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Samstag, den 24. November 1928

der Wohnungen ist auf den Verkaufswert von großem Ein­fluß. Unsere Organisation hat bereits eine Herabsetzung der Bewertungssätze beim Reichsfinanzminister durchgesetzt, der noch höhere Bewertungssätze vorgesehen hatte. Es geht nicht an, die Hauswerte z. B. von Berlin mit denen in Darmstadt oder Worms gleichzustellen. Es ist eine bekannte Tatsache, daß die Hauswerte in den Städten an denen der Vorkriegszeit gemes­sen, wesentlich hinter denen auf dem Land zurückstehen. In den Städten ist es so: Je mehr Wohnungen in einem Hause sich be­finden, desto geringer ist der Kaufpreis, weil niemand die La­ſten eines großen Miethauses auf sich nehmen will.

Eine Berücksichtigung aller dieser Umstände kann nur im Einspruchswege erfolgen. Der Einspruch ist innerhalb eines Mo­nats, vom Tage der Zustellung des Einheitswertbescheides an gerechnet, beim zuständigen Finanzamt mit Begründung einzu­reichen.

Zur allgemeinen Orientierung sei bemerkt, daß der Abzug der Schulden mit der Einheitsbewertung nichts zu tun hat. Der Schuldenabzug erfolgt erst bei der Feststellung des Ver­mögenssteuerwertes.

Es sehe sich jeder seinen Einheitswertbescheid genau an, wenn die Frist verstrichen ist, ist der Schaden nicht mehr zu re­parieren. Insbesondere vergleiche man, ob der angenommene Wertsat richtig ist. Handelt es sich um Gebäude mit Wohnungen und Geschäftsräumen prüfe man nach, ob die Verteilung rich­tig stattgefunden hat. Wir haben wiederholt festgestellt, daß bei gemischten Grundstücken der auf Geschäftszwecke entfallende Teil zu hoch angenommen wurde. Teilweise rührte das aber daher, daß der Steuerpflichtige bei Abgabe der Steuererklärung bei gleichzeitiger Vermietung von Laden und Wohnung die für beide gezahlte Miete als Geschäftsmiete angegeben hatte, an­statt die Wohnungsmiete von der Gesamtmiete zu trennen.

,, Gießener Zeitung"

Lofales.

Sonntagsgedanken.

Heute ist Totensonntag.

Laßt uns heute hinauswandern in den großen, weiten Weltfriedhof, dessen Gräber man im großen Weltkrieg schau­felte. Nur in Gedanken können wir dorthin gehen, unerreich­bar liegen sie fern draußen in fremden Landen. Sie, die ihre Heimat so geliebt haben und für diese gestorben sind, müssen in fremder Erde ruhen. Und andere deckt die weite Fläche der Meere, von anderen wieder wissen wir kein Grab mißt- verschollen.-

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So wollen wir im Geiste heute die Gräber unserer Helden suchen, auf der blutgetränkten Erde Frankreichs, droben bei Ypern und Arras, bei Verdun und in Flandern, drüben auf den waldigen Höhen der Vogesen oder in Polen und Rußland, auf den Schneebergen der Alpen oder das feuchte Grab suchen im weiten, weiten Meere. Da liegen sie alle in friedlicher Ruh', Freund und Feind, alle neben einander. Jm großen Massen­grab wurde erst Friede unter ihnen. Vor unserem geistigen Auge erscheint wieder das große deutsche Heer und aus die­sem heraus so manch ein liebes Gesicht. Vater Gatte Bruder Freund. Laßt ihnen allen wieder danken, Deutsch­lands Helden, die ihr Leben gaben für die Heimat.

Es ist das, wie ja aus den obigen Bewertungssäten her­vorgeht, insofern von oft erheblicher Bedeutung, als der auf Geschäftszwecke entfallende Teil höher zu bewerten ist. Da­durch kann es vorkommen, daß ein über 60 Jahre alter Steuer­pflichtiger auf den die Befreiungsvorschriften anzuwenden wä­ren, Vermögenssteuer bezahlen muß, weil durch diese Höher­bewertung sein Vermögen auf über 30.000 Mart anwächst, wenn auch nur auf dem Papier. Wenn später auch die Landessteuern nach diesen Einheitswerten erhoben werden, wirken sich die et­wa heute begangenen Unterlassungen noch empfindlicher aus. Es geht diesen Steuerpflichtigen dann wie jenen, die aus Patrio­tismus den Wehrbeitragswert möglichst hoch deklariert haben oder die aus Gründen der Hypothekenbeschaffung den Steuer­wert möglichst hoch setzen ließen. Die Folgen dieser, für die da­maligen Verhältnisse wohl verständlichen, Handlungsweise la­sten heute noch auf den Besitzern, da eine Korrektur nach unten nur in besonders günstigen Fällen zu erreichen ist.

