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Des Kaisers Mittelmeerfahrt und der Krieg. nen Teil der fachlichen Einwendungen, die gegen die

Der Staatssekretär des Auswärtigen Amtes, Herr v. Kiderlen- Wächter, der am Sonntag mittag piößlich zum Kaiser in das Berliner Schloß befohlen wurde, batte, wie aus informierten Kreisen verlaufet, die Auf­gabe, sich angesichts des unerwarteten Bombardements Ber türkischen Hafenstadt Beirut und der unfraglich her­vorbrechenden Kriegsleidenschaft der Türken über die Opportunität der Kaiserreise nach dem Mittelmeere und die Möglichkeit einer Friedensvermittelung von deut­scher Seite zu äußern. Die Unterredung dauerte sehr lange, und ihre Ergebnisse dürften zunächst verhüllt bleiben. Schon am 20. März soll die von den Offiziösen noch unlängst bestrittene Fahrt begonnen werden, und an eine Kaiserbegnung in Wien wird sich nach unver­bürgten Gerüchten ein zusammentreffen des Kaisers mit dem Könige von Italien schließen. Es ist natürlich unvermeidlich, daß der Tripoliskrieg im Vordergrunde der persönlichen Erörterungen unter den Monarchen stehen wird, wenn der Kaiser an dem Reiseplane fest­hält, und daß über die Lösung der einer europäischen Katastrophe zutreibenden Frage beraten werden muß.

In deutschen politischen Kretsen müssen leider die Bedenken steigen, ob sich die deutsche Diplomatie der schwierigen Lage gewachsen zeigen wird. Es fehlt nicht an wohl zu beachtenden Stimmen, die verfünden, daß Tripolis unter Umständen für Deutsch­land eine größere Gefahr werden könne, als das kaum erledigte Maroffo. Wie soll Deutschland der Erbitte= rung in der Türket entgehen, des einzigen Staates au­Ber Desterreich, in dem wir uns wirklicher Sympathien erfreuen, wenn wir uns immer offenfundiger auf die italienische Seite schlagen.

Erbanfallsteuer von fonservativer Seite erhoben wer­den, zu beseitigen und im Einvernehmen mit den Kon­servativen und dem Zentrum die Deckungsfrage zu lösen.

im Beamtenwünschen zu entsprechen, werden im Landtage wie im Reichstage Anträge auf Aenderung der neuen Klassifikation der Orte für die Bemessung der Wohnungsgeldzuschusses vorbereitet. Wie der na­tionalliberale Landtagsabgeordnete Keil und der fret­sinnige Abgeordnete Delius in einer 1000 Mann star­ten Beamtenversammlung in Halle erklärten, bereiten sowohl die nationalliberalen wie die freisinnigen Fraf­tonen des Landtages und des Reichstages Anträge vor: die Staatsregierung möge wegen der im Wohnungs­geldzuschuß deklassierten Orte schleunigst erneut Erwä­gungen anstellen.

Die Türfen erklären, daß sie in diesem kritischen Augenblicke ihre Erwartungen auf Deutschland seßen, das sie immer als thren einzigen selbstlosen Freund betrachteten. Die aus Konstantinopel eingehenden Drahtnachrichten lassen leider erkennen, daß die Rück­wirkung der Beschteßung Beiruts durch die italienischen Kriegsschiffe für uns eine höchst ungünstige ist. Auf­richtige Deutschenfreunde in der Türket fordern, daß die Leitung des Deutschen Reiches, deren Ratschlägen man nun seit fünf Monaten folgte, Italien endlich ein­mal zur Gerechtigkeit mahnen möge. Man rechnet am Bosporus indes schon damit, daß Deutschland auch jetzt wieder seine Hand über die Italiener halten werde. Un­sere gewichtigsten Interessen im Orient weisen uns auf gute Beziehungen zur Türkei gebieterisch hin, und des­halb müssen wir mit Sorge wegen der ferneren Ent­wickelung des italienisch- türkischen Krieges erfüllt wer­den.

