айт
Gießener Zeitung
-
( Neueste Nachrichten)
Bezugspreis 40 Pfg. monatlich eneljährlich 1,20 Mr., vorauszahlbar, frei ins Haus. Abgeholt in unserer Expedition oder in den Zweigcagabestellen vierteljährlich 90 Pfg. Erscheint Rittwochs und Samstags. Redaktion: Seltersmeg 83. Für Aufbewahrung oder Rücksendung icht verlangter Manuskripte wird nicht garantiert. Berlag der ,, Gießener Zeitung" 6. m. b. H.
-
-
Nr. 35. Telephon: Nr. 382.
Politische Rundschau.
Deutschland.
Darmstadt. In der Hess. Zweiten Kammer rde die Regierung befragt, ob es ihr bekannt sei, im Lande vielfach über eine nicht einheitliche Handbung des Gesetzes über die VeteranenbeiIfe geklagt wird. Darüber entspann sich eine läne Aussprache, die der Regierung Anregung geben en fönnte, manche krasse Fälle einer erneuten Prüig zu unterziehen und weiter nachzuforschen, ob das sez in anderen Bundesstaaten, besonders in Preu,, milder ausgelegt wird als in Hessen. In der ersten mmmer hat der Fürst zu Solms- Hohensolms- Lich als is chußberichterstatter sich den Ausführungen in der veiten Kammer angeschlossen und beantragt, die Rerung zu ersuchen, im Bundesrat dahin zu wirken, die bestehenden Bestimmungen über die Veteranen= hilfen wesentlich gemildert werden.
Dresden. Der Kronprinz von Sachsen ist Wegleitung des Generalmajors Carlowitz in Korfu igetroffen. Der Prinz war zur Frühstückstafel nach chilleion geladen.
$
Hamburg, 30. April. Staatssekretär Dr. lbück, der Vorsitzende der Seeberufsgenossenschaft R. Frogmann, Prof. Pagel, Kapitän Polis und DirekFrahm begeben sich am 17. Mai nach Wiesbaden, T bem Kaiser einen Vortrag über die Sicher= i svorkehrungen an Bord der deutschen Pas jies dampfer, insbesondere an Bord des neuen Riesenmpfers Jmperator" zu halten.
Die Fleischpreise. Die„ Franks. Zeitg." Id aus Wiesbaden:„ Große Entrüstung in der Bürschaft hat der Beschluß der Metzgerinnung verursacht, e Mitglieder bei Konventionalstrafe von je 20 Mark Sheraussetzung der Fleischpreise zu zwingen. Der Matrod läßt bereits in gemischter Kommission das Vorjern der Innung, das einen Akt von Terrorismus un= örrester Art darstellt, auf seine Rechtmäßigkeit unterhe."
Berlin. Durch einen Erlaß des Kultusmini cs find die Direktoren der höheren Lehranstalten in reußen angewiesen worden, die Schüler vom Beh der Kinematographen Theater abzuten und sie namentlich vor dem Besuch solcher orstellungen zu warnen, in denen„ Sensationsstücke“ er Weltschlager" vorgeführt werden.
Desterreich.
Wien. Bei den am Montag stattgefundenen emeinderatswahlen für den zweiten Wahlper fielen den Christlichsozialen von den 48 zu
Unter Feinden.
Roman von Karl Matthtas. ( Nachdruck verboten.)
be=
Defree hielt, im Hochparterre angekommen, still, nanber nachzudenken, was sie zu tun im Begriff d. Welchen Weg sollte sie einschlagen? Das stürfc pochende Herz raubte thr die Ueberlegung, sie Hon fich des Zimmers nicht, wo sie Waldemar finllte. Sie hatte nur den einen Gedanken:" Bu m, zu ihm!"
da tauchten die funkelnden Brillengläser des funDottors Zimmer vor thr auf. Der mußte helfen. estre e befann sich keinen Augenblick, thre Sache dem flloh Nähertretenden anzuvertrauen.
