Ausgabe 
23.11.1912 Erstes Blatt
 
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Gießener Zeitung

Bezugspreis 40 pfg. monatlich

( Neueste Nachrichten)

neljährlich 1,20 Mt., vorauszahlbar, frei ins Haus. bgeholt in unferer Expedition oder in den Zweig­gabestellen vierteljährlich 90 Pfg.- Erscheint twochs und Samstags. Redaktion: Selters 83. Für Aufbewahrung oder Rücksendung idt verlangter Manuskripte wird nicht garantiert. Verlag der ,, Gießener Zeitung" G. m. b. 8.

Nr. 94

1. Blatt.

Auf des messers Schneide ber guter Mann, ie 11, 22. Nov. In der Gesamt- Situation ist

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leinerlei neues Moment zu verzeichnen. Die Mo­ie ist auf alle Eventualitäten DOT= eitet. Es ist nur hervorzuheben, daß die Besetz­Durazzos durch die Serben vorerst nicht als fait mpli" angesehen wird und sofort keinerlei Aktion mic Bt. Heute ist in Wien bekannt geworden, daß Big, Wetzlar, Hoi dhe 3 galizische Armeekorps auf legs fuß gebracht werden sollen. Auch der her Magistrat hat heute mit der Einberufung be­men, und zwar zunächst die drei jüngsten Jahr= e der Reserven unter die Waffen gerufen. Gestern en auf dem hiesigen Telegraphenamt mehrere Ge= eb. Spiess. absoffiziere zahlreiche chiffrierte Telegramme nach

Hinterblieben

Witwe

Richtungen des Landes abgesandt, die unter Kon­und Aufsicht der Offiziere von den Beamten des grap henamtes abtelegraphiert wurden. Soweit be­wird, handelt es sich vorläufig um die Mobil nhung von acht Armeekorps.

Expedition: Seltersweg 83.

Samstag, den 23. November 1912.

Uom Balkankrieg.

Das Deutsche Volksblatt" meldet aus Sofia einen starken Stimmungsumsch wuno. Der Krieg habe Bulgarien große Opfer, den anderen Ver­bündeten aber den Hauptgewinn gebracht. Man wirft König Ferdinand vor, daß er sich von Rußland um­garnen ließ, das jetzt Bulgarien in den Rücken falle und Serbien begünstige. Richtig wäre ein österreichisch­rumänisch- bulgarischer Balkanbund gewesen.

Tiotz der zahlreichen Abmachungen, die die verbün­deten Balkanstaaten untereinander getroffen haben, sind die von ihnen beanspruchten Gebietsteile nicht festge­legt. Es werde beträchtlicher Geschicklichkeit bedürfen, daß unter ihnen keine Mißhelligkeiten hervorgerufen würden.

Die Friedensvorschläge abgelehnt. Konstantinopel, 21. Nov. Die von den 4 Ballanstaaten gestellten Bedingungen für den Waffen- stillstand und Friedensschluß verlangen den Verzicht auf die ganze europäische Türkei, ausgenommen Konstantinopel. Die Pforte hat die bulgarischen Vor­schläge abgelehnt. Najim Pascha hat Anweisung erhalten, den Kampf fortzusehen.

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( Gießener Tageblatt)

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Telephon Nr. 362.

24. Jahrg.

Von den Kriegsschauplätzen.

Konstantinopel, 22. Nov. Von der Tscha­taldscha- Linie verlautet, daß ein ernster Kampf auf der ganzen Linie entbrannt sei.

Vor Adrianopel hat eine große Schlacht beginnen, an der sämtliche dort stehenden serbischen und bulgarischen Streitkräfte teilnehmen.

Sofia, 22. Nov. Die Türken unternahmen in Adrianopel einen Ausfall, um das von den Bulgaren besetzte Fort Kartaltepe wieder zu erobern. Sie sind jedoch genötigt worden, sich unter Zurüdlas­sung von 350 Toten in die Festung zurück zu1= ziehen.

Ein griechisches Geschwader erschien nochmit­tags vor Mytilene. Admiral Countourietie for­derte die Stadt zur sofortigen Uebergabe auf. Die frem­den Konsuln rieten, um unnötiges Blutvergießen zu vermeiden, zur Räumung der Stadt durch die 700 Mann starke türkische Garnison. Der Admiral ließ 1500 Mann landen, von denen 400 die Stadt besetzten und 1100 die Verfolgung des Feindes aufnahmen. Die Landung fand unter dem Schutze des griechischen Ge­schwaders statt, das hierauf nach Lemnos weiterfuhr. Belgrad, 22. Nov. Nach hier eingetroffenen Meldungen sollen die Serben in Florina eingezogen

sein.

