Montag mittag wurde der Abtprimas des gesamten Benediktinerordens, Hildebrand de Hemptinne, in Beuron zu Grabe getragen. Als Vertreter des Kaisers war Fürst zu Fürstenberg erschienen.
Aus München meldet das Wolfische Bureau anscheinend im Auftrage: Verschiedene norddeutsche und andere Blätter verbreiten die Nachricht von der Verlobung des Prinzen Heinrich von Bayern mit der Großherzogin Adelheid von Luxemburg. Alle diese Gerüchte von der Verlobung sind frei erfunden.
Zum Nachfolger des verstorbenen Kommandanten von Spandau, Exzellenz v. Horn, ist der Kommandeur der 40. Infanterie- Brigade, Generalmajor v. Einem, der frühere preußische Kriegsminister, ernannt worden.
* Dresden, 19. Aug. Ein noch nicht in allen Einzelheiten aufgeklärter Vorfall, bei dem es sich um eine Spionage Affäre zu handeln scheint, hat sich in Oscha z in Sachsen zugetragen. In der Kaserne des dortigen Ulanen- Regiments Nr. 17 wurden am Sonntag abend 6- R arabiner aufgefunden, aus denen die Schlösser entfernt worden waren. Trotz eifrigen Nachsuchens waren die Schlösser bis jetzt nicht aufzufinden. Auch die Vernehmung der in Betracht kommenden Ulanen ist ergebnislos verlaufen. Das Kriegsministerium bestätigt den Vorfall; aber man weiß dort noch nicht, ob der Fall als eine Spionage- Affäre oder als Sabotageaft zu betrachten ist.
Das deutsche Reich hat die Einladung zur Beteiligung an der Weltausstellung in San Francisco abgelehnt.
Desterreich.
* Am Montag beging Kaiser Franz Jo sef seinen 83. Geburtstag. Die Feier wurde in aller Stille und im engsten Familienkreise in der Jschler Kaiservilla begangen, und die hohe Politik, die dem greisen Herrscher gerade in letzter Zeit wieder so man
len. Inzwischen machen sich bereits die ersten Anzeichen des erneuten Kampfes bemerkbar. In Collombe- la- Fosse wurde auf einem öffentlichen Gebäude eine rote Fahne gehißt. Ein Maueranschlag enthielt die Worte:„ Unsere Großväter haben die Bastille erstürmt, wir werden etwas anderes stürme n."
Belgien.
* Brüssel, 19. Aug. Die Kammer hat mit 80 gegen 25 Stimmen bei 14 Stimmenthaltungen den 1. Artikel des neuen Steuergesetzentwurfes angenommen, Eindessen zweiter Absatz die Steuer festsetzt auf die künfte der Aktiengesellschaften im Auslande und im Kongo, die in Belgien eine oder mehrere Niederlassungen haben.
Italien.
* Rom. Das vatikanische Organ veröffentlicht den Text des jüngsten Briefes des Papstes an Kaiser Wilhelm. In vatikanischen Kreisen fällt die große Herzlichkeit des Schreibens auf. Es heißt, der Papst wolle damit bei dem Kaiser jede Erinnerung an die früheren peinlichen Zwischenfälle anläßlich der Baromäus- Enzyflita tilgen.
zur planmäßigen Ausschlachtung dieser neuen„ Geschäfts gelegenheit“ gebildet. In London fand unlängst en beiläufig recht schwache! Ausstellung a heimischer Gewerbserzeugnisse zu dem einzigen Zwed statt, der Bevölkerung zu beweisen, daß man die Ware mit der Marke„ Made in Germany" entbehren förm und daran knüpfte sich eine ausgiebige Boykotthetze.
