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Gießener Zeitung

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( Neueste Nachrichten)

verteljährlich 1,20 Mr., vorauszahlbar, frei ins Haus. Abgeholt in unserer Expedition oder in den Zweig­ausgabestellen vierteljährlich 90 Pfg.- Erscheint Mittwoche und Samstags. Redaktion: Selters­weg 83. Für Aufbewahrung oder Rücksendung nicht verlangter Manuskripte wird nicht garantiert. Verlag der, Gießener Zeitung" G. m. b..

Nr. 1.

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Telephon: Nr. 362.

Zum Jabreswechsel.

Expedition: Seltersweg 83.

Mittwoch, den 1. Januar 1913.

( Gießener Tageblatt)

Anzeigenpreis 20 pig.

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die 44 mm breite Inseratenzeile.- Die 90 mm breite Zeile im Reklameteil 50 Pfg. Extrabetlagen werden nach Gewicht und Größe berechnet. Rabatt kommt bei Ueberschreitung des Zahlungs­zieles( 30 Tage), bei gerichtlicher Beitreibung oder bei Konkurs in Wegfall. Platzvorschriften ohne Verbindlichkeit. Druck der Gießener Verlagsdruckerei.

Telephon Nr. 362.

25. Jahrg.

völlig zu verwischen waren. Ein Erfolg, der ihn über­lebt.

Alfred v. Kiderlen- Wächter war als Sohn des Hof- Kommerrates und Hofbankdirektors Robert Kider­len am 10. Juli 1852 in Stuttgart geboren. Er be­suchte hier das Gymnasium, machte den französischen Krieg 1870-71 als Freiwilliger mit, studierte darauf die Rechte, trat 1879 in das Auswärtige Amt ein, war 1881-1884 Sekretär an der Botschaft in St. Pe­

fratic den Umsturz herbeiführen zu können. Wie der Ballantrieg zeigt, werden aber unglückliche Kriege und Den Geist zu sammeln, eignet sich keine Zeit mehr der nationale Zusammenbruch nur durch die Zusammen= als die Jahreswende. In dem Augenblicke, wo ein fassung und äußerste Anspannung der nationalen Wehr­Jahr mit seinem ganzen Inhalt an Freuden und Lei- kräfte abgewendet. Die Sozialdemokratie will ihre den, an Mühen und Sorgen, an Errungenschaften nd Schreckensherrschaft auf den Trümmern des Deutschen Fehlschlägen im Strome der Ewigkeit versinkt und ein Reiches errichten, und darum bekriegt sie die starke deut­neues Jahr, noch in dichtem Nebel verhüllt, an der Zusche Wehrmacht, die allein dem Reiche Dasein und Größe funft Schwelle sich emporhebt, schaut der Geist, zur sichert. Wer daher die volle Kriegsbereitschaft will, Sammlung gestimmt, auf das versinkende Jahr zurück, muß den Kampfeswillen gegen die Sozialdemokratie betersburg, 1884-1886 in Paris und darauf Botschafts­um daraus das als Ergebnis zusammenzufassen, was tätigen. Die im friegsfertigen Volksheere verkörperte er in das neue Jahr hinübernehmen will, um es als Einigkeit der nationalen Kräfte bildet ein unüberwind­gesammelte Kraft für die Aufgaben und Arbeiten der liches Bollwerk gegen die äußeren Feinde so lange, als fommenden Zeit wirken zu lassen. sie es auch den inneren Feinden gegenüber bleibt.

Reich an Kämpfen war das alte Jahr. Es be­gann mit den Reichstagswahlkämpfen, mit dem Bal­fantriege endete es. Anfang und Ende bieten Lehren, die Beherzigung für das neue Jahr und darüber hin­aus beanspruchen. Die Notwendigkeit der Sammlung der nationalen Kräfte zur Abwehr der inneren wie der äußeren Feinde lehren die Wahlkämpfe des vergange nen Jahres und der Krieg, der Europa in den letzten Monaten erschüttert hat. Daß 110 Sozialdemokraten in den Reichstag ziehen konnten, daß seitdem die rote Flut höher schwillt und kraft ihres Wahlsieges die So­zialdemokratie sich wie eine Großmacht gebärdet und Aufspielt, als ob sie über die fünftige Gestaltung der Völlergeschicke das entscheidende Wort zu sprechen habe, ist die Wirkung der Uneinigkeit des deutschen Bürger­tums. Weil sich die nationalen Kräfte zur einheitlichen Bekämpfung der Sozialdemokratie nicht zu sammeln ver­mechten, sind die Feinde im Innern stärker denn je ge­worden.

