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Samstag, den 27. Oftober 1928.

keit ist die, daß nach§ 1 Abs. 1 des Bewertungsgesetzes vom 1. 4. 1927 ab die Länder und Gemeinden, die Steuern nach dem Merkmal des Wertes einzelner Vermögensarten erheben, ge= zwungen sind, diesen Steuern die nach den Vorschriften des Reichsbewertungsgesetzes ermittelten Werte zugrunde zu legen, woraus sich logisch die den Gewerbesteuer- und Grundsteueraus­schüssen zugestandene Berechtigung ergibt, von sich aus den Rechtsmittelzug in Gang zu bringen, da jene nun bei dem Be­wertungsverfahren Partei sind. Durch diese Bestimmung wird vermieden, daß bei der Vermögenssteuer und der Gewerbesteuer 3. B. das Betriebsvermögen von Finanz- und Kommunalbe­hörden ganz verschieden bewertet wird, wie es in Preußen sehr häufig vorkam.

,, Gießener Zeitung"

Stadtverordnetenjikung

am Freitag, den 26. Oktober 1928.

Gestern, einige Minuten nach 5 Uhr, eröffnet Herr Ober­bürgermeister Dr. Keller die erste Stadtverordnetenversamm­lung nach den Ferien. Am Magistratstisch fehlt der ehemalige Beigeordnete Dr. Frey, auch das Stadtverordnetenkollegium weist einige Lücken auf.

Kurz möchte ich noch darauf aufmerksam machen, daß als Grundlage der Bewertung bei bebauten und unbebauten Grundstücken der sogenannte Wehrbeitragswert genommen wird. Dieser wiederum basiert auf einer älteren Bewertung. Bis­her bot nun das Bewertungsgesetz keine Möglichkeit, die Höhe der Bewertungsgrundlage, eben des Wehrbeitragswertes anzu­greifen und es war daher der dem Steuerpflichtigen zur Ver­fügung stehende Rechtsmittelzug in sehr vielen Fällen wertlos. Durch Ausführungsbestimmungen zum Reichsbewertungsgesetz ist nunmehr die Möglichkeit geboten, auch die Höhe des Wehr­beitragswertes, also die Grundlage der Bewertung anzugreifen. Dieses ist wohl zu berücksichtigen, wenn mit dem Ende des Jah­res 1928 oder Anfang 1929 die neuen Einheitswertbescheide den Steuerpflichtigen wieder zugestellt werden.

Für die aus dem Stadtparlament ausgeschiedenen Stadt­verordneten Schultz und Moosdorf treten die Herren Rumpf und Wolf ein, dieselben werden vom Oberbürgermeister durch Handschlag verpflichtet.

Die Auswirkung des Reichsbewertungsgesetzes in einer Reihe von Spezialfällen, die für die Allgemeinheit von ge= ringerer Bedeutung ist, wollen wir übergehen. Abschließend kann man sagen, daß die durch das Bewertungsgesetz erzielte Vereinfachung der Wertermittelung und-Festsetzung sehr zu be­grüßen ist, wenn dabei auch besonders für die Uebergangszeit eine starke Verzögerung des Veranlagungsverfahrens mit in Kauf genommen werden muß.

Sonntag

Lokales.

Sonntagsgedanken.

Auf Antrag der Stadtverwaltung werden zu Punkt 2 der Tagesordnung eine Reihe uneinbringlicher Ausstände zur Rech­nung des Jahres 1925 in Höhe von 13 509,26 Rmf. niederge­schlagen und dann die Abrechnung der Stadtkasse für das Jahr 1925 im 3. Verhandlungspunkt genehmigt.

Zu Punkt 4 liegt ein Antrag des Finanzausschusses vor, nachdem die nach Art. 6, Abs. 2 und nach Art. 11 des Gewerbe­steuergesetzes vom 10. Mai 1928 für die staatliche Gewerbesteuer vorgesehenen Freigrenze sowie die nach Art. 6, Abs. 1 des glei­chen Gesetzes vorgesehene Staffelung der ersten 4000 Rmt. des Anlage- und Betriebskapitals auch für die städtische Gewerbe­steuer zu übernehmen ist.

Ruhetag. Und doch will ich von der Arbeit re­den. Von der Arbeit, die viele Menschen als Strafe des Herr­gotts ansehen und die doch ein Geschenk ist für seine Erdenkinder. Geschenk?

