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Samstag, den 14. Juli 1928.

und Mittel der nationalen Revolution zu sein, verloren. Nicht durch einzelne Handlungen, sondern durch ihre innere Ent­wicklung. Die Rechtsparteien sind ihrem Wesen nach parla­mentarische Parteien geworden. Sie sind zufrieden, im Wechsel­spiel von Regierung und Opposition, Bestandteil des parlamen­tarischen Apparates zu sein, wie er nun einmal ist. Ihr Be­benntnis zum Staat", das jeder Revolutionär schon durch seinen Kampf um den Staat ablegt, haben sie zum ehrlichen Bekenntnis zur Staats maschine, wie sie in der Hand der Gegner liegt, erweitert. Aus dieser parlamentarischen Selbst­beschränkung des politischen Arbeitsfeldes erwächst dann der Anspruch, der Träger nationaler Politik zu sein, und die Miß­achtung aller politischen Kräfte, die teine Mandate und Partei­zeitungen aufzuweisen haben.

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Gießener Zeitung"

Gegenwirkung blieb nicht aus: heftige Pressefehde und ein An­trag auf Ausschluß Lambachs aus der Partei.

Wie gesagt: wir hatten nicht gedacht, daß die Wahlnieder­lage gerade diese Folge haben würde. Wir haben bisher nicht geglaubt, daß man in dem derzeitigen Geschichtsabschnitt

Aus dieser Entwicklung der Rechtsparteien ist die Abkehr der Jugend und der ständischen Gruppen zu ver­stehen. Die Jugend( bezw. die Minderheit unter ihr, auf die es allein ankommt) hat erkannt, daß sie unter richtiger Flagge für eine falsche Sache fechten soll. Sie hält die Idee der natio­nalen Revolution fest; sie steht nach fehlgeschlagenen Ver­suchen mit untauglichen Mitteln Gewehr bei Fuß, bis sie wirkungsvolle politische Mittel findet oder sich schafft. Sie ist aber nicht bereit, selbst Mittel der parlamentarischen Politik zu werden.

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und zwar ausgerechnet in der augenblicklichen politischen Situation noch einmal diesen Prinzipienstreit in dieser Weise aufrollen würde. Da es wider Erwarten geschieht, nehmen wir, die wir an dem Schicksal einzelner Parteien gänzlich uninter­essiert sind, die Gelegenheit gerne wahr, unsere Stellungnahme zu den angeschnittenen Fragen und unsere Meinung vor den Streitenden offen darzulegen.

Wir haben schon oft betont, daß wir die Republik für einen inhaltlosen Begriff, für eine Negation halten. Mit allem Grübeln findet man keinen eigenen Sinn dieses Begriffes außer der Verneinung: Nicht Monarchie.

Nr. 56.

tionären Schwung. Wenn die fraglichen Parteien weiter solche Beweise innerer Unselbständigkeit und formalistischer Oberfläch lichkeit geben, dann wird allerdings das Rad des politischen Geschehens über sie hinweggehen, was unter bestimmten Ge­sichtspunkten vielleicht doch zu bedauern wäre. Werner Best.

Lokales.

Sonntagsgedanken.

Die lebenssprossenden, blumen- und blütenumrauschten Tage des Frühlings sind dahin. Das weite bunte Blütenmeer ist zum Teil verschwunden und das satte Grün und das rei­fende Gold der Kornfelder umfäumen des Sommers Kleid. Der prangende Schimmer verblaßt allmählich und der äußere Glanz verschwindet. An Stelle üppiger Buntheit des lautesten Farben­getöns tritt nunmehr ernste, heilige Feierlichkeit.

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Tage des Reifens! Tage der Einkehr- Tage der Vollen­dung! Reif werden" lautet die Losung; mehr Verinner­lichung" rufen die beredten Schriftzeichen in Feld und Wald, in Flur und Wiese. So will es ein Schöpferwille. Sommer

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Sonntag.

Komm, Kamerad, geh' mit mir hinaus in die Werkstatt un-* seres Schöpfers, nimm ein Herz mit aufnahmebereit für die Wunder dieser Gotteshand. Lassen wir die wundeciamen Ein­drücke, die sich uns dort bieten, in sinniger Beschaulichkeit vor überziehen an unserm leiblichen und geistigen Auge. Haste mit Andacht Gottesdienst draußen in dem weiten Dom, schau dic Werke seiner Schöpferhand, vom kleinsten Blümlein bis zum gewaltigen Baumriesen und lobe und preise ihn, den Ewigen!

