Eine Herbstfahrt nach Venedig.
Eine Herbstfahrt nach Venedig.
Von Felig Baumann.
n Berlin drohende Regenwolten, in München unaufhör.
I licher Regen, in Innsbrud ein verzweifelter Stamps ſchriffem Pfiff sich in Bewegung ſet. Der Mond ſteht noch
Trient liegt noch im Schlummer, als die Lokomotive mit zwischen Frau Sonne und Jupiter pluvius, auf dem Wege am dunklen Himmel und überzieht den Dos di Trento mit zum Brenner die ersten Siegeszeichen der
Sonne und jenseits der Wasserscheide
zwischen dem Schwarzen und
dem Adriatischen Meere ein
wolfenloser blauer Him
mel, ein ideal schöner
Herbsttag. Vozens
Lage und Umgebung
bietet bei Tage
einen wunderschönen Anblic aber auch die magische BeIeuchtung einer flaren Mond- Herbstnacht verleiht dieser Gegend einen bezau bernden Reiz.
Noch lange nach
ber Weiterfahrt
senden uns die
Mendellichter ihre Ab
schiedsgrüße nach. Der
Bug saust der italienischen
Grenze zu. Wir haben uns
jedoch vorgenommen, diesmal Ve
zu
seinem schon im Verbleichen begriffenen Silberlidhte. In einem weiten Bogen. geht die Bahn um Trient herum und setzt dann auf einem längeren Viadukt über das Etschtal.
der
Fast
geisterhaft erscheinen in dem Stam pfe zwischen den letten Spuren der entschwin denden Nacht und den ersten Vorboten des nahenden Morgens die Schneeluppen Umge= bung. Lange sam beginnt es heller zu werden und sich eine eigentümliche Gebirgsatmosphäre zu entwideln. Das Tal erscheint noch in einem dichten Dunst, während es sich in der Mitte bereits zu klären be ginnt, um sich nach oben wieder in dunklere Schichten zu verlaufen. Jetzt beginnt es langsam zu tagen, die Umgebung. deutlichere Konturen anzunehmen. Weinberge, in denen die inmitten der Rebpflanzen liegenden Häuschen sich wie ein aufgebautes Spielzeug ausnehmen, plätschernde Bäche und Wasserfälle sawie himmelwärts strebende Felsmassen bilden die Hauptfaktoren des Landschaftsbildes. Die Stationen
Am Molo Giardinetto, Benedig.
rona rechts liegen zu lassen und den Weg nach Venedig über die bisher weniger bekannte Strede Trient- Primolano nehmen. Um die Romantik dieser Gegend im vollstem Maße genießen zu fönnen, verbringen wir die Nacht in Trient und fahren mit dem ersten Zuge nach der Stadt der Bagunen, no unser der Norddeutsche Lloyddampfer„ Schleswig" harrt, der die neueste Aegyptenlinie Venedig- Alexandrien eröffnen soll.
Am Gondelanleger vor dem Markusplay.
Eine Herbstfahrt nach Venedig.
folgen schnell aufeinander, hinter Monte Alto fesselt der Wasserfall der Fersina das Auge, die Landstraße sieht sich steil und hoch am Flußbett hin. Plöblich lenkt das fultur historische Interesse den Geist von den landschaftlichen Schön heiten des Suganatales ab, denn in der Ferne wird die Marienburg des Südens", die alte Persenburg, sichtbar. Tropig erhebt sie sich
über der kleinen Stadt Persen. Unsere Gedanken schweifen in die Vergangenheit zurüd, weilen bei Karl dem Großen, der die Beste als einen Stüßpunkt in den Kämpfen gegen die im fortgesetzten Aufruhr befindlichen Bewohner des Südens benußte. Jetzt ist die Persenburg in deut. schem Besitzz. In der Umgebung der Persenburg, namentlich im oberen Persental, befinden sich mehrere deutsche Gemeinden als Sprachinseln in Welschtirol.
Bis zur italienischen Grenze behält das Landschaftsbild seinen ausgesproche nen wildromantischen Gebirgscharakter. Riesige Schneebededte Bergtuppen, zerfalleпе Schlösser und
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auch hier Weinberg an Weinberg, prachtvolle schwere Trauben. Auch das Eselchen vor dem zweirädrigen Starren wird schon bemerkbar, und an dem Leben und Treiben auf den Bahnhöfen von Castelfranco und Veneti mertt man, daß man sich in Italien befindet.
