Ausgabe 
26.10.1912 Zweites Blatt
 
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Algier.

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Neues aus aller Welt.

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mehr häuft sich das Handgepäc in seinem Boote an. Aber nun hat er es nicht mehr so leicht; die Konkurrenz ist schon da.

In wenigen Minuten wimmelt es von schwarzen Gestalten. Jetzt ist alles so weit; die Passagiere sollen das Schiff verlassen. Und nun fommt etwas Merkwürdiges. Da man gar feine Ahnung hat, in welchem Boot sich sein Gepäc befindet, so ist es auch ganz gleichgültig, in welches Boot man einsteigt. Zu zahlen hat man nicht dem arabischen Boots­mann, der einen hinübergerudert hat, sondern dem, in dessen Boot sich das Gepäck nachher anfindet.

Daß, am Lande angekommen, ein fleines Tohuwabohu herrscht, versteht sich wohl von selbst. Aber ein gemütliches Tohuwa­bohu; merkwürdigerweise wird nie etwas gestohlen. Von selbst

versteht sich auch, daß der Araber, wenn er sein Geld erhalten hat, mit ganz erstaunter Miene den Touristen und dann das Geldstid betrachtet. Darin macht er es genau so wie der Italiener; fast siebt es aus, als wenn der eine bei dem andern in die Schule gegangen wäre. Aber der Tourist ist gewöhnlich recht gut unter richtet; ein Baedecker, ein Mitreisender, ein Offizier des Schiffes hat ihn instruiert, was er zu tun hat. Sobald der Araber merkt, daß sein Passagier fein Grünhorn" auf nordafrikanischem Boden ist, läßt er mit einem freundlichen Grinsen von ihm ab.

Gewöhnlich hat der Tourist schon ein Hotel in Aus­ficht. Wenn er aber dorthin gelangen will, so tut er wohl, sich sofort an den weißen Portier zu wenden, der am Rai stebt und eine Müße mit der Aufschrift des von ihm vertretenen Hotels trägt. Oder aber er wendet sich an einen der schwarzen, in ihrer zuavenähnlichen Uniform pompös aussehenden Schußleute.

Und nun beginnt der Tourist, ein paar lebende Illustrationen aus Tausendundeiner Nacht kennen zu lernen. Er wandert die breite Straße am Rai entlang und kommt in einen Palmengarten, der seinesgleichen sucht. Zur andern Seite des Palmengarten hinaus weiter am Rai entlang. Vorerst würde er es schwer finden zu sagen, wo er sich befindet, wenn er es nicht schon wüßte. Das wimmelt von Nationalitäten: Arabern, Chinesen, Japanern, Beduinen, Fellahs, Juden, Deutschen,

Eingang zum Gouvernementspalast.

Boulevard de la République.

Italienern, Engländern, Franzosen, Zuaven. Und alle, alle in ihrer charakteristischen Tracht. Der Fellah mit nicht viel mehr als einem Sack befleidet; der reiche Araber in gelben Saffianschuhen mit geschlungenem Turban und weißem, im Winde flatternden Burnus; Juden in Gewändern, die halb kaftan-, halb burnus­ähnlich aussehen, mit einem Strick um die Lenden; mohammedanische Frauen mit verschleierten Gesichtern und breiten Pumphosen; Judenfrauen mit ihren merf­würdigen, wie Zuderhüte spit zulaufenden Kopfbe­deckungen; Chinesen in Zöpfen und breiten Jaden; französische Offiziere zu Pferd und zu Fuß. Dabei bietet der Kai das Bild eines Pariser Boulevards. Ueberall Cafes, überall Tischchen auf dem breiten Trottoir und überall Menschen; ein buntes, farbenprächtiges Bild. Ein Stück weiter liegt der Regierungsplatz Place du Gouvernement. Von der sehr hübschen Moschee, der Synagoge und dem Regierungsgebäude abgesehen, würde dieser große weite Platz wenig Bemerkenswertes haben, wenn er nicht gleichzeitig der Markt und Er­holungsplatz Algiers wäre. Marft und Erholungsplatz! Was das bedeutet, läßt sich auch schwer beschreiben. Auch das muß man gesehen haben, um es nie wieder zu vergessen. Auf der einen Seite der Markt. Welch ein Markt! Buden gibt es da nicht; alles ist auf der bloßen Erde ausgebreitet. Brot, das so aussieht, wie das ungesäuerte Brot der Kinder Israels in der Wüste

wohl ausgesehen haben mag, weiß, flach, hart; Hammelfleisch), Reis und Zwiebeln. Und dann - Kuskus. Jeder Fremde weiß, was Kuskus ist, nachdem er eine Stunde auf algerischem Boden weilt. Es ist der Hochgenuß Arabiens. Es sieht aus wie sehr feinförniger Reis, der in Saffian gewälzt worden. Ueberall sind fleine Feuer angezündet, überall in flachen Schalen wird Kusfus gerieben und in Del gesotten furz, zubereitet. Und wenn dann solch ein Topf aufgehäuft voll zustande gebracht ist und das ölige Kuskus noch so heiß ist, daß wir uns bei der Berührung damit die Finger verbrennen würden, dann kommt ein Araber­weib oder ein kleiner Hassan beran, ganz ähnlich, wie wenn bei uns in Deutschland ein fleiner Junge für 5 Pfennig

In Manila.

ist allerdings viel. fach in südlichen Ländern zu finden, sodaß bei einem fleinen Tête- à- tête immer die Schran­fen gewahrt wer­den müssen.

Die Ausbreitung des Christentums hat in China in den letzten Jahren ziemliche Forts schritte gemacht. Unsere Abbildung zeigt einen zum Christentum tehrten verkäufer.

be Bibel

Drei schmude Schwarzwälderinnen.

Neues aus

aller Welt.

Manila gehört zu den egotischen Städten, die dem Touristen auf Schritt und Tritt neue Eindrüde of. fenbaren. Schon die Bauart der Häuser wirkt fremdartig. Die Balfone find bergittert, sodass die hübschen Manilac. rinnen sich wie in einem Stäfig vorkom. men müssen. Dieses Gitterarrangement

Auch Rußland hat seine Madame Yvette Guilbert. Die Wittwe eines russischen Fürsten hat mit ihrem Schritt auf die weltbedeuten. den Bretter feis nen falschen Weg e ngeschlagen, sondern große Erfolge erzielt.

Farbenpräch tige Bilder ent hüllten sich den zahlreich herbei. geströmten Gāj ten gelegentlich des am 3. Oftbr. stattgehabten

Chinesischer Bibefverkäufer.

Trachtenfestes in Wolfach im badi. schen Schwarzwald, bei dem 38 verschie­dene Trachten­gruppen in stattli­chem Festzuge auf­marschierten und dem Großherzog u. der Großherzogin b. Baden ihre Sul. digung darbrachten,

Die Begräb. nisse des Kaisers Mutsuhito und des Nogischen Ehepaa. res haben die Auf­merksamkeit auf den japanischen Totenfult gelenkt. Wie aus unserer Abbildung zu ersehen ist, mutet ein japanischer Trauerzug gar fremdartig an. Nicht nur der Garg weicht in der Gestalt bon der europischen ab, sondern auch die Trauerkleidung entspricht nicht dem abendländischen Gebrauch.

Begräbnis in Javan.