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Samstag, den 21. Juli 1928.

( 2) Zuständig ist für die staatliche Gewerbsteuer der Mi­nister der Finanzen oder die von ihm beauftragte Behörde, für die kommunale Gewerbsteuer die Vertretung der betreffenden Körperschaft; deren Entscheidung ist endgültig.

Artikel 17.

Die staatlichen Steuersätze vom Gewerbekapital und vom Ertrag für das Steuerjahr 1928 werden mit Zustimmung des Finanzausschusses des Landtags durch den Minister der Finanzen festgesetzt und veröffentlicht.

Artikel 18.

Art. 41 des Gemeindeumlagengesetzes vom 7. August 1920 in der Fassung der Abänderungsgesetze gilt sinngemäß mit der Maß­gabe, daß an die Stelle des darin angeführten Artikel 15 des Gemeindeumlagengesetzes der Artikel 14 Abs. 1 dieses Gesetzes zu treten hat.

Artikel 19.

Die Regierung wird ermächtigt, dieses Gesetz bis zum In­krafttreten des Reichsgewerbsteuerrahmengesetzes zu erstrecken und die hierdurch erforderlichen Abänderungen vorzunehmen.

Artikel 20.

Die Minister der Finanzen und des Innern sind mit der Ausführung dieses Gesetzes beauftragt.

Darmstadt, den 10. Mai 1928.

Adelung.

Hessisches Gesamtministerium. Kirnberger.

Leuschner.

Lokales.

Sonntagsgedanken.

Korell.

Im Hasten des Alltags vergißt der Mensch sich so oft selbst, weil er in dieser jagenden Welt die Zeit nicht mehr findet, allein zu sein in ungestörter Stille. Der Mensch von heute ge= hört viel zu sehr dem wogenden und wallenden Getriebe dieser Welt, drängende Arbeit, äußere Taten, Sorgen bei Tag und Nacht halten ihm Geist und Hände gebunden.

,, Gießener Zeitung"

Und dieses Unternehmen, so riesig und doch so beweglich, verdiente es schon, daß man ihm besondere Beachtung schenkte.

Nur in seiner Herzenskammer mahnt es manchmal, daß wieder einmal Stille mehr nottut als der Lärm des Tages und das rastlose Rauschen der Arbeit.

Auch der Mensch von heute hat seinen Sonntag.

Die Tierschau mit ihrer Reichhaltigkeit überraschte den ver­wöhntesten Großstädter, und der Jugend brachte sie so manches Phantasietirchen endlich körperlich vors Auge. O, wie sie stan­den und guckten.

Hunderte von Prachtpferden, Löwen, Tiger, Elefanten, Ka­mele, Dromedare, Zebras und Lamas, von braunen und weißen Bären, von ach, das Aufzählen ist zwecklos, alles war in diesem 300 zu finden. Dazwischen Neger, Inder, Japaner, Tscherkessen, Spanier babylonisches Sprachgewirr.

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Und dann der Zirkus! Mächtig wölbte sich über den drei Manegen und den Tausenden von Plätzen das Zelttuch. Blen­dende Lichterfülle, gute Musik und neugierige Menschen füllten den Raum allabendlich, und dann gings los. Nummern auf Nummern des Programms, oft in dreifacher Ausführung wickelte sich ab. Ganz blasierte Menschen bekamen blanke Augen vor Freude: Pferdedressuren in fabelhafter Ausführung, der Peit­schendressur- Akt und die Vorführung der Hohen Schule" waren wohl das schönste; aber nein, es läßt sich nichts vergleichen, die Elefantendressuren, die Raubtierdressuren die artistischen Num­mern, alles war von höchster Vollendung. Fast wars zuviel für das Auge.

Viele freilich kennen ihn nur als Tag der genießenden Stunden, nicht als den geschaffenen Tag, sich nach der endlos scheinenden Erdenarbeit einmal wieder auf sich selbst zurück­zuziehen und neue Kräfte, neuen Mut zum Tagewerk der Woche zu schöpfen. In der Stille ist oft schon mancher Funke zur auf­lodernden Flamme angefacht worden.