Sie sind ein Ehrenmann, mein Herr," rief sie in nzöfifcher Sprache." Führen Sie mich, bitte, auf dem ichsten Wege zu Herrn Waldemar Tyrolt, der in Ih= m Sospital Itegt. Wollen Ste?"
Der Arzt verstand nicht recht, er hatte den Namen errort.
tanker, Leutnant Tyrolt. Sachse, kommen Ste!" cach Desiree, deutsche Worte gebrauchend. Der Jüngling machte ein langes Gesicht. Er hatte das junge Mädchen interessiere sich für ihn und te sie nach einem sächsischen Leutnant. Aber er mütig genug, ihr sofort zu verzeihen und seine Ife der Schußlosen anzu bieten. 30, fommen Sie, mein Fräulein, ich will Sie zu rolt führen," sagte er mit Würde und schritt rch einen engen Korridor voraus.
En dem Erferzimmer hatte sich indessen Wichtiges eignet. Mit Tyrolt zusammen war dort ein schwerEndeter bayerischer Offizier gebettet gewesen. Der rute war gestorben. Man hatte den entseelten Körausgetragen. Aber der Vorgang, in dessen Gede Lärm und Unruhe gewesen, hatte den alein zu
Samstags liegt für die Stadtabonnenten der
Illustrierte Wochen- Anzeiger
gratis bei.
Expedition: Seltersweg 83.
Mittwoch, den 1. Mai 1912.
setzenden Mandaten 34, den Liberalen 2 zu, während in den anderen Fällen die Christlichsozialen mit den Freiheitlichen und den Deutschnationalen in die Stichwahl kommen. Bisher befanden sich alle Mandate in den Händen der Christlichsozialen.
Italien.
Der Krieg um Tripolis. Von der italienischen Flotte im Aegäischen Meere sind das erste und das zweite Geschwader nach der Insel Astro= palia abgegangen und haben dort Truppen gelandet. Die dort versammelten türkischen regulären Truppen wurden zur Uebergabe gezwungen. Angesichts dieses Vorgehens der Italiener im Aegäischen Meere ist es verständlich, daß sich die Türkei der Forderung nach Wiedereröffnung der Dardanellen gegenüber ablehnend verhält, bis sie Garantien hat, daß sich ein italienischer Angriff auf die Meerengen nicht wiederholt. Der letzte türkische Ministerrat faßte über die namentlich von Rußland gewünschte Deffnung der Dardanellen noch keinen Beschluß.
Frankreich.
Paris, 30. April. Die Verkündigung des B e- lagerungszustandes über Fez wurde am 25. April abends bekannt. Die Konsule Deutsch= lands, Oesterreichs und Spaniens formu lierten bezüglich der ihnen durch Verträge eingeräumten Jurisdiktionsrechte Vorbehalte.
Paris, 30. April. Den an der Loire- Mündung liegenden Kreuzern„ Gloire" und„ Conde" ist der Befehl zugegangen, nach den marokkanischen Gewässern abzudampfen.
*
Amerika.
( Gießener Tageblatt)
Anzeigenpreis 20 pig.
die 44 mm breite Inseratenzeile.- Die 90 mm breite Zeile im Reklameteil 50 Pfg.- Extrabeilagen werden nach Gewicht und Größze berechnet. Nabatt kommt bei Ueberschreitung des Zahlungs. zieles( 30 Tage), bei gerichtlicher Beitreibung oder bei Konkurs in Wegfall. Platzvorschriften ohne Verbindlichkeit. Druck der Gießener Verlagsdruckerei.
Telephon Nr.: 362.
-
24. Jabra.
hielten, unbewaffnet waren und sich den Insurgenten als unbeteiligte Deutsche ausgaben, befahl der Leutnant, zu feuern. Eine Salve frachte Baron von Wahl und sein Begleiter Podlech sanken durch den Kopf geschossen tot von der Dräsine. Der dritte Begleiter sowie der Peon wurden schwer verwundet, doch gelang es ihnen, zu flüchten und völlig erschöpft den Ort Sapucay zu erreichen.
