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Nr. 25.

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Gamstag, de Don d

Samstag, den 24. März 1928.

Lokales.

Sonntagsgedanken.

Die Erde rüstet sich zum Frühlingsfest. Der Lenz soll Ein­zug halten. Baum und Strauch, Wiese und Wald wollen wie­der blühen und wachsen.

Auch wir Menschen sehnen uns nach Frühling und Sonne, nach Frühling in der Natur, in Politik und Wirtschaft und in Leben der Völker. Die Sehnsucht wird immer größer und der Wunsch dazu, alles abzuwerfen, was zum Winter mit seiner Dunkelheit gehört. Echte Sehnsucht will Neues, Besseres schaf= fen. Sie soll aber auch stark genug sein, manches Leid und manche Furcht wegzuschwemmen, aufzuräumen mit allem Be­klemmenden, was die deutschen Herzen noch drückt und auf ihnen lastet, was frühlingsfroh wachsen und blühen möchte.

Dazu gehört Kraft, große innere Kraft, um allen unnötigen Sorgenballast abzuwerfen und sich für die Zukunft schaffensfroh zu erhalten. Aber diese Kraft fällt ins Gemüt wie ein warmer voller Sonnenstrahl, der Schatten verscheucht und hell in alles Dunkel scheint.

Gießener Zeitung"

Gießen finden für die Besucher aus den Landgemeinden des Kreises Gießen jeden Montagnachmittag von 4 bis 5 Uhr statt. Lungenkranke und Krankheitsgefährdete, die in ärztlicher Be­handlung sind, bedürfen einer Ueberweisung ihres Arztes an die Lungenfürsorgestelle. Unbemittelte werden unentgeltlich be­raten.

Wie der Baum sein letztes abgedorrtes Blatt solange fest hält, als er es zum wärmenden Schutz des künftigen Grüns be­darf, es aber dann im Lenzsturm kräftig abschüttelt, so müssen wir es mit jenen Sorgen, Urteilen und Vorurteilen machen, die zwar das lebendige Dasein schon verloren haben, aber noch eine deckende Stütze bilden für künftiges Geschehen. Halten wir sie nicht fest, wenn sie der Sturm packt und freies Entfalten für junges Leben verlangt!

Frühlingszeit Zeit des Keimens und Sprossens. Alles verlangt nach Sonne, nach Erlösung aus den Fesseln bisheri­gen Geschehens.

* Bekämpfung der Schnakenplage. Die Grundstückseigen­tümer sind verpflichtet, im April eines jeden Jahres auf ihrem Grundstück befindliche, den Schnaken zur Brut dienende Ge= wässer( Wassertümpel), Regenfässer, Bassins, Wasserlachen, Jauchegruben, Abortgruben usw. mit einem zur Vertilgung der Brut geeigneten Mittel( Saprol, Petroleum usw.) zu über­gießen. Nichtbefolgung hat Bestrafung gemäß§ 3 der Polizei­verordnung, betreffend die Bekämpfung der Schnakenplage vom 28. November 1911 zur Folge.

Erlösung ist das große Wort, das den Geist der Frühlings­zeit erfüllt. Erlöst jeder sein eigenes Selbst von allem, was die geistige Genesung aufhält, so wird das Volk, das Land, die Erde erlöst von den Frostfesseln des Egoismus, unter denen sie schmachtet. Ihre Bitterkeit nimmt ab, wenn echte Früh­lingsstimmung nicht nur den Körper, sondern auch den Geist in die Natur zurückleitet und dort allen, die arbeiten müssen und müde sind, eine Kraft gibt, wie nur wirklich erlebte Feierstun­den sie gewähren. Hier lösen sich die Unterschiede, der Mensch tritt zum Menschen, denn die Natur gibt Freiheit, während wir selbst nur Systeme geben können.

Kampf der Geister und Arbeit der Hand heißt die Losung, unter deren Zeichen wir jetzt allein vorwärts kommen. Wer sie ins Herz einläßt, erlebt den Frühling in sich.

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* Schulschluß findet in Hessen am Samstag, 31. März statt Das neue Schuljahr beginnt am 23. April.

* Ein wichtiges Erfordernis der heimischen Bienenzucht ist es, daß Blütenstaub spendende Sträucher wie Hasel und Weide vom Publikum geschützt und nicht abgerissen werden.

* Ein vorzügliches Blutreinigungsmittel bildet im Früh­jahr frisches Gemüse, wie Spinat, Wintersalat, Petersilie, Ra­pinzchen und Brunnentresse. Auch soll man jetzt viel Gemüse­suppen essen.

