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Das Tuftige Stopenhagen.

Eine Minute später trat der Wirt ins Honoratioren­zimmer und sah das Portemonnaie Abels auf dem Tische liegen.

" Das hat dieser vergeßliche Duſe wieder zurückgelassen", dachte er, nun wird er kein Reisegeld haben,"

Er öffnete das Fenster und rief dem Hausknecht, der gerade mit einem Revolver die Spatzen von den Kirschbäumen schoß, zu, er solle Duse nachlaufen und ihm das Portemonnaie -bringen.

Der Hausknecht lief, wie er da ging und stand, in Hemdsärmeln und roter Weste, den Waldweg hinab und hatte endlich die Genugtuung, den Kaufmann in einiger Entfernung zu erblicken.

" Heda, Ihr Geld!" rief er.

Duse wandte sich um, und als er den verwildert aussehenden Menschen mit dem Revolver erblickte, der scheinbar drohende Bewegungen machte und beständig den Ruf: Ihr Geld!" ausstieß, befiel ihn ein furchtbarer Schreck und er begann aus Leibeskräften zu laufen.

Der Hausknecht aber keuchend und fluchend hinter ihm her.

Als Herr Spitz, der Kommis, gerade im Begriff war, seinen Mund auf Lottchens rote Lippen zu drücken, tat sich die Wohnstubentür auf und Frau Duse trat mit einem Päckchen ein. Das Paar stob auseinander, und die Dame, welche eine solche Ueberraschung geahnt haben mochte, be­gnügte sich, Lottchen vorwurfsvoll anzusehen.

" Herr Spig". sagte sie, mein Mann hat die Proben liegen lassen."

,, Es wäre auch furios, wenn er nichts vergessen hätte". " Solche Bemerkungen verbitte ich mir. Ohne die Proben wäre die Reise wohl verfehlt. Wo ist der Lehrling?"

" In einer wichtigen Geschäftsangelegenheit zu einem Kunden gegangen."

Ich kann mir denten, wie wichtig es für Sie sein wird. Aber da wird nichts übrig bleiben, als daß Sie selbst mit dem Päckchen sofort nach dem Bahnhof gehen. Ich werde so lange im Laden bleiben."

Der Kommis trottete davon. Glücklich überwand er die Versuchung, im Wirtshaus einzukehren. Wie er durch den Wald schritt, hörte er plöglich Stimmen und einen Schrei, der ihm aus der Kehle seines Prinzipals zu kommen schien. Er eilte nach der Richtung vorwärts und bemerkte endlich den laufenden Herrn Duse und seinen Verfolger. Auch er

Das lustige

Die Kopenhagener sind weit und breit als sehr lebenslustig bekannt. Der Lebensfrohsinn des dänischen Volkes findet seine Ursache in der berühmten dänischen Gemütlichkeit einer der National:

tugenden dieses skan dinavischen Volkes. We gen dieser Eigenschaft, dem Leben die frohen Seiten abzugewinnen, ist Kopenhagen auch eine Touristenstadt par excellence. Es dürfte fast ausgeschlossen sein, daß ein Fremder der die Hauptstadt am Derefund besucht, sich auch nur einen Augenblick lang weilt, besonders nicht abends.

Kopenhagen besitzt einen Ueberfluß an Abendvergnügungen. Außer dem National theater( am Kongens Nytorv)

faßte die Situation so auf, wie sein Chef, packte den Räuber am Kragen und rief Herrn Duse zu:

Ich halte ihn. Laufen Sie, was Sie können.

Der ermüdete Hausknecht benutzte die Gelegenheit, stehen zu bleiben und sich zu erholen. Mit einem Rud schüttelte er den Kommis von sich ab, so daß dieser ins Gras flog.

,, Verehrter Räuberhauptmann", sagte Herr Spitz, sich erhebend, schonen Sie mich. Ich bin Vater von acht uner: zogenen Kindern und habe auch nicht mehr als eine Mark fünfundzwanzig Pfennige bei mir, die ich Ihnen geben will, obwohl ich mir dafür eine Kuh kaufen wollte.

Ich bin kein Räuber", erwiderte der Hausknecht. Und weshalb laufen sie denn Leuten, die Ihnen nichts getan haben, im Walde mit dem Revolver nach.

Der Gefragte klärte nun das Mißverständnis auf, und als Spitz mit Bestimmtheit versicherte, das fragliche Porte­monnaie gehöre nicht seinem Prinzipal, kehrte der Haus= knecht mit demselben zurück. Der Kommis aber ging nach dem Bahnhof, wo er Herrn Duse noch antraf. Mit größerer Liebenswürdigkeit, als er sie je seinem Kommis erwiesen hatte, kam jener ihm entgegen und drückte ihm die Hand, die er wiederholt schüttelte.

