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Nr. 31.

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Gießener Zeitung

( Neueste Nachrichten)

Erscheint Mittwochs und Samstags. Bezugspreis 2,40 M vierteljährlich frei ins Haus. Redaktionsschluß früh 8 Uhr.- Für Aufbewahrung oder Rüd­sendung nicht verlangter Manuskripte wird nicht garantiert.

41. Jahrg.

Politische Tagesschau.

Das Reichsministerium des Innern plant ein generel­les Verbot des Roten Frontkämpferbundes und hat sich wegen der Durchführung dieser Aktion mit den Regierungen der Län­ber ins Vernehmen gesezt. Das Verbot soll damit begründet werden, daß der Rote Frontkämpferbund die Wahlfreiheit ge= fährde.

Die Reichsbahn wird sich in großem Umfange an der inter­nationalen Presseausstellung in Köln beteiligen, um zu zeigen, wie eng das moderne Verkehrsmittel der Eisenbahn mit der Bresse verknüpft ist.

Heute trifft der österreichische Handelsminister Schürff in Berlin ein, um mit dem deutschen Reichsverkehrsminister über Bereinheitlichung der beiderseitigen Eisenbahnverkehrsordnun­gen zu verhandeln.

Der Generalagent für Reparationszahlungen, Parker Gil­bert, ist von Rom tommend, in Baden- Baden zum Kuraufent: halt eingetroffen.

In einer Sigung des faschistischen Verbandsdirektoriums für die Provinz Bozen wurden die politischen Sekretäre aufge= fordert, das Wirken der Geistlichen zu überwachen und dem Ver: band Kontrollberichte über die Tätigkeit der Geistlichen in den Gemeinden zu erstatten.

Zu den kommenden Wahlen. Reichsliste der Deutschen Volkspartei:

1. Reichsminister Dr. Stresemann, Berlin, 2. Reichsminister a. D. Dr. Scholz, Charlottenburg, 3. Reichsminister Dr. Cur­tius, Berlin- Dahlem, 4. Geh. Justizrat Prof. D. Dr. Kahl, Ber­lin- Wilmersdorf, 5. Frau Oberstudiendirektor Dr. Maz, 3. Stet in, 6. Gewerkschaftsvorsitzender Thiel, Berlin- Wilmersdorf, 7. Reichsminister a. D. Dr. Becker, Darmstadt, 8. Staatssekretär 3. D. Kemptes, Charlottenburg, 9. Landwirt Hamkens, Han­redder( Holstein), 10. Postamtmann Morath, Berlin- Zehlendorf, 11. Geh. Justizrat Dr. Zapf, Zweibrücken, 12. Bergmann Winne­feld, Günningfeld, Kreis Gelsenkirchen, 13. Generaldirektor Köngeter, Düsseldorf, 14. Malermeister Havemann, Hildesheim, 15. Syndikus Keinath, Berlin, 16. Frau Clara Mende, Haus­frau, Berlin- Tempelhof, 17. Staatssekretär a. D. Walther, Ber­lin, 18. Rittergutsbesizer Reichsminister a. D. Graf Kanitz, Podangen, 19. Stadt- Medizinalrat Dr. Schnell, Halle a. d. S., 20. Reichsbahnobersekretär Fahrenholz, Hannover.

Bei Würdigung des vorstehenden Reichswahlvorschlages der Deutschen Volkspartei ist zu berücksichtigen, daß die Herren Stresemann, Scholz, Curtius, Thiel, Becker, Hamkens, Zapf, Winnefeld, Havemann, Frau Mende und Graf Kaniz gleichzeitig auf Wahlkreislisten kandidieren und dort im Falle ihrer Wahl bas Mandat annehmen, so daß diese Kandidaten die Reichs­liste nicht oder doch nur zu einem ganz geringen Teile belasten.

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Die Parteien auf dem Stimmzettel.