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Nr. 93

* Vermißt. Als vermißt gemeldet wird seit 18. November 1928 die Arbeiterin Lina Pizz, geboren am 27. Juni 1911 zu Gießen. Dieselbe ist 1,63 bis 1,65 Meter groß, gesetzt, rundes, frisches Gesicht, Haare dunkelblond, Augen blaugrau, Augen­brauen blond, Ohren, Nase und Mund mittelgroß, Zähne voll­ständig. Bei ihrem Weggange trug sie roies Kleid mit großen, weißen Punkten, Samihut, hellen Mantel mir Samtfragen, Samtschuhe und hellgelbe Strümpfe. Personen, die über den Verbleib der Vermißten Auskunft geben können, werden ge­beren die Kriminalpolizei in geeigneter Weise zu verſtändigen.

Manch' armes Mutterherz kann auch im Geiste nicht dort­hin folgen, wohin man ihren braven Jungen legte. Das ist der größte Schmerz, weil sie das einsame Plätzlein nicht weiß, wo ihr Alles begraben liegt. Komm, arme deutsche Mutter, geh' mit auf den Friedhof in der Heimat! Auch dort siehst du man­chen verlassenen Hügel, ohne Kreuz und ohne Blumen. Das sind die Gräber der Vergessenen. Aber auch an sie hat man ge= dacht. Da steht ein Kreuz mitten im Gottesacker, ein Kreuz für alle, denen die Menschen keines geben wollten oder konnten, Der Sonntagsschreiber.

Unter günstig gelagerten Verhältnissen ist heute noch eine Neuermittelung des Wehrbeitragswertes zu erreichen( S. 180, § 22) und zwar dann, wenn seit 31. Dezember 1913 eine erheb­liche Aenderung in dem tatsächlichen Zustand des Grundstücks eingetreten ist, wenn diese Aenderung noch nicht berücksichtigt worden ist. Erheblich ist eine Aenderung nur dann, wenn der neu ermittelte Wehrbeitragswert um mehr als 15 Prozent von dem maßgebenden Wehrbeitragswert abweicht. Bauliche Ab­nutzung oder Aenderung der Verkehrslage seit 1913 ist unbe­rücksichtigt zu lassen, da diesen Umständen bei der Anwendung der Bewertungssätze Rechnung getragen wird. Bei Betriebs­grundstücken kann eine Neufestsetzung stattfinden, wenn die frü­here Ermittelung nicht alle Bestandteile( z. B. eingebaute Ma­schinen) umfaßt und der neu ermittelte Wert von dem alten um mehr als 10 Prozent nach oben oder unten abweicht.

* Militärkonzert in der Nervenklinik. Unter Leitung des Obermusikmeisters Löber gab unsere Militärkapelle am Mittwoch nachmittag ein Konzert in dieser Anstalt. Die Kapelle brachte schneidige Militärmärsche u. ernste und heitere Kompositioen zu Gehör. Die Kranken waren durch diese freundliche Darbietung der Kapelle außerordentlich erfreut.

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* Das hiesige Arbeitsamt, dessen Arbeitsbereich durch die Zusammenlegung der früheren Arbeitsämter Gießen, Friedberg und Bad Nauheim gewachsen ist, beabsichtigt den stärkeren Aus­bau der Arbeitsvermittlung und der Berufsberatung. Für die letztere ist eine Abteilung für männliche und eine solche für weibliche Berufe vorgesehen, zu deren Leitung erste Fachkräfte herangezogen werden sollen. Die neuen Einrichtungen sollen in den nächsten Wochen ihre Tätigkeit aufnehmen..

* Zahlt Rechnungen sofort! Die Kreditnot ist namentlich bei kleinen Lieferanten und Handwerksmeistern eine derartige, daß jeder Pfennig Bargeld dringend gebraucht wird. Eine nur halbwegs befriedigende Inganghaltung von Handwerk und Ge­| ſchäftsleben ist deshalb nur möglich, wenn jede Forderung Zug um Zug beglichen wird. Oft führt nur althergebrachte Ge­wohnheit dazu, Forderungen erst einige Wochen liegen zu laf­sen, um sie gelegentlich mitzubegleichen. Wer also selbst über leibliche Barmittel verfügt denn das ist natürlich die haupt­sächlichste Voraussetzung, der gönne auch seinen Lieferanten den Vorzug raschester Barzahlung.