" Wie sind Sie mit dem Räuber fertig geworden?" fragte er.

Seien Sie unbesorgt Herr Duse, der wird Sie nie mehr belästigen.

Wie? Um Himmelswillen, Sie haben ihn doch nicht getötet?"

" Nicht ganz, aber beinahe. Ich warf ihn zu Boden und er mußte mir schwören, daß er sein ganzes bisheriges Leben bereue und daß er von nun an ein treuer Kunde unseres Geschäftes sein werde."

,, Wie soll ich Ihnen danken, lieber Freund! Wie leicht hätte es um mich geschehen sein können?"

" Das ist wahr, Herr Duse, und das wäre sogar mein Vorteil gewesen, dann hätte mir Niemand mehr Lottchen streitig gemacht."

Das will ich auch nicht tun, lieber Spitz." Wenn Sie nur bei ihrer Vergeßlichkeit " Nein, nein," lachte Duse, sobald ich zurückkomme, dürfen Sie sich als Lottchens Bräutigam betrachten."

Herr Duse hielt Wort. Und wenn auch die Wind­beuteleien seines Kommis später offenbar wurden, so änderte dies nichts an dem Glück des jungen Paares.

Kopenhagen.

Theater( Lustspiele und Operetten). Außerdem beſißt es drei

Vorstadttheater

-

Nörrebros, Sönderbros- und Frederiks berg- Theater, wo das Publikum zu der leichten dramatischen Kunst sein Butterbrot und sein Pilsner ge= nießen kann. Wer sich mit dem spezifisch Kopen­hagener Revue- Genre­mit seinen zahlreichen, auf lokale Personen und Berhältnisse anspielen= den wizigen Kuplets bekannt machen will, dem kann in den Som­mermonaten das Frede riksberg Theater empfoh­len werden.

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Das frohe dänische Sommerleben konzen triert sich um Vesterbros Passage. Hier ist es das Tivoli", der welt­berühmte schöne Som mergarten im Herzen der Stadt, der sich der größten Popularität er­freut. Das Tivoli" bildet in den Sommer monaten den Hauptvergnügungsort der Fremden wie der Kopenhagener. Im letzten Sommer besuchten nicht weniger als 830 000 Personen den Vergnügungsort.

das neben dem Drama auch die Eingang zum Tivoli. Oper und das Ballet pflegt und für das vor­nehmste Theater des Nordens gilt( Saison von September bis Juni) besitzt die dänische Hauptstadt vier große Privattheater, das Kasino( großes Operettentheater), das Dagmartheater( für moderne fremde und dänische Dramen) das Folketheater( für Lustspiele und Farcen) und das neue

Jeder, der Kopenhagen auch nur dem Namen nach kennt, weiß, daß es hier ein Tivoli" gibt. Und mit vollem Rechte

Im nordischen Venedig.

menschliche Ansiedlung nicht möglich ist und die Vögel und Fische daher weniger systematisch gefangen werden können, an diesen Stellen, die Vogelberge genannt werden, ist ihre Zahl nach Hunderttausenden. Man fönnte glauben, daß diese Ziffer eine Uebertreibung ist, aber das ist sie ganz gewiß nicht. Der berühmteste dieser Vogelberge ist der Hjelminosostauren". Nähert man sich diesem, so sieht man schon von Weitem große weiße Flächen erscheinen, die wie Schneefelder aussehen. Aber es sind Vögel, Eidervögel, Möben usw., die hier zusammengefauert nisten. Ist das Touristenschiff bei diesem Felsen angelangt, so wird ein Böllerschuß ab­gegeben und zu den tausenden Vögeln, die in der Luft schwirren, gesellen sich aufgeschreckt Zehntausende und Zehntausende. Nach einem zweiten Böllerschusse schwirren abermals freischend ungeheure Massen auf und noch immer ist der Felsen weiß von den Vögeln, die dort mutiger ausharren. Ostvärts vom Nordkap am Beginn des Layenfjordes ist ein anderer Vogelberg", der ,, Spaerholdtklubben", der in einer ungeheuren Aus­dehnung sich hinzieht und sicherlich Millionen von Vögeln beherbergt. Wenn die Sirene des Dampfschiffes im Borbeifahren bläst, schwirrt es auf 4-5 km. weit von dem Berge auf wie unzählige dichte Mücken­schwärme. Und das ist noch nicht der bevölkertste der Vogelberge. Den findet man noch weiter östlich, dort, wo die Küste schon wirklich eine Felsenwüste" ist, am Beginne des Syltefjords. Jeder Vergleich, den man hier für die Vogelschaar benußt, würde wie eine Uebertreibung flingen und bleibt doch weit hinter der Wirklichkeit zurück. Bei dem ersten Pfiffe der Dampf­schiffsirene hebt es sich von der Meeresküste ab, wie

