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Samstag, den 18. Februar 1928.

Lokales.

Sonntagsgedanken.

Sonntagsmusik sind Glockenklang und Orgeltöne. Zwischenhinein klingen heute aus festlich geschmückten Sälen Trompeten und Geigen und die gräßlichen ohrenbetäubenden Töne der Jazzmusik. Karnevalssonntag ist, ausgelassene Nar­renzeit. Und tanzende Paare drehen sich in Lust und Freude. Ein Ball für die Armen, ein Wohltätigkeitsfest.

Der Armen Not, der Kinder Wehgeschrei rief sie herbei, die da jubeln und lachen, singen und tanzen. Damit aus des Aethers azurnen Blau die goldenen Strahlen der Himmelssonne den Weg durch ein trübes Fensterlein nehmen und dort ein frankes Kindlein gesunden können und eine hungernde Witwe ein Stück Brot bekommt, müssen tausend Lampen den Ballsaal bescheinen. Damit hungrige Kinder Brot bekommen, sitzen an reichen Tischen unzählige Satte, damit die Nacktheit nicht friere, decken wertvolle Pelze die Nacken der Reichen. Und seiner süßer Blumenwohlgeruch steigt himmelwärts gleich Weihrauch, damit der Armen Vater gütig annehme die Gaben, die er also verteilet.

Almosen- ein großer Strom fließt aus großen Quellen in tausend Kanäle dem sandigen Oedlande zu, wo Menschen­pflanzen und Edelblumen durch irdische Not am Absterben sind und die Wurzeln zum Leben verdorren lassen.

Und Tränenbäche trocknen, eingefallene Wangen runden und blasse färben sich.

Sagte nicht einmal der Menschen bester Freund: ,, Deine Rechte soll nicht wissen, was die Linke tut?" Wem viel gegeben wurde, von dem wird viel gefordert.

Darum laßt sie heute tanzen und singen, sich freuen und lachen. Weil dem Menschen das Geben oft bitter wird, muß man die Medizin süßen.

Aber denkt in eurer Freude daran, daß hinter den festlichen Kulissen der hellerleuchteten Säle in dumpfen Stuben Arme und Kinder in harter Not sizen.

Der Einen Lachen ist ihr Brot und der Einen Leben ist das ihre.

Wer viel hat, gebe viel, und wer wenig hat, dem wird gelohnt werden, wenn er auch davon noch gibt.

Schleswig- Holstein, Hannover und Stade, sowie der Lan­desteil Oldenburg ist nach einer Bekanntmachung des hessischen Ministers des Innern vom 27. 1. 28. für Nutz- und Zuchtvieh für stark verseucht erklärt. Alles Vieh aus diesen Gebieten unterliegt der fünftägigen Absonderung.

* Das Polizeiamt weist auf die Verordnung des Herrn Ministers des Innern vom 7. Januar d. Js. hin. Hiernach ist jede Maskerade und jedes karnevalistische Treiben, wie bei­spielsweise auch das Werfen von Konfetti und Luftschlangen auf öffentlichen Wegen, Straßen und Plätzen verboten.

Gießener Zeitung"

Sigung der Gießener Stadtverordneten. Gestern abend begann die für 5 Uhr angesagte Stadtver= ordnetensizung mit ziemlicher Verspätung, um dann allerdings in erstaunlicher Kürze die für die Oeffentlichkeit bestimmten Punkte der Tagesordnung zu erledigen. Es war eine Rekord­sitzung, in fünfzehn Minuten war alles erledigt. Einstimmig wurde der Volkshochschule Gießen nach genauer Prüfung für das Rechnungsjahr 1927 ein um 250 RM. auf 1450 RM. er­höhter Zuschuß bewilligt. Des weiteren wurden die Mittel von 1500 RM. genehmigt, die zur Beschaffung von etlichen Wege­bezeichnungsschildern und Ortstafeln angefordert waren. Aeußerst begrüßenswert ist der Beschluß, in die Feuermelder Rasselwecker einzubauen. Sie sollen dem Zweck dienen, der Umgebung anzu­zeigen, daß der Feuermelder gezogen ist. Es ist daher allen, die es angeht, zu raten, die Feuermelder nicht unbefugt zu be­nutzen, dieselben werden nicht nur auf der Wache leuten, son­dern selbst soviel Lärm machen, daß ein jeder auf den, der den Apparat in Tätigkeit setzte, aufmerksam wird. Zum Schluß stimmten die Stadtväter der Uebernahme der Schulden zu, die die Gewerbe- und Maschinenbauschule noch aus dem Rechnungs­jahr 1926 hat. Nachdem über die Kostenverteilung bisher noch feine gesetzliche Regelung getroffen worden ist, will die Stadt die Rechnungsführung dieser Anstalt vom 1. April 1928 selbst übernehmen.

