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Samstag, den 18. Februar 1928.

3. 3t. über 250 Mitgliedern. Die Ortsgruppe Darmstadt wuchs auf 450 Mitglieder, gewiß ein sehr schöner Erfolg der Ortsgrup­penleitung und vor allem ein Zeichen, daß die Bevölkerung unserer Landeshauptstadt das Wandern pflegt. Hoffentlich schenkt uns diese schöne Stadt zu Weihnachten 1928 auch eine schöne Ein­richtung für unser in Aussicht stehendes schönes Herbergshäus­chen. Für neue Herbergen stellt der Hessische Staat ein idylli­sches Häuschen im Fürstenlager, eine große Anzahl von Gemein­den frühere Schulräume zur Verfügung, die alle nacheinander eingerichtet werden. U. a. befinden sich darunter Alzey, Frei­Weinheim, Erfelden und Stockstadt. Die Jugendherberge Rei­chenbach ist schon bezugsfertig. Die Nerother" haben sie schon aufgespürt und darin geschlafen. Heppenheim will zusammen mit dem Gau ein großes Gebäude im alten Amtshof ausbauen. Die örtlichen Handwerker führen die notwendigen Arbeiten billiger aus. Die Jugend arbeitet überall freiwillig mit, sie schafft sich selbst ihre Bleiben, und das ist gut so. In Miltenberg wird neben dem Joh.- Butzbach- Heim" eine zweite Bleibe für Mäd= chen erbaut. Die Stadtverwaltung spendet das Bauholz, die Steine usw. und ein warmherziger Freund der Jugend, Herr Steinbruchbesitzer Dr. Winterhelt, sogar 2000 RM. Zwingenberg schentt einen großen schönen Bauplatz und die Bausteine. Der Odenwaldklub will wiederum 200 RM. Spenden. Gemeinden und stattliche Behörden gaben Zuschüsse in Höhe von 10,- bis zu 20 000 RM., teils in bar und teils für den Ausbau örtlicher Jugendherbergen. Die schönste und größte Gabe brachten die deutschen Gewerkschaften, indem sie 65 000 RM. zum Neubau einer Jugendherberge im schönen Rheinhessen schenkten. Allen Stellen, die unsere Arbeit unterstützten, sagen wir herzlichen Dant, und die sich den Helfern anschließen wollen, begrüßen wir im voraus. Und unseren Mitschaffern, vor allem auch den Her­bergsleitern, müttern und-vätern gebührt unser besonderer Dant!

Wenn auch einige wenige behördliche und private Stellen die große Bedeutung des Jugendherbergswerks für unser Volk leider noch nicht erkannt haben, so hoffen wir jedoch, daß auch diese zukünftig nicht zurückstehen wollen, sondern den obigen Bei­spielen folgen und mit beitragen zum Wohl unserer Jugend und damit zur törperlichen und geistigen Gesundung unseres gesamten Boltes, denn:

Vorbeugen ist besser als Seilen!"

,, Gießener Zeitung"

Der Arbeiter und die Wohnungszwangswirtschaft.

Aus Anlaß der jüngsten Lohn- und Arbeitszeitkämpfe konnte man in einem Teil der sozialistischen Presse, wie der Presse­dienst für freie Wirtschaft, freies Eigentum" mitteilt, u. a. fol­gendes lesen:

Die durch den Wohnungsmangel unterbundene Freizü­gigkeit ist heute unzweifelhaft ein Mittel für den Lohndruck. Wir erleben es tagtäglich in vielen Industriezweigen, daß Ar­beiter ihre Arbeitstraft zu weit höheren Preisen, d. h. Löhnen verkaufen könnten, wenn eine Freizügigkeit wirklich bestände. Es muß betont werden, daß hier wirklich ein Stück Zwangs­wirtschaft, eine Folge der Kriegs- und Inflationszeit vorhan­den ist, die den Arbeiter im lohnpolitischen Kampf stark behin­dert, erfolgreiche Aktionen fast unmöglich macht. Der Arbeiter hat allen Grund, über die Folgen der Zwangswirtschaft auf die Lohnhöhe zu klagen."

Man sollte meinen, die Konsequenz aus diesen sehr richti­gen Ausführungen wäre, daß die Arbeiter sich mit allen Kräf­ten für einen schleunigen zielbewußten Abbau der Zwangs­wirtschaft einsetzten, damit ihre Freizügigkeit wieder hergestellt wird. Das Gegenteil ist aber merkwürdigerweise der Fall. Aus doktrinären Gründen erstreben die Vertreter eines großen Teils der Arbeiterschaft die Beibehaltung der Wohnungszwangs­wirtschaft auf ewige Zeiten, trotzdem diese für die Arbeiter­schaft große Nachteile hat. Die Unternehmr dagegen, die doch nach sozialistischer Auffassung wegen des Lohndrucks gar keine Veranlassung dazu hätten, streben unentwegt die völlige Frei­gabe der Wohnungswirtschaft an. Also hat der alte schwedi­sche Kanzler doch Recht? Mein Sohn, du glaubst nicht, mit wie wenig Weisheit die Welt regiert wird!"

Vor dem Mieteinigungsamt in Eidelstedt bei Ham­burg stand dieser Tage eine Räumungsklage eines Arbeiters gegen einen Altonarer Gastwirt an, der sich in Eidelstedt eine Villa gekauft hatte. Sechs Räume ſtanden zur Aufnahme des Villenbesitzers bereit, nur zwei Hinterzimmer wurden von dem Arbeiter bewohnt, gegen den der Wirt den Antrag auf Räu­mung der Wohnung stellte, obgleich für den Arbeiter Ersatz­

12 Jassen Kaffee

verschiedener Bohnensorlen wurden geprüft.

Die eine Hälfte war mit einer Zutat von We bers Carlsbader" bereitet.

Der Fachmann war nicht in der Lage, sie herauszufin den. So einfach und unauf­fällig gleicht sich Weber's Carlsbader" jeder Geschmacks­Nuance der Kaffeebohne an.

Allerdings: Der Prüfende hatte die Augen verbunden, sonst hätte die schöne goldbrau ne Färbung und die Klarheit des Getränkes ihm die Zutat von Weber's Carlsbader verraten.

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wohnraum nicht zu beschaffen war. Der Vorsitzende des Miet­einigungsamtes suchte dem Vertreter des Villenbesitzers Clar zu machen, daß der Arbeitr obdachlos würde. Der Vertreter pochte auf das Recht des neuen Besitzers. Als die Personalien festgestellt wurden, ergab sich, daß der eifrige Villenbesizer­Vertreter niemand anders war als der kommunistische Spitzen­kandidat und Senator Köhnsen. Nun stellte einer der Beisitzer die Frage an den Herrn Senator, ob er es denn als Kommunist verantworten könne, einen Arbeiter obdachlos zu machen, worauf ihm kaltlächelnd bedeutet wurde, daß er hier nicht als tommu­nistischer Senator, sondern als Privatmann tätig sei. Es kommt hinzu, daß der Villenbesitzer kein anderer ist, als der Wirt des kommunistischen Hauptquartiers in Altona.

Aufruf!

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Bücherbesprechung.

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