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Mittwoch, den 4. April 1928.
Versteigerung von Arbeitslosen in Amerifa.
Die dehnbaren nichtamtlichen amerikanischen Schäzungen, daß die Vereinigten Staaten zur Zeit ,, zwei bis vier Millionen Arbeitslose" haben, sind nicht nur in der amerikanischen Presse start kommentiert worden. Arbeitsminister Davis hat dazu gesagt, daß seine Verwaltungsabteilung hoffe, daß ,, im Frühjahr die Zahl der Arbeitslosen bis auf eine Million heruntergehe". Auch diese Auslassung schon wirst ein kennzeichnendes Licht auf die Lage in einem Lande des„, Wohlstandes", in dem von den 117 Millionen Einwohnern bei 45 Millionen Brot- und Lohnverdienern nach Davis„, 15 Millionen Menschen, Lohnverdiener und von ihnen Abhängige, unter Verhältnissen leben, die eine wirtschaftliche und moralische Gefahr bedeuten". Naturgemäß muß in einem Lande, das in keiner Weise auf eine soziale Arbeitslosenfürsorge eingestellt ist, jeder Konjunkturrückschlag oder auch jede längere Arbeitslosigkeit von besonderen Folgen begleitet sein, und wenn man den nachstehenden Auszug aus einer jüngsten Clevelander Zeitung liest, ist man versucht, das Wort vom ,, Lande der unbegrenzten Möglichkeiten" nicht nur auf die Wirtschaftsverhältnisse, sondern auch in dieser Richtung anzuwenden. Da wird lebendig ge= schildert:
„ Ja, da hört sich doch alles auf. Es ist einfach unglaublich. Das ist ja Sklaverei eine Versteigerung von Menschen
„ Gießener Zeitung"
Lokales.
* Das Verzeichnis über die im Monat März 1928 gefun denen bezw. abgelieferten Gegenstände kann beim Polizeiamt ( Fundbüro) eingesehen werden. Die Empfangsberechtigten werden aufgefordert, ihre etwaigen Rechte innerhalb 2 Monaten geltend zu machen.
* Die Gießener Banken sind am kommenden Samstag ( Ostersamstag) für jeglichen Verkehr geschlossen.
Nr. 28.
Bad Nauheim. Ein Hausmädchen aus Leidhecken hat sich aus unbekannter Ursache in einem Teich ertränkt.
Darmstadt. Regierungsrat S ch w amb aus Worms, der von der Sozialdemokratischen Partei auf der letzten Landtags= liste aufgestellt war, ist mit Wirkung vom 1. April mit dem Titel Oberregierungsrat in das Ministerium des Innern berufen worden.
* Leichenländung einer Unbekannten in Gießen. Am 3. April 1928 wurde oberhalb des Boothauses Hassia in Gießen an der Abzweigung des Mühlbaches eine bis jetzt unbekannte weibliche Leiche aus der Lahn geländet. Dieselbe war ohne jegliche Papiere und Wertgegenstände. Beschreibung der Leiche: 1,65 Meter groß, träftige Statur, 20 bis 26 Jahre alt, langes, schwarzes Haar, blonde Augenbraunen, rundes, volles Gesicht, rechter Augenzahn im Oberkiefer und letzter Backenzahn im Unterkiefer links fehlen. Kleidung: Ein schwarzer dicker Tuchmantel mit drei großen Knöpfen, weinrotes Manchesterkleid, schwarz und weißkariertes Leibchen, alte leinene Hemdhose, peues, leinenes Hemd, schwarze Strümpfe und schwarze Spangenschuhe mit Einfassung, sämtliche Kleidungsstücke waren ohne Monogramm. Die Leiche kann etwa 2 bis 3 Wochen im Wasser gelegen haben und war im 6. oder 7. Monat schwanger. Alle Personen, welche über die Unbekannte Angaben machen können, werden ersucht, sich sofort mit der Kriminalpolizei in Gießen ins Benehmen zu setzen.