So wird bald in diesem, bald in jenem Lande mi allen erdenklichen, meist mit nichts weniger als schönen Mitteln gegen die Einfuhr deutscher Waren gearbeitet Fänden diese Bestrebungen mehr und mehr Boden, so wäre das für unser nationales Wirtschaftsleben von ge radezu verhängnisvoller Bedeutung. Bekanntlich wäch Deutschlands Bevölkerung alljährlich um durchschnittlic 900 000 Röpfe. Diese unausgesetzt stärker anschwellen den Menschenmassen zu ernähren ist nur dann möglió wenn der Absatz unserer Gewerbeerzeugnisse im Aus lande ständig zunimmt. In dieser Hinsicht dürften wir unbesorgt sein, wenn es nur auf die Brauchbar keit der Waren ankäme, die wir draußen anbieten: aber die unausgesetzten Bontotthetzereien bedeuten eine nicht zu unterschätzende Gefahr. Ihr entgegenzuwirken ist jeder von uns berufen und imstande: einmal dun stete Bekämpfung der längst ganz sinnlos geworden Meinung, als sei die Ware, die nicht weit her ist, nichts wert, also durch Eintreten für die in Deuts land hergestellten, heute durchweg auf der Höhe stehen * Auf der Rückreise von der Einweihung des Haa- den Gewerbserzeugnisse, sodann durch die entschiedene ger Friedenspalastes wird Andrew Carnegie in Ablehnung alles dessen, was geeignet ist, unseren aus Brüssel kurzen Aufenthalt nehmen. Am 1. Septem- ländischen Feinden bequeme Vorwände für ihre ber wird er vom König empfangen werden, der Carne Boykotthetzereien zu liefern, vor allem durch die Abwei gie zu Ehren ein großes Mahl gibt. sung aller Konkurrenztreibereien gegen deutsche Fabriken denen man ehrlicher Weise nichts weiter vorwerfen fann als daß in ihnen ausländisches und deutsches Kapital zusammenarbeitet.
Amerika.
* Präsident Wilson hat die Absicht, die Flo t- ten der verschiedenen Staaten der Welt einzuladen, sich der Marine der Vereinigten Staaten am 1. Januar 1915. in Hampton Road anzuschließen und gemeinsam mit dieser durch den Panamakanal zu fahren, zur Eröffnung der Weltausstellung in San Fran
cisco.
che trübe Stunde bereitet hat, blieb auf traf der Türe seines Gemaches. Deshalb hat Graf Berchtold Boykott deutscher Waren im Auslande.
seinen Besuch dem Kaiser schon gestern abgestattet. Man brachte die Zusammenkunft zwischen Kaiser und Minister mit dessen Rücktritt in Verbindung. Man rechnet bestimmt mit dem Rücktritt des Grafen Berchtold im November. Als Nachfolger werden genannt Tisza, der österreichische Finanzminister Ritter Leon v. Bilins fi und Prinz Karl Emil zu Fürstenberg, der österreichungarische Gesandte in Bukarest, der beim Kaiser zur Audienz befohlen war und lange mit ihm konferierte. Prinz Karl Emil zu Fürstenberg ist der jüngere Bruder des Fürsten Max Egon zu Fürstenberg. Er wurde in Prag am 16. Februar 1867 geboren und ist seit 1902 mit Maria Gräfin Festeties vermählt.
Kaiser Wilhelm feierte den Geburtstag seines greisen Freundes in Homburg wie bisher in alter, warmer Herzlichkeit.
In einer dreistündigen Audienz beim Kaiser Franz Josef in Ischl bot der Minister des Aeußern Graf Berchtold seine Entlassung an, die der Kaiser aber ablehnte. Dagegen soll die Frage der Revision des Bukarester Friedens endgiltig fallen gelassen sein.
Frankreich.
* Die Bemühungen der Winzer des Aube- Gebietes gehen dahin, alle Kräfte zu vereinigen und durch gemeinsame Maßnahmen ihre Ausschließung von dem Champagne- Gebiet rückgängig zu machen. So traten gestern. Vertreter von 33 Vereinigungen des WarSequanaid- Gebietes zusammen und beschlossen, am 20. Oktober Vertreter nach Troyes zu entsenden, die mit den dortigen Winzer- Vereinen in Verbindung treten sol
dem tuum Erzählung von Emil Frank.
( Nachdruck verboien.)
22) Slawa folgte dem Beispiel der Schwester, u.: dann standen sie scheu und schüchtern vor der Türe und wagten nicht, hineinzugehen, bis die Türe sich selbst öffnete und Fräulein Benken heraustrat. Die blickte voll tiefer Teilnahme auf ihre beiden Zöglinge, sah die naive Vorbereitung und führte sie gerührt hinein. Die Kinder traten in das Sterbegemach. Rasch und unerwartet war der Todesreif über diese Menschenblüte gekommen. Und es war eine gar so holde Blüte. Selbst die lange Krankheit an Leib und Seele hatte diese reizende Schönheit nicht zerstören können. Wie sie jetzt aufblickte und ihre beiden Kinder sab, da ging ein Erschrecken durch ihre Seele. Zweierlei ängstigte sie: Das Bewußtsein, diesen Kindern gegenüber nicht die Pflicht der Mutter in vollem Umfang erfüllt zu haben, dann aber auch der Gedanke, sie allein in der trostlosen Sphäre zurücklassen zu müssen. Was sollte aus ihnen werden.