So höre, was dir der Sonntag sagt von der Arbeit, die dir der Werktag gibt.

Nr. 85.

Wie schon aus dem Antrag, der übrigens einstimmig on genommen wurde, hervorgeht, sind diese Wohnungen haupt sächlich dem Wohnungsamt und zwar besonders für ermittierte Mieter zur Verfügung gestellt.

Samstag,

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Die Sozialdemokraten konnten es dabei natürlich nicht unterlassen, wie gewöhnlich mit frisierten Zahlen zu jonglieren aus Statistiken, mit denen man übrigens alles beweisen kann, Herr Stadtv. Nicolaus berichtigt diese Zahlenparade energis und betont, daß gerade heute viele Familien gegründet würden denen es am nötigsten fehle, die aber Wohnungen verlangen ohne sie bezahlen zu wollen. Es fehle die Solidität. Hen Nicolaus stellt außerdem fest, daß der Staat sich anscheinend an die Zwangsgesetze nicht zu halten brauche, denn hier in Gießen stehen seit Wochen und Monate zwei Wohnungen in staatlichen Grundstücken frei, während man den privaten Hausbesiger die Mieter aufzwingt oder sich die Wohnungssuchenden vergebens nach einer Wohnung umsehen.

Danach werden kleine Gewerbetreibende besonders geschont. Ein Anlagefapital bis zu 500 Rmk. bleibt frei von der städtischen Gewerbesteuer, desgl. ein Ertrag bis zu 1200 Rmf. im Jahr. Bei Erträgen bis zu 2000 Rmk. sollen nur 50 Prozent und bis zu 4000 Rmf. nur 80 Prozent des vorgesehenen Hundertsatzes zur Eintreibung kommen. Dem Antrag wurde zugestimmt.

Hast du ein Leid im Herzen, das nicht heilen will, das dir den Tag grau färbt und deine Nächte qualvoll macht- geh' zur Arbeit, zu der herben, tüchtigen Frau, sie wird dich mit so klaven Augen anschauen, mit so morgenheller Stimme zu dir spre­chen, daß du dein Haupt hochheben und tief atmend einen frischen Luftstrom des Lebens einsaugen wirst.

Der Vergebung der restlichen Arbeiten beim Neubau der Behelfsschule an der Gabelsbergerstraße an die Firmen Schnell, M. Abermann, A. Eidmann und H. Vetter, sämtlich in Gießen, wird unter Punkt 8 zugestimmt.

Punkt 9. Das Haus Südanlage 3 ist in städtischen Besiz übergegangen. Für notwendige Reparaturen und für Elektri fizierung werden 2800 Rmk. bewilligt.

mitgeteilt v. Die Spe

ab 25. Oftob

Die Spe

ab 29. Oftob

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Punkt 10. Dem Krüppelheim in Nieder- Ramstadt wurde ein Bauzuschuß von 100 Rmt. bewilligt.

Punkt 11. Der Bewilligung von 8000 Rmt. zum Ausbau der Bühne der Liebigshöhe", die besonders auch aus feuer polizeilichen Gründen notwendig ist, wird zugestimmt. Der Pächter des Grundstücks trägt die Zinsen dieser Summe.

Punkt 12. Für die Beleuchtung der Grünbergerstraße und der Straße nach Rödgen werden 3000 Rmt. zur Verfügung ge stellt.

Die Polizeiverwaltung in Gießen hat zwei Verordnungen betr. Abhaltung und Verkehrsregelung auf den hiesigen Woch­märkten ausgearbeitet. Diese Verordnungen haben dem Markt­ausschuß der Stadt zur Begutachtung vorgelegen. Dieser Aus= schuß bittet wohl unter dem nächsten Verhandlungspunkt um Zustimmung zu diesen Verordnungsentwürfen, erhebt aber gleich wieder durch seinen Vorsitzenden, Stadt. Schwieder, die schwer­sten Bedenken. Nach dem früheren§ 14b war es den Händlern verwehrt, die Marktbestände vor 11 Uhr für sich aufzukaufen. Dieser Paragraph fehlt in der neuen Verordnung, und es hat sich herausgestellt, daß die Händler, die doch eigentlich ihren Bedarf selbst in der Umgegend sammeln sollen, schon um 8 Uhr das Beste und Brauchbarste auf dem Wochenmarkt aufgekauft haben. Den Hausfrauen bleiben die nicht gewünschten Reste oder sie dürfen ihre Einkäufe wesentlich verteuert beim Händler vornehmen. Herr Stadtv. Schwieder brachte noch weiterhin vor, daß nach der neuen Verordnung z. B. die Zahl der frem= den Metzger schrankenlos wachsen könne, zum heutigen Sams= tagsmarkt habe sich soeben der 17. fremde Metzger angemeldet, und da die Marktlauben räumlich dadurch nicht ausreichen, könnten heute z. B. Fisch mit Kartoffel zusammen gewogen und verkauft werden. Die Polizei aber lasse, wenn von allen Sei­ten Beschwerden einliefen, jegliches Verständnis und Entgegen­tommen vermissen.