nein, so etwas ist in unserem zivilisierten Zeitalter noch nicht dagewesen", ließ sich gestern nachmittag Polizeiinspektor Martin Horrigan vernehmen, als er in Begleitung des Polizeifapitäns Paul Weise zum Public Square kam, wo eine der üblichen Versammlungen der Arbeitslosen im Gange war. Auf einer Kiste stand Frau Sadie Van Vee, Präsidentin des ,, Rates der Arbeitslosen". Neben ihr war Carl Boy, ein Arbeiter, der seit Monaten ohne Beschäftigung ist. In einer wohlgesetzten Rede bot Frau Van Vee den Mann zum Verkauf an.„ Seht ihn an, Leute, dieser Mann will sich selbst verkaufen. Er will dem untertan sein, der ihm Wohnung, Essen und Arbeit gibt. Er ist stark gebaut, gesund, muskulös und nor allem arbeitswillig. Was wird mir für ihn geboten?" Niemand in der Runde anwortete. Nach einer Weile rief Frau Van Vee einen anderen Mann auf mit Namen Marion Fisher, von Beruf ein Tapezierer, der sich ebenfalls bereit erklärt hatte, sich an den besten Bieter zu verdingen. Als Fisher auf eine Kiste steigen wollte, um besser gesehen zu werden, wurde es Horrigan zu bunt. Er trat auf Frau Van Vee zu und bedeutete ihr, daß der Unsinn aufzuhören habe. Dann wurden sie und die Männer verhaftet und nach der Polizeistation gebracht. Dort wurden sie wegen Verletzung der Park- Ordinanz unter Anklage gestellt."
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Worms. Ein 14jähriger Knabe hat auf dem Speicher eines Hauses einen Brand angelegt, weil er von dem Hauseigentümer geschlagen wurde. Das Feuer konnte bald gelöscht werden.
* Der Verkehrsbund Oberhessen hält am 23. April seine diesjährige ordentliche Jahreshauptversammlung in unseren Stadtmauern ab. Regierungsrat Dr. Krebs- Darmstadt wird einen Vortrag über„ Fremdenverkehrswerbung" halten.
Wetzlar. Die Industrie- und Handelskammer Wetzlar beabsichtigt, mit Beginn des Sommersemesters eine höhere Handelsschule mit zweijährigem Kursus und täglichem Unterricht zu eröffnen.
* Der Lahntalsängerbund wird sein diesjähriges Bundesfest am 9., 10. und 11. Juli in Kirchhain abhalten. Dem Bund sind kürzlich. drei weitere Männerchöre aus Großen- Buseck, Lollar und Homberg beigetreten, so daß er jetzt 22' Vereine umfaßt.
Dillenburg. Das Städtchen Wallau an der Lahn, Geburtsort des Persilfabrikanten Henkel, beschloß, die HauptStraße Fritz Henkel- Straße zu nennen.
Geschäftliches.
Germa Die Gießener ein Unentschieden jüngt und bewähr linten Posten geb jetzt werden könn ichaft wohl wiede teidiger antreten
Ostern muß man baden, denn sonst würde die frohe Feststimmung in der Familie nicht recht aufkommen. Wichtig ist jedoch, daß Kuchen und Torten oder die zu Ostern beliebten Kleingebäcke auch gut geraten. Wer da nun ohne Gorge sein will, verwendet Dr. Oetker's Backpulver ,, Backin" und richtet sich genau nach den neuen Oetker- Rezepten, Ausgabe F, die in den einschlägigen Geschäften zu haben sind. Dann haben Sie die Garantie, daß alles klappt und auch vorzüglich schmeckt.
* Ein wohlgelungenes Konzert zum Besten der Kranken. Der Mandolinen- und Gitarrenverein Neapolita- Gießen hat, trotz seiner zur Zt. stark in Anspruch nehmenden Vorbereit= ungen zu dem im Mai stattfindenden großen nationalen Mandolinenwettstreit, es sich nicht nehmen lassen, am vergangenen Sonntag den Patienten der Nervenklinik durch konzertliche Darbietungen einige abwechslungsreiche Stunden zu bereiten. Es gelangte u. A. zum Vortrag: Ouvertüre ,, König Midas“ von Eilenberg, Fantasie aus der Oper„ Troubadour" von Verdi usw. Die einzelnen Stücke wurden mit großer Hingabe von der Spielschar vorgetragen und wurden mit großem Beifall aufgenommen. Man war über die gute Schulung des Chors überrascht, selbst die schwierigsten Lagen wurden tonrein zu Gehör gebracht. Der Verein und mit ihm sein Dirigent Herr Hans Sonntag können auf die bis jetzt geleistete Arbeit stolz sein.
