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Gießener Zeitung
Bezugspreis 25 Pfg. monatlich
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( Neueste Nachrichten)
vierteljährlich 75 Big., vorauszahlbar, frei ins Haus. Abgeholt in unserer Expedition oder in den Zweig ausgabestellen vierteljährlich 60 Pfg.- Erscheint Mittwoche und Samstags. Redaktion: Selters. weg 83. Für Aufbewahrung oder Rücksendung nicht verlangter Manuskripte wird nicht garantiert. Verlag der., Gießener Zeitung" G. m. b. H.
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Nr. 67.
Telephon: Nr. 362.
Der neue Balkan.
Die neue Balkantarte ist fertig. Die Grenzen sind nunmehr fixiert, und die Revisionsträume der Bulgaren find zu Wasser geworden.
Serbien vergrößert sich um etwa 32 000 Quamittel unter Ga: dratkilometer durch den Anschluß eines Teiles des Sandsch afs, Novibasars und Westmazedoniens mit dem historischen Amſelfeld.
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Griechenland bekommt einen Gebiets zuwachs in Epirus, Südmazedonien mit Saloniki und d. Halbinsel Chalcidike, sowie die wichtige Hafenstadt Kawalla mit der davorliegenden Insel Thasos; außerdem soll ihn noch ein größerer Teil der türkischen Inseln im Ae
Lehrling u. gäischen Meer zufallen.
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Bicherstraße 31.
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Montenegro gewinnt den westlichen Teil von Novibasar, ein Stück des nordalbanischen Alpenlandes und einen Teil der fruchtbaren Ebene am Skutarisee.
Albanien wird ein selbständiges autonomes Fürstentum unter einem frei zu wählenden Fürſten.
Bulgarien gewinnt einen Teil von Thrazien und Ostmazedonien, sowie den Zugang zum Aegäischen Meer mit dem Hafen von Dedeagatsch.
Rumänien erhält den südlich der Donau ge= legenen Teil der Dogrudscha mit Silistria, der durch die Grenzlinie Turtukai- Baltschik bezeichnet wird. Insgesamt beträgt sein Gebiets zuwachs 8000 Quadratkilometer, der ihm auch einen besseren Zugang zum Schwarzen Meer jich ert.
Die Kriegsverlufte.
Der augenblicklich in Mazedonien weilende Korrespondent des„ Corriere della Sera", der sämtliche Hauptpunkte der Balkanschlachtfelder besucht hat, veranstaltet in einem längeren Bericht eine Schätzung der Verluste der Balkanstaaten. Er schätzt die Opfer an Menschen und Geld im
ersten Feldzuge
folgendermaßen:
Bulgarien: 350 000 Mann mobilisiert, 80 000 ofe, 1200 Millionen Mark Kosten.
Serbien: 250 000 Mann mobilisiert, 30 000 Lotte, 620 Millionen Mt. Kosten.
Griechenland: 150 000 Mann mobilisiert, -6 Uhr, abends 10 000 Tote, 280 Millionen Mark Kosten. der Kurkapelle. Montenegro: 30 000 Mann mobilisiert, 8000 es Kaisers von Colle, 16 Millionen Mark Kosten. ter Leitung des
Türkei: 450 000 Mann mobilisiert, 100 000 in Abends bei Tofte, 1600 Millionen Mark Kosten.
Kurhausterrasse. Abends 8 Uhr
rosse. Posse mit Gilbert.
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Nach dem Sturm. Erzählung von Emil Frank.
( Nachdruck verboten.)
Da wurde der alte Mann zum Kinde und pielte und scherzte mit den drei Lieblingen, oder er erzählte ihnen schauerlich schöne Geschichten, alte ver=
-6 Uhr. abend bollene Sagen, verklungene Märchen, aber er sprach
der Kurkapelle
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auch zu ihnen von Gottes Wunderwalten, von seiner mendlichen Liebe und Erbarmung. Dann wurde es gar feierlich still in dem kleinen Kreis. Dann leuchteten He Augen der Kinder, und ihre Hände falteten sich un
chule Friedber bewußt, ein Ahnen eines großen geheimnisvollen Glücks Moral, Komotam dann über sie, und der, der jenes Ahnen in ihren 4-6 Uhr& berzen voll Sonnenschein und Poesie, er lächelte selig
Seelen erweckte, der einfache Gutsverwalter mit dem
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foniekonzert
of, Hans Winde
und froh, und er hätte mit keinem Großen dieser Erde muschen mögen.