In der Zeit von Aschermittwoch ab, sind alle karnevali­stische Veranstaltungen, wie Mastenbälle, Kostüm- und Trach= tenfeste, Kappenabende usw., auch für geschlossene Gesellschaften verboten.

Zuwiderhandlungen werden mit Gefängnis bis zu 3 Mo­naten und mit Geldstrafe bis zu 10 000 RM. oder mit einer dieser Strafen bestraft.

Die Polizeibeamten sind angewiesen, die Einhaltung der vorstehenden Bestimmungen aufs strengste zu überwachen und gegen Zuwiderhandlungen jeder Art unnachsichtlich einzuschrei­ten.

* Straßensperre. Wegen Vornahme von Hausanschluß­arbeiten ist die Gabelsbergerstraße zwischen Hammstraße und Lahnstraße auf die Dauer von ca. 3 Wochen für jeglichen Fahr­verkehr gesperrt.

* Wegen Vornahme von Hausanschlußarbeiten ist die Georg Philipp Gail- Straße zwischen Kaiserallee und Licher Straße ab 20. Februar 1928 auf die Dauer von etwa 3 Wochen für allen Fahrverkehr gesperrt.

Grüner Rasen Blaue Wellen.

Roman von Otto von Gottberg. 31. Fortsetzung.

Von kommunistischer Seite wurden noch einige Anfragen gestellt, die sich mit dem aufbesserungsbedürftigen Gehalt der städt. Hallenwärter, mit einigen Mißständen bei der Arbeits­vermittlung auf dem Nachweis und mit der Frage befaßten, weshalb für die Zukunft die Oeffentlichkeit der Stadtverord­netenversammlung dadurch eingeschränkt sei, daß zum Besuch derselben eine Einlaßkarte nötig sei.( Das fragen auch wir.) Mit dem Versprechen, diese Anfragen schriftlich zu beantwor­ten, schloß der Oberbürgermeister den öffentlichen Teil der Sizung.

*

* Versteigerung. Am Mittwoch, den 22. Februar, nachmit­tags 3 Uhr, gelangen im Hofe des Polizeiamis, Weidengasse Nr. 5, nicht abgeholte Fundgegenstände( Stöcke, Schirme, Porte­monnaies, Uhren, Armbänder und dergl.) meistbietend zur Ver­steigerung.

* Der bei der Bahnmeisterei beschäftigte Rottenmeister Lepper aus Wieseck wurde im Güterbahnhof von einer Rangierabteilung tödlich überfahren. Um den Verunglückten trauern seine Frau und zwei unversorgte Kinder.

Furchtbar!" konnte er nur stöhnen. Selle drehte sich zu ihm um: Warum furchtbar für Sie, Herr von Drewig? Ihr Vater wußte, daß er sein Kind nicht aufziehen könne und ließ es der Armenpflege, der ich es ab­nahm, um Sie nach Deutschland zu bringen. Mir schrieb er, daß er nach Amerifá fahre. Dort fristete er ein elendes Leben. Zweimal alljährlich bat ich ihn durch Anzeigen in der New­Porter Staatszeitung um Nachricht. Erst kurz vor Ausbruch des Krieges ließ er von sich hören. Wir wechselten Briefe und ich erfuhr, daß er im Besiz sowohl seines Trauscheines wie Ihrer Geburtsurkunde sei. Leider bat ich vergeblich um die Papiere, die meine Schwester vor den Verwandten rechtferti gen konnten. Auch als ich ihm schrieb, die Geburtsurkunde sei doch von Nutzen für Sie, seinen Sohn, blieb er bei der Weige­rung und meinte, Sie wären bei Ihrem Adoptivvater gut auf­gehoben. Von Ihrer Herkunft sollten Sie erst nach dem Ableben seines älteren Bruders, des Ministers von Drewig, hören. Viel­leicht dachte er Priedelsdorf noch zu erben, Jedenfalls gab er die Dokumente nicht aus der Hand."