In diesem Hasten und Jagen, in diesem Rennen und Fliegen verliert sich mancher selbst. Ueberall kommen wir hin, hier und dort sind wir zu Gast, machen hundert Besuche, nur keinen bei uns selbst im eigenen Innern. Allen gehören wir an, nur uns selbst nicht Wir vergessen die Stille und den Frieden der Kam­mer, in der wir allein sind, wo die Seele sich so wohl, so glück­lich, so heimisch fühlt.

Nr. 58.

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trachten, der vom 25. bis 26. Juli in den Mauern unserer ober= hessischen Provinzialhauptstadt einziehen will und dort die vierte Hauptversammlung abhalten möchte. Zwei größere Referate von bekannten Kennern und Freunden des Landvolks am 25. Juli gehalten, werden in die wichtigsten Arbeitsgebiete Dorf­firchlichen Schaffens einführen. Es sprechen der hessische Pfarrer Rühl- Reichelsheim in der Wetterau, früher im Vogelsberg, über ,, Die Bedeutung der Volkskunde für die kirchliche Arbeit" und der schwäbische Oberlehrer D. Dietz- Oberlenningen über | ,, Gemeinschaftspflege im sozial gemischten Dorf". Zur Eröff­nung der Aussprache, die sich an beide Vorträge anschließt, hat man in Professor Dr. Koch- Gießen, dem Förderer der Volks­hochschulbestrebungen, und Pfarrer Mahr- Gießen namhafte literarische Vorkämpfer der Dorfkirchenbewegung gewonnen, deren Persönlichkeit ebenso wie die der Redner auf eine wirk­liche Klärung in der grundsätzlichen und praktischen Lösung der zur Debatte stehenden Fragen offen läßt. Mit dem Ausflug nach dem, Hüttenberg", der für den 26. Juli vorgesehen ist, und der die Teilnehmer in Gesellschaftsautos durch diese reiz­volle Gegend im südlichen Teil des Kreises Gießen führt, wol­len die Dorfkirchenfreunde aus eigener Anschauung ein Stüd althessischen Volkslebens, sowie dörflicher Bauweise und Sitte kennen lernen, das sich sein eigentümliches Gepräge im Wandel der Jahrhunderte gewahrt hat. In Großen- Linden wird die Fahrt beendet, wo in Verbindung mit einem Rundgang durchs Dorf und der Besichtigung einer volkskundlichen Ausstellung Pfarrer Schulde- Großen- Linden, der langjährige Forscher auf dem Gebiete der Volkskunde Oberhessens, einen Vortrag über das Hüttenberger Volkstum halten wird. Den Abschluß findet die Tagung durch eine Abendandacht in der Kirche. zu Großen- Linden, die ihres hohen Alters wegen und vornehm­lich für ihres für den Kunsthistoriker hochinteressanten West­portals willen zu den bemerkenswertesten Bauten Hessens ge­rechnet werden kann. Die vierte Hauptversammlung des deut­schen Dorfkirchenverbandes, zu der Gäste aus der engeren, wie aus der weiteren Heimat( Hessen- Nassau, Hessen- Kassel, Hannover, Mecklenburg, Thüringen, beide Sachsen u. a. m.) er­wartet werden, verspricht, nach ihrer gründlichen Vorbereitung zu schließen, ein Ereignis zu werden, das das Interesse einer breiten Oeffentlichkeit in Stadt und Land nicht weniger als die Aufmerksamkeit aller derer beanspruchen darf, die sich für die Erhaltung und Wiedererstarkung bäuerlicher Kultur und Sitte einsetzen.

Ganz benommen ging man dann heim. Straßenbahnen waren überfüllt, Autos vasten die Kaiserallee hinauf und hin­unter so ließ man sich schieben, erzählte und hörte: Donner­wetter...., nein, also so etwas... fabelhaft. So schwirrt es ringsherum aus der Menge. Das ist dann wohl die beste Reflame.

Dein Sonntag soll dir die Stunde bringen zu stiller Rast, zur friedlichen Einkehr bei dir allein. Wie die Arbeitstage mit der Ruhe des Sonntags wechseln, so soll II wie Ebbe und Flut in deinem Leben solches Innehalten wechseln mit der hastenden Arbeit geplagter Menschen. Uns selbst dürfen wir nicht ver­gessen. Da drinnen im Menschen liegt das wahre Glück. Nur aus dem Innern unserer Seele können wir es herausholen, wie Perlen vom Grunde des Meeres empor zum Sonnenlicht. Drin­nen allein ist das tiefste Glück eines Menschen zu finden. Da drinnen müßt ihr in stiller Einkehr am Sonntag es suchen. Der Sonntagsschreiber.

