die Kranken­kassen setzten die besten Marken des Kupferamalgams von der Verwendung für ihre Mitglieder ab, und auch hochwertige Edel­amalgame wurden von manchen Fachleuten und Trägern solcher Füllungen beargwöhnt. Bei jedem auch nur einigermaßen nicht gleich aufgeklärten Unbehagen des Körpers wurden sofort die vorhandenen Amalgamfüllungen als Ursache verdächtigt. Sehr häufig wurde auch an den behandelnden Fachmann das Ersuchen gestellt, entweder keine Amalgamfüllung zu legen, auch da, wo sie sehr zweckmäßig gewesen wäre, oder bereits vorhandene zu entfernen.

,, Der Neubaublock Tegeler Weg- Brahestraße- Her­schelstraße in Berlin gehört der ,, Baugesellschaft Heerstraße", die die Frechheit hat, sich ,, gemeinnüßig" zu nennen. Die Ge sellschaft schloß mit den etwa 100 Mietern 1928 einen Ver­trag auf Festmieten ab. Nichtsdestoweniger verlangt die Ge­sellschaft nunmehr eine Erhöhung der Mieten um 16 bis 20 Prozent. Die Mieter weigerten sich und schlossen sich zu einer Vereinigung zusammen, die indessen weder von der Charlotten­burger Wohnungsbehörde, noch von der Gesellschaft anerkannt wurde, obwohl ein Stadtverordnetenbeschluß vorliegt, der den Mietern gemeinnüßiger Baugesellschaften das Mietervertre tungsrecht zubilligt. Sie machten Eingaben und Protestkund­gebungen und erhielten von der Gesellschaft als Antwort die Kündigung zum 31. März 1931."

Mainz. In einer am Donnerstag um 12 Uhr stattfindenden nichtöffentlichen Stadtratssitzung steht als einziger Punkt die Ernennung des Oberbürgermeisters Dr. Külb zum Ehrenbür­ger von Mainz auf der Tagesordnung.

Druckarbeiten

Die feindlichen Brüder!

Der sozialdemokratische ,, Vorwärts" brachte kürzlich fol­gende recht interessante Mitteilung:

Nun haben die neuesten Untersuchungen des Herrn Dr. P. Borinski, Direktor des Chemischen Instituts im Hauptgesund­heitsamt der Stadt Berlin, und seiner Mitarbeiter folgende, alle Bevölkerungskreise interessierende Tatsachen ergeben, die der= selbe dahin zusammenfaßt:

,, Der kommunistische Landtagsabgeordnete Oberdör ster, der von seinen Parteifreunden in der Wohnstadt Carl Legien zu einer gänzlich ,, unpolitischen" Mieterversammlung als Referent eingeschmuggelt wurde, jedoch unverrichteter Dinge von dannen ziehen mußte, scheint in Mieterfragen besonders sachverständig zu sein. Der Mann, der in der Gotlandstraße eine kleine Wohnung hat, die er gar noch mit einem anderen kommunistischen Landtagsabgeordneten teilt oder geteilt hat, ließ sich von der Zahlung der Hauszinssteuer befreien, weil er kein Einkommen hat. Der arme Mann bezieht nur seine Diäten als Landtagsabgeordneter, die jetzt, nach der Kürzung um 20 Prozent, nur noch 600 RM. monatlich betragen. In seiner Nachbarschaft wohnen manche Mieter, die tatsächlich ohne Einkommen sind, denen jedoch die Hauszinssteuer nicht er­lassen werden kann, weil der bei ihnen wohnende Sohn oder die Tochter erwerbstätig ist.

Der Herr Landtagsabgeordnete Oberdörster kann auf Grund seiner persönlichen Erfahrung den Mietern das Rezept geben, wie man sich von der Zahlung der Hauszinssteuer be­freien und so seine Miete wesentlich verbilligen kann. Aller­dings kann nicht jeder Mieter mit gleichem Erfolg von diesem Rezept Gebrauch machen."

1. Von den von Herrn Dr. Borinski untersuchten Personen, die noch nie mit Quecksilber in Berührung gekommen sind, haben dennoch 56 Prozent derselben Quecksilber ausgeschieden.

2. Fast alle Lebensmittel enthalten kleinste Mengen Queck­silber.

3. Ein Quecksilbergehalt von fünf Tausendstel bis zehn Tau­sendstel mg in der Tagesausscheidung darf als normaler Be­fund angesehen werden, der nicht für eine Quecksilberschädi­gung spricht.

Neue Bücher.

Neue Wegzeichenkarte vom östlichen Taunus( 1: 100 000). Auf Papier 2 RM., aufgezogen 3,50 RM. Rechtzeitig vor Beginn der Wanderzeit erscheint soeben in 13. Auflage( 105. bis 116. Tausend), abermals wesentlich verbessert, die Amtliche Karte der mit farbigen Zeichen versehenen Wege im östlichen Taunus ( Raum Schlangenbad- Knoten- Hohensolms- Wetzlar- Grünin­gen- Offenbach- Wiesbaden), herausgegeben vom Gesamt- Tau­nusklub e. V., Sitz Frankfurt a. M. Der Verkaufserlös fließt der praktischen Außenarbeit des Taunusklubs zu.

Da sieht man, wer sich auf Kosten der Allgemeinheit be­reichert. Herrn Kugler, der immer von ,, Milliardengewinnen der Hausbesitzer aus der Hauszinssteuer" phantasiert, ins tammbuch!

Gelbe Raucherzähne. Ich benutze seit Jahren die Chlorodon 3ahnpaste und bin mit der Verwendung derselben sehr zufrieden. Trotzdem ich ein Kettenraucher bin, sind meine Zähne stets blendend weiß Auch fehlt mir fein einziger 3ahn, sodaß ich behaupte au " Chlorodont" erhält meine Zähne gesund." H. Grunenberg, München. Chlorodont: 3ahnpaste 60 Pf. und 1 M., Zahnbürsten, Mundwasser ( Mt. bei höchster Qualität. In allen Chlorodont Verlaufsstellen zu haben.

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