* Der Minister des Innern hat die Geldlotterie des Katho­lischen Deutschen Frauenbundes in Hessen für den Volksstaat Hessen gestattet.

Aus Nah und Fern.

Die Stadt Nidda hat der Reichsfinanzverwaltung einen Bau­platz zur Verfügung gestellt.

Bad Salzhausen. Die Regierungsvorlage, die zur Ausge­staltung des Bades die Summe von 48 500 M fordert, wurde vom Finanzausschuß des Landtags angenommen. Es handelt sich vorerst um Verbesserungen des Badehauses, der Licht- Heil­einrichtungen und der Süßwasserversorgung.

* Drohende Mäuseplage in Oberhessen. Von Sachverstän­digen wird darauf hingewiesen, daß die Feldmäuse außerordent­lich gut durchwintert haben. Die schädlichen Nager bevölkern scharenweise Acerraine, Gärten und Wegeränder, überhaupt alle trockenen Plätze. Angesichts der ungeheuren Vermehrungs­fähigkeit der Feldmäuse ist jede jetzt getötete Maus eine Ver­ringerung der großen Gefahr für die bevorstehende Ernte. Als beste Bekämpfungsart wird das Legen von Gift in Form von Zeliokörnern empfohlen.

Homberg. Die neue Rathausglode, eine Stiftung des Bür­germeisters Schweiker, wurde durch Pfarrer Prätorius einge­weiht.

Wieseck. Hier wurde Herr Heinrich Andermann als Fleischbeschauer für die Gemeinde Wieseck bestellt und ver pflichtet.

Bernshausen. Das Schlitzer Missionsfest in Anwesenheit des Leipziger Missionsdirektors Dr. Ihmels wird voraussichtlich am 8. Juli begangen.

Darmstadt. Der Reichsinnenminister hat dem Reichspräsi­denten die Wiederernennung des stellvertretenden Präsidenten der Reichsdisziplinarkammer Darmstadt, Landgerichtsdirektor Neuroth- Darmstadt vorgeschlagen. Der Reichsrat nahm hiervon Kenntnis.

Lollar. Es sind hier Bestrebungen im Gange, eine ge­meinnützige Baugenossenschaft zu gründen. Die Vorbereitungen dazu sind getroffen.

Göbelnrod. Die unzulänglichen jezigen Schulverhältnisse machen einen Neubau des Schulsaales nötig. In einer dieser Tage stattgefundenen Besprechung der maßgebenden Instanzen wurde dementsprechend beschlossen..

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Worms. Die Frühjahrsmesse findet in der Zeit vom 13. bis einschließlich 20. Mai dieses Jahres statt.

Weglar. Ein riesiges Bauprojekt hat der hiesige Bau- und Sparverein ausgearbeitet, insgesamt 111 Wohnungen kommen an 5 Baustellen in Betracht. Die Vollendung im Frühjahr 1929 bedeutet das Ende der Wohnungsnot.

Erneut Typhus im Westerwald und in der Koblenzer Gegend. In einer Reihe von Orten des Westerwaldes ist in den letzten Tagen Typhus aufgetreten. Todesfälle sind bis jetzt noch nicht zu verzeichnen. Die Typhuserkrankungen in Koblenz, die durch ungekochte Milch hervorgerufen wurden, haben sich im Stadtkreis Koblenz um zwei und im Kreis Neuwied um fünf Fälle vermehrt. Insgesamt sind im Stadtkreis Koblenz 36, im Landkreis Koblenz 9 und im Kreis Neuwied 11 Personen an Typhus erkrankt.

Dillenburg. Die Stadtverordneten bewilligten zur Re­novierung des städtischen Kurhauses 35 000 M aus Anleihe­mitteln.

Montabaur. Der Landrat des Kreises Unterwesterwald macht darauf aufmerksam, daß die Erkrankungen an Typhus bedenklich zugenommen hätten. Der Landrat warnt besonders vor dem Genuß nicht abgekochter Milch und nicht einwandfreien Wassers.

Pferdsfeld. Der Turm der evangelischen Kirche droht ein­zustürzen. Die in der Nähe der Kirche stehenden Gebäude mußten geräumt werden.