Die türtischen Repressalien gegenüber Italien. Wie verlautet, geht der Beschluß des türkischen Minister­rats dahin, daß die Italiener aus allen Gegenden aus­gewiesen werden, welche in der Folge von der italieni­schen Flotte angegriffen werden sollten. Man behaup­tet, daß im Ministerrat eine Strömung bestanden habe, welche die allgemeine Ausweisung der Italiener ver­langte. Aber die Ansicht, daß eine teilweise Ausweisung aus den syrischen Wilajets zu verfügen sei, drang durch. Einem Gerücht zufolge soll die Regierung beabsichti= gen, auch einige der wohlhabenden Klasse angehörige Italiener aus Konstantinopel auszuweisen. Die tür­fische Regierung gab der in den Dardanellen fonzen= trierten Flotte Befehl, sich gefechtsbereit zu halten und beim ersten Auftauchen italienischer Kriegsschiffe auf diese ohne irgendwelches Verhandeln das Feuer zu er­öffnen.

Von dem krassen Realismus, der durch das Vor­gehen Italiens in die internationalen Verhältnisse Eu­ropas eingeführt ist, hebt sich die feste Bundes- und Ver­tragstreue Deutschlands wie sie namentlich in der Uebernahme des Schutzes der Italiener in der Türkei in Erscheinung trat- wohltuend ab, doch unsere Hal­tung wird nunmehr auf eine harte Probe gestellt wer­den, weil die Ausweisung aller Italiener aus der Tür­fet von den Demanen stürmisch gefordert wird. Ob der Ruf felfenfester zuverlässigkeit des Deutschen Reiches für seine Bundesgenossen ein vollwertiger Ausgleich) für das gebrachte Opfer der Freundschaft mit der Tür­tet sein kann, dürfte ebenso zweifelhaft erscheinen, wie die praktische Bedeutung der hochherzigen Gesinnung in einer Zeit, in der die auswärtige Politik der meisien anderen Mächte unter dem Zeichen des traffen Realis­mus steht. Wenn sich der deutsche Satser bei Beginn des Frühlings der albanischen Küste näherit sollte, wird man in der Türkei der Versicherungen noch mehr als sonst eingedent werden, die Kaiser Wilhelm den Demanen in so nachdrücklicher Weise gegeben hat.

Rundschau vom Cage.

Politisches.

Kleine Dadridien.

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da er an Stelle einer Brücke erbaut wurde, dem Per­sonen- wie dem Wagenverkehr. Der Tunnel beginnt in der Nähe des jedem Besucher Hamburgs wohlbes fannten Bismarckdenkmals, also unweit der Elbe, und führt von hier fast senkrecht zum Flußlauf nach Stein­wärter hinüber. Dadurch wird der Weg nach diesem früher nur über die neue Elbbrücke zu erreichenden Stadtteil bedeutend abgekürzt. Was dem Besucher zu­nächst auffällt, ist der Umstand, daß zu dieser untertr­dischen Brücke nicht etwa eine Rampe hinabführt, son­dern, daß der Zugang zum Tunnel auf beiden Uferset­ten je durch einen senkrechten betonierten Schacht von 20 Meter Tiefe und etwa demselben Durchmesser ver­mittelt wird. Alles was den Tunnel benutzen will, Wagen mit Gespann sowie Fußgänger- muß vermit­telst gewaltiger Aufzüge in die Tiefe befördert werden. Diese Anordnung erwies sich deshalb als notwendig, weil es an Raum zu einer Zufahrt fehlte. Jeder Schacht besitzt nicht weniger als sechs solcher Aufzüge, die teils für Wagen, tells nur für den Personenver­fehr bemessen sind. Die beiden größten derselben be= fißen eine Plattform von 30 Quadratmeter und ver­mögen Lasten bis zu 10 Tonnen zu tragen. Mitunter fommt es vor, daß sämtliche Aufzüge nur dem Perso­nenverkehr dienen. In diesem Fall jollen in einer hal­ben Stunde rund 7000 Menschen befördert werden kön­nen. Aus den Aufzügen, die natürlich elektrisch betrie= ben und erleuchtet werden, gelangt man in den doppelt ausgeführten Tunnel, der im mittelsten Teile wagerecht liegt, nach beiden Seiten hin aber etwas ansteigt. Er besteht aus etfernen Röhren von 6 Meter Durchmes­ser, die jedoch innen eine starke Betonbekleidung tra= gen, sodaß sich der Durchmesser auf etwa 4 Meter ver­ringert. Diese Röhren bestehen wieder aus schmalen eisernen Ringen, die nach und nach, in dem Maße wie der Tunnelbau fortschritt, eingefeßt wurden. Die Länge des Tunnels beträgt 450 Meter, die Tiefe unter dem Elbgrund 6 Meter. Die Schächte sind durch Hallen überdeckt. Vier Jahre dauerte der gewaltige Bau, der eine Glanzleistung moderner Ingenieurtechnik darstellt, und dessen Besichtigung kein Besucher Hamburgs ver= säumen sollte.