Hast du Güter verloren, welcher Art es immer sei- wende dich an die Arbeit, die reiche Frau, die leere Taschen und leere Herzen immer neu zu füllen vermag.

Sind dir alle Unterhalterinnen des Lebens überdrüssig ge­worden laß die Arbeit an deinem Tisch sigen bis zum letzten Tage deiner Kraft!

Denn sie ist deine beste Freundin, sie schützt deine Gesundheit, sie stärkt deine Muskeln, sie würzt dir das Mahl und salzt es, daß es nicht faule; sie spricht dir alle Tage aufmunternde Worte über deinen Wert ins Ohr und hütet dich doch vor Uebermut durch kleine oder große Mißerfolge; sie gibt für deine Feste das rechte Lachen mit, sie schenkt dir zu deinem Becher den rechten Durst und schließt dir alle Abende mit leisem Finger die Lider. So wirst du durch die Arbeit über manche Zweifel und Lei­den hinwegkommen, so werden deine Eigenwünsche still werden und wie kleine Heimatbächlein hineinrieseln in den großen Strom des Willens zum Dienst der Allgemeinheit. So wird dann deine Arbeit und auch dein Leben größer und heller, heiliger und schöner.

Der Sonntagsschreiber.

Weitere Wünsche aus dem Stadtverordnetenkollegium fan den mit der Aufklärung, daß die Pläne für eine gründliche Aen: derung der Beleuchtungsnöte der gesamten Stadt schon fertig seien, ihre vorläufige Erledigung.

Die Stadtverordnetenversammlung gab ihrer Verwunde rung darüber Ausdruck, wie der Marktausschuß bei Vorliegen so schwerer Mißstände den fraglichen Verordnungen habe zu­stimmen können. Die Angelegenheit wurde daher nochmals an den Ausschuß zurückverwiesen.

Punkt 13. 600 Rik. stellt die Stadtverwaltung der dem nächst hier stattfindenden öffentlichen Ausstellung Die Farbe im Stadtbild" zur Verfügung. Es wird erwartet, daß alle im Interesse unserer Stadt diese Ausstellung besuchen.

Zu Punkt 6 wurden eine Reihe Baugesuche, die von der Innehaltung einiger Paragraphen des Ortsbaustatuts zu be= freien waren, genehmigt und zwar: 1. dem Amtsgerichtsrat W. Leun; 2. dem Oberinspektor A. Pfaff; 3. dem Zeitungsverleger Albin Klein und 4. dem Fabrikant K. Bänninger.

Punkt 14, 15 und 16findet rasche Erledigung. Man stimmt der Anschaffung von 2900 Kg. Flach- und 100 Kg. Rundkupfer, desgl. von 1000 Meter Kabel( Neustadt) und 20 gußeisernen Muf fen( Kaiserallee) aus den Mitteln des E. W. für 1928 zu.

Eine längere Debatte entspann sich zu Punkt 7, dem fol­gender Antrag des Bau- und Finanz- Ausschusses zu Grunde lag:

Vorsich Neubauten b Es ist daher Möbel in de Wänden entf Anjang gar Zwijdenräum

Punkt 17. Unsere Straßenbahn besitzt 16 Triebwagen, Al ter 20 Jahre, Leistung 35 PS. und 5 Anhänger. Diese Motor wagen sind nicht in der Lage, die vorkommenden Steigungen mit vollbesetztem Anhänger einwandfrei zu überwinden. Es sollen daher 6 größere Motorwagen zu je 50 PS. und der 6. An­hänger dazu beschafft werden. Eine Erweiterung der Wagen halle ist nicht notwendig. Man stimmt dem folgenden Antrag daher zu:

Für die Errichtung von weiteren 30 Notwohnungen an der Margaretenhütte wird ein Betrag von 100 000 Rmt. bewilligt. Das städtische Wohlfahrtsamt zahlt an die Stadt­basse eine jährliche Miete in Höhe der der Stadt aus der Kapitalaufnahme erwachsenen Zinsverpflichtungen.