Auch die von den äußeren Feinden drohende Ge­fahr würde gewachsen und vielleicht zum Kriege ge= führt haben, wenn ebenso ihnen gegenüber das Gebot der Sammlung der nationalen Kräfte nicht befolgt wor­den wäre. Der Ballantrieg hat erneur, wie im Jahre zuvor die Marokkofrage, das deutsche Volk, das auf des Vaterlandes Boden steht, im einmütigen opferbereiten Willen zur höchsten Wehrhaftigkeit, zur Kriegsbereitschaft feit zusammengeschlossen. Dieser Wille für des Vater= landes Macht und Sicherheit muß noch so weit gestei­gert werden, daß er nicht mehr den inneren Feinden gegenüber versagt. Denn diese inneren Feinde sind ja auch Feinde unserer Kriegsbereitschaft, gegen die sich nach wie vor, und zwar im letzten Jahre mit verdop­

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pelter Anstrengung, Krieg führen. Droht doch die So­zialdemokratie in ihrem Größenwahn mit Revolution, wenn Deutschland gezwungen sein sollte, seine Wehr macht für seine Ehre, seine Größe, seine Zukunft ein­zusetzen. Durch unglüdliche Kriege, die den nationalen Staaten den Untergang bereiten, hofft die Sozialdemo­

Das Glückskind.

Roman von Frene von Hellmuth. ( Nachdruck verboten.)

An Roft's Seite ging der Förster, ebenfalls im Sonntagsstaat; den grünen Jägerhut trug er in der Hand, um die reine, köstliche Luft um die Stirne spielen zu lassen. Kein Mensch war froher als er, daß endlich die angebrochenen Festtage der Scheuerei und Puzerei zu Hause ein Ende machten.

Die ganze Woche hatte es gedauert und ihn oft genug fast zur Verzweiflung gebracht, so daß er, kaum nach Hause gekommen, sofort wieder nach dem Hute griff und dem recht ungemütlichen Heim den Rücken kehrte.

Kein Wunder auch! Der Scheuerbesen ging durch alle Zimmer: er verschonte nicht das kleinste Winkel­chen, so daß fast alles aus dem gewohnten Geleise kam, bis endlich am Pfingstfamstag die alte Ordnung und Gemütlichkeit wieder hergestellt war.

Das ganze Haus. vom Dachboden bis zum Keller blinkte jetzt in Sauberkeit wie ein Schmuckkästchen, mit seinen blendend weißen, frisch gewaschenen Bor­hängen, und den blißenden Fensterscheiben.

Zufrieden mit ihrem Wert, durchwanderte Frau Therese noch einmal alle die traulichen Gemächer. Im Garten schnitt sie dann große Büschel blühenden Flie­ders ab, dessen Duft sich mit dem des eben aus dem Ofen tommenden Pfingstfuchens vermischte. Der Flur war mit reinem weißen Sand befireut worden, und vor der Lür hatte man ein paar Maibäume aufgepflanzt.

Rost hatte tüchtig mitgeholfen, alles festlich zu schmücken, dafür wurde sie heute morgen von der treu jorgenden Zörſterin mit dem neuen Staat beſchenkt der ganz heimlich nach einem alten Kleide angesigt worden war, und zu des Mädchens großem Jube angegossen paßte. Mit Freudentränen ftel. denn auch der glücklich lächelnden Tante Therese und