* Straßensperrung. Wegen Rohrverlegungsarbeiten des Städt. Gaswerkes ist die Mühlstraße zwischen Bahnhofstraße und Tiefenweg heute am Samstag, den 24. November, für Fahrzeuge noch gesperrt.

In Anbetracht der relativ hohen Steuern, die besonders auf dem Grundbesitz lasten, ist es notwendig, daß sich der Steuerpflichtige, mehr wie früher, um seine Steuererklärun­gen und Steuerbescheide kümmert. Man muß heutzutage auch der Steuerbehörde auf die Finger sehen. Wer das unterläßt und dadurch zu Schaden kommt, hat keinen Grund sich nachher zu beklagen.

An den Gräbern unserer Gefallenen im Westen.

Von Regierungsrat Richard Fald, Mainz.

Schluß.

* Ernannt wurde am 16. November: der Lehrer Eugen Zimmer zu Wisselsheim, Kreis Friedberg, zum Lehrer an der Volksschule zu Wagenborn- Steinberg.

* Warnung! Diebstähle von Kränzen zur Zeit des Toten­festes auf dem Alten- Friedhof. In den letzten Jahren ist es vorgekommen, daß auf dem Alten- Friedhof auf den Gräbern niedergelegte Kränze entwendet wurden. Die Ermittelungen im Jahre 1927 ergaben, daß gestohlene Kränze auf den Grä­bern des Neuen- Friedhofes niedergelegt waren. Die Feststel­lungen ergaben damals, daß die Kränze von jungen Burschen auf der Straße( Marburgerstraße Ede Steinstraße) an vor­übergehende Passanten verkauft wurden Derartige Vorkomm­nisse sind schamlos. Das Publikum wird deshalb auf solche wilde Straßenhändler aufmerksam gemacht.

* Die Kriminalpolizei teilt mit, daß eine Armbanduhr sichergestellt wurde, die im verflossenen Sommer in der Müller­schen Badeanstalt oder auf einem Sportplatz entwendet wurde. Ferner wurde in den letzten Tagen ein Autoreserverad von einem Personenkraftwagen( Marte Opel) entwendet.

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Aus Nah und Fern.

Beuern. Unsere Gemeindeschwester Marie Friedberg verließ unser Dorf nach 28jähriger Tätigkeit, um nun nach insgesamt 42 der Barmherzigkeit gewidmeten Jahren in Gießen auszu­ruhen. Die besten Wünsche der Gemeinde begleiten sie für ihren Lebensabend.

* Achtung! Am 21. ds. Mts. ist hier eine Mannsperson aufgetreten, die sich Assessor von Hoff nannte. Dieser angeb­liche von Hoff hat hier in verschiedenen Geschäften Grammo­phonplatten bestellt und nahm in einem Falle 400 Grammo­phonnadeln gleich mit, unter dem Vorgeben, daß er diese bei der Lieferung mitbezahlen werde. Wie später festgestellt wurde, handelt es sich um einen Schwindler. Derselbe trug einen braunen Ulster, blauen Anzug, braunen Hut und war etwa 1,85 Meter groß. Es wird vor dieser Person gewarnt und bei wiederholtem Auftreten gebeien, dessen Festnahme veranlassen zu wollen.

Lich. Die hessische Vereinigung für Volkskunde wird am 8. Dezember hier ihre Hauptversammlung abhalten. Auf der Tagesordnung stehen mehrere interessante Vorträge.

Friedberg. In Nieder- Roßbach wurde der seitherige Bei­geordnete Cong IV. an Stelle des wegen schwerer Erkrankung vom Amt zurückgetretenen Bürgermeisters Kitz gewählt.

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Nidda. Der 62 Jahre alte Landwirt Wilhelm Winter wurde beim Anschirren seines Pferdes von einem Hufschlag gegen den Leib so schwer verletzt, daß er nach kurzer Zeit ver­ſtarb.

Gedern. Das Gederner Krankenhaus entspricht nicht mehr den erhöhten Anforderungen. Es soll deshalb umgebaut und vergrößert werden. Als neues Mitglied in die Gemeinde wurde Usenborn in den Bezirk des Krankenhauses aufgenommen.

