Ausgabe 
26.10.1912 Zweites Blatt
 
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Die erste Gießener Luftpost

im Anschluß an die bis Sonntag, den 27. Oktober, noch bestehende Luftpost Frankfurt- Wiesbaden.

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werfen. Gießen hat damit wenn auch nur vorüber­seine erste Flugpost erhalten. Alle Besucher gehend des nächsten Sonntag in Gießen stattfindenden Flug­festes, veranstaltet vom Luftfahrer- Verein, und nicht zuletzt alle Bewohner unserer Gegend sollten sich diese für später lokalgeschichtlich wertvolle Gelegenheit nicht entgehen lassen und durch Kauf solcher Luftpostkarten ein sichtbares Erinnerungszeichen sich verschaffen. Außer­halb wohnenden Kaufliebhabern werden gegen Vorein­sendung von 55 Pfg. pro Luft post karte und 1.05 Mt. pro Flugpost karte solche zugesandt, und zwar je nach Wunsch unab gestempelt im Ku­vert oder offen, d. h. einzeln gestempelt. Auch diese werden den Extra- Stempel erhalten. Bestellungen sind nach Gießen, Postfach 33, zu adres­sieren. Der Reingewinn von diesen Karten wird der

Das Zeppelin- Luftschiff Viktoria Luise", welches nächsten Sonntag von Frankfurt a. M. nach Gießen fährt, I and et hier auf dem Trieb. Manchem Augen zeuger dieses lokalgeschichtlichen Ereignisses wird das Veranlassung sein, das recht passende Erinnerungszei­chen in Form dieser ersten offiziellen Luftpost karic sich zu erwerben. Diese Karten erhalten den beson deren Flugpoststempel und da sie gewöhn­liche Reichspostkarten aber mit eingedruckter Extra= Marke sind, so haben diese offiziell ersten Flug= postkarten besonders für Briefmarken- und Kartensamm= ler großen Wert. Diese Karten sind nur in den eigens dazu im Laden des Papierhandlers Albin Klein, Seltersweg 83, jetzt schon und nächsten Sonntag auf dem Trieb aufgestellten Briefkästen einzu- National- Flugspende überwiesen.

von

المحا

Illustrierter

Wochen- Anzeiger

Welt- Rundschau.

Bezugspreis fürs Vierteljahr 1 Mart durch die Agenten, 1,20 Mart durch die Post und 1,50 Mark direkt unter Kreuzband.

Stadt- Anzeiger.

100 Mark Prämien erhalten unsere Abonnenten laut unseren Bedingungen.

Expedition: Gießen, Seltersweg 83.

L.J

Inserate die 44 mm breite Petitzeile 25 Pfg.; Reflame die 90 mm breite Petitzeile 50 Pfg. Extra Beilagen nach Uebereinkunft.

Frankfurt a. M., den 24. Oktober 1912.

Herrn Albin Klein, Gießen.

Auf Ihr wertes Schreiben vom 23. Ifd. Mts. teilen wir Ihnen ergebenst mit, daß sämtliche bis 27. Oktober bei Ihnen gekauften Flugpost­karten noch mit dem offiziellen Luftpost- Stempel abgestempelt werden. gez. Dr. A. Rikoff.

Diese zur Verwendung und Abstempelung bestimmten Karten müssen also unbedingt bis spätestens Sonntag Abend in den vorerwähnten Brief­fästen eingeworfen sein. Die Weiterbeförderung an die Frankfurter Zentralstelle erfolgt dann sofort in versiegeltem Beutel.

Albin Klein, Generalvertrieb der Luftpostkarten und der sog. Prinz Heinrich- Flugspende- Karte für Gießen.

Algier.

chon die Einfahrt in den Hafen von Algier wird ewig in meinem Gedächtnis bleiben. Das alte Sprichwort: Vedi Napoli e poi mori verliert angesichts der herrlichen Azurfüste seine Berechtigung. Denn Schöneres, wie sich dent spähenden Auge an einem flaren Sonnenmorgen von Bord des ankommenden Schiffes aus bietet, dürfte es faum in der Welt noch geben.

Vorerst erscheinen die Häuser noch in verschwom­menen Umrissen; an eine mit fünstlerischer Vollen­dung gemalte Theater­fulisse gemahnend. Ver­schwommen deshalb, weil alles in Blau getaucht ist, der Himmel, das Wasser, die Stadt und die Luft, die ganze Küste Azur. Und fommt das Schiff näher, und werden die Umrisse der Stadt deutlicher, so fann man nur stuntm an der Neling des Schiffes stehn und staunen. Etwas freisförmig gebogen streckt sich die Stadt am Ufer entlang; Straßean Straße terrassenförmig überein­andergebaut, als schierten sie einen Hügel empor, eine hinter der andern, folonnenartig. Hinauf, bis zum Mustapha superieur, der

mar­

Hügel­spize der Stadt. Und schon vom Schiff aus

weiter hinauf bemerkt man, wie gesagt, die merkwür digen, im altmaurischen Stil gebauten Härser, die, wo sie schlicht sind, einem weißangestrichenen Rasten ähneln.

Dem Fremden fällt auf, daß er weder Fenster noch Türen, ja nicht ein. mal ein Dach entdecken fann. Später wird ihm der Grund flar; hier auf dem Schiff fann er vor­läufig nur verwundert den Kopf schütteln.

Das Schiff fann nicht bis an den Rai heran, aber schon ertönt vom Lande her lautes Geschrei; eine kleine Flottille von Booten ist dort losge­gangen und rudert auf den Dampfer zu.

Jezt ist der erste Araber beim Schiff an gefommen; mit einem Rud hat er den mehr oder weniger weißen Burnus vom Körper ge worfen und steht in der ganzen Pracht seiner schwarzen, schlanken Glic­der da. Mit fagenartiger Geschwindigkeit flettert er an der Seite des Schiffes in die Höhe. Beim ersten Passagier, der mit einer Tasche in der Hand da­steht, macht er halt. Ein Rud, und die Handtasche hat für den Moment den Besizer gewechselt. Im fühnen Bogen fliegt sie hinunter in das Boot des Arabers, und doch wieder so geschickt, daß sie dabei nicht mehr mitge. nommen wird, als wenn ein Berliner Badträger die Handtasche eines Eisenbahnreisenden von einem Coupe ins andere befördert. Mit spähenden Augen und raschem Griff setzt unser Araber seinen Beutezug fort. Immer

Mädchen des Stammes der Duled Nail".

wundert man sich über die merkwürdige Bauart der Häuser, namentlich etwas höher den Berg hinauf. Denn vorne, direkt am Rai, erstreckt sich nur eine prächtige weiße asphaltierte Straße, flankiert von einer Reihe europäischer, eleganter Häuser; meistens Hotels. Aber