Münzenberg. Hier fand eine Dorfkirchenvorsteher- Tagung statt. Durch das schöne Wetter Begünstigt, nahm das Fest einen recht befriedigenden Verlauf. Es nahmen über 200 Kirchenvorsteher, Lehrer und Pfarrer daran teil. Jm Gottes­dienst am Vormittag predigte Professor Stroh vom Prediger­seminar in Friedberg über die Apostolische Dienstanweisung für alle Kirchenvorsteher". Die Liturgie wurde verschont durch den stimmungsvollen Gesang der hiesigen evgl. Mädchenver­einigung. In der Mittagspause fanden die Gäste die liebe­vollste Aufnahme in den Familien Münzenbergs mit reichlicher Bewirtung. Gegen 2 Uhr begann die Hauptverhandlung der Tagung, die Detan Scriba- Nidda leitete. Nach der Be­grüßung nahm Pfarrer Rüh I- Reichelsheim( Wetterau) das Wort zu seinem großangelegten Vortrag: ,, Fluch und Segen der deutschen Sitte", worin er ausführte, daß die Sitte, die durch Geschichte und Erfahrung entstandene Regelung des ge­meinschaftlichen Lebens sei, und vom echt- deutschen und christ­lichen Geist getragen, für Familien und Gemeinden zum gro­ßen Segen, aber dieses Geistes entleert, als tote Gewohnheit vielen zum Fluch werde. Die Aufgabe der Kirchenvorsteher sei nun, ihre Dorfsitten zu prüfen, ob sie mit dem Wort und Geist Gottes vereinbar wären. Nach einer ziemlich lebhaften Aus­sprache schloß der Leiter mit Herzlichen Dankesworten die sehr anregende Tagung.

* Lustbarkeiten in der Karwoche. Auf Grund der Ver­fügung des Herrn Ministers des Innern vom 10. März 1924 zu Nr. M. d. J. 7792 und 5. April 1924 zu Nr. M. d. J. 10644 haben am Palmsonntag, den 1. April und an dem darauffolgen­den Karfreitag öffentliche Lustbarkeiten, wie z. B. auch Fußball­wettspiele zu unterbleiben. Theatralische Vorführungen, Kino­vorführungen werden nur dann zugelassen, wenn die Darbie­tungen ernsten oder belehrenden Inhalts sind und der beson­deven Bedeutung und Weihe dieser Tage angepaßt werden. An den übrigen Tagen der Karwoche einschließlich Ostersonn tag sind theatralische Vorführungen und Konzerte aller Art, einschl. der Begleitmusik bei Lichtspielen, zulässig, wenn sie ebenfalls ernsten, belehrenden Inhalts und der Bedeutung und Weihe dieser Tage angepaßt sind. Deffentliche Tanzlustbar­teiten werden für diese Tage grundsätzlich nicht genehmigt. Die für den Palmsonntag und die Karwoche vorgesehenen Pro­gramme sind dem Polizeiamt zwecks Prüfung sofort, spätestens bis Dienstag, den 27. Ifd. Mts. in doppelter Ausfertigung ein­zureichen.

* Straßensperrungen. Wegen Ausführung von Hausan­schlußarbeiten ist die Friedrichstraße zwischen Frankfurterstraße und Rodhol ab Montag, den 26. März 1928, auf die Dauer von etwa 3 Wochen für allen Fahrverkehr polizeilich gesperrt. Die Sprechstunden der Für­* Wichtig für Lungenkranke. sorgestelle für Lungenkranke in der Medizinischen Poliklinik zu

Grüner Rasen Blaue Wellen.

Roman von Otto von Gottberg. 41. Fortsetzung.

Kassel. Am 12. April wird Reichsaußenminister Dr. Strese­mann in der Stadthalle in einer öffentlichen Versammlung sprechen.

Bad Kreuznach. Ein Bildhauer wurde von einem Auto angerannt und in den Straßengraben geschleudert, wo er schwer­verletzt liegen blieb:

Hungen. Die drittgrößte Molkereigenossenschaft Oberhes­sens, die Molkereigenossenschaft Hungen, hielt ihre Generalver­| sammlung ab. Im vergangenen Jahre wurden fast 5 Millio­nen Liter Milch von den Mitgliedern an die Molkerei gelie­fert. Der Reingewinn beläuft sich auf 13 897 M.

Sie starrte, als jähe sie nicht, aber nickte: Ja, ich fahre hin und pflege ihn."

Ob das möglich ist, scheint mir fraglich." Mit dem Kind war nicht zu reden. Er sprach mit der Frau. Sie erörterten, was geschehen sollte. Er dachte, eine Depesche zu schreiben und setzte sich an den Tisch. Als er die Feder niederlegte und die Augen hob, stand neben ihm Gerda. Noch weinend und bleich aber gefaßt, sagte sie bestimmt, wie sonst ihre Art war: Es ist gleich ein Uhr. Ich fahre nach Berlin zu Professor Hull­mann. Er leitet die Transporte der freiwilligen Kranken­pflege und kann mich vielleicht auf einem Lazarettzug zu Wer­Ner schicken."