Steuer- Kuriosa oder der unsterbliche Amtsschimmel. Einem Einwohner aus Kreuznach, der Grundbesitzer im Kreise Meisenheim in der Pfalz ist, wurde ein Steuerbetrag über den monatlichen Betrag der Grundvermögenssteuer in der Höhe von einem Pfennig zugesandt. Der Grundbesitzer hatte für die mit eingeschriebenem Brief übersandte Benachrichtigung 45 Pfennig, d. h. den Steuerbetrag von 45 Monaten als Porto zu zahlen. Die Steuer wird er monatlich mit Postanweisung an die zuständige Steuerkasse entrichten. Dafür zahlt er im Jahr 2,40 M an Porto. Die Steuerkasse bucht nach diesem ganz einfachen Verfahren 12 Pfg. Die Post nimmt für Bestellung dieser Summe 2,85 M ein.
Alte Inka- Tänze im heutigen Chile.
Schluß.
Aus Nah und Fern.
Burggemünden. Hier beschäftigte sich ein 16jähriger Junge mit einem Revolver in dem Glauben, daß dieser nicht geladen sei. Er zielte auf einen Freund und drückte ab. Jm selben Augenblick krachte der Schuß und der Freund stürzte schwer getroffen zu Boden.
Am Hauptfesttage ist fortwährend Messe in der Kirche, zu der die Indianer ihre Tänze mit Musik in der Kirche selbst aufführen. Den Höhepunkt bildet das Herabsteigen der Jungfrau vom Himmel zu ihren Gläubigen und die nachfolgende Prozes= sion, der sich sämtliche ortsansässige Heiligen und die Heiligen der benachbarten Diözesen anschließen, deren Statuen und Bilder an diesem Tage zum Besuche herangeschafft werden. Diese Besuche werden ganz menschlich ausgeführt: der besuchende Heilige wird vom Besuchten vor dessen Kirche erwartet; die Heiligen küssen sich zur Begrüßung und dann geleitet der ansässige Heilige seinen Besuch in die Kirche. Der kindliche Verstand der Bevölkerung faßt ebenso wie einst die Griechen derartige Vorgänge ganz menschlich auf und so wird auch ange
Die richtige Stimmung
Prozession durch die Ortschaft getragen zu werden. So bewegt sich der Zug stundenlang durch den glühenden Wüstensand von Haus zu Haus. Wenn man sich hierzu einen wolkenlosen blauen Himmel, im Hintergrunde die Schneeriesen der Hochfordillere mit Vulkanen denkt, so gibt dies alles ein Bild von einer südlichen Farbenpracht, die man so bald nicht vergißt.
Was die Tänze im einzelnen bedeuten, so ist nicht immer mit Bestimmtheit zu ermitteln, welcher Gedanke denselben zugrunde liegt. Heidnische Vorstellungen in erster Linie sind mit christlichen Gedanken so verwoben, daß man vielfach die Phantasie zu Hilfe nehmen muß, um einigermaßen richtig enträtseln zu können. Verfasser verdankt die im folgenden wiedergegebenen Erklärungen einem Kaziken, der seine Hauptbeschäftigung in der Einübung alter Tänze sah und über die Geschichte, Sagen und Gebräuche seines Volkes recht gut unterrichtet war.
Sind die Tänze genügend eingeübt, was bis Anfang Juli der Fall sein muß, so versammelt sich alles am 15. Juli in der Tirana. Von nah und fern kommen die Zuschauer; auch die Geistlichkeit der umliegenden Diözesen, meist auch der Bischof. ist vertreten. Bietet sich doch auch in diesen Festtagen der Kirche eine vorzügliche Gelegenheit, Einnahmen zu erzielen. Nicht nur wegen Dispense vom Fastengebot( ,, bullas") verkauft, wobei sich natürlich der Peis nach der Zeit richtet, für die die Erlaubnis in Anspruch genommen wird, sondern auch die Plätze, an denen die fliegenden Händler ihre Buden aufschlagen dürfen, werden vermietet; der Preis richtet sich nach der Entfernung von der Kirche und dem Wege, den die Prozessionen einschlagen.
Steindorf ViB. Riederwo Gießens Jug ihr Sieg wohl Technik ausgefal Poftiportverein Borujjia Frift.