Die amtliche Statistik der Bergarbeiterlöhne
und die sozialdemokratische Presse. Bietet schon die irreführende Berichterstattung der sozialdemokratischen Presse tn 3eiten wirtschaftlichen Friedens häufig genug Anlaß zu berechtigten Klagen, so lassen diese Blätter ihrem Hang zur unwahrheit vollends die Zügel schießen, wenn es sich darum handelt, bei den von der Sozialdemokratie inszenierten Arbeiterausständen die öffentliche Meinung auf ihre Seite zu bringen. Das hat sich namentlich auch bei den letzten Bergarbeiterausständen gezeigt. Einen Beweis dafür, wie leichtfertig die sozialdemokratischen Zeitungen wäh= rend dieser Zeit bei ihrer Berichterstattung zu Werke gingen, findet man in einer der letzten Nummern der„ Bergarbeiter- Zeitung", des Organs des alten( sozialdemokratischen) Bergarbeiter- Verbande, in der die Berichtigung März ds. Js. veröffentlichten Artikels enthalten ist. eines von dem genannten Blatte in Nr. 10 vom 9.
Unter der Ueberschrift ,, Rechenkünste" teilte das Blatt in diesem Artikel seinen Lesern mit, es wolle den Schleier über die Lohnverhältnisse der Bergarbeiter lüften und öffentlichten Lohnzahlen unrichtig seien. Hätte ein Arnachweisen, daß die von der bürgerlichen Presse verbeiter in einem Monat 28 bis 30 Schichten gearbeitet, so würden in der amtlichen Lohnstatistik der Berechnung des Schichtlohnes nicht diese wirklich verfahrenen Schichten, sondern nur 25 monatlich zugrunde gelegt. Nach dieser Rechenmothode erscheine dann der Schichtlohn eines Arbeiters, der 7 Mark verdient habe, in der amtlichen Statistik mit etwa 8 Mark. Hieraus gehe hervor, daß die von den bürgerlichen Zeitungen angegebenen Lohnzahlen nur die Bestimmung hätten, der Oeffentlichkeit Sand in die Augen zu streuen.
In der südamerikanischen Republik Para guay wurden drei Deutsche von Revolutionären wiedergemacht. Im Interesse seiner Landsleute aus dem Innern hatte der frühere deutsche Offizier und jetzige Fabrikbesitzer in Villarica Freiherr Heinrich Waldow von Wahl mit zwei Kameraden, dem Feldmesser Max Podlech und einem Herrn Memmler, dem Sohn eines Bäckereibesitzers von Villarica, einige Tage in Asuncion geweilt, um dringende Geschäfte und Besorgungen zu erledigen. Zur Heimkehr erbat sich Baron von Wahl von der Eisen- zialdemokratisch organisierten Bergarbeiter auf unwahrbahnbehörde eine Dräsine. Vor diese wurden die Reitpferde gespannt und so hatten die drei nebst einem Peon bereits eine gute Strecke zurückgelegt, als die Nacht sie überraschte. Kurz vor Pirahu wurden sie von einem Picket revolutionärer Truppen unter dem Kommando des Leutnants Salinas angerufen. Trotzdem sie sofort
rückbleibenden Waldemar aus seiner Lethargie geweckt. Ms nun Frau von Tarandal bet ihm eintrat, schaute er thr in das Gesicht. Aber er erkannte sie nicht. Wie um nachzudenken, legte er seine durchsichtig weißen Finger über die Augen, ein schmerzvoller Zug huschte über sein Gesicht. Er konnte offenbar nicht mit sich ins Reine kommen.
„ Verzeihung, Madame," begann der Kranke endlich, mühsam und die französische Sprache gebrauchend. " Wollen Sie mir gütigst sagen, wo ich mich befinde."
" In der Villa Bourlier," antwortete Frau von Tarandal, unweit Bazeilles. Sie wurden verwundet"
" Ja, ich entsinne mich," sprach der Kranke, jedes Wort mühsam seiner Zunge und seinem Gedächtnisse entringend, in der Fabrik war es. Ich wollte Olivier retten, aber er stieß mir hinterrücks seinen Degen durch den Leib. Es war schändlich, undankbar und feige. Aber meine Pfleger haben mich entschädigt. Sie bette= ten mich hier in diesem Hause, wo ich so glücklich war."