* Zu einem Autobrand wurde gestern mittag die Feuerwehr in die Ludwigstraße gerufen. Mit Schaumlöschern war der Brand bald gelöscht. Der nur leicht beschädigte Wagen wurde abgeschleppt.

Gab? Lebt er nicht mehr, Herr von d. Helle?" Der Ge­dante, der Verkommene könne als Vater vor ihn treten, schien noch gräßlicher als der an den Elendstod der Mutter.

,, Nein, er ist tot, Herr von Drewiz. Er starb fast gleich­zeitig mit seinem älteren Bruder."

Nr. 15.

Samstag, den 1

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* Die recht gut besuchte diesjährige Hauptversammlung des Kriegervereins fand am 8. Februar im Postkeller" statt. Neben einer stattlichen Anzahl Kameraden konnte man auch viele Kriegerwitwen und Angehörige von Kameraden sehen. Der erste Vorsitzende, Landsgerichtsrat Trüm pert, begrüßte alle Erschienenen und dankte für den zahlreichen Besuch. Be­sonders begrüßte er Oberst a. D. Kleinhans, der für diesen Abend einen Vortrag über die Kriegsschuldlüge" übernom­men hatte. Der Schriftführer, Kam. Steuersekretär krämer, erstattete den Jahresbericht. Aus dem in vorzüglicher Weise abgefaßten Bericht ist besonders hervorzuheben, daß der Ver­ein einschl. 51 Kriegerwitwen zusammen 417 Mitglieder zählt, und daß im abgelaufenen Jahr 6 Kameraden aus dem Leben schieden, deren Angehörigen ein Sterbegeld von je 100 RM. ausgezahlt erhielten. Aus den Erträgnissen der zu Gunsten von Kriegsveteranen stattgefundenen Konzerte und aus der Ver­einskasse konnten an Kriegsveteranen und bedürftige Krieger­witwen zusammen 521 RM. als Unterstützung gezahlt werden. Von zwei Kameraden wurden Gaben von 50 und 100 RM. gestiftet. Denselben wurde der Dank für diese hochherzigen Gaben ausgesprochen. Die verstorbenen Kameraden, denen der Vorsitzende einen Nachruf widmete, ehrte die Versammlung in der üblichen Weise. Hierauf erstattete Kam. Waas den Kas­senbericht, der im allgemeinen ein erfreuliches Ergebnis zeigte. Der Vorsigende dankte den Kameraden Krämer und Waas für die umsichtige Geschäftsführung, worauf auf Antrag der Rech­nungsprüfer dem Vorstand und dem Rechner Entlastung erteilt wurde. Der Voranschlag fand mit einer Einnahme und Aus= gabe von je 2600 RM. seine Genehmigung. Vor der nun fol­genden Vorstandswahl sprach Kam. Schiffnie dem 1. Vor­sizenden, Landgerichtsrat Trümpert, für seine vorzügliche und zielbewußte Tätigkeit im Namen des Vorstandes und des Ver­eins herzlichen Dank aus, der durch ein dreifaches Hurra be­kräftigt wurde. Die Wahl ging rasch vorüber, da auf Vorschlag der 1. und 2. Vorsitzende, sowie die übrigen Vorstandsmitglieder einstimmig wiedergewählt wurden. Neu traten in den Vor­stand der Kamerad Friz Baumert und Frau Assessor Mül­I er ein, den wiedergewählten Mitgliedern der Kassenprüfungs­tommission trat Karl Bender neu hinzu. Fahnenträger und Begleiter wurden wiedergewählt. Der Vorsitzende gab von eingegangenen Einladungen anderer Militärvereine Kennt­nis;

* Eine exemplarische Strafe erhielt die Milchfälscherin Frau Seum aus Kohden von der Gießener Straffammer. Die An­geklagte hat unter sechs Liter Milch fünf Liter Wasser zugegos­sen, so daß sie eigentlich nur gefärbtes Wasser verkaufte. Die Straffammer erkannte auf zwei Monate Gefängnis, Veröffent­lichung des Urteils und 600 Mark Geldstrafe.