Konstantinopel, 22. Nov. dieser Zeit

auf diese Anzeige

dapest, 22. Nov. In der Ofener Hofburg r wichtige Beschlüsse gefaßt worden, die auf die wei­adewannen ant Gestaltung der internationalen Lage von großem 19 Mk. abgegebß sein werden. Schon die nächsten Tage werden ichen Pracht Was Welt den Beweis bringen, daß Oesterreich ugarn fest entschlossen ist, für die Geltend­anne mit Gmailung seiner Interessen auf dem Balkan mit größter Hygiene Weltansthiedenheit einzutreten. Desterreich- Ungarn will der nen Medaille" unhrlichen Unsicherheit, die die Neugestaltung auf dem in Chemnitz milan hat, ein Ende bereiten und eine endgültige Klä­anstatt 31 Mt. Listen der schwebenden Fragen anstreben. Es soll nichts wird nicht berechne genden Paradies sucht bleiben, um dies auf friedlichem Wege zu extra verzinkt, alglichen. er. Größe ca. 170 begeisterte Anerle an intelligente

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Wien, 22. Nov. Von der Wiener Polizeidirek ist gestern die Verfügung getroffen worden, daß hnen ſeinerzeit niche Wiener Eisenbahn- und Straßenbahnbrücken verstärkten Wachtposten besetzt werden. Seit , mitgeteilt habe, war, daß drei patrouillieren demnach auf sämtlichen Brücken Dop­hnen beſtellten. ten. Im Anschluß an diese Verfügung war ge­aft nicht nötig i in Wien ein Gerücht verbreitet, demzufolge vier fie an einem Bla fer verhaftet worden seien, die die Absicht gehabt ommt, gesehen we m, die Nordwestbahnbrücke in die Luft zu sprengen. : Das ist aber ein Heute bitte ich pffizielle Bestätigung dieser Nachricht ist noch nicht A., ebenfalls ein täufer finden die angen. Brief eines Sle

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Das Glückskind.

Roman von Irene von Hellmuth. ( Nachdruck verboten.) Frau Pächtner hatte dies alles sehr rasch hervorge­belt, aber Böhler hatte während der langen Rede,

dem wird vor der er nur noch eines verstand, das Wort Hetrat"

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dennoch Zeit gefunden, sich zu fassen, und einen Plan ein Verhalte zurecht zu legen.

ch, gnädige Frau, begann er deshalb traurig, n Sie wüßten, wie viel Summer und Herzeleid Mädchen mir schon verursacht hat, Sie würden mich ern. Es ist ein leichtsinniges, tokettes Geschöpf, feiner Eitelkett jedes Opfer bringt. Würde es Ih gelingen, Ihren Sohn von einer solchen Wahl, die fein Unglück bedeutet, abzubringen, auf den Knien te er Ihnen danken."

Er hielt einen Augenblick inne und machte zu set­großen Befriedigung die Bemerkung, daß seine te den gewünschten Eindruck auf seine Zuhörerin verfehlten, denn diese nickte mehrmals mit dem pfe und sagte dann talt: Lassen Sie das nur getrost ne Sorge sein, doch fahren Ste fort."

Ein faltes, höhnisches Lachen, welches das Gesicht eben verschönte, umspielte dabei ihren Mund. Seufzend berichtete Böhler weiter. Freilich, der ht sinn liegt bei dem Mädchen im Blute. Ihre Mut­war ebenso, und sie hat ihre Verschwendungssucht, ihr ganzes großes Vermögen zum Opfer fiel, auf Cochter vererbt. Das Unglück war, daß der Vater, schwacher, nachgiebiger Mann, es nicht verstand, set­Grau energisch entgegenzutreten, und so vergeudete e nach und nach alles, was da war. Ich habe mir Shalb gelobt, so viel in meinen Kräften steht, der Wie­holung eines solchen namenloses Unglücks vorzu­goen, indem ich mein Mündel vor jeder Heirat fern halten suche."

Kurdische

Kavallerie und diejenige aus Hamidie, die gestern in Jsmid eingetroffen sind, sollen bereits per Schiff an die gegenüberliegende Küste des Marmarameeres über­

Sofia. Der Ministerrat hält eine besondere Sig­ung ab, um die türkische Mitteilung zu beraten. Es ist wenig wahrscheinlich, daß die Feindseligkeiten sofort wieder aufgenommen werden. Nach gewissen Andeut­ungen wird Bulgarien eine versöhnliche Haltung ein­nehmen und die ursprünglichen Waffen geführt und gelandet sein. Andere anatolische und stillstandsbedingungen abändern. Die Waffenstillstandsbedingungen der verbündeten Balkan- staaten setzten die Uebergabe von Janina an