Das Luftschiff. 2. 11" ist von der Militärver­waltung am Montag übernommen worden, nachdem es noch einmal eine erfolgreiche Höhenfahrt unternommen hatte. Das Luftschiff erreichte die von der Militärver­waltung vorgeschriebene Höhe von 1500 Meter mit Leichtigkeit.

Der Leipziger Speditionsarbeiterstreit ist Montag abend nach etwa zehnstündiger Verhandlung zwischen den Parteien durch erhebliche Zugeständnisse der Ar­beitgeber beigelegt worden. Die Arbeit wird Dienstag früh wieder aufgenommen.

Die Krife im englischen Kohlenbergbau. Die Berg­arbeiter des Bezirts Chesterfield haben Montag mittag die Arbeit niedergelegt, da der Kündigungstermin ab­gelaufen ist. Unruhen sind bisher nicht vorgekommen. Die Bergwerke bewilligten den Arbeitern die Hälfte ihrer Forderungen.

Der Kaiser wird nach den bisherigen Dispositionen am Sonnabend, den 19. März Berlin verlassen und am 20. März in Wien eintreffen, wo er als Gast des Kai­fers Franz Josef in der österreichischen Hauptstadt bleibt. Am Abend desselben Tages reist er nach dem österreichischen Kriegshafen Pola, wo er mit dem Erz­herzog Franz Ferdinand zusammentrifft. In Bola wird der Kaiser an Bord der Hohenzollern" gehen und am 22. März in Venedig eintreffen. Hier findet eine Zu­fammenkunft mit dem König Viktor Emanuel statt, der eigens von Rom nach der Lagunenstadt kommt. Am felben Abend geht die Hohenzollern nach Korfu in See, wo die faiserliche Familie 3-4 Wochen verweilen dürfte. Die Kaiserin wird ihren Gemahl nicht beglet­ten, sondern die Reise etwas später antreten.

Zum Umbau des fächsischen Stammschlosses Wettin bei Halle als Museum und Beteranenheim stifteten Gönner 200 000 Mart. Der Umbau wird sofort in An­griff genommen. Die Einweihung findet bei den dies­fährigen Kaisermanövern statt. Der Kaiser und der Kö­nig von Sachsen nehmen daran teil.

Der Kampf um die Erbanfallstener. Die freifon­servative Berliner" Post" erfährt aus wohlunterrich teter" Quelle, daß die Regierung keineswegs die Erb­anfallsteuer aufgegeben habe, sondern augenblicklich den Blan erwäge. fie mit einer Besteuerung des mobilen Kapitals zu verbinden. Auf diese Weise hoffe man et=

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Unter Feinden.