Werner holte tief Atem. Es war furchtbar, über das Ableben des eigenen Vaters fast Freude spüren zu müssen. Raum hörte er den anderen weitersprechen: Als Sterbender schickte er die Papiere endlich durch einen Freund an das deut­sche Konsulat in New- York und bat, sie mir zu senden. Ich sollte Ihnen sagen, nach ihrem Onkel Karl seien Sie der Erbe von Priedeldorf!"

,, Erbe von Priedelsdorf?"

* Seine erste diesjährige Zuchtviehversteigerung hält hier der Verband der Mitteldeutschen Großviehzüchter am 8. März an der Margaretenhütte ab.

Ja, Herr von Drewiß, als einziger Brudersohn des ohne Söhne verstorbenen Ministers."

am

* Eine deutsche Soldaten- Missions- Konferenz findet 18. und 19. Februar in Marburg statt. Das Programm der Festlichkeit ist aus der Anzeige in dieser Ausgabe zu ersehen.

* Die Ortskrankenkasse Gießen- Stadt hielt im, Schipkapaß eine Ausschußsihung ab. Es wurde Kaufmann Adalbert Bin= dewald als Vorsitzender des Ausschusses, Buchdrucker Braun als Schriftführer und die Herren Klein und Käßner als nungsprüfungskommission. Der Vorsitzende berichtete über e Beisitzer bestimmt. Außerdem erfolgte die Wiederwahl der Rech­Vorarbeiten bezüglich der Erbauung eines neuen Verwaltung gebäudes. Weiter wurde eine Reihe von Wünschen bezüglich Erweiterung der Leistungen, Bekämpfung des Simulantentums, ordnungsmäßige Anmeldung der Versicherten durch die Arbei geber usw. zur Kenntnis genommen.

Werner stand verblüfft, ohne sich der Ueberraschung zu freuen. Das Dunkel seiner Herkunft war gelichtet, aber statt des Druckes eines Geheimnisses lastete jetzt die Erinnerung an die verkommenen Eltern auf ihm, und verloren für immer fchienen die guten Menschen, die dem Findelkind einst nicht nur Wohltäter, sondern wirklich Vater und Mutter gewesen waren. Doch Schmerz und Kummer mußte er allein tragen und von Helle Abschied nehmen. Beschämt bot er ihm zögernd die Hand: ,, Sie haben gut an mir gehandelt, Herr v. d. Helle. Sie müssen ein edler Mensch sein."

Der schien die Finger nicht zu sehen. Keine Ursache, Herr

von Drewitz. Jch tats für den guten Namen meiner Schwe­ster, aber um feines Drewitz Dank! Dem Priedelsdorfer zürne ich noch im Grabe, weil er mich und Sie, das Kind Jrmgards, auf dem Arm einer in Hamburg gemieteten Pflegerin, aus dem Hause jagte. Etwas freundlicher gedenke ich Ihres Adoptiv­vaters, der mir, als damals noch unbemitteltem jungen Men­schen, die Sorge um das Kind abnahm, obwohl auch er Sie unehelich geboren glaubte. Von Jhrer Mutter wollte er darum nie hören. Auf alle meine Briefe tam als Antwort nur die Frage nach Beweisen, nämlich nach den Papieren, die ich nicht zeigen konnte. Ihre Verwandten mieden mich als verrückten Sonderling, weil ich für meine Schwester eintrat."

Es klang zornig, aber auch so traurig, daß Werner wieder seine Hand zu nehmen versuchte: Dann bitte ich im Namen der Toten um Verzeihung, Herr v. d. Helle. Sie waren strenge, aber auch rechtlicher als die Pflichtmenschen, die weder sich noch anderen Menschen Fehler nachsahen."

