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Gießener Beifung

( Neueste Nachrichten)

Bezugspreis 40 pfg. monatlich verteljährlich 1,20 Mt., vorauszahlbar, frei ins Haus. Abgeholt in unserer Expedition oder in den Zweig­ausgabestellen vierteljährlich 90 Pfg. Erscheint Mittwochs und Samstags. Redaktion: Selters­weg 83. Für Aufbewahrung oder Rücksendung nicht verlangter Manuskripte wird nicht garantiert. Verlag der ,, Gießener Zeitung" G. m. b. H.

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Nr. 17.

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Telephon: Nr. 362.

Hus Stadt und Land.

Gießen, den 28. Februar 1912.

Samstags liegt für die Stadtabonnenten der

Illustrierte Wochen- Anzeiger

gratis bei.

Expedition: Seltersweg 83.

Mittwoch, den 28. Februar 1912.

hatten, an dem Mahle mit teilnehmen und seinen un­gebetenen Gästen den Fußpfad nach Rimbach zeigen. Nach einer längeren Strecke Weges entließen die Zi­geuner ihren Gastgeber und Führer mit vielem Danke unversehrt, so wird der Offb. 3tg." berichtet.

n Gießen. Zur Begründung einer Bezirksgruppe Gießen des Bundes Jung- Deutschland fand o Lauterbach. Der Gendarmeriekommandeur fürzlich im Sizungssaal der Stadtverordneten eine Be­Oberst Schmitt aus Darmstadt hat hier Quartier sprechung statt, zu der eine größere Anzahl Vertreter der staatlichen und städtischen Behörden, des Regiments, der genommen, um die Leitung der gegen die Mörder des Geistlichkeit, der Schulen, der gewerblichen Verbände und Försters Romanus, die Zigeuner Gebrüder Ebender und Reichardt, unternommenen Aktion zu übernehmen. der Turnerschaft erschienen war. Prof. Dr. Mitter­maier, der von der am 31. Januar in Darmstadt ab­41 Fuß- und 6 berittene Gendarmen sind aus dem gehaltenen Gründungsversammlung des hessischen Lan­Großherzogtum zusammengezogen worden, außerdem desverbandes mit der Gründung der Bezirksgruppe Gie- find alle Grenzorte mit 4 und mehr Beamten besetzt. ßen, die sich mit dem Kreis Gießen decken soll, betraut Trotzdem wagt sich kein Mensch mehr in die Wälder. Die Frau des Ebender, sowie mehrere andere Weiber worden war, bezeichnete als Aufgabe der Ortsgruppe sind bereits verhaftet. Auf die Ergreifung der Mörder die Zusammenfassung und Kräftigung aller Vereinigun­gen, die sich auf diesem Gebiete betätigen, Anregung zur hat der Regierungspräsident in Kassel 1000 Mark aus Gründung solcher Vereinigungen, wo sie noch gesetzt. Zur Verfolgung der Zigeuner hat sich auch ein fehlen, freiwilliges Försterkorps gebildet. End­Abhaltung von Vorträgen und Ausbildungskursen fürlich haben sich kleinere Abteilungen von Kriegervereinen Turnen, Spiele usw. Es wurde ein Ausschuß gebildet, der die weiteren Vorbereitungen betreiben soll.

n Gießen. In der philosophischen Fakultät habi­litierte sich am letzten Samstag 24. Februar, Lehr­amtsassessor Dr. Albert Peppler mit einer öffentl. Probevorlesung über die Temperaturverhältnisse der freien Atmosphäre nach aerologischen Forschungen.

n Gießen. Zum Nachfolger von Geh. Justizrat Prof. Dr. Biermann in der juristischen Fakultät wurde der a. o. Professor hierselbst Dr. jur. Hans Albrecht Fi­scher als Ordinarius berufen. Fischer ist 1874 zu Schön­berg im Fürstentum Ratzeburg geboren. Am 14. Dezbr. 1903 wurde Fischer a. o. Professor in Rostock als Nach­folger von Prof. Binder und siedelte am 1. Oktober 1909 nach Gießen als etatsmäßiger a. o. Professor und Nach folger von Prof. Dr. P. Kretschmar über. Fischers spezielles Forschungsgebiet ist die zivilrechtliche Scha­denersatzschuld. Aus diesem Gebiet sind bisher ver= öffentlicht zwei größere Monographien: Der Schaden nach dem B. G. B."( 1903) und Die Rechtswidrigkeit mit besonderer Berücksichtigung des Privatrechts". ( 1911.)

n Gießen. Prof. Dr. med. Erich Opi 3, Mit­glied der Akademie für praktische Medizin und Direktor der Frauenklinik in Düsseldorf, hat einen Ruf an die hiesige Universität als Nachfolger von Professor von Franquee erhalten.

n Gießen. Der Rangierer Nagel, der im Bahn­hof zu Hirzenhain verunglückte, ist seinen Verletzungen erlegen.