Darmstadt. Wie Minister Leuschner bei einer Besprechung über den Stellenplan mitteilte, beabsichtigt er bei der Neuge­staltung der hessischen Kriminalpolizei auch die Einrichtung eines Landeskriminalamtes für Hessen, dadurch werde allerdings eine Verdoppelung der Zahl der Kriminalbeamten erforderlich.

und bis dato 292 unbekannten deutschen Soldaten birgt die­ser Friedhof. Auf den Kreuzen kehren häufig Bezeichnungen heimischer Truppenteile wieder, so der Res. Inf. Rgt. 87, 88, 81, 118, 116, der Inf. Rgt. 118, 168, 81. Die Truppenbezeich nungen sind auf den französischen Grabkreuzen nicht immer richtig angegeben. Haben doch gerade in dieser Gegend hei­matliche Truppen besonders oft gefochten und einige, wie Land­wehr Inf. Rgt. 118, jahrelang im Stellungskrieg gelegen. Wei­ter ging die Fahrt hinein in die Champagne, entlang der ehemaligen französischen Stellung, an mehreren großen franz. Friedhöfen vorbei nach dem Sammelfriedhof von Auberive, der aus einem französischen und einem deutschen Teile besteht. Längs der Straße liegt der französische, dahinter, durch drei Reihen Nadelholz getrennt, der deutsche Teil. Dieser ist ähn­lich angelegt und gepflegt wie der französische, wenn auch der Blumenschmuck jüngeren Datums und daher nicht so üppig ist. Auch sind die Wege hier ohne Kies und ohne Grasieppich. Der Friedhof birgt in Einzelgräbern 2305 und in Massengrä­bern 3019 Deutsche, ferner in Einzelgräbern 5307 und in Mas­sengräbern 2803 Franzosen, und endlich etwa 500 Polen, zu­sammen also die Reste von etwa 14 000 Kämpfern. In Reims endete die Fahrt.

Frankfurt. Traurig aber wahr. Im Frankfurter Stadtparla­ment hatte man Dienstag zum erstenmal das Boschhorn in Tätigkeit gesetzt, womit der Vorsitzende, wenn der Lärm der streitenden Parteien zu groß wurde, die Ruhe wieder herstellte.

Kassel. Auf einem Bauplatz in der Leipziger Straße er­eignete sich am Freitagvormittag ein Bauunglück. Auf einem an

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pressen und Jasmin gepflanzt. Die 1392 Einzelgräber sind auf diese Weise stimmungsvoll umrahmt. Als Grabzeichenn dienen kleine massive Grabkreuze aus Eichenholz. Den Abschluß des Mittelwegs bildet ein wuchtiges Steinkreuz, das in deutscher und französischer Sprache den Vers Joh. 15, 13 wiedergibt: ,, Niemand hat größere Liebe denn die, daß er sein Leben läßt für seine Freunde". Endliche der Friedhof von Warmeriville, der gleichfalls aus einem älteren, von deutschen Soldaten recht schön angelegten Teile besteht, an den sich eine neue durch Um­bettungen entstandene Fortsetzung anschließt. Die Zahl der Toten beträgt 2618, die in Einzelgräbern, und 198, die in einem Massengrab beigesetzt sind. Mehrere Regimentsgedenksteine weist dieser Friedhof auf. Mitten unter seinen Soldaten liegt ein Oberst und Kommandeur des Res. Inf. Reg. 80. Auf dem Massengrab mit seiner weißen steinigen Kreide- Erde lag von ungefähr ohne jeden Schutz eine reizende, völlig unbeschädigte, große Majolika in der Art des Lucca dela Robbia, darstel­lend eine Madonna mit Kind in weißer Glasur auf blauem Hintergrund, umrahmt mit einem farbigen Früchtekranz. Wie mag sie auf diesen Friedhof gekommen sein? Der Friedhofs­wärter meinte, sie stamme von dem aufgelösten deutschen Fried­hof Isle sur Suippe. Auf dem weißen Hügel, der sich hoch über dem gemeinsamen Grab der 198 unbekannten Kameraden wölbt, wurde von den Besuchern der Bezirksgruppe Mainz ein Rosen­stock in die uns heilige Erde gepflanzt.