Eigenen Sinn und Inhalt haben andere Prinzipien der Staatsorganisation und der Herrschaft: Demokratie, Klas­senherrschaft( 3. 3t. vor allem als Diktatur des Prole= tariats vertreten), Diktatur( eines Einzelnen) und Olig­archie( im abstrakten Sinne: Herrschaft führender Kreise; ein Prinzip, das sich heute im Kampfe der werdenden nationalen Führerschaft einerseits gegen die herrschenden parlamentarisch­plutokratischen Kliquen andererseits andeutet.) Monarchie ist an sich weder eine inhaltslose Negation, wie ,, Republik", noch ein selbständiges Staatsprinzip, wie die genannten. Mon­archie ist eine Form, eine Krönung, die einem nach einem der genannten Prinzipien gestalteten und beherrschten Staate Weihe und Glanz verleihen kann. Der Monarch kann als Diktator herrschen; die es taten, sind die großen Monarchen der Geschichte. Der Monarch kann auf die wirklichen Führer und Macht­träger des Volkes gestützt Symbol der Einheit und Größe des Volkes sein. Er kann selbst in einem demokratisch- parlamen­tarischen Staatswesen einen letzten Hort von Staatshoheit und Staatswürde gegenüber dem auflösenden Individualismus bieten. Aber ein Monarch kann auch mit seinem Purpur ein Regiment der Schwäche und der Korruption decken( wie in Italien vor dem Staatsstreich. Die Neuerrichtung einer Mon­archie ist stets Frage des staatlichen Formgefühls eines Volkes, wie es in seinen Führern und tatsächlichen Machtträgern wirkt. Für instinktlosen Großstadtpöbel ist Monarchie selbstverständ­lich eine Operetten- und Filmangelegenheit, wie andererseits ein wahrhaft aristokratisches Gemeinwesen oft einen Monarchen als unerträglich ablehnen wird.

Die nationalen ständischen Gruppen beginnen zu erkennen, daß nur die endgültige Aenderung, die nationale Revolution sie retten kann. Sie wissen, daß der Kampf wesentlich in stän­dischen Fronten ausgetragen werden muß. Sie sehen, daß die Parteien klare Entscheidungen scheuen, daß sie- um der ,, brei­ten Basis" willen alles verwischen und vermischen, daß sie nicht ,, den Mut haben, in Gegensätzen zu leben", wenigstens nicht in anderen als parlamentarischen. So gehen die ständi­schen Gruppen eigene Wege, indem sie zunächst noch einmal den Versuch machen, im Parlament mit eigener unverschleier­ter Flagge sich durchzusetzen. Das Scheitern dieses Versuchs wird sie endlich auch praktisch in die Front des Nationalismus führen.

Ob es noch einmal gelingen wird, die national revolutio nären Kräfte mit den Rechtsparteien zu einer Arbeitsge­meinschaft zusammenzuführen? Die Entscheidung liegt bei den Parteien. Wenn sie sich zur Idee der nationalen Revolution bekennen und die politische Technik ihr unterordnen, wenn sie es über sich gewinnen, sich als parlamentarisch- technische Hilfs= mittel einer größeren Bewegung zu betrachten und nicht als ihre Herren, dann wäre eine Zusammenarbeit denkbar. Und nur unter dieser Voraussetzung halten wir eine Zusammen­fassung der verschiedenen Rechtsparteien für möglich. Nur eine gemeinsame Zielidee, die von aktivistischen außerparlamentari­schen Kräften getragen wird, kann Parteien zusammenzwingen; sonst wirkt allein das soziologische Gesetz, daß Partei Partei bleiben will. Sollte diese Besinnung auf höhere Aufgaben in den Parteien wach werden, dann hätte die Niederlage vom 20. Mai ihren pädagogischen Sinn erfüllt.

Aber wir haben keine großen Hoffnungen, weder für diese Möglichkeiten, noch für die Bewegung im Ganzen, noch für unser Volf.

Es scheint, daß sich das deutsche Schicksal bis zur Katastrophe erfüllen muß. Wen die Götter verderben wollen, dessen Sinn verwirren sie.