*

Gefängnis für unleserliche Rezepte. Norwegen hat ein neues Verbrechen zur Bestrafung heran­gezogen: Aerztliche Rezepte müssen klar und deutlich geschrie­ben und vom Arzt leserlich mit Vor- und Zunamen unterzeich net sein. Zuwiderhandlungen gegen diese Vorschrift werden mit Gefängnis bis zu drei Monaten bestraft.

Nidda. Für Nidda ist der Neubau eines Finanzamts ge= plant; der Bau soll noch dieses Jahr zur Ausführung gelangen.

*

Submissionsblüten: 100 000 Mart Preisunterschied.

Wölfersheim. Bei der Vergebung der Arbeiten zur Er­richtung eines Hochbehälters für die Hefrag lautete für den eigentlichen Hochbehälter die Höchstforderung auf 221 087 RM., der Wenigstnehmende ist mit 121 064 RM. zufrieden. Die Rohr­Derlegung zeitigte als Spitzenforderung 54 235 RM., mit 32627 RM. glaubte der Bescheidenste sicher die Arbeit zu erhalten. Wann werden die Behörden einsehen, daß das Submissions­wesen in seiner heutigen Form unhaltbar ist? Wann wird das Handwerk rechnen lernen?

glaubte sie die Angst um den Geliebten wie eine Last auf der Brust zu fühlen. Weniger Lampen als einst brannten mit röt­lich trübem Licht. Die Menschen in düsteren Eden schienen Schatten und ihre Gespräche Murmeln oder Flüstern. Der alte Herr führte sie den Steig dicht bei den Wartesälen entlang. Zur rechten stand ein Zug nach Frankfurt und der Front. Aus Den Abteilfenstern sahen ernste, stumme Männer in Grau mit Helmen über weißen Gesichtern. Andere Offiziere und Solda­ten standen noch neben offenen Wagentüren im Gespräch mit Frauen und Kindern. Ausziehende wie Heimbleibende schienen sich in der Menge allein zu wähnen. Ihre Blicke entschleierten ohne Scheu vor Zuschauern eine Seele, ein Leben. Der zuckende Mund einer unter Tränen lächelnden Frau frohlockte ohne Scham über das Glück ihrer Liebe, oder gab auch den wilden Schmerz des Scheidens preis. Der Stolz einer Offizierstochter schmolz in Schluchzen beim letzten Händedruck mit dem jungen Leutnant, dem der alte Vater mit dem Kreuz von siebzig wie segnend die Waffe an der linken Seite streichelte. Erschütternd war das Lachen der Mutter, die ihren feldarauen Jungen in letzter Minute noch mit Fläschchen und Päckchen erfreute. Auch er wollte bis zum Abschiedskuß mit der Teuren heiter scheinen. Lachend aber mit einer Grimase umarmte er sie, als wollte er sein Mütterchen zerdrücken, sprang ins Abteil und hielt hin­ter dem Fenster die Rechte vor die Augen. Mütterlein brach weinend auf dem Koffer eines Fremden zusammen.

Auch das hielt Onkel Karl für unmöglich. Doch Gerda fuhr zum Bahnhof. Als sie zum Abendessen nicht heim war, ängstigten sich die Alten, aber hatten noch bis zum letzten Zug nach Mitternacht zu warten. Dann endlich erklärte Gerda ihr Ausbleiben. Die Erlaubnis zu einer Frontreise konnte der Generalarzt ihr nicht erwirken. Doch hatte er gesagt, Verwun­dete mit Kopfschuß wären häufig transportfähig. Auf ihre Bitte drahtere er gleich an Werners Feldlazarett. Sie durfte auf die Antwort warten und hatte abends gehört, es gehe ihm nicht schlecht. Der Geheimrat wollte dafür sorgen, daß der Kranke mit einem der nächsten Transporte nach Berlin und dort in seine Klinik tomme.

Sie sprach ruhig, aber mochte nicht essen. Tante Bärbchen ging ihr leise über Korridor und Treppe nach. Die Nichte schritt schnell aus und schien beherrscht und gefaßt. Doch kurz vor der Zimmertür suchte sie mit der Hand plötzlich einen Halt an der Wand. Gebeugt stand sie wohl eine Minute wie erschöpft, trat dann in die Stube und schloß ab. Durch das Holz war ihr lautes Weinen zu hören.