Amtlich wird mitgeteilt:

Die Nummernfolge der Reichswohlvorschläge der bisher im Reichstag vertretenen Parteien ist folgende:

1. Sozialdemokratische Partei Deutschlands,

2. Deutschnationale Volkspartei,

3. Zentrum,

4. Deutsche Volkspartei,

5. Kommunistische Partei,

6. Deutsche Demokratische Partei,

7. Bayerische Volkspartei,

8. Linke Kommunisten,

9. Reichspartei des Deutschen Mittelstandes,

10. Nationalsozialistische Deutsche Arbeiterpartei,

11. Deutsche Bauernpartei,

12. Völkische Arbeitsgemeinschaft( Völk. Nationaler Block),

13. Deutsch- Hannoversche Partei,

14. Landbund,

15. Christlich- nationale Bauern- und Landvolkpartei, 16. Volksrechtpartei.

Für Parteien, die bisher im Reichstag nicht vertreten waren, stehen die Nummern von 17 an zur Verfügung. Für ihre Zuteilung entscheidet die Reihenfolge, in der die Vorschläge zei tlich bei den Kreiswahlleitern eingehen.

Drud und Verlag von Albin Klein in Gießen Geschäftsstelle: Gießen, Südanlage 21. Fernsprecher Nr. 2525 und 2526 Postscheckkonto Nr. 69 530 Amt Frankfurt a. M

Mittwoch, den 18. April 1928

Bucht zu begeben. Das Junkersflugzeug von Newyork ist be­reits in Murray Bucht angekommen und dazu bestimmt, die beiden deutschen Flieger Hauptmann Köhl und Baron v. Hüne­feld, sowie Major Fizmaurice nach Newyork zu bringen. Der kanadische Regierungsdampfer ,, Montcalm" wird die ,, Bremen an Bord nehmen und zur Reparatur nach Halifax bringen. Es ist jetzt als unmöglich erkannt worden, die ,, Bremen" an ihrem Landungsplatz zu reparieren, besonders auch im Hinblick darauf, daß die Flieger infolge der Anstrengungen und der Kälte sehr erschöpft sind.

Die Pläne für den Newyorker Empfang.

Newyork, 17. 4. Heute werden die Pläne für den feier­lichen Empfang der Bremen"-Besatzung bekannt, die schon in allen Teilen bis auf Einzelheiten ausgearbeitet sind. Wie beim Empfang Lindberghs werden auch diesmal alle Schiffe im Hafen zur Begrüßung ihre Sirenen ertönen lassen. Ein Flugzeug­geschwader wird über der Stadt kreuzen. Auf dem Blaze vor dem Stadthause wird Bürgermeister Walker und andere her­vorragende Persönlichkeiten Newyorks die Besatzung der Bre­men" mit einer Ansprache unter freiem Himmel willkommen heißen. 40 Radiostationen werden diese Feier über die ganze Welt verbreiten. An die Ansprachen schließt sich der feierliche Marsch die fünfte Avenue hinauf. Am Madison Square wird Salt gemacht werden, um einen Kranz am Denkmal für die Gefallenen des Weltkrieges niederzulegen.

Die Ursache des drrfluges der Bremen.

Quebec, 17. 4. Nach einem Funkspruch der Canadian Preß schreibt Frhr. v. Hünefeld das Umherirren der Bremen", das schließlich zur Landung in Greenly Island führte, dem Umstande zu, daß das Beleuchtungssystem der Bremen" versagte. In­folgedessen war es ſtundenlang unmöglich, die Instrumente ab­zulesen. Hünefeld schätzt die Strecke, in der die ,, Bremen" voll­kommen dunkel flog und dabei vom Südwestkurs nach Norden abgetrieben wurde, auf 700 Kilometer.

Aus der Fülle der Glückwünsche.

Wie zu erwarten war, beeilt sich alles, den Ozeanfliegern Gutes zu tun. Als erste diesseits des Ozeans schlagen sich die deutschen Badeorte um die Flieger.

Einladung der Stadt Bad Nauheim. Bürgermeister Dr. Ahl von Bad Nauheim sandte an Hauptmann Köhl nachstehendes Funktelegramm: ,, Den Erobe­rern der Westroute über den Atlantik herzlichen Glückwunsch zu dem kühnen Wagnis, das zwei Welten immer mehr einander näher bringt. Zum Dank lädt Bad Nauheim die drei erfolg= reichen Flieger zu vierwöchentlichem Kuraufenthalt in Jeschkes Grandhotel herzlichst ein."

Bad Elster lädt die Transozeanflieger ein. Die Badedirektion des sächsischen Staatsbades Bad Elster sowie die Direktion des Kurhotels haben die Transozeanflieger, Hauptmann Köhl, v. Hünefeld sowie Major Fizmaurice, zu einem vierwöchentlichen Kuraufenthalt eingeladen.