*

Zirkus Krone war da.

Und wieder packen hunderte von Fäusten zu. Und wieder rollen hunderte von Wagen durch die Stadt. Und wie ver­zaubert reibt man sich die Augen. Alles ist weg. Leer ist der Platz. Der Zirkus war da.

Nur an den Anschlagssäulen leuchten noch Wochen die großen Plakate und verkünden, daß der Welt- Zirkus Krone auch in Gießen war.

Zirkus ist da! Wagen auf Wagen rollten zum Trieb, Men­schen aller Länder und Zonen begleiteten sie. Hunderte von Händen packten zu und in Stunden entstand die Stadt in der Stadt. Geradezu genial ist die Organisationsgabe dieses Zirkus= gewaltigen. Reibungslos zauberte man uns verblüfften Gie­Benern einen zoologischen Garten und ein Zelt von Ausmaßen der Volkshalle und noch größer auf den Trieb.

Der Zirfus war da.

*

Versicherungsfreiheit von der Arbeitslosenversicherung bei Verlängerung von Jahresarbeitsverträgen.

Der Präsident der Reichsanstalt für Arbeitsvermittlung und Arbeitslosenversicherung hat am 22. Mai d. J. nachfolgendes Schreiben dem Präsidenten der Landesarbeitsämter übersandt:

Nach§ 71 Abs. 3 Nr. 1 AVAVG. erlischt die Versicherungs­freiheit in den Fällen des§ 71 Nr. 1 Abs. 1 sechs Monate vor dem Tage, an dem das Arbeitsverhältnis durch Zeitablauf endet, sofern nicht vorher die Dauer des Arbeitsvertrages um minde­stens ein weiteres Jahr verlängert wird.

Wie in den schwersten Zeiten des Krieges der hungrige Mitteleuropäer um die paar Gramm Butter ,, Schlange stand", so es war baum zu glauben, segar die Polizei griff ordnend ein so wurde die Kartenvorverkaufsstelle des Zirkus Krone schon in den frühen Morgenstunden belagert. Der Gießener wollte ſehen, wolfte schauen, wollte staunen. Der Zirkus Krone war da!

Der Rhein in wirtschaftlicher und fultureller Bedeutung.

Schluß

Hiernach erlischt die Versicherungsfreiheit nicht, wenn der Vertrag rechtzeitig, d. h. sechs Monate vor dem Vertragsablauf um mindestens ein weiteres Jahr verlängert wird. Eine neue Befreiungsanzeige ist in diesen Fällen daher nicht erforderlich. Die ursprüngliche Befreiungsanzeige muß aber hierbei sinnge­mäß nach§ 77 Abs. 3 AVAVG. durch eine gemeinsame Erklä­rung der vertragschließenden Teile dahin ergänzt werden, daß die Versicherungsfreiheit bis zum..... weiter beansprucht wird. Ich sehe davon ab, einen besonderen Vordruck für diese Fälle vorzuschreiben. Die Erklärung dürfte zweckentsprechend zu lau­ten haben:

In jener Zeit des Mittelalters umfassen wir mit dem Na­men ,, Rhein" nicht mehr nur den Kranz blühender Städte und Ortschaften an seinen Ufern, sondern beziehen auch das Net seiner Zuflüsse mit ihren angrenzenden Gebieten ein. West­falen gehört, wie aus der Einteilung der Hanse hervorgeht, schon mit zum Rhein, der somit schon ein großes taufmännisches und wirtschaftliches Interessengebiet geworden war; die Rhein­lande traten als wirtschaftliches Gebilde in die Erscheinung.