Nach einer furchtbar bangen Woche erst rief ein Brief Gerda zu zehn Uhr abends in Hullmanns Geschäftszimmer in der Me­dizinalabteilung am Leipziger Play. Für die Begleitung der Tante dankte sie und ging gegen halb elf allein mit dem Ge­neralarzt zum Potsdamer Bahnhof.

In der stidig schwülen Augustluft unter der großen Halle

Einsteigen!" Jeder Mann in Grau auf dem Bahnhof hob wieder die Arme um Hals oder Schultern einer Frau. Mütter flammerten sich an die Söhne, wie um sie am Abfahren zu hindern. Die Braur oder Frau drängte sich an den Geliebten ohne Scham, als wolle sie ihm vor aller Agen ein letztes Mal mit der Seele den Körper schenken.

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Hier harrten heitere Menschen des Einfahrens eines Urlauber­zuges. Die glückliche Mutter mahnte mohlgekleidete Kinder­chen, dem Vater das Händchen zu geben. Junge Frauen oder Mädchen, mit Blumen in der Hand, trippelten in den kleinen Schritten freudiger Erwartung. Zweifelnd aber standen auch hier vergrämte Frauen, die wohl oft auf Züge lauerten, im Glauben, einmal müsse auch ihr Vermißter in einer Schar fröh licher Urlauber sein.

Grausam und fluchwürdig war der Krieg! Wenigen schenkte er Freude und vielen Leid. Herbem Kummer gesellte er farge Freuden.

,, Abfahren!" Aus einem Abteil flang leiser Gesang, auf dem langen Bahnsteig lautes Weinen. Der Zug rollte an, und die Heimbleibenden starrten die Wagenkette entlang auf das ferne große Loch. An hohen Pfeilern blinkte durch wallenden Qualm das Licht roter und grüner Laternen. Dahinter glitzer­ten Sterne und lachte der Mond kalt, starr und erbarmungs­los, wie Werner ihn einst über Rußland sah. Dort hinter Rauch und Dunkel ahnten die still ins Taschentuch Weinenden das Heiße und Wilde, in das ihre Männer, Brüder und Söhne fuhren.

Zur Linken aber lachten Augen in froher Ungeduld auf das große Loch und die bunten Laternen in Rauch und Qualm.

Der Geheimrat ging schneller, bis die Halle im Rücken lag. Auf einem Steig draußen warteten Bahrenträger mir rotem Kreuz und weißer Binde am Arm. Quälender ward das War­ten. Ein Hämmern in Herz und Kopf drohte Gerdas Adern zu sprengen, als leise und langsam der Zug einrollte.

Der Geheimrat trat vor einen abspringenden Sanitäts­offizier und fragte, ob er wisse, in welchem Wagen ein Leutnant v. Drewitz liege. Der Stabsarzt hob die Hand zu ernstem Gruß. Seine Lippen öffneten sich schon zum Sprechen. Da sah er die junge Dame in Schwarz und zückte müde die Achseln: Ich weiß allerdings, Herr Generalarzt. Im zweiten Wagen!"

,, Danke!" Der Geheimrat faßte Gerdas Ellbogen, führte sie den Zug entlang und half dann beim Einsteigen. Wieder würgte die furchtbare Angst an der Kehle, als sie durch einen schmalen Gang zwischen zwei Reihen von Betten eilte. Nach links und rechts neigte sie den Kopf. Hier schlummerte, dort stöhnte ein Verwundeter. Schnell sah sie in jedes Gesicht und flüchtete weiter. Der Wunsch, den Röchelnden zu helfen, mußte schweigen. Endlich sah sie einen Kopf, den blutbefleckter Mull umhüllte. War das der Geliebte? An das Bett tretend, beugte sie sich herab. Der Verwundete öffnete müde blinkende Augen­lider. Ein Fremder lag vor ihr. Doch ehe sie zurücktreten tonnte, haschte er nach ihrer Hand und lallte im Fieber: ,, Fried­chen, Friedchen, wie lieb und gut!" Seine Rechte zog sie näher. Auch die Linke griff zu. Mit letzter Kraft schwindenden Lebens umflammerten glühende Finger die ihren. Sie konnte nicht entrinnen und fant zitternd auf den Beitrand. Der Fiebernde jauchzte. Heiße Liebesworte sentten sich in ihr Ohr mit dem Dank eines im Sterben Beglückten für das Kommen seiner Frieda, der Braut oder Frau, die sein Wahn ihm zeigte.

Schluß folgt.

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