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Nr. 86.

Eine gelbe Geschichte.

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Die Balkan- Wölfer.

Eine gelbe Geschichte. Auf der Colorado in Denver zog ein junges Paar die allge. meine Aufmerksamkeit auf jidh. Sie war eine mittelgroße hübsche Blondine, ihr Mann ein baumlanger junger Farmer, ein Mann vom Lande. Das sah ein jeder auf den ersten Blid und jeder hatte auch gleich ein Lächeln auf den Lippen, sobald er ihn fah.

Freilich war Grund zum Lächeln da. Ernst Knoll trug bei seinen sechs Fuß vier Zoll einen Anzug, der ein Unikum, ja ein Monstrum war. Auf einer Auktion hatte er ihn gekauft. Gelb wie eine Sonnenblume war er und dabei zeigte das Unge­tüm unzählige fleine Carrees in einem etwas dunkleren Farbenton.

Aber die Beiden sahen die bewundernden Blide des Bublifums nicht. Sie hatten eben den ersten kleinen Streit in ihrem Eheleben gehabt. Und an allem diesem war indirekt der Anzug Schuld.

Ernst Knoll war die Gutmütigkeit selbst. Seine drei jüngeren Brüder wußten dies zu schätzen. Sie hatten ihn, wenn auch in harmloser Weise, stets auszunuzen verstanden. Als Ernst sich vor einem Jahre verheiratet hatte, war das ein­fach so weiter gegangen. Unter anderem stellte Einer von ihnen, gewöhnlich war es Fritz Augustus, sich Sonntag Morgens regelmäßig ein und holte das Rasiermesser, die Seife, die Schuh wichse von Ernst herüber nach der benachbarten Farm, wo sie bei ihrer Mutter wohnten. Und dabei blieb es nicht. Zu Zeiten mußten seine Strabatte, seine Stragen herhalten. Schließ­lich hatten sie sich auch an dem Anzug vergriffen. Das war am lebten Sonntag gewesen. Die junge Frau hatte sich so auf den angekündigten Aufstieg des Luftballons gefreut und als sie nun zur Ausstellung gehen wollten, war Ernst's gelber und einziger Anzug für festliche Gelegenheiten aus dem Schrank verschwun­den. Freilich war er am Montag Morgen wieder da, aber das Bergnügen für Sonntag war endgültig verdorben. Am nächsten Sonntag fonnte Ernst nicht wieder abkommen.

Die beiden waren jetzt an das hintere Ende des Fest plates angelangt. Anna Knoll wollte den Platz durch eine Tür verlassen, als eine rauhe Stimme sie anfuhr: Hier ist fein Ausgang. Machen Sie, daß sie fortkommen!"

Ernst Knoll war schlechter Laune. Dies brutale Auftreten des Polizisten seiner Frau gegenüber verseẞte ihn nicht in bessere Stimmung. Er verbat sich eine derartige Sprache und der Polizeimann, ein Mann namens Parker, friegte ihn am Arm zu fassen. Er bekam aber auch noch etwas anderes von Ernst Knoll zu fassen. Der junge deutsche Riese verabreichte ihm eine wohlverdiente Tracht Prügel nach allen Regeln der Kunst. Als der Polizeimann wieder zu sich tam, hatte Frau Knoll ihren Mann fortgezogen und sie waren längst in Brig thon, ihrem Wohnorte, ein paar Meilen von Denver, als Parker auf der Wache Anzeige erstattete. Parker hatte Ernst Knoll recht gut beschrieben und vor allen Dingen den gelben Anzug nicht vergessen.

An diesem Anzug werdet Ihr ihn sicher erkennen," hatte er zu seine Kollegen gesagt.

Polizist Patrid Sullivan patrouillierte am nächsten Sonn­tag Nachmittag auf dem Festplatz und ließ seine Blide gleich­gültig über die Menge schweifen. Plöblich fam Leben in Patrif. Er hatte einen hellgelben Rod mit fleinen Carrées erspäht. Glattes Gesicht, großer, blonder Junge, breitschulterig. Das paßte alles vortrefflich auf Fritz Augustus Knoll, denn die vier Brüder waren alle große plattdeutsche Jungens und es war eine große Familienähnlichkeit unter ihnen. Dazu kam, daß Fritz Augustus wieder einmal seines älteren Bruders Roc spazieren führte.