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Die Sammlung der nationalen Kräfte zur Erhal­tung der deutschen Machtstellung vor Kriegsgefahr und zur Eindämmung der Umsturzbewegung ist des letzten Jahres doppelte Hauptlehre. Wird sie fortan ganz, nicht mehr bloß zur Hälfte, wie bisher, befolgt, so ge­währt der Rückblick auf 1912, der zur Verwirklichung des vollen, die nationale Leistungsfähigkeit erschöpfen den Sammlungsgedankens mahnt, einen hoffnungsvol­len Ausblick auf 1913. Die Erkenntnis der Vergangen heit ist der Schlüssel der Zukunft. Sammlung, die zu vcllenden der der Sozialdemokratie gegenüber begangene Hauptfehler des Jahres 1912 gebietet, sei also die Schlußrechnung an der Jahreswende, des Newjahres tages Losung. Nicht die bloße Betrachtung, die bei der Vergangenheit verweilt, um nur der Erinnerung zu le­ben, sendern die Tat, die uns unsere Pflichten als Bür­ger des Vaterlandes erfüllen läßt, macht das Leben wertvoll und des Unvergänglichen teilhaftig.

v. Kiderlen- Wächter+

Alfred v. Kiderlen- Wächter, der deutsche Staatssekre Grade der Leiter der auswärtigen Reichsangelegenhei­tär des Auswärtigen Amtes, und wohl auch im höheren ist am Montag morgen in seiner württembergischen Hei­ten als je ein nachgeordneter Reichsbeamter vor ihm, mat, in Stuttgart, unerwartet an Herzschwäche gestor­ben. Herrn v. Kiderlen- Wächter hat der Tod nach kur­Schwester, Freifrau von Hemmingen, überraſcht. zer, wenig beachteter Unpäßlichkeit auf Besuch bei seiner

Herr v. Kiderlen- Wächter ist ohne rechten Abschluß eines Werkes gestorben. Und gerade jetzt, da seine

gründlichen Balkankenntnisse schwer wogen und schwer zu ersetzen sein werden, da er dem Reiche in schwieriger| Zeit die Wege hätte weisen können, mußte er sterben. Als Vermächtnis, sozusagen, hinterläßt er die Entrevue von Potsdam, deren günstige Folgen auf unser Ver­hölinis zu. Rußland auch in der Gegenwart doch nicht

dem vergnügt schmunzelnden Onkel um den Hals und die beiden Alten blickten mit berechtigtem Stolze auf das wunderliebliche Kind.

Bin ich's denn,- bin ich's denn wirklich? ju­belte das Mädchen, vor dem Spiegel immer wieder den Hut aufprobierend, so daß fast die Zeit zum Kirchgange versäumt wurde.

Gern wäre heute auch Frau Therese mitgegangen, allein das nächste Kirchdorf lag über eine Stunde weit entfernt, man brauchte also den ganzen Vormittag, bis man wieder nach Hause kam, und der Festbraten durfte doch ebenfalls nicht vernachlässigt werden. So entschloß sie sich, zu Hause zu bleiben.

Als Röschen mit ihrem Begleiter durch das Dorf dem Gotteshause zuschritt, erregten die beiden das Auf­sehen der ländlichen Bewohner. Frauen und Mädchen, nicht selten einige junge, stramme Bauernburschen, blickten dem Paare, das nach allen Seiten freundlich grüßend seinen Weg verfolgte, mit unverhohlener Be­wunderung nach.

Nach beendigtem Gottesdienst ging es wieder durch die vor der Kirche versammelte, gepuzte Menge, die das schöne Mädchen neugierig anstarrte, als sähe sie dieses heute zum ersten Male, und doch war Röschen schon oft hier gewesen, so daß man sie gar wohl tannte.

Unter lebhaftem Geplauder wurde der Heimweg zurückgelegt. Die Sonne brannt jezt heiß hernieder, die blauen Glockenblumen zu beiden Seiten des Weges senften wie müde die zarten Köpfchen, selbst das Jubi­.Iteren der Vögel war verstummt.

Nahe der Steinbant, wo Röschen so gerne saß, fam thnen Waldmann, des Försters Jagdhund, mit freudigem Gebell entgegengesprungen, und blickte mit den kleinen Augen bald das junge Mädchen, bald seinen Herrn an, als wollte er fragen, ob er recht getan.