Roman von Karl Matthias. ( Nachdruck verboten.)

Wegen Mädchenhandels wurden in Elberfeld die Eheleute Thomas aus Dortmund verhaftet. Sie woll­ten ein junges Mädchen nach dem Auslande verkup­peln und hatten ihr Opfer schon auf den Bahnhof ge­bracht, als die Polizei sie verhaftete.

Künstlicher Kantfchut. Wie aus Petersburg berich­tet wird, ist es dem bekannten Chemieprofessor Misthety gelungen, die Frage der Herstellung von fünstlichem Kautschuk zu lösen. Es heißt, daß dieser Kautschuk ein ebensolches Aussehen wie der natürliche habe und daß auch bei der Verarbeitung dieselben Resultate wie bet dem natürlichen erzielt werden. Der Kostenpreis ist 23 Rubel per 100 Bud.

,, Doktor Dieutgarde?" " Ist nicht zu Hause. Er befindet sich im Offiziers­Kasino auf der Esplanade."

Tödlich verunglückte Montenre. In der Bochumer Gußstahlfabrik waren dret Monteure an einem 40 Wee­ter hohen Wasserturm mit Reparaturarbeiten beschäf­tigt, als plößlich das Gerüst ins Wanken kant. Gin Monteur konnte sich durch Abspringen retten; die bet­den anderen wurden getötet.

Schon gut; wenn ich den Doktor verfehlen sollte, melden Sie ihm, daß man in der Villa Bourlter bei Bazeilles auf ihn wartet. Es ist Gefahr im Verzuge."

Im Expreßzug betäubt und beraubt. Auf der Rück­fahrt von Monte Carlo nach Nizza wurden einer Ba­riserin achtzehnhundert Frant gestohlen. Der Dieb hatte sein Opfer durch Chloroform eingeschläfert.

Eine weite Reise, mein Herr; aber ich will fedes Wort ausrichten. Eilen Ste nur nach der Esplanade, Sie finden den Doktor sicher; wo es feucht ist, geht er nicht so leicht fort."

Waldemar hörte die ironischen Worte des Alten nicht mehr. Er sprang wieder in das Gtg und fuhr zum Kasino.

Humor in Schüleraufsätzen.

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Im November v. J. hatte der Geh. Kommerzienrat Lingner in Dresden ein Preisausschreiben für die Schüler der oberen Klassen der Dresdener Bezirks­und Bürgerschulen erlassen; die Kinder hatten Auffäße über die beiden Fragen zu liefern: Was bedeutet die Gesundheit für unser Leben, und was muß ich tun, um sie mir zu erhaben?" und" Was hat mich auf der inter­nationalen Hygieneausstellung am meisten interes­fiert?" Die eingelieferten Aufsätze lieferten ein glän= zendes Zeugnis ab für den Ernst und den Eifer, das Erinnerungsvermögen und die große geistige Regsam­feit, sowie für das enthusiastische Interesse, mit dem die Kinder den lehrreichen Darbietungen der Ausst lung gefolgt waren. Selbstverständlich fehlte es in den Srbeiten auch nicht an jenem unfreiwilligen Humor, den Kinder bei allen möglichen Gelegenhetten zum Besten geben, besonders gern in Auffäßen, bet deren Anfertt­gung sie etwas hervorragend Gescheites sagen möchten. Es jeten aufs Geradewohl aus der großen Zahl der für den Preisbewerb geschriebenen Auffäße ein paar Broben entnommen.

Eine folgenschwere Kesselerplosion ereignete sich auf der Partier Dampfstraßenbahn. Als der Mascht­nist abstieg, explodierte plötzlich der Kessel der Straßen­bahn. Die Decke des Wagens wurde eingedrückt und die Fensterscheiben zertrümmert. Elf Fahrgäste wurden verlegt, darunter einige sehr bedenklich.