dh die Feststimmung zu Ostern ist doch nur dann vorhanden, wenn alles gut geklappt hat. Vieles soll in der Familie zu Ostern klappen, die Versetzung der Urlaub- der neue Anzug, das neue Kleid soll sitzen und viele andere von den 1000 Wünschen, die gehegt werden, sollen sich erfüllen; aber eins muß sicher klappen: Der Festkuchen muß gut geraten sein, denn sonst wär's um die richtige, die freud. Stimmung geschehen. Setzen Sie also Ihre guten und reichlichen Zutaten nicht auf's Spiel, sondern backen Sie mit Dr. Oetker's Backpulver ,, Backin", das Sie ebenso wie Dr. Oetker's Puddingpulver, VanillinZucker, Gustin usw. stets frisch in allen Geschäften erhalten. Viele neue und wertvolle Anregungen zum Backen bietet Ihnen das neue farb. illustr. Oetker- Rezeptbuch, Ausg. F, das für 15 Pfg. in allen Geschäften erhältlich ist. Sie erfahren aus dem Buche auch Näheres über den vorzügl. Backapparat ,, Küchenwunder", mit dem Sie auf kleiner Gaskocherflamme backen. braten und kochen können. In vollständig neuer Bearbeitung ist Dr. Oetker's Schulkochbuch, Ausgabe C wieder erschienen. Das Buch ist mit seinen ca. 500 Koch-, Back- und Einmache- Rezepten und vielen farb. Tafeln für jede Hausfrau und besonders den angehenden ein guter Ratgeber für die Haushaltführung. Es berücksichtigt die veränderten wirtschaftlichen Verhältnisse, sowie die neuen Forschungsergebnisse in der Ernährungswissenschaft. Wenn nicht vorrätig, ist das 150 Seiten starke Buch in danerhaftem Pappband gegen Einsendung von 30 Prg in Marken von mir portofrei zu bezielen.
Dr. August Oetker, Bielefeld
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in stets wechselnden Tanzfiguren auf einen kleinen Hausaltar zu bewegen, um dort ihre Reverenz zu machen. Der Altar besteht meist in einem Tische, auf dem unter allerlei Zierrat eine das Christuskind darstellende Puppe aufgebaut ist. Ist ein Geistlicher in erreichbarer Nähe, so erfährt der Altar gern noch eine firchliche Weihe.
Eigenartig berühren die Tänzer, die Gelübde zu Ehren der Jungfrau getan haben für Errettung aus Gefahr, Genesung nach schwerer Krankheit usw. Unter irgend einer Verkleidung tanzen diese die drei Festtage fast ununterbrochen durch. So tanzte z. B. ein„ Bär" diesen Tanz bereits schon seit vielen Jahren aus Dankbarkeit dafür, daß er durch den Ratschlag der Jungfrau, in dieser Vermummung zu tanzen, von seinem Rheumatismus befreit war. Der ganze Körper des Tanzenden steckte in schwarzen, zottigen Vicunafellen und es war geradezu erstaunlich, wie ein Mensch in dieser Verkleidung tagelang im heißen Wüstensande herumspringen konnte. Von Zeit zu Zeit lüftete seine bessere Hälfte ihm die Maske und gab ihm zu trinken.
Aber auch das schöne Geschlecht wird in den Dienst der guten Sache gestellt, um geweihte Bänder zu verkaufen, mit denen die Frommen sich gläubig schmücken und die Freunde Konfes sion spielt keine Rolle geschmückt werden. Die Töchter der guten, speziell der ansässigen peruanischen Familien, rechnen es sich zur Ehre an, für die heilige Jungfrau zu sammeln; denn erstens sind himmlische Belohnungen für diese Tätigkeit ausgesetzt und zweitens blüht der Flirt bei dieser Gelegenheit mehr denn je. Und der ist für die Südländerin ebenso notwendig nommen, daß die Heiligen nach den irdischen Regeln und Formen mit einander verkehren.
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Eine große Anzahl von Tänzen ist ihrem Sinne nach gar nicht zu erklären und die Eingeborenen lehnen jede Deutung von sich aus dem Fremden gegenüber ab. Unter der christlichen Oberfläche ist eben das alte Heidentum, der alte Intaglaube und die Geschichte des einst so stolzen Volkes noch voll lebendig. Noch heute findet man bisweilen in den Händen der indianischen Bevölkerung jene eigenartigen Schnüre mit bunten Knoten, quippus genannt, wie sie sich schon in den Gräbern der ältesten Periode befinden und statistischen und geschäftlichen Zwecken dienen. Aber niemals ist bisher einem Weißen das Geheimnis dieser quippus verraten worden. Mit jedem Wissenden, der das Geheimnis mit ins Grab nimmt, geht daher eine Möglichkeit mehr verloren, Licht in die Geschichte eines der ältesten Kulturvölker Südamerikas, der Inkas, zu bringen.