Wiesbaden ladet die Ozeanflieger ein. Bürgermeister Heß, der zur Zeit in Newyork weilt, hat von dort aus durch Funkspruch die ,, Bremen"-Flieger zu einem mehr­wöchigen Erholungsaufenthalt in Wiesbaden eingeladen. Heß wird Donnerstag von Bürgermeister Walker empfangen werden. Ehrung Köhls. Zu Ehren des deutschen Ozeanfliegers Hauptmann Köhl hat die deutsche Lufthansa zu seinem 40. Ge­burtstag ihr größtes und modernstes Flugzeug, die D 1310, auf den Namen Hermann Köhl" getauft.

Wir lesen:

2500 Abgeordnete sizen heute in Deutschland in Parlamen­ten herum; sie machen Gesetze. Seit 1914 insgesamt schon 142 000 Gesege, Verordnungen, Verfügungen. Berge von Ge­setzen und kein Recht.

200 ehemalige Minister, 6 ehemalige Reichskanzler, 16 ehe­malige Staatssekretäre beziehen Ruhegehälter von 10 000 bis 27 000 Mark jährlich, durchschnittlich nur(!) 15 000 Mark er­gibt zusammen pro Jahr 3 000 000 M.

Nach Angabe des Roten Kreuzes begingen 1926 in Deutsch­land 63 000 Menschen Selbstmord.

Der demokratische Abgeordnete Erkelenz fragt, ob die In­validen-, Alters-, Kranken- und Unfallversicherung an Bei­trägen nicht mehr verschlingen, als die Hilfen in Zeiten des Alters und der Krankheit ausmachen, und Heller errechnet die­sen Unterschied auf eine Milliarde jährlich, um die die Kauf­

Die Bremen- Flieger auf dem Wege kraft der Arbeiter geschwächt würde.

nach Newyork.

Wie aus Quebec gemeldet wird, sind die ,, Bremen"-Flieger gestern vormittag um 9,30 Uhr von Greenly Island abgeflogen. Schiller war von Nataschtwan nach Greenly Island zurückgeflo­gem, um die Deutschen und Cuisinier aufzunehmen.

Ottawa, 17. 4. Der Leiter des kanadischen Regierungs- Te­legraphendienstes hat folgendes Telegramm erhalten:

,, Seven Island Bucht berichtet, daß die Mannschaft der 3 temen" beabsichtigt, sich so bald als möglich an Bord des Flugzeuges, das von Duke Schiller geführt wird, nach Murray

42 000 Meineide seien in Deutschland in einem Jahre ge­schworen. Davon seien 525 verfolgt und verurteilt worden. So sagt Oberlandesgerichtsrat Kloß, der Staatsanwalt in Halle

πατ.

Nobiles Nordpolflug.

In Stolp gelandet.

General Nobile ist am Sonntag mit seinem Luftschiff ,, Italia" aufgestiegen. Die Fahrt ging zunächst nach Stolp als erste Zwischenetappe, wo das Luftschiff in den dort befindlichen Zeppelin- Hallen die letzte Ausrüstung zur Fahrt um die Arktis

( Gießener Tageblatt)

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Nummer 32

erhält. Nobile war bei ungünstigen Wetterhältnissen gestartet. Sein Fahrzeug hatte auf dem ganzen Wege nicht nur mit wid­rigen Winden zu kämpfen gehabt, sondern auch unter Gewitter­bildung gelitten.

Etatsberatungen im Hessischen Landtag.

Darmstadt. Der Hessische Landtag trat gestern in Etat­beratungen ein. Zunächst gedachte der Präsident Delp der Ueberquerung des Ozeans durch die deutschen Flieger und be= glückwünschte sie namens des hessischen Volkes.

Der Abg. Dr. Wolf von der Aufwertungspartei, der in der letzten Sigung einen Tumult provoziert hatte, gab heute eine loyale Ehrenerklärung für die von ihm beleidigten Abgeord neten ab. Die Regierung verzichtete auf eine Erklärung zum Etat, so daß die Fraktionsredner sofort die Aussprache eröff­

neten.

Für die Demokraten sprach der Abg. Rizzel. Das Zentrum vertrat der Abg. Hoffmann, der ziemlich ruhige Ausführungen machte, aber im Gegensatz zu seinem Koalitionsgenossen Rizzel den Gedanken des Einheitsstaates behutsam und unter Aufrecht­erhaltung eines gesunden Hessens behandelt wissen wollte. Er befaßte sich auch mit den Verhandlungen zur hessischen Regie­rungsbildung, wobei er die falsche Behauptung aufstellte, daß das Zentrum eine Regierung breitester Grundlage erstrebt habe, diese aber durch die Deutsche Volkspartei gescheitert sei. Der Landbundabgeordnete Dr. Leuchtgens befaßte sich in sachlicher Form mit dem Voranschlag.