Sullivan ging auf den nichts ahnenden Jüngling zu und sagte sanft: Da bist du ja, mein Junge."-Da bin ich," lachte Fritz Augustus vergnügt zurüď. Na, denn mal mit. Aber fir," fommandierte Sullivan. Mit? Wohin denn?" fragte der erstaunte Jüngling. Jns Kittchen, mein Sohn," jagte Sullivan jetzt recht fröhlich.-Fällt mir im Traum nicht ein," brüllte der mit Recht entrüstete Friß Augustus und setzte sich zur Wehr. Die Folge war, zum Ergößen eines dank­baren, sich schnell ansammelnden Publikums, eine gehörige Tracht Prügel von Seiten Sullivans und zweier Kameraden, die ihm zu Hilfe geeilt waren. Gleich darauf kam der Polizei­wagen mit givei flinken Pferden und Friß Augustus fuhr auf Kosten von Denver durch die Stadt nach der City Hall in die sogenannte Bullpen.

Der Polizeiwagen sollte bald wieder kommen. An einer anderen Stelle des großzen Festplates hatten sie einen jungen Burschen vom Lande, breitschulterig, groß, glatirasiertes Ge­sicht mit einer hellgelben farierten Weste, wie Parker sie be=

schrieben hatte, festgenommen. Auch ihn hatte der begleitende Polizist Murphy erst zur Vernunft" bringen müssen, wie er das nannte. Karl Friedrich Knoll's Schädel brummte gewaltig, als er in die Arme seines Bruders sant. Sie hatten beide keine Ahnung, weshalb sie eigentlich eingesperrt waren, als sich, o Himmel, die vergitterte Tür der Bullpen noch einmal öffnete und Knoll's Jüngster abgeladen wurde.

Es war am nächsten Morgen. Seiner Ehren, Polizei­magistrat Daniel Finnigan präsidierte.

Der Anblick, der sein Auge grüßte, machte den Kadi staunen. Dicht vor seinem Pult standen drei baumlange junge Burschen mit zerschundenen Gesichtern, verbeulten Schädeln und blauen Augen. Aber dieser Rod! Gelb, wahrhaftig, gelb wie mein Kanarienbogel zu Hause," murmelte Sr. Ehren. Donner­wetter," sagte er halblaut. Der Kerl daneben trug eine gelbe Weste, die genau zu dem Rod paßte. Ein breites Lächeln über­flog das Gesicht Sr. Ghren. Die hellen fleinen Augen blidten wieder vergnügt. Was gibts?" fragte der Richter die begleiten­den Polizisten.... Der Mann da," sagte Sullivan und zeigte auf Fritz Augustus, hat Peter Parker auf dem Ausstellungs­play verhauen."" Der auch," fiel Murphy ein. Nein, der da. Hier dieser," behauptete Polizist Patterson. Ehren stieg der Unmut ins Gesicht. Er hatte persönlich nichts gegen einen guten, ehrlichen Kampf, aber Drei gegen Einen, das war ihm zuwider.

Sr.

Also die drei langen Kerls haben Sie verhauen, Parker." Daniel besab sich den Polizisten mit Kennermiene...Uebrigens gründliche Arbeit. Mensch, wie sehen Sie aus. Wer war denn der Hauptmacher?" Euer Ehren, eigentlich war's nur Giner," sagte Parfer verlegen.- ,, W- a- s?" zweifelnd fames in langgezogenen Tönen von den richterlichen Vippen. Wer denn?"

Euer Ehren," sagte der Polizist, sie sehen sich alle Diei ver­zweifelt ähnlich, wie Sie selbst sehen können. Aber, es kommt mir vor, als ob der Kerl, der mich verhaute, noch größer gewesen wäre." Colfag Dan dachte an Jones, den Mann vom" Republican". Wenn Ihr Herrschaften glaubt, Ihr könnt dieses Gericht an der Nase herumführen, so soll es Euch schlecht bekommen," meinte er grimmig zu den Polizisten. Sullivan, warum haben Sie diesen Mann verhaftet?" fragte er streng.- Parker fagte mir, es sei ein großer, blonder Junge von der Farm mit glatt­rasiertem Gesicht gewesen. Und Parker hat mir auch den Anzug beschrieben. Und dies muß der Mann sein!" erwiderte der Ordnungswächter prompt und entschieden und zeigte dabei auf den gelben Rod von Fritz Augustus. Und Sie, Murphy!" inquirierte der Richter weiter. Mir hat er ihn gerade so beschrieben."