eine filome­terlange ge­waltige und dichte Sand­hose. Un­glaublich ist diese Vogel­schaar, un­übersehbar, unschätzbar. Und wie ge waltig muß Der Fisch reichtum dieser Ge­wässer sein,

die

wenn Millionen und Milli­

onen

Sec­vögel hier Nahrung finden!

Aber nicht nur für die festen Fisch­

Im norwegischen Hochgebirge.

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bänke sind die Vögel den Menschen Wegweiser, sondern auch für die im Meere hinziehenden Fisch­schwärme, namentlich für die Häringszüge. Wenn diese aus dem freien Meere zur Laichzeit die Buchten aufsuchen, folgen ihnen die Vögelschwärme in unge­heuren Massen.

Im nordischen Venedig.

Eine tiefe Bucht der Ostsee, die Saltsjö, die Salzsee, schneidet in die felsige Ostküste Schwedens hinein. Fast zehn Meilen lang ist sie von bewaldeten Höhen umgeben und mit granitenen Schären, kahlen und Fichten tragenden, besät. An ihrem inneren Ende ist sie mit dem Mälarsee verbunden, der heute süßes Wasser führt, aber ursprünglich auch zu der See­bucht gehörte und denselben Charakter hat, nur daß seine Ufer niedriger sind und seine Schären größer und reicher. Dort, wo Saltsjö und Mälar sich berühren, liegt über Inseln, Halbinseln und Ufer, über Ebenen und Höhen ausgebreitet Stockholm.

Die Stadt ist vom rauhen Boden sozusagen abgetrott worden: jede neue Straße muß in den Granit hineingesprengt werden. So harte Arbeit übernimmt man nur, wo die Not zwingt. Und so trumpft überall dicht an der Grenze der Stadt, oft sogar mitten in ihrem Häuserhausen, die unbe zwungene Natur mit steilen und kahlen Klippen. Man sieht

Auf der Bleiche in Schweden.

über die breite Wasserfläche hinüber und sieht einen Stadtteil drüben hoch auf jähem kahlem Felsabhang liegen. Man biegt um eine Straßenecke, und die neue Straße läuft sich an einer unüberwindlichen Klippe tot. Mitten auf einem freundlichen Square springt der Granit durch den wohlgepflegten Rasen hindurch. Und so wenig der Fels überwunden ist, so wenig ist es das Wasser. Nur an wenigen Stellen sind die beiden Seen schmal genug, um überbrüdt werden zu können. Auch mitten in der Stadt vermitteln Dampfschaluppen den Verkehr zwischen den Ufern. Und diese weiten Flächen, die hier den Hauch des Meeres, dort den der mächtigen Waldgebiete bis in das Herz der Großstadt tragen, trennen ihr Bild von denen anderer Städte ebenso scharf wie der überall durch­brechende Granit.

An der Stelle, wo Saltsjö und Mälar, Salzwasser und Süßwasser, zusammenfließen, ist der Mittelpunkt Stockholms, die Norrbro, die Nordbrücke, die Nordstadt und Altstadt mit­einander verbindet. Dies ist der Play, an dem man Stockholm erkennt und seinen gewaltigen Eindruck immer von neuem genießt.

Wendet man den Blick der Altstadt zu, so trifft er geradeaus das könig: liche Schloß, daß große Baulunstwerk der Stadt. Der ungeheure Bau erhebt sich auf einem Hügel, zu dessen Höhe an dieser Seite große Terrassen hinaus­führen. An den vier Ecken der quadra­tischen Masse wachsen nach den Seiten zu Flügel heraus, die also mit ihren Außenmauern die Fassaden der Vorder­und Rückseite fortsegen, mit ihren Innen­mauern Vorhöfe für die Seitenfronten bilden. Gradlinig und fast schmudlos zieht sich die Fassade hin, nur die Mitte, in der das Portal liegt, ist nach Sitte und Art der Barockzeit durch Pilaster und Giebel betont, um sie durch ein solches Zentrum zu einer Einheit zusammenzufassen. Die Masse ist gran­dios gerade durch ihre Schmudlosigkeit. Es liegt etwas unsagbar Herrisches in