n Gießen. Das Kalkwerk und die Dampfziegelei A. Gabriel jun. sind durch eine Gesellschaft erworben worden, die sich unter der Firma Kalfwerk und Dampf­ziegelei Abendstern, G. m. b. H., in Gießen gehildet hat.

o Gießen. Der Voranschlag des Wasserwerks In­heiden, der in Einnahme und Ausgabe mit 858 500 m. abschließt, sieht einen Reingewinn von 201 678 Mark vor, von dem 48 000 Mt. zur Deckung ordentlicher Aus­gaben der Provinz, 50 000 Mk. zu den Betriebskosten des Elektrizitätswerks Wölfersheim und der Rest von 103 678 Mt. als außerordentliche Rücklage oder zur verstärkten Tilgung verwendet werden soll. Von Frankfurt sind für Wasserlieferung 798 750 Mt. in Ein­nahme gesetzt. Für das Elektrizitätswerk Wölfers heim bewilligte der Provinziallandtag einen Nachkredit von 1 100 000 Mt. zu Erweiterungsbauten. Das Geld soll durch eine 4prozentige Provinzialanleihe beschafft

werden.

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o Hungen. Unsere Stadtverwaltung hat 105 000 Mark zur Erbauung einer sechsklassigen Volksschule mit Schuldienerwohnung und Wohnung für einen Schul­verwalter bewilligt. Jm Erdgeschoß des Hauses ist eine Badeanstalt vorgesehen, die der gesamten Bevölkerung in werden unserer Gemeinde zur Benützung überlassen

soll.

o Lollar. Brauereibesitzer Göbel in Niedershau­sen verkaufte sein hiesiges Haus( Gasthaus zur Linde) nebst Wirtschaft für 54 000 Mark an den seitherigen Pächter Heinrich Hoffmann.

o Alsfeld. Der Förster des Forsthauses Benge­rode, das mitten in dem großen Walde zwischen Gre­benau und Schlitz liegt, wurde in der Nacht gegen drei Uhr von 12 gut bewaffneten Zigeunern unter Drohun­gen zum Deffnen des Hauses gezwungen. Der Förster mußte ein Reh zubereiten, das die Zigeuner mitgebracht

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und Feuerwehrleuten bewaffnet. Auf diese Weise soll der ganze Kreis Fulda und ein Teil des Kreises Schlüch­tern durchstreift werden. Drei Zigeuner überfielen in der Nacht zum 26. Februar eine Fabrikanlage bei Hünfeld und räumten den ganzen Geflügelhof aus. Einige Zi­geuner sind bereits gefangen, doch gelang es bisher nicht, die Haupttäter, die Gebrüder Ebender, festzuneh­Vom Marburger Jägerbataillon sind 40 Mann unter dem Kommando eines Oberleutnant nach Fulda zum gleichen 3wed kommandiert.

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o Friedberg. In diesem Jahre sind aus dem Friedberger Lehrer- Seminar 50 Seminaristen entlassen

worden.

o Offenbach. Die Stadtverordneten haben der Umwandlung des Elektrizitätswerkes in eine Ueberland­zentrale zugestimmt.

):( Wiesbaden. Johann Jakob Söhnlein, der Gründer und frühere langjährige Chef der Rheingold Söhnlein& Co., Rheingauer Schaumweinkellerei A.-G., ist im 85. Lebensjahre gestorben.

):( Krofdorf. Die 70jährige Jubelfeier des Ge­langvereins Germania" ist nun endgültig auf den 28. und 29. Juli ds. Js. festgesetzt. Außerdem wird der Feier der erste Bundeswettstreit des Dünsberg­Sängerbundes, welcher im vorigen Jahre ge­gründet, angegliedert. Von den 6 Vereinen des Bun­des fallen 5 auf den Hinterlandbezirk. Die Einladun­gen an Gastvereine ergehen in den ersten Tagen.

):( Krofdorf. Am 25. August v. Js. wurde bei dem Metzger und Gastwirt H. Fr. eine Probe seines Breßkopfes entnommen und in dem Nahrungsmittelun tersuchungsamt Bonn untersucht. Hier stellte es sich her­aus, daß die Probe über 7 Prozent Mehl enthielt. Die Eheleute Fr. wurden angezeigt und erhielten je 15 Mt., und der Metzgergeselle Sch. 10 Mt. Geldstrafe.

):( Ehringshausen. Herr Apothekenbesitzer Schnelle hierselbst ist auf eine weitere sechsjährige Amts­dauer zum Beigeordneten der Bürgermeisterei A Blar

ernannt worden.

):( Frankfurt. Der Abschluß der Adler= werke" vorm. Heinrich Kleŋer A.-G. 1910-11 weist einen Reingewinn auf von 3 522 068 Mark( gegen 2 841 162 Mt. im Vorjahre). Der Aufsichtsrat hat be­schlossen, die Verteilung einer Dividende von 30 Proz. wie im Vorjahre auf die alten Aktien und von 15 Pro­3ent auf die jungen vorzuschlagen.