Fräulein Benken führte die Mädchen dicht an das Bett der Mutter. Sie waren ganz still, denn sie wußten ja, Mama konnte fein Geräusch vertragen. Jadwiga faltete wortlos die Hände und blickte gar traurig auf ihre Muter, die so schön war. Slawa war eigentlich ein wenig bange, denn es sab so feierlich in dem Gemach saus. Ein großes filbernes Kruzifig stand zwischen filberen Armleuchtern.
Noch immer blickte die Gräfin auf ihre Kinder. Sie rang mit einem Entschluß. Bisher hatte sie die Misere ihrer Ehe den Eltern verheimlicht, jetzt mußte sie offen sein. Vielleicht, daß dann ihr Vater die beiden Kinder zu sich nahm.
Sie winkte Fräulein Benken zu sich und flüsterte
Mit einer sonderbaren Sache hatten sich vor kurzem die deutschen Handelskammern zu beschäftigen. Der Pariser„ Matin", ein ausgesprochenes Hetzblatt, hat die Behauptung aufgestellt, auf Betreiben der deutschen Industrie sei in Deutschland ein Flugblatt in vie= len Millionen Abdrücken verbreitet worden, in dem ,, die deutschenkäufer vor ausländischen Waren gewarnt" würden. Der„ Matin" war zwar nicht in der Lage, ein einziges Wort aus dem angeblichen Flugblatt anzuführen, fand aber bei den Fran30sen für die offenbar aus den Findern gesogene Geschichte Glauben und infolgedessen auch Zustimmung, als er daraufhin eine frische, fröhliche Bewegung gegen die Einfuhr deutscher Waren nach Frankreich ins Werk setzte. Zu diesem Zwecke hat sich bereits ein besonderer „ Bund französischer Käufer und Verbraucher" gebildet.
Aehnliche Vorgänge sind neuerdings mehrfach auch aus anderen Ländern berichtet worden. So wurde in der„ Frankfurter Zeitung" vom 4. Juli geschildert, wie in Nordamerika das Shermansche Antitrustgesetz gegen die deutsche Einfuhr ausgenutzt wird. Beispielsweise sind bei amerikanischen Gerichten allein 50 bis 60 Prozesse gegen die führenden Firmen der deutschen Teerfarben- Induſtrie teils schon anhängig gemacht, teils von geschäftlich interessierter Seite eingeleitet, und zwar mit der Begründung, die angegriffenen Fabriken hätten durch Vereinbarungen Monopolstellungen erlangt, durch die es ihnen möglich gewesen sei, alle Außenseiter auszuschalten und Preise durchzusetzen, die wesentlich höher seien als die normalen. Auf Grund des Antitrustgesetzes wird der dreifache Betrag des angeblich erlittenen Schadens gefordert, und besondere Erwerbsgesellschaften haben sich
thr zu:
" Wollen Sie an meinen Vater schreiben, er soll Jadwiga und Slawa zu sich nehmen."
sich.
Kraftlos sant sie zurück. Fräulein Benken entfernte „ niet nieder," lispelte die Mutter. Die Kinder taten es. Der Mutter zitternde, kraftlose Hand legte sich auf jedes Kindes Sweich und bezeichnete sie mit ve Zeichen des Kreuzes. Jadwiga füßte die wachsbleiche Hand und Slawa folgte ihrem Beispiel.
Dann kam der Priester und brachte der Gräfin den letzten Trost auf die Reise in die Ewigkeit.
Graf Warminski erfuhr erst spät von dem Anfall seiner Frau. Er war am Morgen in den Wald geritten und hatte einen kleinen Abstecher gemacht, um einen Freund zu besuchen. Bei seiner Rückkehr wollte er speisen, da hörte er aber, daß seine Gemahlin versehen worden sei. Die Nachricht war wohl auch danach getan, ihn zu erschüttern, und er eilte besorgt an das Krankenlager seiner Frau. Doch er tam zu spät. Eben hatte sie den letzten Atemzug getan, still und friedlich war sie aus der Welt der Täuschungen und Tränen geschieden. Erschüttert stand Warminski neben dem Sterbelager, und jene Stunde ward lebendig, als er den ersten schweren Verlust erlitten, als sein Sohn aus dieser Welt ge= gangen war. Nun war sie ihm gefolgt. Da war er sich wieder seiner ganzen Erbärmlichkeit bewußt. Des Geldes wegen hatte er sie gehiratet, und dann ließ er sie verfümmern wie eine Blume, der man die Sonne entzieht.