Und über alle dem ging die Zeit hin, und die Kinder wuchsen und gediehen gar prächtig. Die Welt der beiden Mädchen war der große Part mit seinen Schön
-6 Uhr, abend betten und Geheimnissen, mit seiner wilden Romantik. t der Kurkapelle San Sojka, des Verwalters Sohn, hatte Krzemien ver
m Kurhaussaal
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des Königliche
ennisturnier.
laffen. Der Vater, der sich ja so viel mit ihm beschäf= tigte, hatte die Begabung seines Einzigen früh gemerkt; bet seinem zurückgezogenen, einfachen Leben konnte er es ermöglichen, dem Sohne eine gediegene Ausbildung gewähren. So schwer es ihm auch wurde, den Sohn u entbehren, einsam in seinem Parkhäuschen zu hausen, ar brachte freudig dieses Opfer, denn es galt ja seines Andes Zukunft. Darum wurden ihm jetzt die beiden Grafenkinder doppelt Itcb, denn mit ihnen konnte er von Jan plaudern, der in Lemberg war, und nur einmal fährlich in die Ferien kam.
Jadwiga Warminski war 12 Jahre, Slawa 9 Jahre altt. Nichts hatte sich in Krzemien verändert. Zwar war
Erpedition: Seltersweg 85.
Mittwoch, den 20. August 1913.
Für den
3 weiten Feldzug sind nach derselben Quelle die Ziffern schätzungsweise folgende:
Kosten.
Bulgarien: 60 000 Tote, 720 Millionen Mt. Serbien: 40 000 Tote, 400 Millionen
Kosten.
Griechenland: 30 000 Tote, 500 Millionen Mark Kosten.
Wenn man hierzu die Ermordeten, die Opfer der Cholera und anderer Epidemien hinzunehme, so dürften die Menschenverluste mindestens 400 000 betragen, während die finanziellen Kosten insgesamt auf 5 200 000 000 Mart zu schätzen seien.
Die türkischen Forderungen.
Die Pforte läßt durch ihre Botschafter von neuem erklären, daß alle Nachrichten von dem Vorrücken der türkischen Armee in Nordthrazien und einer auf Grund eines Abkommens mit Griechenland geplanten Besetzung von Dedeagatsch unbegründet sind. Die Pforte verlangt als neue Grenze die Linie, bis zu der ihre Truppen gegenwärtig vorgerückt sind, gibt jedoch diese Linie nicht genau an. Auf jedenfall gehen ihre Forderungen bereits über Adrianopel hinaus. Angesichts der Uneinigkeit der Großmächte langt die türkische Regierung außer der Festung einen beträchtlichen Landgürtel um diese, den sie für ihre Verteidigung für unbedingt notwendig erklärt.
ver=
Der bulgarische Ministerrat beschloß, den Frie densvertrag von Bukarest zu ratifizieren, der König wird sofort einen entsprechenden Ukas erlassen und veröffentlichen. Der Vertrag wird der Sobranje aber erst im Herbst zugehen.
Der bulgarische Ministerrat hat den Frie densvertrag entgegengenommen. Auch die rumänische Regierung hat denselben ratifiziert.
Die türkischen Truppen schieben sich zwischen der alten bulgarischen Grenze und dem Gebirge nördlich von Kümültschina vor. Die schwachen bulgarischen Abteilungen gehen in der Richtung auf Kirtschali zurück, das von den Bulgaren besetzt ist.
Athen, 19. Aug. Dem König wurden bei seinem Einzuge begeisterte Kundgebungen dargebracht. Das
das alte Schloß arg verfallen, denn der Aufpuß, der ihm beim Einzug des gräflichen Paares vor 15 Jahren zuteil geworden war, hatte sich widerstandsunfähig gegen Wind und Wetter erwiesen, er war mürbe geworden und fiel nach und nach ab. Da war der Aufpub, mit dem die Natur die verfallenen Seitenflügel geschmückt hatte, haltbarer. Er verhüllte alles so dicht, wie die Hecke Dornröschens Schloß und war ein wirklicher Schmuck.
Und auch im Herrenhaus waren feine merklichen Veränderungen eingetreten. Die Gräfin war noch hinfälliger und schwächer geworden. Sie gab sich auch keine Mühe, ihre Umgebung über ihren Zustand zu täuschen. Der Graf, der elegante Kavalier vergangener Lage, hatte von seiner Eleganz viel eingebüßt. Sorgen nagten an seiner Seele. Er sah ja das Verderben kommen, dessen Ursache er ganz allein war. Die Schuldenlast wuchs, der Zwiespalt in seiner Seele verschärfte sich. Aus seinem Haus war das Glück gewichen, sein Sohn war tot, die Frau leidend, sie blickte ihn an mit Augen, aus denen Abwehr, Vorwurf sprach. Nur einmal hatte sie trop Krankheit sich freundlich ihm genähert, und das war an dem Tag, da die Verlobung Elsens mit einem reichen Finanzmann bekannt wurde. Doch die Stunde war schlecht gewählt. Graf Warminski hatte gerade unter schwierigen Umständen ein Darlehen erhalten, und seine Seele war nicht gestimmt auf Liebe. Ihm war es, als sei alles in ihm zerbrochen, seine Ideale, seine Energie, sein Glaube. Es graute ihm vor sich selbst, er wünschte sich aufraffen zu können, aber ihm fehlte die Kraft. Der Tod des geliebten Kindes hatte ihn nicht aufgerüttelt, er hatte ihn gelähmt, noch haltloser, zwiespältiger gemacht.