):( Wiesbaden. Die Deutsche Gesellschaft für Kaufmanns- Erholungsheime hat in ihrer letzten Ple­narsizung die Errichtung von zwei weiteren Heimen beschlossen, davon eins an der Ostsee und eins im

Taunus.

Gute Gesundheit und nenes

Leben für Geschwächte.

Gute Gesundheit ist das Geburtsrecht eines Jeden. Würden wir leben wie es die Natur verlangt, so würden wir uns immer guter Gesundheit erfreuen und ein hohes Alter erreichen. Aber die Anforderungen an unsere Lebens­kraft die Anspannung unserer Nerven, die Geschäftssorgen, die schlechte Luft, die man in großen Städten einatmet, unter­minieren unsere Gesundheit und reduzieren uns zu physischer und geistiger Schwäche, Blutarmut, Depression, Schlaflosigkeit, Schwäche, Nervenzerrüttung sind die Folgen. Ein zeitiger Gebrauch von Leciferrin wird die Kräfte wieder heben, die zerrütteten Nerven auffrischen und neue Lebensluft und Energie werden eintreten. Leciferin ift unumgänglich notwendig bei unserer jetzigen Lebens­weise und wird allenthalben gepriesen und berordnet.

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( Gießener Tageblatt)

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Telephon: Nr. 362.

24. Jahrg.

):( Worms. Die Angehörigen eines seit Jahren verstorbenen hiesigen Kaufmanns erhielten einen Wert­brief aus Amerita mit annähernd 5000 Dollar Inhalt von einem Deutschen aus Amerika, der vor über zwan­zig Jahren Kommis im Geschäfte des Kaufmanns ge­wesen und ihm die Summe von 800 Mark unterschla­gen habe.

):( Kassel. Die deutsch soziale Partei hat gegen die Wahl des Abg. Hüttmann beim Reichstage Protest eingelegt mit der Begründung, daß der Inn­ungsausschuß in Kassel, dem 2500 Handwerksmeister angehören, seine Mitglieder verpflichtet hat, für den na­tionalliberalen Kandidaten einzutreten. Dies Vorgehen sei ein ungesetzliches und habe bewirkt, daß schließlich der Sozialdemokrat gewählt sei.

):( Kreuznach. Dieser Tage wurde hier in der Rudolfhöhle in der Nähe des Kurparks ein Qued. silberbergwerk entdeckt. Kreuznach wird der erste als Substanz gewonnen werden kann. und einzige Ort Deutschlands sein, in dem das Radium

s Darmstadt. Landgerichts direktor Wilhelm 3immermann ist im Alter von 61 Jahren gestor­ben. Er war als Sohn des Hofgerichts direktors Fried­richy Zimmermann in Gießen geboren, studierte in Gie­Ben, nahm am Krieg 1870-71 teil und legte 1872 die erste, 1874 die zweite Prüfung ab.

Sozialpolitisches.

In Anbetracht der bald eintretenden Kohlen. preiserhöhung ist die Veröffentlichung nachfol gender Zeilen wohl von Interesse:

In der sozialdemokratischen Arbeiterpresse ist wieder­holt behauptet worden, die Entwickelung der Bergarbei­terlöhne habe mit der Besserung der wirtschaftlichen Ver­hältnisse in der Kohlenindustrie nicht gleichen Schritt ge­halten. Die Kohlenzechen erzielten glänzende Betriebs­ergebnisse, während den Arbeitern eine entsprechende Aufbesserung der Löhne vorenthalten werde. Demgegen­über wird in einer aus bergbaulichen Kreisen stammen­den Zuschrift darauf hingewiesen, daß der Ertrag der meisten reinen Kohlenzechen im letzten Jahre eine Ein­buße erlitten hat, während die Löhne erhöht worden sind. Von insgesamt 33 dieser Gesellschaften bezw. Ge­werkschaften wurde im Jahre 1911 ein Gesamtüberschuß von 75 784 Millionen Mark gegenüber 75 758 Millio­nen im vorhergehenden Jahre erzielt. 8 Werke ŋatten ungefähr die gleichen Ueberschüsse wie im Jahre 1910 aufzuweisen, 11 Werke konnten den Ueberschuß um mehr als 5 Prozent erhöhen, während 14 Werke einen Rückgang des Betriebsgewinnes um mehr als 5 Prozent zu verzeichnen haben. Dagegen sind vom 1. Quartal 1910 bis zum 4. Quartal 1911 die Ge­samtdurchschnittslöhne von Mt. 4,48 auf 4,75 oder um 27 Pfg. und die Hauerlöhne von 5,29 auf 5,63 oder um 34 Pfg. für die Schicht gestiegen. Der Jahresdurch­schnittslohn aller Bergarbeiter hat eine Erhöhung von Mt. 4,54 im Jahre 1910 auf 4,69 in 1911 erfahren.

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