Vertreter wurden bestimmt. Oberst Kleinhans nahm hierauf das Wort zu seinem Vortrag über die neuesten For­schungen auf dem Gebiete der Kriegsschuldlüge". Er schilderte eingehend das Verhältnis Deutschlands zu Rußland, Desterreich und Italien vor dem Kriege und gab ein eingehendes Bild über die Ursache und Entstehung des Krieges. Mit scharfen Worten kennzeichnete er den uns aufgezwungenen Schandvertrag von Versailles und gab der Hoffnung Ausdruck, daß die Zeit nicht mehr fern sein möge, daß Deutschlands Unschuld am Kriege bewiesen werden möge. Starke Beifallskundgebung dankte dem Redner für den überaus klaren Vortrag, aus dem man die Ge­wißheit entnahm, daß Deutschland frei von Kriegsschuld ist. Der Vorsitzende stattete dem Vortragenden herzlichen Dank ab. Nach weiteren Besprechungen und Mitteilungen gab Oberinspektor Kretschmar noch eingehende Mitteilung über das Verhältnis des Allianzkonzerns zur Hassia, worauf den Kameraden Schrö­bel, Nickel, Möser, Kranz, Schmalz Bernhard und Albin Klein für mehr als 25jährige Zugehörigkeit zum Verein Ehrenurkun­den und das Hassiazeichen mit der Zahl ,, 25" überreicht wurden. Der hierauf folgende gemütliche Teil war durchflochten mit einigen von Kameraden zu Gehör gebrachten Musikstücken und gemeinsamem Gesang.

Helle blieb fühl: Lassen wir sie in ihren Gräbern! Wie Dank, fordere ich auch keine Bitte um Verzeihung, wohl aber daß Sie Ihren Verwandten sagen, von wem Sie in rechts­gültiger Che geboren sind. Ihre Erklärungen sollen den Namen meiner lieben fleinen Schwester reinigen und die Papiere wer­den Beweise für ihre Schuldlosigkeit liefern. Ich fordere sie ein und darf die Sendung bald erwarten. Vielleicht wissen Sie, daß ich lange im Auslande lebte. Also habe ich Freunde in fremden Ländern. Mit ihrer Hilfe werden die von New­York schon abgeschickten Urkunden auch durch die englische Blok­fade in meine Hände gelangen. Dann gebe ich sie Ihnen, und Sie gehen wieder Ihren Weg, wie ich den meinen.'

Das schien eine Aufforderung, Abschied zu nehmen, und wirklich ging Helle zur Tür voran. Im Korridor verbeugte er sich: Ich habe die Ehre, Herr von Drewiz."

Troz peinlicher Verlegenheit hoffte Werner, ihn doch noch zu versöhnen: Aber Sie sind doch der Bruder meiner Mut­ter und hatten sie sehr lieb!"

Helle nickte und öffnete die Eingangstür: Ja, aber Sie tragen den Namen des Mannes, der sie in Unglüd und Tod hetzte!" Wieder verbeugte er sich mit kaltem Ernst. Werner ging.

Auf der Straße ärgerte er sich über den Mann, der ihn so von sich wies. Er fühlte sich beschämt und doch Helle zu Dant verpflichtet. Während des langsamen Ganges zum Anhalter Bahnhof wich allmählich der Druck vom Gemüt. Weit schlim­meres zu hören hatte er befürchtet. Zwar war er nicht der Sohn des Generals, sondern eines durch Leichtsinn aus der Heimat über das Weltmeer Vertriebenen. Das blieb beschä mend, aber welche alte Familie hätte nicht Entgleiste, deren Kinder doch wieder den Weg zu Ansehen fanden und Männern von Ehre frei in die Augen sahen! Eigentlich durfte er sich des Gehörten auch freuen. Noch gestern wagte er nicht, Gerda

*

* Der Postscheckverkehr 1927. Die Zahl der Postscheckkunden der Deutschen Reichspost ist im Jahre 1927 um 29 024 gestiegen und betrug Ende Dezember 922 376. Die Buchungen erreichten die Zahl von 622 115 000. Durch sie wurden 136 051 729 000 Rm. umgesetzt, das sind 21 242 171 000 Rm. mehr als im Jahre vor­her. Von dem umgesetzten Betrage sind rund vier Fünftel bar= geldlos abgewickelt worden. Diese Zahlen sind ein schlagender Beweis für die hohe wirtschaftliche Bedeutung des Postscheck­verkehrs.