Antrag des Betriebs- Ausschusses und des Finanz- Aus schusses: Für die Beschaffung von 6 Triebwagen und 1 An­hängewagen wird ein auf die Rechnungsjahre 1928 und 1929 zu verteilender Kredit in Höhe von 232 000 Rmt. zur Ver fügung gestellt. Zur Lieferungsvergebung wird die Betriebs: Deputation ermächtigt.

Punkt 18. Dazu liegt folgender Antrag vor:

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Antrag des Betriebs- Ausschusses und des Finanz- Aus schusses: Der Errichtung einer Kraftwagenlinie innerhalb der Stadt Gießen wird zugestimmt und der erforderliche Kredit in Höhe von 125 000 Rmf. zur Verfügung gestellt.

Der Antrag schien zunächst anstandslos genehmigt zu wer den. Auf Einspruch der Wirtschaftspartei wurde er aber dann gegen die Stimmen der Linken und äußersten Rechten an den Ausschuß zurückverwiesen, um zunächst die Rentabilität des gan= zen Unternehmens zu prüfen.( Wir werden nächstens ausführ= licher auf diesen Punkt zurückkommen.)

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dustrie- und ein Festakt statt. Der Vo tichtete herz Festversamm

Gesangvereins Frohsinn" Bad Nauheim des kühnen Seefahrers Martin Boheim, an dessen Vor- Weiden suchen Kuhherden, von einer Wirtin bewacht,

Die Fahrt des

19

zum 10. Deutschen Sänger- Bundesfest nach Wien vom 17. bis 26. Juli 1928.

Von E. Punger.

außerdem den ,, schönen Brunnen", der auf dem Markte wie ein gotisches Türmchen aufragt, das Geburtshaus derfront der erste Globus nachgebildet ist. Besonders zog uns die Burg an, von der sich ein umfassender Weitblick über die ganze Stadt bietet und auf der die Folterkammer mit der eisernen Jungfrau" viele an= lockte. Große Freude gewährte uns auch der Blick auf das Hl. Geist- Spital, unter dem ein Arm der Pegnitz hindurchfließt, und der auf die Fleischbrücke, einer Nachbildung der Rialto- Brücke in Venedig. Daß die Bratwürstel, das Tucherbier und die Radi" gekostet werden mußten, versteht sich von selbst. Eine einfache, aber saubere Uebernachtungsgelegenheit bot uns das Städt. Fremdenheim in der Blumenstraße.

Nach langen, vielseitigen, wechselvollen und mühe­reichen Vorbereitungen konnten 23 Teilnehmer, dar­unter 3 Damen, am 17. Juli d. Js. früh 6 Uhr die Fahrt zum 10. Deutschen Sängerbundesfest nach Wien im Postauto antreten. Unter den letzten Abschieds­grüßen und dem Liede ,, Muß i denn zum Städtle hin­aus" fuhren wir zum Posthof hinaus durch schlafende Städte und Dörfer des schönen Hessenlandes nach Ha­nau und von dort nach Aschaffenburg. Hier gab es eine turze Rast zur Nachholung des Morgenkaffees, der bei manchem Fahrtfreund zu spät fertig geworden war. Unsere Wegschilder: Bad- Nauheim- Wien" wurden am Auto befestigt, mit Grüßen an Wien beauftragt ging es weiter durch den erwachenden Spessart mit seinen herrlichen Wäldern, vereinzelten Häusern und wenigen Menschen. Gegen Mittag war Würzburg er­reicht. Dort konnten wir im schönen Ratskeller gut und preiswert essen. Auch blieb Zeit zu einer kurzen Besichtigung des herrlichen Domes, den zahlreiche herr­liche Kunstwerke und Bischofsdenkmale auszeichnen. Die Weiterfahrt führte uns durch den Steigerwald nach Nürnberg, der Stadt der Fabriken und der ge­schichtlichen und kulturgeschichtlichen Erinnerungen aus dem Mittelalter. Besichtigen konnten wir am Nach­mittag besonders den Katharinenbau mit dem Deut­schen Sänger- Bundes- Museum, das Dürerhaus mit seinen reichen Sammlungen von Dürer'schen Schöp­fungen und seiner zeitechten bürgerlichen Wohnungs­einrichtung, den Hauptmarkt mit der Frauenkirche, an deren Turm mittags um 12 Uhr die 7 Kurfürsten dem Kaiser Karl 4. huldigen( das Männleinlaufen");