Im Gegensatz zu den anderen Häusern der Stadt war das Militärgebäude hell erleuchtet. Die Offiztere der Garnison feierten zweifelsohne ein lustiges Gelage. Ihr lautes Lachen und das Klirren der Weingläser flang Tyrolt entgegen, als er die breite Treppe zum Hauptsaale emporstieg.

Aus dem Reiche der Technik.

Vom Elbtunnel in Hamburg. Bei einem Besuch, den ich fürzlich der Stadt Hamburg abstattete, so schreibt ein Mitarbeiter der Frankft. 3tg.", hatte ich Gelegenhett, den im Dezember 1911 er­öffneten Elbtunnel zu besichtigen. Dieser hat die Auf­gabe, das Zentrum Hamburgs mit den jenseits der Elbe gelegenen Gebieten direkt zu verbinden und dient,

Oben angekommen, sandte er eine Ordonnanz hi­nein und hatte die Genugtuung, daß der Gesuchte nach wenigen Minuten, sich in seinen Mantel einhüllend, erschien.

" Ich war bereits im Begriff, nach Hause zu wan­dern," bemerkte er, dem Wartenden zunickend.

Herr wirklich feinen Schaden genommen, holte man mich aus dem Beite."

" Ich tomme, Sie nach der Villa Bourlier bei Ba­zeilles zu fahren, Herr Doktor. Das Fräulein ist er­frankt, nachdem sie mit knapper Not aus den Fluten der Maas gerettet wurde."

So schreibt ein Knabe:" Täglich gehe ich zettig schla­fen und stehe sehr früh auf. So erlangte auch der greife Brinzregent von Bayern ein langes Leben!" Ein zwet­ter behauptet: Der Mensch ist aus den feinsten und funstsinnigsten Organen aufgebaut." Bet einem ande­ren verschieben sich die Begriffe, indem er sagt: Sind fremde Körper in das Ohr eingedrungen, so träufelt man solange Del hinein, bis das Tier getötet ist." Als ein zukünftiges sozialpolitisches Genie präsentiert sich ein Dreizehnjähriger, der angibt, er hätte sich in der Ausstellung em meisten für die Landflucht" interef= siert, und er eröffnet folgende schöne Berspektive: " Wenn die Wohnungsnot in den Städten noch weiter zunimmt, wird die Gesittung des Volfes roher, und es könnte leicht vorkommen, daß kein Plaz für Verbre­cher da wäre, weil die Leute förmlich gezwungen wer­den, sich in das Gefängnis zu bringen." Ein zartbefat= teter Junge erklärt: Die Zahntrankheiten fahen auch schlecht aus, sodaß ich ste gar nicht angesehen habe."

Ein Ruf des Entzückens glitt über Waldemar's Lippen. Wie von einer Zentnerlast befreit, hob sich seine Brust.

Doktor, Sie geben mir das Leben durch diese Nach­richt!" rief er, dem Arzte die Hand schüttelnd. Nun aber kommen Sie schnell schnell!"

Weiß schon. Der Herr Erleutnant Bourlier ist da örinnen und feiert seine eigene Nettung bet Sett und Spiel. Er ist mit seiner Schwester zusammen ins Waffer geplumpft. Um au untersuchen, ob der kostbare

Wollen Sie nicht einige Worte mit dem Herrn Erleutnant sprechen?"

,, Nein, gar nicht nötig. Es genügt mir, thn am Leben zu wissen. Wir haben keine Zeit zu verlieren. Das Fräulein steht an der Schwelle eines tödlichen Nervenfiebers."

,, Dann also voran," sagte der Arzt entschlossen ,,, tch nehme noch einige Medikamente aus unserer Apotheke mit. Es ist gut, wenn man dergleichen zur Hand hat."