Der neue Stampanile! Das Auge erblickt ihn schon von weitem, als der Zug über die Bagunen. brüde der alten Venezianerstadt zu eilt. Wie der alte, so erhebt sich der neue Turm als ein Wahrzeichen Benedigs; der goldene Engel, der seit Jahrhunderten auch die Spitze des alten Turmes frönte, blist in der venezianischen Mittagssonne.
Venedig ist die alte Lagunenstadt geblieben. Auf dem Markusplatz füttern die Touristen die Tauben wie seit Jahren, und die Hochzeitspärchen lassen sich wie von altersher mit seligem Lächeln auf den glüdlichen Gefichtern zwischen den Tauben bon San Marko photographieren. Doch nein, des Abends legt der Markusplatz ein anderes Gewand an wie früher. Denn die feenhafte Julumi nation, die anläßlich der Einweihung des neuen Sampanile stattfand, ist während des Sommers und Herbstes wiederholt worden, und wer das Glüd gehabt hat, den Markusplatz in diesen Tausenden von Lichtern erschimmern zu sehen, der wird Venedig sobald nicht vergessen.
Ankunft des Dampfers Schleswig" des Norddeutschen Lloyd von seiner ersten Fahrt von Alexandrien.
Aegyptische Polizeifoldaten bilden zum Empfang des Lord Kitchener am Rai Spalter.
Burgen, idyllisch gelegene Ortschaften und geheimnisvoll grünlich schimmernde Bergseen halten das Auge gefangen. Ab und zu tauchen bekanntere Namen auf, wie Levico und Roncegno. Die reizvolle Lage Roncegnos wird noch erhöht durch einen reichen Flaggenschmud, in dem der Ort prangt. Daß das Städtchen Bargo Garnisonstadt ist, lehrt uns ein im Angstschweiß seines Angesichtes egerzierender Kaiserjäger, der dicht am Bahngeleise unter den strengen Augen eines Unteroffiziers fortgesett Kniebeugungen und langsamen Schritt anscheinend nach" üben muß. Morgenstunde hat Gold im Munde, aber nicht
im Munde eines
über Refrutendumm heiten erbosten Unteroffiziers.
In Primolano berlassen wir die österreichischen Wagen und ergößen uns nach den Formalitäten der Bollerledigung
an dem wunderbaren Panoramo.
Die Brenta schäumt und braust hier in ungeminderter Naturkraft. Hinter Primolano durch fahren wir eine Schlucht, die stark an die Schönheiten des Felsengebirges in den Vereinigten Staaten erinnert. Bei der
Troy der borgerüdten Herbstzeit zogen die Fremden und die Venezianer noch in hellen Scharen nach dem Lido, um
den Anblid des Adriatischen Meeres zu genießen. Luftig pläticherten Männlein, Weiblein und KindTein noch in den blauen Fluten, und lustig erflangen die Stlänge des venezi anischen Strandorch esters über die von der Sonne bestrahlten Adriaterrasse. Lustig schallten auch die Lieder der fahren. ben Sänger und Sängerinnen"
am
Abend über die bene. zianischen Fluten hin. Ingroßen, mit bunten 2ampions geschmüdten Gondeln zogen fie vor dem Martus. play hin und her, gefolgt von den zahlreichen Gondeln mit den Touristen usw. Das reizvolle Bild gestaltete sich durch die Silberstrahlen des Vollmondes noch anziehender. Anläßlich der Eröffnung der neuen Linie hatte der Lloyd die Spitzen sämtlicher givil und Militärbehörden Venedigs zu einer Besichtigung des Schiffes eingeladen, die mit einer Bordfestlichfeit berbunden war und nicht nur die männliche Elite der Lagunenstadt, sondern auch die schönsten Frauen und Mädchen Venedigs unter der Lloydflagge vereinte. Unter den Passagieren war auch Lord Kitchener mit seinem Adjutanten Hauptmann Fitzgerald.
Lord Kitchener( im Automobil) verläßt den Dampfer Schleswig".
Stadt Cismone erreicht diese Romantik ihren Höhepunft Senkrecht steigen die ungeheuren Felsmassen empor. Was jedoch dem Dertchen einen eigentümlichen Reiz verleiht, das ist die Verschmelzung von Antifem und Modernem. Hier alte Steinhäuser, die aus der grauen Vorzeit zu stammen scheinen, dort ganz moderne Behausungen.
Bei Bassano treten die Berge in den Hintergrund. Das typische italienische Ebenebild nimmt seinen Anfang. Aber