Polizist Patterson zeigte auf seinen Mann, das war Knoll's Jüngster, und fügte hinzu:" Euer Ehren, sehen Sie sich mal die Hosen an. Dies muß der Richtige sein." Seiner Ehren beugte sich vornüber über das Pult. Staunend sah er die fanariegelben Unaussprechlichen mit den unzähligen Carrées sich straff um die prallen Beine von Heinrich Knoll schmiegen. Donnerwetter," kam es von seinen Lippen. Jetzt war das Ungetüm ja komplett. Uebrigens," sagte er zu Heinrich Knoll, tritt mal etwas weiter weg, wo ich dich besser sehen kann, mein Sohn." Der Richter hatte einen hellen Kopf mit sehr gesundem Menschenterstand. Er glaubte der Lösung des Rätsels auf der Spur zu sein. Heinrich Knoll hatte die Hosen unten ungefähr fünf Zoll umgeklappt. Frizz Augustus ging der Rod bis halb an die Knie. Der Salomo in Sr. Ehren regte sich wieder. ,, Sag' mal, mein Sohn, wo kommt dieser Kanarienvogel, ich meine dieser Anzug eigentlich her?"-" Von der Auktion im Silver Eagle in Larimer Street," erwiderte Frizz Augustus. ... Wer von Euch hat ihn denn gekauft?" Er gehört eigent= lich Ernst," sagte der große Junge und wurde rot. Und wer von Euch ist Ernst?"- Friß Augusius schüttelte den Kopf und wurde noch verlegener. Ihm war ein Licht aufgegangen. Er ist nicht hier. Er ist zu Hause," sagte er leise. Er ist wohl noch größer, als Ihr Drei, wie?" fragte der Kadi." Wohl unge­fähr drei bis vier Zoll größer, als du da?" Knolls Jüngster nidte nur. Auch ihm war verschiedenes klar geworden. lind Ernst war ja am Freitag mit Anna auf der Ausstellung," schrie Karl Friedrich dazwischen. Er fuhr sich mit der Hand über den verbeulten Kopf. Du lieber Himmel, und deshalb diese ent jeglichen Schläge."

Der Richter lachte, daß ihm die Tränen über die Wangen Tiefen. Die Polizisten lachten. Der ganze Saal brüllte vor Vergnügen. Der Kadi verkniff sich das Lachen so gut er konnte und winkte den drei Unglüdsmenschen im gelben Kleide abzu­treten. Raus. Entlassen." Dann verschwand er in seinem Privatzimmer.

Strains, Istriens, Kärntens sowie von Triest, Görz und Gradiska hinzurechnen. Ihre sprachlichen Unterschiede gehen nicht über das Mundartliche hinaus. Die Serben sind An­gehörige der griechisch- katholischen Kirche, während sich die

Die Balkan- Völker. Alle älteren Völfer des Balkans, wo es wieder einmal rumort, hat die griechische Kultur aus der Nacht der Barbarei empor gezogen. Aber während Alexanders Heere die griechische Bildung bis an den Tigris trugen, fam seine eigene Heimat nicht dazu, sich völlig zu gräzisieren. Noch weni­ger verschmolzen sich die übrigen Völker mit dem Griechentum. Die Römer kolonisierten und romani­fierten später Dakien, das heutige Rumänien. Wie eigentlich der Wildling beschaffen war, auf den das romanische Reis gepropft wurde, ist noch wenig geklärt. Am nächsten liegt es, an Ver. wandtschaft mit Thrafern zu denken.

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Die germanische Flut ist nur über das Land dahin grbraust; erkennbare Spuren haben die Go­ten usw. nicht zurüdgelassen. Destomehr die Slaven. Und in merkwürdiger Wechselwirkung mit ihnen die Bulgaren. Diese sind ein Zweig der ugrisch- altaischen Völkerfamilie, zu der auch die Türken, Hunnen, Magyaren und Tataren gehören. Die Bulgaren haben jedoch slawische Sprache angenommen. Wie start sie im Verhältnis zu den früher und später die Balkanhalbinsel be­siedelnden Slaven gewesen sind, ist unsicher; vielleicht sind sie wie auch die Perser in Iran und die Brahmanen- und Kriegerkaste in Indien oder die Normannen in England nur ein kleines aber tapferes Kriegervolk gewesen, dem die Unterwerfung der Ureinwoh­ner gelungen ist. Jedenfalls sind sie nach ihrer eignen sowie nach der Ansicht aller Ethnographen heute ein Zweig der slawischen Völkerfamilie. Ihre Angehörigen sind bis in den Peloponnes vor­gedrungen. Slawisch bulgarisches Blut ist heute ein wesent licher Bestandteil des Griechentums.