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In sanftem Wellengewoge streicht zarter Windhauch lieb­kosend über das goldene Aehrenfeld. Duftigen Wolfen gleich schwebt golbrauner Blütenstaub über die Fruchtfelder.

Erkennen wir in ihm nicht den Opferrauch der Scholle? Tribut der Erde ist es, den sie ihrem Schöpfer himmelwärts ent­gegensendet.

Wir Nationalisten, die wir im Kampfe um die Macht und um eine Neugestaltung unseres Volks- und Staatslebens stehen, wissen noch nicht, welche Form dem fertigen Werke angemessen sein wird. Wir legen uns deshalb weder auf das monarchische Prinzip fest, noch machen wir Kotau vor dem Schemen ,, Repu­blik", mit dem seine Verfechter doch nur ihre Herrschaft anerkannt haben wollen. Wir fechten und schaffen uns Schritt für Schritt vorwärts in eine Zukunft, die sich erst allmählich entschleiert. Wir wissen heute nur eins: das Staatsprinzip, das uns leitet, ist das ständisch- aristokratische Führungsprinzip. Ist sachlich das Ziel erreicht, so werden wir eine äußere Form fin­den, die uns entspricht; für diese Entscheidung aber binden wir uns gegenüber keinem.

Vor Jahren las ich ein Wort vom ,, aktiven Pessimismus. Diese Diagnose mag auf uns Nationalisten zutreffen. Wir haben gelernt, zu warten, wir schaffen und kämpfen und wir sind bereit, wenn die Entscheidung fällt, wenn unser Volk uns braucht. Aber wir hoffen nichts und machen keine Hoff nungen. Wir fürchten auch nichts, auch nicht das Scheitern. Eine Idee rein und ungebrochen bewahrt zu haben, trägt wohl seine Sinnerfüllung in sich.

Nachwort: Monarchismus... oder...? Als der vorstehende Aufsatz geschrieben wurde, war noch

Und du, o Mensch, bist du nicht auch gewillt, deinem Gott und Herrn zu opfern?

Lob-, Sühn- und Dankopfer sollen es sein! Achte der Gaben, daß ihr Wohlgeruch sich emporschwinge zu dem höchsten der Throne.

Verspüren wir nicht den Odem reifenden Brotes, der ver­heißungsvoll aus den Aehren quillt?

Und ein wonnetrunkenes Vorahnen gesegneter Ernte über­kommt uns. Noch aber ist die Zeit der Reife. In geruhsamer Stille erfüllt sich die Sendung, unaufhaltsam das Gotteswort Werde"! Es reifen alle Früchte der Erde dem großen Opfer­tag, dem Erntetag entgegen. Jeder Augenblick ist der Voll­kommnung geweiht, jede Stunde dient nur diesem einen Zwed.

Und wir? Auch wir sind Gottesgeschöpfe. Einst von sei­ner Hand gleich einem Samenkorn auf die Erde gelegt, von seinem Odem zum Leben geweckt, von seiner Hand geführt, um dann selbst zu werden und zu reifen.

Nun wird wohl verständlich, warum wir dem Prinzipien­streit in der D. N. V. P. mit einem mitleidigen Lächeln zu­schauen können. Nein, an einem Prinzip scheitert eine po­litische Bewegung nicht. Jedes Prinzip läßt sich durchsetzen, wenn ein eiserner Wille, revolutionärer Schwung und Bereit­schaft zum Letzten dahinter steht. Und daran scheint es uns in der genannten Partei zu fehlen. Die Monarchisten scheinen überzeugt zu sein, daß das ewige Recht sich durch Fügung des Himmels von selbst durchsetzt; inzwischen genügt es, auch eine Partei zu haben, deren Redner und Zeitungen einem immer wieder sagen, wie recht man hat. Und die ,, Republikaner" sehen, daß die anderen Parteien mit anderer politischer Ware die besse­ren Geschäfte gemacht haben; es erscheint ihnen also zweckmäßig, den eigenen Betrieb umzustellen, um konkurrenzfähig zu blei­ben. Nein, es ist wirklich schwer, keine Satire zu schreiben.

nicht vorauszusehen, daß die Wahlniederlage in der Deutung Dierten denn beide Richtungen nicht, daß ihr Fiasko gerade

nationalen Volkspartei eine unerwartete Wirkung zeitigen würde: den von dem Reichstagsabgeordneten Walther Lambach eingeleiteten Streit um den ,, Monarchismus ( dieses schöne Wort hat Lambach zum Kernwort der Debatte gemacht) den monarchischen Gedanken im deutschnationalen Programm, der überholt und vor allem für die Jugend zur Angelegenheit des Films geworden sei, für die Wahlnieder­lage verantwortlich. Er fordert eine Umstellung der deutsch­nationalen Partei dahin, daß diese in Zukunft Monarchisten und Republikaner in ihren Reihen sammeln können. Die

In die Ferien.