Der Förster lobte das schöne Tier, indem er Iteb=

rat in Konstantinopel. Mit dem Regierungsantrit Kai­ser Wilhelms 2. trat für ihn eine Wendung ein. Er würde 1888 Vortragender Rat im Auswärtigen Amt. 1908 vertrat Kiderlen- Wächter vorübergehend den Staats­feiretär des Auswärtigen Amtes. Seit Ende Juni 1910 leitete er das Auswärtige Amt als Nachfolger des Frei­herrn v. Schön, der als Botschafter nach Paris ging.

Kiderlen hing an seiner schwäbischen Heimat mit grußer Liebe. Wenn er sich von den Geschäften frei machen konnte, reiste er fast stets nach Stuttgart und verbrachte den Urlaub im Hause seiner Schwester, der verwitweten Freifrau von Gemmingen, an der er mit geschwisterlicher Treue hing. Obwohl ihm also die sei­nen Empfindungen edler Liebe nicht fremd waren, ist er doch Junggeselle geblieben.

Die Beerdigung findet in Stuttgart Donners= tag nachmittag 3 Uhr auf dem Pragfriedhof statt. Zur Veisekung trifft der Reichskanzler von Bethmann- Holl­weg ein.

Stuttgart, 30. Dez. Jm Trauerhause find zafireiche Beileidskundgebungen von Fürsten und Re­des gierungen eingetroffen. Das Beileidstelegramm Kaisers an die Schwester des Staatssekretärs, Frei­frau v Gemmingen- Guttenberg, hat folgenden Wort= laut:

Die Nachricht von dem raschen und unerwarte ten Hinscheiden Ihres Bruders erfüllt mich mit tie­jer Trauer und trifft mich schwer. Ich beklage den Tod eines der bedeutendsten Männer, dessen Wirken für das Reich so viel zu hoffen blieb. Gott tröste Sie über den Verlust eines geliebten Bruders. W. J. R."

Die Nachricht von dem Hinscheiden des Staats­

setretärs v. Kiderlen hat in allen ausländischen politi­schen Kreisen aufrichtige und schmerzliche Teilnahme her­vorgerufen. Alle Blätter widmen dem Staatssekretär Nachrufe, in denen sie seines kraftvollen, zielbewußten Wirkens in der Leitung der Politik Deutschlands denken denken Oesterreich Ungarn besonders verliere

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tosend das glänzende Fell streichelte; der Hund gab durch Schweifwedeln zu erkennen, daß er seinen Gebieter verstand.

Rost Iteß sich ermüdet auf ihrem Lieblingsplatz nieder, und den Kopf an einen Baum lehnend, begann sie bittend: Laß mich ein wenig hier ausruhen, Onkel. Ich komme bald nach. Bis zum Mittagessen ist fast noch eine Stunde, also noch viel Zeit."

Ich weiß schon, Du kannst hier nicht vorübergehen, ohne zu rasten; bleib nur nicht zu lange, Kind, ich gehe derweilen heim, und sehe, was es Gutes zu essen gibt." Damit wollte er wetter gehen, doch Röschen rief ihm nach: Hast Du nichts get, Onkel, ist der neue Besizer des Schlößchens drü... schon eingetroffen?" " Ich weiß nichts davon, Roji."

,, Wäre wohl neugierig, wie er aussieht; vielleicht jagt er mich hier fort, wenn er mich sieht; jedenfalls ist es ihm nicht angenehm, wenn jemand seine Einsam­teit stört, soll ja ein gar scheuer Vogel sein."

Aber doch ein herzensguter Mensch, wie sein Diener mir neulich versicherte; na, wir werden ja sehen, also abwarten!"

Der Alte nickte seinem Liebling noch einmal zu, dann verfolgte er langsamt seinen Weg weiter, während Waldmann, der, wie der Förster stets sagte, Röschen tief in sein Hundeherz" eingeschlossen hatte, bet dem jungen Mädchen zurückblieb und den mächtigen Kopf in deſſen Schoß legte.

Eine ganze Wetle faßen sie still, als Röschens Blick zufällig auf die vom Turme des Schlosses wehende Fahne ftel: Aha, der Herr Doktor Gerhard Malljar ſcheint also doch schoren, uturmelte das Mädchen. da zu sein, oder zum mindesten

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bald erwartet zu

Der Strohhut lag auf der Bant, Röschen hatte ihn der Hize wegen abgenommen.( Fortsetzung folgt.)

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