Frau von Tarandal hielt sich krampfhaft am Bettpfosten fest. Waldemar hatte ihr mit wenigen Worten den ganzen Inhalt der Tragödie erzählt, welche sich in der Fabrik zugetragen. Der Verwundete war unschuldig am Tode Oliviers.
„ Sie sit sehr gütig, daß Sie nach mir zu sehen kommen," fuhr der Verwundete immer leise redend fort, sehr gütig- in der Tat-"
Die Augen schlossen sich wieder. Die Erkenntnis schten allmählich über ihn zu kommen, denn plötzlich blickte er ihr prüfend in das Antliß, welches sie, mit seiner Bandage beschäftigt, dicht über ihn gebeugt hatte.
„ Sie sind es, Frau von Tarandal?" fragte er entzückt ,,, Sie waren meine Pflegerin?"
" Ich bin es, aber erst seit kurzer Zeit. Der Zufall führte mich an Ihr Schmerzenslager."
" D, Tank, Dant, gnädige Frau! Also ist die Villa Bourlier jetzt ein Feldlazarett?"
Es wird wohl selbst demjenigen, der die Lohnverhältnisse im Bergbau nicht näher kennt, ohne weiteres einleuchten, daß die Behauptungen des Organs der so
heit beruhen. Selbstverständlich würde sich die Bergbe hörde niemals dazu hergeben, die Oeffentlichkeit in so grober Weise zu täuschen. Es ist aber auch kaum anzunehmen, daß die Redakteure der Bergarbeiter- Zeitung, die gleichzeitig die führenden Männer in der sozialdemokratischen Bergarbeiterbewegung sind und sicherlich als
" Jawohl, es liegen wohl fünfzig Patienten in diefen Sälen."
„ Und Herr Bourlier? Er ist nicht hier?" " Nein, in Sedan."
" Ich begreife, er wurde vertrieben. Aber wo ift Desiree, meine holde Desiree? Man sagte mir, sie be= fände sich mit Ihnen in Belgien. Nun sind Sie aber hier, folglich ist auch Desicee zurückgekehrt. O, gnädige Frau werde ich meine Braut wiedersehen?"
„ Unmöglich, Herr Tyrolt," sagte die alte Dame in höchster Verlegenheit. Desiree ist nicht hier. Sie be= findet sich bei ihrem Vater. Und auch ich bleibe nicht. Ich bin im Begriff, abzureisen. Ich fam nur, Abschied von Ihnen zu nehmen."
O, Sie sind ein Engel an Güte, gnädige Frau," sprach Tyrolt mit wehmütigem Dante,„ ich verlangte auch Unmögliches. Herr Bourlier wird meiner Braut nicht gestatten, mich zu besuchen. Aber Sie werden meine teure Desiree sehen, edle Frau. Sagen Sie ihr, daß ich sie noch immer liebe, daß ich troballedem die Hoffnung nicht aufgegeben habe, sie einst mein zu nennen, daß ich ihr treu bleiben werde, bis zum legten Atemzuge. Wenn mir der Himmel günstig ist und ich genesen sollte, werde ich sie aufsuchen und die Vorurteile besiegen, welche die unselige Politik, dieser Krieg, mein schreckliches Zusammentreffen mit Olivier, heraufbeschwor."
" Beruhigen Sie sich, Herr Tyrolt," bat Frau Nataly, mit Schrecken bemerkend, wie sich die blassen Wangen des Leidenden in fieberischer Röte färbten und seine Augen in unheimlichem Glanz aufleuchteten. „ Ich will alles bestellen, Desiree wird jedenfalls sehr erfreut sein, doch fürchte ich, daß Ihre Botschaft zu spät tommt."
" Was fagen Sie da, gnädige Frau," fragte er zitternd. Hat sie sich von mir abgewendet? Liebt mich meine Desiree nicht mehr?" ( Forts. folgt.)
Der Bändiger.
Ein neues Touristen- Dorado.
moritoner Man pergint, daß auch die Sanapier, um einen