Auch auf dich, o Mensch, wartet der Schnitter. Deine Früchte sollen einst in himmlische Scheunen gefahren werden. Noch hast du Zeit zur Reife. Der Sonntagsschreiber.

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Zirkus Krone kommt nach Gießen.

Der größte Wanderzirkus unseres Kontinents, der deutsche Zirkus Krone, ist nach neunmonatigem Triumphzuge deutscher Zirkuskunst durch ganz Spanien, soeben nach Deutschland zu rückgekehrt. Zirkus Krone trifft in den allernächsten Tagen in Gießen ein.

darin begründet ist, daß sie beide parlamentarisch wurden, die einen, indem sie zufrieden sind, geschäftig sein zu dürfen, die anderen, indem sie sich damit begnügen, platonisch ihr ,, Recht" zu wahren und doch mitzumachen? Merken diese Parteien denn nicht, daß die Vertrauenskrise" tiefer liegt: in dem Mißtrauen des Volkes gegenüber ihrem wirk­lichen Machtwillen und ihrer Fähigkeit, sich durchzusetzen. Das Volk will keine Prinzipien, sondern entweder nackte Interessenvertretung oder mitreißenden revolu­

Die große Pause ist da. Die Pforte zum Schulwissen ist auf einige Wochen geschlossen und nur Sonnenkringel spielen fortan durch die immer blinder werdenden Fensterscheiben über Bänke, Tafel und Lehrerpodium. Noch einmal, zum letzten Male vor Ferienbeginn, versammelte gestern die Schule ihre Schäflein um sich, die aufgeregt und in die Ferne schweifend, dem Unter­richt nur notgedrungen folgten. Langsam schlichen die Stunden dahin, die Gedanken wanderten durch die weite Welt und mal­ten das Paradies vor Augen, das in den Ferientagen zur Wirk­lichkeit weren soll.

Nicht umsonst liegt die Ferienzeit im Sommer. Das Jahr ist halb vergangen, die Sonne hat ihren höchsten Stand erreicht, die Felder werden gelb da wird es Zeit, eine Pause zu machen, Atem zu schöpfen und die Alltagssorgen hinter sich zu werfen, neue Kräfte zu sammeln für den zweiten Teil des Jah= res, in dem das Licht weniger hell strahlt und die Tage bald grauer werden.

Das Fahrrad und die Schule.

In der kommenden Woche kommen vier lange Sonderzüge mit dem gesamten Zirkusmaterial und mit über 700 exotischen Tieren aus der Pfalz nach Gießen. Der deutsche Riesenzirkus bringt einen Troß von 1000 Menschen mit, Künstler, Artisten, Beamte, Angestellte, Arbeiter.

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Krone bietet nicht die altgewohnte kleine Manege, sondern sein riesiger ovaler Ring nimmt die größten Massen auf, ge­waltig ist der Ausmarsch der Menschen und Tiere. Artistische Höchstleistungen von höchster Vollendung kommen in dem Rie­senoval der Krone- Arena zur Schau. In pausenloser Vorfüh­rung bietet der Spielplan 96 Nummern hintereinan der! Raubtierdreſsuren, gleichzeitig in drei Manegen vorge führt, wechseln in bunter Reihenfolge mit fabelhaften Luftsen­sationen. Dreißig Artisten vollführen gleichzeitig hoch oben unter der Zirkuskuppel Saltomortales und Loopings. Meister­leistungen der Freiheitsdressur von der hohen Schule gelangen