Einer der bekanntesten Tänze stellt die Sonne und den Mond dar und symbolisiert die dienende Stellung, die der Mond, die Schwester der Sonne, dem siegreichen Tagesgestirn gegenüber einnahm. Während die beiden Hauptdarsteller im Mittelpunkte der Gruppen von 12 Tänzern einen pas de deux tanzen, bilden die beiden Parteien, deren Paare buntgewebte Seide aus Vicunawolle in den Händen halten, Tanzfiguren, die dem„ Contre" oder„ Lanciers" sehr ähnlich sehen und in ein ,, moulinez" endigen, wobei die beiden Hauptdarsteller den Mittelpunkt der sich über ihnen kreuzenden Bänder bilden. Der Tanzschritt entspricht unserem Polkaschritt, dem sich auch die Musik im Takte vielfach anpaẞt.
Die Figur der Jungfrau steht auf einer kleinen Plattform hoch über dem Hochaltar. Ein schräges Seil spannt sich von dort nach dem Boden der Kirche zu, um die Puppe, die in einem kleinen Gestell, ähnlich einem Fahrstuhl steht, sicher zur Erde gleiten zu lassen. Die Figur selbst ist sehr alt und stammt noch aus der Spanierzeit. Sie ist mit echtem alten Silberschmuck und unechten Steinen geschmückt und mit Papierrosen umwunden. Die ,, Paten"- eine Ehre, die besonders verliehen wird, und die auch Verfasser dieses vom Bischof erhalten hatte halten am Hochaltar die Seile in ihren Händen und langsam gleitet die Figur zur Erde nieder, wo sie von der Geistlichkeit und den Gläubigen, in erster Linie den Vortänzern, in Empfang genommen wird, um unter ohrenbetäubendem Lärm in
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Ganz heidnisch ist noch die Art der Totenfeier. Nur beim Tode eines Kindes spielt eine christliche Anschauung insofern mit, als man mit dem Tode eines Kindes nicht den Begriff einer für immer beendeten Existenz verbindet, sondern dasselbe als | ,, Engel"( angelito) sofort in den Himmel verweist. Der Indianer geht von dem Gedanken aus, daß der Tod im Kindesalter ein Glück für den Menschen bedeute, da er ihn vor dem Schweren und der Trübsal bewahre, die ihn im späteren Leben noch hätten treffen können. Der schwermütige Charakter der Aymaras und Quichuas spielt sich in dieser Auffassung wieder, der auch jede ausgelassene Fröhlichkeit zu den Seltenheiten des Lebens zählen läßt. Der Tod eines Kindes ist daher ein wirkliches Freudenfest, zu dem Freunde und Verwandte von nah und fern eingeladen werden. Die kleine Leiche wird geschmückt mit Blumen und Flitterkram aller Art und so auf einen Tisch gestellt. Der übrige Raum wird mit Kerzen und Papier, sowie sonstigem bunten Tand möglichst festlich gemacht. Nach dem Gesang der Klageweiber, der sich nachts besonders schauerlich anhört, beginnt das Gelage, das sich so lange hinzieht, als be rauschende Getränke vorhanden sind oder der Zustand der Leiche es gestattet. Diese wird gern auch an gute Nachbarn weiter gegeben, damit auch sie einen Teil des Segens erhalten, der com ,, Engelchen" ausgeht. Man kann sich eine Vorstellung machen, wie es in einem solchen Raume aussieht und duftet, wo bei tropischer Hitze ein derartiges Gelage bei verschlossenen Türen stattfindet und man erst nach einer Reihe von Tagen daran denkt, dem„ Engelchen“ nun wirklich seine Ruhe zu geben. Die Geistlichkeit ist zwar nach besten Kräften bemüht, diesem Unwesen ein Ende zu bereiten, aber es handelt sich um Jahrhunderte alte Sitten, die viel zu tief wurzeln, als daß das ganz oberflächlich aufgepfropfte Christentum wirkliche Abhilfe schaffen oder den Gläubigen Ersatz bieten könnte.
Ein anderer Tanz geht zurück auf die Spanierzeit, und es werden Scheinkämpfe mit Schwertern und Lanzen aus Holz aufgeführt.
Eine typische Figur ist der Teufel, der unentwegt die tanzenden Paare umkreist und in den Kreis einzudringen versucht, moran er jedoch durch Schläge mit Peitschen und Pritschen gehindert wird. Die Rolle des Teufels entspricht dem„, bösen Geiste" im alten Infatempeltanze.
Ganz in die christliche Anschauung spielen dagegen diejeni gen Tänze herüber, die zur Weihnachtszeit aufgeführt werden. In ihnen wird die Anbetung der Weisen aus dem Morgenlande dargestellt, und zwar bestehen die Tänze in der Hauptsache darin, daß sich die drei Weisen der Reihe nach mit dem Chor
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