Aber noch war nicht jede gute Regung in ihm erftorben. Dieses Leben zwischen Genuß und Qual, das Grübeln und Bereuen machte ihn ernster, wenn auch nicht
( Gießener Tageblatt)
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Telephon Nr. 362.
25. Jabra.
Heer und die Menge, die auf mehr als hunderttausend geschätzt wird, rief:„ Es lebe Konstantin der Große!"
Die Deutschen in Böhmer.
Die Deutschen Böhmens haben der österreichischen Regierung Fehde angesagt. Die deutschböhmischen Vertrauensmänner beschlossen, in Komotau eine Resolution, in der vom Deutschen Nationalverband eine energische und einmütige Betätigung der deutschen Gemeinbürg- schaft in dem Sinne verlangt wird, daß er aus der ge= genwärtigen Regierungsmajorität austrete und in schärfster Weise gegen die Regierung Stellung nehme, bis die Forderungen der Deutschen in Böhmen erfüllt seien. Damit wird der Nationalitätenkampf wieder über die Grenzen Böhmens hinausgetragen, denn wenn der Deutsche Nationalverband den Komotauer Beschluß befolgt, wird die Entscheidung in dem Kampfe der Nationalitäten Böhmens nicht in Prag, sondern in Wien fallen. Wenn die österreichische Regierung die Unterstützung der Deutschen im Reichsrate nicht mehr findet, wird die parlamentarische Erledigung der Regierungsgeschäfte ins Stocken geraten, und Graf Stürgkh, der österreichische Ministerpräsident, wird schließlich den Weg des Freiherrn v. Bienerth gehen müssen, der seine Entlassung nahm, weil er die Regierungsmehrheit im Reichsrate nicht für ausreichend hielt.
*
Wien, 19. Aug. Heute vormittag fand ein längerer Ministerrat statt, der nachmittags seine Fortsetzung fand. In ihm gelangten die wichtigsten Fragen der inneren und äußeren Politik zur Besprechung, besonders aber die Stellungnahme der Regierung zu dem von den Deutsch- Böhmen gefaßten Beschluß, der Wiener Regierung scharfe Opposition zu machen. Die„ Neue Freie Presse" warnt heute die Regierung, einen von Seiten der Tschechen angeregten Beschluß zu fassen, der auf eine Demütigung und Niederwerfung des deutschen Volkes ausgehe. Es würden dann sicher große Schwierigkeiten entstehen, die schädigend auf die Monarchie wirken
müßten.
Politische Rundschau.
Deutschland.
Bad Homburg, 19. Aug. Aus Bad Ischl ist von Kaiser Franz Josef beim hiesigen Hof ein in herzlichen Worten gehaltenes Danttelegramm eingetrof
fen.
):( Kassel. Der Kaiser hat mit seiner Vertretung bei der Tausendjahrfeier der Stadt Kassel seinen Sohn, den Prinzen August Wilhelm beauftragt.
stärker. Manchmal war es ihm, als müsse er hier alles. abschütteln, was seinen Geist in Fesseln schlug, als könne er anderswo ein neues Leben beginnen, ein Leben der Pflicht, der Arbeit. Aber wie! Und nach und nach sah er ein, daß seine Leidenschaften ihn elend machten, und er kämpfte gegen sie an, so gut es ging. Und waren es auch nur kleine Siege, die er über sich errang, sie waren der Anfang jenes Umschwunges, der sich später in ihm vollzog.
So weit waren die Verhältnisse in Krzemien gediehen, als Jan Sojka die Mädchen aus dem lauschigen Laubgang an der Parkmauer abholte. Daß etwas nicht in Ordnung war, erkannten die beiden Mädchen ja so= fort, sie hätten ja nicht tägliche Gäste in Sojtas Haus sein müssen, um jede seiner Stimmungen genau zu kennen. Und als er dann sagte:„ Die Frau Gräfin, Eure Mama, ist plötzlich sehr schwer trant geworden," da begriffen sie wohl seinen Ernst. Denn obgleich sie noch Kinder waren, obgleich sich dte Mutter so wenig um fie bekümmerte, so hatten sie doch eine Ahnung, daß etwas Schweres fie bedrohte. Jadwiga wenigstens erinnerte sich noch ganz deutlich der Bett, als Stanislaus frant wurde und er dann fortgebracht wurde in die alte Gruft, über deren Toren das Wappen des Grafen Warminsti prangte. Und jetzt sollte ihre Mama, ihre schöne Mama auch dorthin gebracht werden, und dann ging am Ende noch Fräulein Benten fort, und sie blieben mit Papa allein in dem alten Schloß.
Solche Gedanken quälten Jadwiga, ale fte mit ihrer Schwester von Softa ins Schloß zurückgebracht wurde. Ste gingen ganz leise die Treppe hinauf, die zu den Gemächern der Mutter führten; Slawa wollte ohne weiteres eintreten, Jadwiga aber hielt sie zurück und öffnete behend die Schuhe, ste molte ja Mama night stören.
( Fortsetzung folgt.)