ungen

die Griechen, Skutari an die Montenegriner, Mo= nastir an die Serben und Adrianopel an die Bulgaren fest, ferner die Einstellung der Truppen- und Munitions sendungen nach der Tschataldscha- Linie und die Lerpflichtung, bei Tschataldscha keine neuen Befestig­ungen zu errichten. Außerdem sollen die aus Anato­sie lien temmenden Truppen an jenen Punkten, wo sich im Augenblick des Abschlusses des Waffenstillstan­des befinden, verbleiben. Die Kriegsschiffe an den Kü­sten von Dertos und Bujek- Tschekmedje sollen nach Kon­Der Sobranjepräsident Da now, stantinopel fahren. der Gehilfe des Generalissimus Sawow und Chef des Generalstabes Fitsche w wurden seitens Bulgariens mit den Waffenstillstandsverhandlungen be­traut und reisen unverzüglich nach Tschataldscha ab, um sich mit den türkischen Delegierten zu besprechen.

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der

Ich danke hnen in meinem Namen, sowie im Namen meines Sohnes, für ihre Offenheit, Herr Böh­Ier. Seien Sie versichert, daß ich alles aufbieten werde, meinen Sohn von der Unmöglichkeit einer solchen Ver­bindung zu überzeugen," sagte Frau Pächtner, Böhler die Hand reichend.

Glauben Sie, daß Ihnen das gelingen wird?" Ein gespannt lauernder Ausdruck lag in dem Ge­ficht des Mannes, der den Kopf weit vorgebeugt hielt. " Ohne Zweifel," entgegnete die Frau, fich zum Ge­hen wendend.

Nur noch einen Augenblick, meine Gnädigste. Wir könnten Ihrem Herrn Sohn, falls er nicht glauben will, was ich Ihnen mitteilte, auch mit Beweisen die­nen."

Wieso, Herr Böhler?"

Das Mädchen hat nämlich schon verschiedene Male versucht, einige filberne Löffel, die letzten Erb­stücke von ihrer vor kurzem verstorbenen Mutter, im Leihhause zu versetzen; ich habe es regelmäßig darüber erwischt und dies zu verhindern gewußt. Vermutlich hält sie das aber keineswegs ab, den Versuch wieder­um zu wager Ist dies der Fall, so könnte ich Ih­nen raschestens Nachricht senden, und Ihr Herr Sohn würde sich dann selbst von der Wahrheit meiner Be­hauptungen überzeugen, indem er sem Mädchen heim­lich folgt."

Das würde allerdings am besten wirken," widte die Frau, mein Sohn soll aber unter keinen Umstän den erfahren, daß ich hier war, also Vorsicht." Gewiß, gnädige Frau."

Mit tiefen Büdlingen gelettete Böhler seinen Gast bis an die Tür und als er sich allein sah, machte er erst der auf ihnh einstürmenden Wut Luft, indem er heftig im Zimmer hin und herronte, dabei heftig mit den Armen gestikulierend

gutouften No. 27728.

... Kathreiners Malzlaffen ist von großem Wohlgeschmont und bekommt ganz vorzüglich, ich werde ihn jederzeit gern empfehlen."

Der Gehalt mocht 61

,, So eine niederträchtige Kreatur, na warte, ich will dir Liebesbriefe schreiben, du du Er konnte in seinem Zorn gar keinen passenden Schimpfnamen finden.

Kurze Zeit darauf sah man thn, zum Ausgehen ge­rüstet, das Haus verlassen.

V.

Die Dämmerung des furzen Wintertages war eben angebrochen, als Röschen, die sehr zum Aufbruche ge drängt hatte, mit Tante Aurelia heimkehrte.

Sie schmeichelte und bat so lange, bis diese die Er­laubnis gab, noch rasch den Gang zur alten Menthe und von da ins Lethhaus machen zu dürfen.

Aber Du mußt Dich beeilen, Rosi, daß Du, bevor der Onkel zurückkehrt, wieder da bist; Du weißt, er würde sonst schelten," rief Tante Aurelta der Hinauset­lenden nach.

" In einer halben Stunde bin ich wieder da, Zant­chen, und dann schläft Martha heute nacht in threm Bett, ich four es faum erwarten, bis ich es ihr zu rückgebracht habe; thre finder tollen mitgehen und es tragen."

Aus der Küche trat Röschen die trene Viage entge gen, und flüsterte ihr heimlich zu: Wollen Sie nicht etwas gute Suppe für Ihre Krante mitnehmen, Frän Ietn? Sie ist eben fertig, und sehr träftig und wohl schmeckend, es ist meine eigene, tch foche mir schnell eine andere."

Dwie gern, Riecke," jubelte Röschen. Auch wird Martha fith fauen, Du solltest nur sehen, wie dankbar die für alles ist, was man thr tut; die Tränen laufen thr jedesmal fiber die rulichen Backen ,, wenn ich tomme."

( Fortfehung folgt.]