Die Jugendbewegung in den deutschen Radsportverbänden hat Betrachtungen über den Wert des Fahrrades für den Schul­besuch hervorgerufen. Man hat bei der Werbung um die Gunst der Schüler festgestellt, daß das Fahrrad eine weit bedeutendere Rolle beim Schulbesuch spielt, als man bisher angenommen hat, und daß die Organisationsbestrebungen in vielen Gegenden von den Schülern ausgegangen sind. So haben die Schüler einer schlesischen Schule eine vier Fünftel der gesamten Schülerzahl umfassende Radlergruppe gebildet und unter Führung der Leh­rer sich dem Bund Deutscher Radfahrer angeschlossen. Aus an­deren Gegenden Deutschlands werden gleiche Bestrebungen ge­meldet, und man hat sich höheren Orts veranlaßt gesehen, über Erhebungen anzustellen. die Benutzung des Fahrrades durch Schüler und Schülerinnen

Medizin des Sommers, Heilkraft der Sonne das soll die Freizeit sein. Die Alten wissen sie zu schätzen, die Jugend soll sie begreifen, kennenlernen und erfahren, daß die Mußezeit, die vor ihr liegt, auch zu einem Blick ins Innere zwingt, von dem der Alltag ablenkt.

Das ist der tiefe Sinn der Ferien. Der Glückliche, dem sie winten, soll sie in dieser Erkenntnis genießen, dann wird er den richtigen Gewinn aus ihnen ziehen.

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Der Besitz eines Fahrrades ist der Wunsch eines jeden Schülers und wohl auch einer jeden Schülerin, ganz gleich, wie lang der Schulweg ist. Der Drang, nach Erledigung der geisti­gen Arbeit sich körperlich zu betätigen, läßt in den kleinen Her­zen den Wunsch nach dem Besitz eines Fahrrades rege werden, und diesem Wunsche können sich die Eltern umso weniger ver­schließen, als das Fahrrad nicht nur ein Wegverkürzer und Zeit­raffer, sondern auch ein Mittel zur Leibesübung und Erzieher zur Heimatliebe ist. Die Lehrer haben dieser Bewegung Rech­nung getragen. Wie bereits eingangs erwähnt, haben sich in verschiedenen Schulen Organisationen gebildet, die das Rad­fahren als Leibesübung betreiben und auf Wanderfahrten die Heimat kennenlernen wollen. Diese Bewegung hat sich der gro ßen Deffentlichkeit in den Jahren 1926 und 1927 durch zwei Schülerwanderfahrten gezeigt, die der Bund Deutscher Radfahrer mit Unterstützung des Vereins Deutscher Fahrrad- Industrieller veranstaltete. Im Jahre 1926 ging es an den Rhein. In Köln wurden die kleinen Wanderfahrer und Wanderfahrerinnen feſt­lich empfangen. Im Jahre 1927 führte die Fahrt nach Ost­preußen, dessen Städte und Dörfer eine Woche lang im Zeichen dieser Jugendwanderfahrt standen. Der Nutzen des Fahrrades für Schüler und Schülerinnen ist nicht mehr zu bestreiten. Die Verkürzung des Weges und die Verlängerung der Freizeit allein würden dem Fahrrad den Weg zum Herzen derjenigen bahnen, die Deutschlands Zukunft auf den Schultern tragen, aber zu diesem Nutzen kommt die Frei­zügigkeit und Selbständigkeit, die ein radelnder Schüler gewinnt. Auf seinen Fahrten lernt er die Natur und die Heimat tennen, und so wird das Fahrrad zu einem Erzieher zum Leben, zur Re­ligion und zur Vaterlandsliebe.

Wir greifen eine in Leipzig aufgestellte Statistik heraus. Nach dieser Aufstellung benutzen in Leipzig rund 4500 Schüler das Fahrrad zum Besuch der Schule. Von diesen 4500 ent­fallen rund 4000 auf die Schüler höherer Lehranstalten und Be­rufsschulen und rund 500 auf die Besucher der Volksschulen. Aus diesem Unterschied in der Anzahl radelnder Besucher höherer Lehranstalten und der Anzahl der zurSchule radelnden Volks­schüler könnte man entnehmen, daß die Anschaffung eines Fahr­rades nur den Schülern höherer Lehranstalten möglich ist, aber diese Annahme ist ein Trugschluß. Der Unterschied erklärt sich aus dem Vorhandensein von Volksschulen in allen Stadtteilen und dem dadurch nur kurzen Schulweg und aus der geringeren Anzahl höherer Lehranstalten und Berufsschulen und dem da­durch bedingten weiteren Weg.

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