Kroaten und Slowenen zu Rom halten. Meist bildet die firchliche Verschiedenheit das einzige Er­fennungsmerkmal. Dalmatiner und Montenegriner sind auch Gerbokroaten, jene römisch- katho lisch, diese griechisch.

Die Serbokroaten haben das ganze Gebiet inne zwischen den Deutschen und Magyaren im Norden, den Rumänen und den Bulgaren im Osten und den Albanesen im Süden. Sie sind fest geschlossen in Seroatien, im Banat, in Serbien und Altferbien ( dem nördlichen Teile des heutigen Mazedonien), Bosnien, Herzego. wina, Dalmatien und Montene gro. Sie sind sich sehr wohl be. wußt, daß sie einst ein großes Staiserreich gebildet haben.

Heute stehen Serben und Kroaten unter vier verschiedenen politischen Häuptern.

Zu den Bulgaren und den Serben fommt als dritte Nationa lität die albanesische, grundver­schieden von den beiden andern, Die Albanesen werden jetzt sicher als die Nachkommen der alten Illiriker angesehen. In ihrem bergigen, meist in abgeschlossene Täler zerfallenden, schwer zu­gänglichen Lande haben sie sich der Einwanderung wie der Stolo­nisation gut erwehrt und auch ihre Sprache behauptet. Sie selbst nennen sich Schfipetaren, die Türfen geben ihnen den Namen Arnauten; ähnlich heißen sie bei den umwohnenden Völkern. Die vierte Nationalität find die Griechen. Die Selbständigkeit des neugriechischen Voltes hat noch keine Talente wieder erstehen lassen, die an die Zeitgenossen des Berifles oder des Alexander erinnerten. Die Hoffnungen der Philhelenen haben sich nicht erfüllt. Schon im Altertum wanderten die Griechen nach allen Himmelsrichtungen aus ihrem Vaterlande aus. Sie grün­

König Ferdinand von Bulgarien, der fürzlich sein 25 jähriges Regierungsjubiläum feierte.

Im wesentlichen haben die Bulgaren die Osthälfte der Balkanhalbinsel besetzt. Wie stark sie dort heute sind, das ist bei dem Mangel zuverlässiger Zählungen ungewiß. Ihr Interesse ist natürlid), se zahlreich wie möglich zu erscheinen. Darum geben sie

selber an, mehr als sechs Millionen zu zählen. Das scheint sehr übertrieben. Bulgarien hat 1900 in seinen eigenen Grenzen sowie in Oftrumelien eine Volkszählung vorneh­men lassen und dabei unter 3 744 283 Gin­wohnern 2 887 684 Bulgaren ermittelt. In den übrigen Wohn­sigen, also Mazedo­nien, den sonstigen Resten der europäi­schen Türkei, Ruma­nien, Siebenbürgen, Sündungarn, Bez arabien mögen noch etwa 22 Millionen wohnen. Auf mehr als 52 Millionen im Ganzen darf die Gesamtheit nicht angeschlagen werden.

Blid auf Sinaia in Rumänien.

Der zweite slawische Aft auf der Balkanhalbinsel sind die Serben, eigentlich die Serbokroaten. Denn Serben und Kroaten sind kaum als zwei Nationalitäten anzusehen, und im Grunde fann man auch die Slowenen Südsteiermarks,

deten förmliche Solo­nien von Massilia bis Trapezunt; später zerstreuten sie sich in alle Teile des riesigen römischen Reiches, namentlich später des oftrömischen. Auf der Balfanhalbinsel sind fie namentlich Stadt­bewohner, Handwer fer, Staufleute, Geist­liche. Auch in den in Gebirgen versted ten Kleinstädten fin det man mitten awischen der stamm­fremden Bevölkerung Griechen. Ihre Zahl ist nur durch bage Schäßung näher fest­zustellen.

Einen schwachen Abglanz der Stellung des griechischen Volkes bietet auf der Ballanhalbinsel das armenische dar. Doch schon der Umstand, daß es aus dem fernen Often Stleinasiens herkommen mußte, und zwar nur durch Einzelwanderung, zieht seiner Aus­breitung engere Grenzen. Da fie religiös gesondert sind, also nicht annähernd den Halt an den zu ihrer Stirche ge­

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