Nach ihm ergriff der volksparteiliche ihrer in Hessen, Abg. Dingelden, das Wort. Er rechnete mit all den Presseäußerun= gen ab, die sich an die Haltung der D. V. P. während der Re­gierungsbildung geknüpft hatten.

Nach Abg. Dingelden sprach Abg. Best für die Aufwertungs­partei. Die Beratungen finden heute ihren Fortgang.

Adelung in den Verfassungs- Ausschuß berufen.

Anfangs Miai tritt in Berlin der Ausschuß für Verfassungs­und Verwaltungsreform unter dem Vorsitze des Reichskanzlers Dr. Marx zusammen, dem zahlreiche Reichsminister und Staats­präsidenten angehören. Der Volksstaat Hessen wird durch Staatspräsident Adelung vertreten.

Zur Vertretung des Handwerks in den Verwaltungs­organen der Reichsanstalt für Arbeitsvermittlung und Arbeitslosenversicherung.

Dem Vorstand der Reichsanstalt für Arbeitsvermittlung und Arbeitslosenversicherung gehört Generalsekretär Karl Her mann, Mitglied des Vorläufigen Reichswirtschaftsrats, Ber­lin- Charlottenburg, Schillerstraße 117, Reichsverband des deut­Der schen Handwerks, als Vertreter des Berufsstandes an. Vorstand setzt sich zusammen aus je 4 Vertretern der Arbeit­geber, der Arbeitnehmer und der öffentlichen Körperschaften. Stellvertreter für Generalsekretär Hermann ist Präsident Lu­bert, Mitglied des Vorläufigen Reichswirtschaftsrats, Ber­lin SW. 61, Teltowerstraße 1-4, Handwerkskammer.

Dem Verwaltungsrat der Reichsanstalt für Arbeitsvermitt­lung und Arbeitslosenversicherung gehören je 16 Arbeitgeber­vertreter, Arbeitnehmervertreter und Vertreter der öffentlichen Körperschaften an, darunter für das Handwerk Dr. Lange, 1. Syndikus der Gewerbekammer Bremen, Bremen, Obermeister Karl Hansen, M. d. R. W. R., Berlin- Lankwitz, Cornelius­straße 22, und Hamburg 6, Schäferkampallee 9, und Dr. Paeschke, M. d. R. W. R., Breslau 13, Augustastraße 50. Stellvertreter hierfür sind E. 3erneke, Vorsitzender des Reichsverbandes des Deutschen Schmiedehandwerks, Wolmir­stedt bei Magdeburg, Bäckerobermeister Wilhelm Müller, M. d. R. W. R., Berlin SD. 16, Melchiorstr. 2, und Maler­meister Emil Kruse, Vorsitzender des Reichsbundes des Deutschen Maler- und Lackiererhandwerks E. V., Berlin SO. 33, Pücklerstraße 15

Lokales.

Arbeitsjubiläen.

In folgendem seien kurz die Bestimmungen über Ehrung langjähriger Dienste, Arbeiten u. a. mitgeteilt.

1. Der Reichspräsident ehrt 50jährige ununterbrochene Ar­beitszeit bei privaten und kommunalen Arbeitgebern jeweils auf besonderen Antrag.

Beamte, Angestellte und Arbeiter im Reichsdienst erhalten nach 40jähriger Dienstzeit ein Glückwunschschreiben auf Vor­schlag der obersten Reichsbehörde.

Zu goldenen, diamantenen und eisernen Hochzeiten über­reicht der Reichspräsident auf Antrag ein Glückwunschschreiben; in Fällen wirtschaftlicher Notlage tann eine Ehrengabe bewil­ligt werden, wenn nicht schon von der Staatsregierung eine solche bewilligt ist.

Der Reichspräsident übernimmt Ehrenpatenschaften bei finderreichen Familien deutscher Reichsangehörigkeit mit min­destens 7 lebenden Kindern( Söhne und Töchter zusammengerech­net). Liegt Bedürftigkeit vor, so kann ein Geldgeschenk be­willigt werden.