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dern stehen leere Heustöcke mit 5 bis 6 durchgesteckten Querbalken oder pyramidenförmige Gerüste. Auf den färgliches Futter. Die Menschen, an denen unser flüch= tiger Wagen uns vorbeifährt, sehen auf, sie winken und grüßen freudig und unser Gruß fliegt ihnen zu In den Dörfern leuchten die Häuser im Schmuck zahl= loser Blumen. Giebelbilder und Kapellchen schauen auf uns herab. In den Städten durchfahren wir alte Stadttore, große Marktpläge mit alten stattlichen Rathäusern, prächtige Kirchen und stillen Brunnen. und überall freudiges Grüßen hinüber und herüber, besonders jubelnd klingt der Kinder Gruß. Vor uns er hebt sich eine neue Anhöhe, hinter der neue Schön­heiten sich uns auftun. Bei Deuerling erheben sich vier Felsen schroff neben unserem Wege. Oben steht eine Kirche mit einigen Häusern. Andere schmiegen sich zu Füßen der Riesen an. Loreley! Nur fehlt der Vater Rhein! An seiner Stelle fließt hier ein Bächlein. Dent mäler lenten unser Sinnen auf deutsche Taten und deutschen Volkes Dank.

Am 18. famen wir früh auf einer landschaftsfrohen Fahrt zunächst durch den Fränkischen Jura. Unser Mo­tor arbeitet zuverlässig und zieht den schweren Wagen die steile Anhöhe hinauf. Von dort eröffnet sich eine herrliche Aussicht, von der die schönheitsdurstigen Augen trinken, was die Wimper nur hält. Vor uns breitet sich ein prachtvolles, langes Tal aus, durch das in der Tiefe ein Bach fließt. Rotleuchtende Dörfer und Städtchen mit formenfrohen Kirchtürmen strahlen auf. Waldflecke und Waldstreifen werfen ein ernstes Grün hinein. Hopfenstangen stehen hoch im Feld wie Reiter lanzen. Reife Aehrenfelder mit hellem Roggen und goldglänzendem Weizen, mit Hafer und Gerste grüßen uns. Auf manchen Roggenfeldern stehen die Garben schon ausgerichtet in ,, Ringen", die zum Schutz gegen Wind oben gegürtet oder mit einer überſtülpten Garbe beschirmt sind. Auf anderen Feldern legen fleißige Frauen und Männer mit langen Sensen oder kurzen Eicheln den Segen der Felder nieder. Anderswo ziehen rotgefleckte Kühe den beladenen Erntewagen in die Scheuer. Gebetsstöcklein im Feld und am Wege mah­nen zum Danke. Weiter hinauf sind die Felder besät mit weißschimmernden Jurasteinen. Auf den Kleefel­

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In Regensburg fahren wir über die Donau. Auf unserer Fahrt über Straubing nach Passau lassen wir fie links liegen. Nur ab und zu können wir einen Blick auf ihr schönes Tal werfen. Auf guten Wegen eilen wir an der Walhalla bei Donaustauf vorbei, die von der Ferne erglänzt, hinter ihr ansteigende Höhen. Erst vor Passau haben wir Gelegenheit, diesen Teil des Donau­tales in seiner ganzen Schönheit zu bewundern. Wäh­rend unserer Mittagsrast in Passau am Strande der Donau beobachten wir die Abfahrt eines Dampfers, der Sänger nach Wien bringt. Nachher werfen wir einen Blick auf den Zusammenfluß von Donau, Jlz und Inn, welcher der Donau ungeheure Wassermasser zuführt. Das blaue Wasser des einen Flusses zeichnet sich scharf von dem bräunlichen des andern ab. Ueber­haupt ist die Grenzstadt an der Donau landschaftlich und geschichtlich gleich bedeutsam. Wir konnten uns nur

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