Da ging er mide hinaus, und er sehnte sich nach der Ruhe und dem Frieden des Todes.-
Mit allem Pomp und Gepränge geleiteten sie die Gräfin zur letzten Ruhe.
Nach dem Begräbnis, als die fremden Leidtragenden fich zerstreut hatten, ersuchte Fürst Bogdan den Grafen um eine Unterredung. Die beiden Herren begaben sich in das Arbeitszimmer des Grafen und hier eröffnete der Fürst seinem Schwiegersohn, daß er ihm mit einer
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n Gießen. Der Heilstättenverein für das Gro herzogtum Hessen erhielt für seine Lupus- und Licht
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heilstätte in diesen Tagen von einem anonym gebliebe ung gefomm
nen Mainzer Wohltäter eine Spende von 1000 Mar und kürzlich wurde ihm seitens eines Arheilger Ehe paares ein Legat von 50 Mt. zugewendet. Der Verein hat sich durch den Bau der Lupus heilstätte eine erheb liche Schuldenlast aufgebürdet und wird durch solche Spenden in die Lage versetzt, den ärmsten unter den armen Kranken, den unbemittelten Lupuskranken im we testen Maße Pflege und Heilung zu bringen. Möge do her das Beispiel der menschenfreundlichen Spender Nag folger finden, auch die kleinste Gabe ist willkommen.
n Gießen. Der Turnverein von 1846 veranstal tete am Sonntag einen Turngang über Klein- Linden nach dem Bergwerkswalde.
n Gießen. Die 116er haben sich am Diensta morgen nach Griesheim begeben. Am 27. August wird es ins Manövergelände gehen.
Wo
o Bad Nauheim. In der abgelaufenen che sind 1887 Kurgäste angekommen und beträgt die Gesamtfrequenz bis zum 14. Auguſt d. Js. 28 699 Personen. Bäder wurden bis zum 14. Auguſt d. Js
356 822 abgegeben.
o Bad Nauheim, 18. Aug. Auf der Terre fonzertierte gestern der Bauersche Gesangve An der Spi ein Gießen und unsere Kurkapelle. des Vereins steht der hier in früheren Jahren tafi Lehrer Otto Görlach. Herr G. erfreute sich dame bei uns eines quten Rufes als feinsinniger Musikfreun
namhaften Summe unter die Arme greifen wolle, wen er ihm die beiden Mädchen zur Erziehung übergebe.
Graf Warminski blidte erschrocken auf. Etw von seinem früheren Stolz regte sich in ihm. Also weit war er gesunken, daß man ihm Geld zu bieten wa te, nur um die Kinder aus seiner Nähe zu bringe seinem Einfluß zu entziehen. Eine tiefe Scham überta ihn. Was hatte er denn bisher getan, daß er fagen to te: Die Kinder sind mein, ihre Erziehung ist mein Sache! Wie lange dauerte es denn noch, dann zog bi irgendein geldstolzer Barvenü als Herr ein, und fonnte mit seinen Kindern zum Bettelstab greifen! das war das Ende seiner stolzen ehrgeizigen Bläs Aber dann recte er sich auf. Mußte das sein? der Leichtsinn zertrümmert, konnte er das in chrlig Arbeit nicht wieder aufbauen? Noch war es nicht spät, noch waren große Wälder sein. Jetzt, wo Holz im Preise stieg, repräsentierten fie einen holes Wert, er brauchte sie nur abholzen zu lassen, dann er von allen Schulden fret. Gar mancher seiner Na barn, dem das Messer schon an der Kehle geseffen, het sich auf diese Wetse gerettet. Wohl war er schlaff worden, die Leidenschaften hatten ihn entnervt, abe es galt ja den Kampf um die Existenz, um den alten e lauchten Namen.....
Doch dann fiel ihm ein: Wozu das alles? W dieses harte Ringen, da doch kein Sohn und Erbe beschieden ist?
Der Fürst hatte seinem Schwiegersohn Zeit a Bedenken gegeben. Er stand am Fenster und bli hinaus in den Park, der zu neuem Leben erwacht ma Auch er war traurig. Welcher Vater könnte teilnahm Los bleiben, wenn man sein Kind in die Erde bette Und dieses Kind war unglücklich geworden durch Mann, der sein Herz betört.
( Fortsetzung folgt.)
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