Sie bergen mehrere 1000, mitunter mehrere 10 000 Tote, der größte gar 40 000 deutsche Soldaten. Weiter ging die Fahrt mehr und mehr durch zu beiden Seiten der Straße zerwühltes Kampfgelände hinauf nach Verdun, das fast völlig und in al­ter Schönheit wieder aufgebaut ist. Zum Verweilen in der Stadt und zur Besichtigung der Schlachtfelder und Friedhöfe und der von Amerikanern und Franzosen errichteten riesen­haften Denkmäler fehlte die Zeit. Bald hielt das Auto weit jenseits Verduns auf der Höhe an dem neuen französischen Kriegerfriedhof Malancourt- Aisne. An der Straße ragen noch einige durch zahllose Schußwunden und Vergasung abge­storbene Bäume gespenstig gen Himmel. Die französische Re­gierung hat die Sammelfriedhöfe für Freund und Feind in derselben Weise angelegt. Die Unterschiede sind nicht allzu we­sentlich. Erwähnt sei jedoch, daß auf den deutschen Friedhöfen die Einheitskreuze von schwarzer Farbe und mit meist mangel­hafter, schablonierter Inschrift versehen sind und in der Re- Der zweite Tag galt der Besichtigung einiger um Reims gel zwei deutsche Tote sich in ein zweiseitig beschriebenes gelegener deutscher Kriegerfriedhöfe. Es war dies zunächst der Kreuz teilen müssen, während die Einheitskreuze auf den Friedhof von Berru mit 1650 bekannten und 1680 unbekannten französischen Gräbern weiß gestrichen, sorgfältiger ausgeführt deutschen Kriegern aus allen Gegenden Deutschlands, eine noch und beschriftet sind und jedes Einzelgrab ein Kreuz für sich ganz neue, bahle Anlage mit Anfängen von Blumenpflanzung, hat. Der Blumenschmuck der französischen Sammelfriedhöfe eingezäunt mit einer jungen Weißdornheae. Sodann der ist reicher, vielleicht nur aus dem Grunde, weil mit der Be- Friedhof von Pont- Faverger, der sich an den Ortsfriedhof an­pflanzung früher begonnen worden ist. Die Reinhaltung von schließt und in seinem ältesten Teile bereits während des Krie­Unkraut ist aber überall gleich vorzüglich. Beim Durchfahren ges von deutschen Soldaten eines Feldlazaretts angelegt der Argonnen, sah man den französischen Terrassenfriedhof bei wurde. Neuerdings ist er durch Umbettungen zu einem großen La Harazee wie mit einem bunten Flor von Nelken und Rosen Sammelsriedhof geworden, eintönig und frostig wie die meisten überzogen malerisch daliegen. Am Rande der Argonnen, nach Sammelfriedhöfe. Es ruhen dort 1479 bekannte und in einem der Champagne zu, hinter dem zum Teil wieder aufgebauten Massengrab 122 unbekannte deutsche Soldaten der verschieden Dorfe Servon, wurde der dortige deutsche Sammelfriedhof e- sten Truppenteile. Eine freudige Ueberraschung bildete der sucht. Er ist schön am Hang gelegen, eine völlig neue Anlage, Friedhof von Aussonce, der in seinem größten Teil während die nach planmäßiger, liebevoller Ausgestaltung verlangt. Das des Krieges von deutschem Militär angelegt und in einer Massengrab war noch nicht geschlossen, da fast täglich noch der deutschen Empfinden entsprechenden Art mustergültig ausge­eine oder andere unbekannte Tote aus dem Kampfgebiet um staltet worden war. Er ist mit stattlichen Lindenbäumen be­Tahure hinzugebettet wurde. Die Reste von 3508 bekannten| stellt, zwischen den Gräberreihen sind Hecken von Flieder, Cy­

Nach Rückkehr aus Belgien und Frankreich wurden die Teilnehmer der Reise immer und immer wieder gefragt, ob man denn ungestört habe reisen können. Man wunderte sich, daß der Besuch der Kriegergräber überhaupt möglich sei. So sei denn hier festgestellt, daß die Teilnehmer der beiden Reisen nirgends Behinderungen und Belästigungen ausgesetzt waren, weder durch die Bevölkerung noch durch beamtete Personen. Im Gegenteil, sie fanden überall Entgegenkommen seitens der Einwohner, die auch, soweit sie dazu imstande waren, von der deutschen Sprache Gebrauch machten. Die Gefühle des Hasses scheinen dem einfachen Volke dort fernzuliegen. Man weiß den wirtschaftlichen Wert dieser Reise zu schätzen. Man findet es aber auch selbstverständlich, daß wir Deutschen um unsere tap­feren Helden trauern und deren Gräber besuchen.

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