Die Unterzeichneten verlängern hiermit den am.... ab­laufenden schriftlichen Jahresarbeitsvertrag vom.... um ein weiteres Jahr bis zum..... und beanspruchen gemäß§ 71 Abs. 1 des Gesetzes über Arbeitsvermittlung und Arbeitslosen­versicherung vom 16. Juli 1927 die Versicherungsfreiheit weiter bis zum

Vierte Hauptversammlung des deutschen Dorfkirchen­

verbandes in Gießen am 25. und 26. Juli.,

Unter den verschiedenen Arbeitsgemeinschaften, die sich mit der besonderen Lage des Landvolkes beschäftigen und sich um die Wechung des Verständnisses für die Notwendigkeit von Wohl­fahrts- und Heimatpflege auf dem Boden des Volkstums be­mühen, hat sich die Dorfkirchenbewegung heute einen besonderen Platz erworben. Ob schon diese Bewegung, die auf Anregungen des Herausgebers der Zeitschrift Die Dorfkirche", Pastor Dr. ven Lüpke, zurückzuführen ist, erst als eine Schöpfung der letz­ten Jahrzehnte auszusprechen ist, hat sie sich heute über ganz Deutschland verbreitet. Als die Gesamtvertretung der in den verschiedenen Gauen des Reiches ins Leben gerufenen Dorfkirch­lichen Vereinigungen ist der deutsche Dorfkirchenverband zu be=

Wenn auch Handwerk, Zünste und Kaufmannschaft sowie ein gewisser Fabrikbetrieb dem Rhein bereits ein wirtschaftliches Gepräge gegeben hatten, so hat doch erst die Neuzeit das Rhein­land zu einem der großen Industriezentren der Welt gemacht, das einen bedeutenden Teil der deutschen Wirtschaft tragen muß. Von wichtigeren Industrien und Industriestädten bis nach Düs­seldorf hinauf seien hier nur Mannheim genannt; Ludwigs­hafen mit seiner gewaltigen chemischen Industrie; die Industrie der Steine und Erden besonders im Siebengebirge; der Schie­ferbergbau bei Oberwesel und Bacharach; Ziegel- und 3ement= industrie bei Mainz; Lederindustrie in Worms; Tabakindustrie bei Köln; Mühlenindustrie am ganzen Rhein verstreut; Zuder und Margarine; sowie ein Teil der umfangreichen Maschinen­und Esenindustrie.

Wenn man auch am Rhein keine festen Trennungsstriche hinsichtlich der wirtschaftlichen Betätigung in lokaler Hinsicht

*

Straßensperrungen,

mitgeteilt vom Oberhessischen Automobil- Club E. V., Gießen. Melbach Dorheim, im Straßenzug Friedberg- Hungen, bis auf weiteres; Umleitung: Echzell- Reichelsheim- Ossenheim­Fauerbach.

Folgende Straßensperrungen sind aufgehoben: Alsfeld Eifa, im Straßenzug Alsfeld Hersfeld. Alsfeld Romrod im Straßenzug Gießen- Alsfeld.

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* Der planmäßige Extraordinarius für Veterinärhistologie und Veterinärbriologie an der Universität Leipzig, Dr. W. Schauder, hat einen Ruf als Nachfolger des emeritierten Geheimen Medizinalrats Professor Dr. Martin an die hessi sche Landesuniversität Gießen erhalten.

* Ernennungen. Der Gendarmeriemeister Johannes Geisel zu Heppenheim, Georg Haust zu Lauterbach, Karl Mau zu Gießen und Konrad Schmitt zu Bensheim wurden zu Gendar­meriekommissaren mit Wirkung vom 1. Juli 1928 ab ernannt.

* Dem Rangiermeister Karl Steiß wurden beim Rangie­ren im Bahnhof Gießen beide Beine unterhalb des Knies ab­fahren, der Verletzte wurde in die Chirurgische Klinik über­führt, wo er gestern morgen gestorben ist.

* Polizeibericht. Zunehmende Fahrraddiebstähle. Am 18. Juli 1928 wurden in Gießen zwei Fahrräder, das eine aus einem Hausflur im Seltersweg, das andere vor dem Postamt in der Schulstraße, entwendet. Es handelt sich in beiden Fällen um Herrenfahrräder, Marke Torpedo, Fabrik- Nr. 320 319 und Kuymann. In einem Falle ließ der Täter ein älteres Fahr­rad zurück.- Am Tage vorher wurde auch in Wieseck ein fast neues Herrenrad, Marke Macarona", Fabrik- Nr. 515 104, ge­stohlen. In der letzten Zeit wurde wiederholt bei dem Hess. Univers.- Versuchsgut am Hardthof das Tor der Viehweide widerrechtlich zur Nachtzeit geöffnet, sodaß das Vieh die in der Nähe liegenden Versuchsfelder am unteren Hardthof erheblich beschädigt. Personen, die sachdienliche Angaben zur Täter­ermittlung machen können, werden gebeten, der Kriminalpolizei