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Ein für elektrische Probleme begeisterter Knabe hatte sich den Apparat zur Demonstration der Ueberlet­fung des Gefühls durch die Nerven zum Gehirn und der Reaktion des Gehirns auf die Muskeln angesehen und schreibt nun darüber mit der größten Begeisterung: So sieht man, daß die Natur schon vor sechstausend Jahren kannte, was der Mensch von sechzig Jahren erfand." Dieser Junge scheint überhaupt ein kritischer Denfer zu sein, denn in der Abteilung Nahrungsmit­tel" fommt er zu folgender Reflexion: Fleisch, Käse, Nudeln, Brot, überhaupt Gebäck zu färben, ist verbo­ten. Dagegen Wurst zu färben, ist Privatsache." Au­ßerordentlich selbstbewußt ist ein energischer Knabe, der folgende Kritif abgibt: Ein anderer Apparat bewies,

Nachdem der Doktor sich mit einigen Pulvern und Pillen vorgesehen hatte, stiegen beide Herren in den Wagen und sausten über die Straßen und längs des Walles durch das Festungstor ins Freie. Unterwegs erzählte Herr Dieugarde, was er über Oliviers Ret­tung erfahren hatte. Wie Waldemar angenommen, hatte der Strom das Boot mitsamt seinem lebendigen, zappelnden Anhängsel in das Schilf getrieben. Mit Anstrengung hatte Olivier das Ufer gewonnen und wetternd war er über die Wiese geschritten, die zur Chaussee führte. Seine Stimme war von den Offizieren, welche von Dieuze zurückkamen, gehört worden. Ste hatten den vor Nässe und Kälte Schauernden aufgenom men, mit Kognak gestärkt und erwärmt und ihn im Kasino mit trockenen Kleidern verschen.

,, Desiree ist nicht wieder zu sich gekommen, und feine Nachricht von Olivier. Ich verliere den Verstand," jammerte er.

Bei Balan suchten die Leute noch immer. Tyrolt Lohnte sie ab und schickte sie nach Hause. Dann erreichte er nach wenigen Minuten die Villa Bourlier.

Der Arzt überließ es seinem Führer, den alten Herrn über das Schicksal seines Sohnes aufzuklären. Er legte den Mantel ab und begab sich, von Frau La­randal geleitet, an das Krankenbett.

Der Hausherr fam ihm mtt verstörten Blicken entgegen.

Olivier ist in Sedan," erzählte Tyrolt. Ich fand thn im Kasino in lustigster Gesellschaft."

Er lebt und läßt uns in solcher Angst? Was hal­ten Sie von solcher Rücksichtslosigkeit?"

Sie erklärt sich durch den Leichtsinn seiner Kame= raden," antwortete Waldemar achselzuckend. Einmal in ihrer Gesellschaft, haben sie Olivier nicht mehr fortgelassen."

,, So hätte er einen Boten schicken müssen." ,, Bei der Nacht hat das Schwierigkeit." Und das Schicksal seiner Schwester? Gilt ihm das gar nichts?"

Er freut sich zunächst seiner eigenen Rettung. Das tst ein natürlicher Egoismus. Vielleicht hat er auch bemerkt, daß ich Fräulein Desiree rettete."

" In seiner Todesangst? O gewiß nicht. Er denkt eben nur an sich. Er hat kein Herz- fein Herz!" Der Fabrikdirektor schwieg. Er konnte dem Alten nicht widersprechen.

VI.

Der Zustand Desiree's war glücklicherweise nicht so gefahrdrohend, wie man angenommen. Der Arzt weckte sie nicht aus ihrem Schlafzustand, er ließ sie un­bewußt in einen ruhigen Schlummer hinüberdämmern. Die Pulver, welche er mitgebracht, übten gute Wirkung aus, und nachdem sich der Doktor unter dem Verspre= chen, am nächsten Tage wiederzukommen, entfernt hatte und von Baptist zurückgefahren worden, verab­schtedete sich auch Tyrolt, um die Ruhe aufzusuchen, die er dringend brauchte.

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