Jungviehweide foll beschickt werden. Lauterbach. eine Versammlung Die Versammlung zug zu dem Fina her des Finanzam beitete.

Schlig. Töbl

Straub in Bern traf ihn so schwer, Ulrichftein. D Schäftigte sich eine Direttor Boedmann genommen, die dem Felda Alsfeld d Vilbel. Einbro indem sie den Rol dem Schaufenster so ausgeplündert. Babenhausen.

von seiner Liebe zu sprechen, und wähnte sich wenig mehr als ein Hochstapler, wenn die Verwandten ihn den Erben von Runzenberg nannten. Jetzt war er künftiger Herr des größeren Majorats Priedelsdorf und durfte ohne Scheu Gerda zur Frau fordern. Better Kurt mußte sich mit dem kleineren Besitz bescheiden, und Elisabeth zog aus dem Heim ihrer Eltern. Dort blieb Gerda mit ihm. Gut war sie ihm immer gewesen, und schon die Liebe zum Heim ihres Vaters würde auf seine Frage ein freudiges Ja!" als Antwort finden.

Ungeduld ließ ihn hastiger ausschreiten. Das Warten auf dem Bahnhof und die Fahrt nach Trebbin schien unerträglich. In Priedelsdorf suchte er nicht erst Onkel und Tante auf, fon= dern schickte ein Mädchen nach Gerda.

Gleich kam sie die Treppe herab: Soll ich dir bei Tisch Gesellschaft leisten? Wir sind natürlich längst fertig, aber ließen dir Essen aufheben!"

Im Kummer um den Verlust Elisabeths war er gewiß nicht gern allein. Doch mit heiterem Lachen sah sie ihn den Kopf schütteln. Nicht traurig, sondern in froher Erregung schlug er mit der Hand durch die Luft: Ach, Gerdchen, ich denke nicht an Essen. Komm ins Freie. Ich muß dir erzählen." Verwundert sah sie das Leuchten in seinen Augen, die mit lustigem Zwinkern von einem Geheimnis sprachen. Sie schloß sich ihm an, und schon im Garten begann er von dem Gespräch, mit Helle zu erzählen. Als er auf dem Weg zum Löwenberg den Tod der Mutter schilderte, blieb sie in schmerzlichem Er­schrecken stehen und hob gefaltete Hände vor die Brust: Furcht­bar! Die arme, arme Tante Irmgard! Wie mußt du noch jetzt um sie leiden!"

schon unverständlich. Sah er sich doch der größten Freude sei­Ihre Herzensgüte rührte ihn. Doch ihr Bedauern war ihm nes Leben nahe. Schnell nahm er ihren Arm, zog sie in den Wald und sprach weiter, aber hastig und zerstreut. Eigentlich verlor er nur Zeit. Wer so gut war wie Gerda, sagte auf seine Bitte fein" Nein!" Um schnell zum Ziele zu kommen, endete er bald: Und darum erbe ich später Priedelsdorf!" Wieder blieb sie stehen und dachte an die Verlobten, die gestern schon von ihrem fünftigem Leben im alten Heim der Braut sprachen: Elisabeth wird traurig sein. Sie hängt an unserem lieben Haus."

,, Du nicht?"

" Wie kannst du fragen? Ich möchte nicht länger leben als Onkel Karl. Der Gedanke, Priedelsdorf einmal zu verlassen, macht mich sterbenstraurig."

,, Soll dir auch nie kommen, Gerdchen!" Fröhlich wieder mit den Augen zwinkernd, legte er die Linke um ihre Schulter und faßte mit der Rechten ihre Hand. Willst du immer hier­bleiben mit mir, später, Gerda?"

( Fortsetzung folgt.)

30. Juni, 1. und 2. hens. Ein Reichs gestellt.

Krofdorf. Alf ges, ift 1,78 groß. Naumburg. D schwer beschädigt. Rüdesheim.

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Worms. Der nach Worms loce gelegt, alle Autol wird über drei K Darmstadt. A Lingsboten, Schnee Rüsselsheim.

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