ziehen kann, so begannt doch erst von Düsseldorf ab das eigent­liche Industrie- Zentrum. Mit der Auffindung und Förderung der Steinkohle und der Eisen- und Stahlerzeugung kennzeichnet sich die Aera der Schwerindustrie, die dem Mittelrhein von Duisburg an ihr Gepräge gibt. Bis Ende des 18. Jahrhun­derts wurde die Steinkohle im Stollenbetriebe abgebaut; aber erst der in die Tiefe gehende Schacht ermöglichte, zusammen mit anderen Fortschritten der Technik, den Großbetrieb. Bald da= rauf erfolgte auch die Umstellung der gewöhnlichen Schiffahrt zur Schleppschiffahrt und zur Benutzung des eisernen Güterschif­fes mit großer Tragfähigkeit. Die Mitte des 19. Jahrhunderts brachte dann Dampfschiff und Lokomotive, und einige Jahr­zehnte später die Elektrizität und stellte diese billige Kraftquelle in den Dienst der wirtschaftlichen Entwicklung des Rheins. Düsseldorf und Duisburg nehmen, vom westfälischen Gebiet ab­gesehen, einen besonderen Platz ein. Düsseldorf ist nicht nur selbst eine große Fabrikstadt, sondern auch der Haupthafen für das Wuppertal, das eine Kette von Industrieſtädten beherbergt. Duisburg- Ruhrort ist die größte Binnenhafenanlage nicht nur des Reiches, sondern der Welt und schlug im ersten Halbjahr 1927 rund 12 Millionen Tonnen Waren um, annähernd soviel wie Hamburg. Die bebauten Hafenanlagen ziehen sich 15 Kilo­meter hin und gewähren bei Eisgang ungefähr 5000 Fahrzeugen Schuh.

Endlich aber dienen die Wasser des Rheines selbst, sein Ge­fälle dem wirtschaftlichen Fortschritt und der Krafterzeugung im größten Maßstabe. In größtem Maßstabe ist die Kraft des Rheinstromes in den Schweiz den Bedürfnissen der Bevölkerung

dienstbar gemacht. Die heute in der Schweiz ausgenützten und im Ausbau befindlichen Wasserkräfte weisen eine installierte Leistung von 2200 000 Pferdestärken auf. Die gesamte Energi­produktion der schweizerischen hydroelektrischen Kraftwerke be­lief sich im Jahre 1926 auf etwa 4,3 Milliarden Kilowattstun­den, d. h. auf rund 1100 Kilowattstunden pro Kopf der Bevölke­rung. Die Verteilung der gesamten Energieerzeugung entfällt auf die Licht-, Kraft- und Wärmeerzeugung, ca. ein Achtel auf den elektrischen Bahnbetrieb; etwa ein Viertel bis ein Fünftel auf Elektrochemie und Elektrometallurgie, der Rest auf Ener­gieausfuhr. 95 Prozent aller Orte in der Schweiz werden auf diese Weise mit Elektrizität versorgt.

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In Deutschland sind es hauptsächlich Speicherwerke, in denen die Kraft des Wassers nutzbar gemacht wird. Hier ist in erster Linie das Hochspeicherwerk von Koblenz, das zur Energieent­wicklung benutzt wird und eine Kraftleistung von rund 135 000 Pferdekräften entfaltet. Während Hugo Stinnes das Ruhrge biet mit Elektrizität aus der Steinkohle versorgte, ist am Ober­rhein die 1897 von rheinischen Banken und der Schuckert- Gesell­schaft gegründete Rheinelektra von maßgebender Bedeutung für die Elektrifizierung Südwestdeutschlands geworden.

Mit dem Austritte des Rheines aus deutschem in hollän­disches Gebiet ist aber seine wirtschaftliche Bedeutung nicht er­schopft. Holland hat in ähnlicher Weise seine Wirtschaft um den Rhein entwickeln können, und in mancher Art nicht minder intensiv, da an den Rheinmündungen die wichtigsten Häfen Hollands auch für seinen Verkehr nach Uebersee liegen, und vielfach auch den Umschlagsplatz für deutsche Waren bilden.

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