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Hörenden Bevölkerung haben wie die Griechen, so kommt ihre gesamte Stellung viel weniger in Betracht

Kleine Bevölkerungssplitter sind noch die Kutowlachen oder Zinzaren, d. H. Rumänien südlich von der Donau und südlich von der Dobrudschau, so­dann die Juden und Zigeuner. Die Juden wohnen überall in den Städten zerstreut, in einzelnen jedoch sehr gehäuft.

Die Balkanvölfer.

Wir kommen nun zu der wichtig sten Nationalität, den Türfen. Dieses aus dem eigentlichsten Zentralasien, aus den Gegenden zwischen dem Kas­pischen Meer und der Westgrenze Chinas stammende Volf hat sicher in seinen Groberungszügen zahlreiche stammfremde Elemente in sich aufge­nommen. Namentlich haben die Krie­ger ihre weiblichen Lebensgefährtinnen aus allen Völterschaften entnommen. In der europäischen Türkei unter. scheidet man die slawisch und albanesisch sprechenden Moslimen von den türkisch sprechenden, die naürlich auch nicht annähernd als reine Osmanli anzu­sehen sind. Für die Hauptstadt rechnet man 43 vom Hundert Türken, das wären rund 500000; für Mazedonien 550000, für die übrigen direkt von der Türkei verwalteten Landesteile 500 000. Im ganzen also rund anderthalb Millionen Dazu kommen in Bulgarien mit Ostrumelien 530 000. In den übrigen Teilen der Balkanhalbinsel ver­schlagen die Türken" nicht viel. Man kann also reichlich awei Millionen Seelen als türkisch sprechende Bevölkerung in der europäischen Türkei annehmen, die jedoch an den 7,3 Millionen Türken der asiatischen Türkei einen starken Rückhalt haben.

Diesen Muselmanen steht nun die christliche Religions. gemeinschaft keineswegs geschlossen gegenüber, nicht einmal in kirchlicher Beziehung. Bis zur Mitte des neunzehnten Jahrhunderts stand alles, was in der Türkei nicht römisch­katholisch oder armenisch war, unter dem griechischen Patri­archen von Konstantinopel, dem Oberhaupt der ganzen griechischen Kirche. Schon gleich nach dem Krimkriege begann eine russische Agitation, die Bulgaren von der griechischen Kirche zu trennen, nicht innerlich und im Glaubensinhalt,

Türkischer Kutscher.

Markt in Albanien.

wohl aber in der äußeren Kirchengemeinschaft. Im Jahre 1859 drohten die Bulgaren, sich der römischen Kirche an­schließen zu wollen, wenn die griechische ihnen nicht Selb­ständigkeit gewähre. Ob das im Einklang mit Rußland ge= schehen ist, etwa als leeres Schredgespenst, bleibe dahinge= stellt. Jedenfalls wich der griechische Widerstand einer solchen schrecklichen Aussicht, und nun bestätigte der Sultan die Spaltung, indem er 1872 durch einen Ferman die bulgarische Kirche unter einem eigenen Exarchen bestätigte, der natür­lich zunächst auf Rußland sah. Der ganze Kampf um die Einzelheiten fam noch hinterher. Man kann sich leicht hin= einverseßen, wenn man bedenkt, daß die unzähligen Kirchen und Pfründen in bulgarischen Ortschaften der griechischen Kirche gehörten. Die Bulgaren erhielten nun zwar die Er­laubnis, sich eigene Kirchen zu bauen und eigene Geistliche zu unterhalten, unterdessen aber saß der griechische Geistliche ohne Gemeinde oder mit wenigen Gläubigen auf der Pfründe. Mochte diese auch armselig sein, dem bul­garischen Geistlichen, der sich von den kümmerlichen Spenden seiner Getreuen ernähren mußte, erschien sie als die Quelle ungerecht erworbenen Mammons.

Wären die Nationalitäten regional leidlich abge­grenzt, so ließe sich eine Neuordnung der politischen Verhältnisse auf der Balkanhalbinsel leichter denken. Statt dessen sehen wir recht in der Mitte des Landes die Gemengelage herrschen. Bulgarische Täler wechseln mit serbischen, mit albanesischen ab. Oft ist von ganz nahe gelegenen Ortschaften die eine in der Hand einer bulgarischen Bevölkerung, während man in der andern serbisch spricht. Und ähnlich berühren sich Serben und Albanesen. Im Süden Mazedoniens und Albaniens liegen griechische Landbezirke dazwischen; griechische Stadtbevölkerungen, mehr oder weniger geschlossen und gar dominierend, kommen überall vor. Konstantinopel ist in ethnographischer Beziehung ein Problem, zugleich in religiöser, vollends in geographischer und strate= gischer Beziehung. Bulgarien richtet wohl sein Augen­merk darauf, aber sicher wird Rußland die meerengen­beherrschende Stadt niemals in andere Hände über­gehen lassen. Die Türken werden Stambul wohl nur nach einem Verzweiflungskampf aufgeben. Wer auch Konstantinopel beherrscht, er wird mit einer leiden­schaftlichen Opposition der Unterworfenen zu tun haben. Früher fiel das Gewicht der Bulgaren und Armenier ohne weiteres in die Schale Rußlands. Das ist nicht mehr. Die Armenier im eigentlichen Arme nien haben unter der russischen Herrschaft nicht das gefunden, was sie erwartet hatten. Die Türken sind an Zahl, an Macht, an Kulturwelt nicht bedeutend genug, daß sie sich die andern Nationalitäten und Religions gemeinschaften genügend unterwerfen könnten.

Das Volk von Trastevere.

Blid auf Rom.

zu betrachten. Noch heute steht dort vereinsamt die kleine Schifferkirche St. Maria del buon viaggio( jetzt della Torre), wo am Sonntage die Seeleute beichteten. Abends zogen dann alle in priesterlicher Prozession nach dem Hafen, die beiden ältesten Seeleute trugen Fahnen voraus, auf denen Petrus und Paulus als Schutzpatrone und die Madonna als Retterin in Sturm und Schiff­bruch gemalt waren. Im Hafen empfingen die Ab­fahrenden den Segen der Kirche, und jeder Vorüber­gehende wünschte ihnen glückliche Reise. Seit einigen Jahrzehnten jedoch besucht niemand mehr die Ripa grande. Sauber gefegt und unbenutt liegen die neuen großen Hafenanlagen, still und menschenleer sind die Straßen in diesem Teile Trasteveres. Es ist ein toter Hafen, den nur wenige sizilianische Barken anfahren. Hier und da schläft auf dem steilen Gemäuer ein alter Schiffer. Erweckt man ihn und fragt, wo eigentlich der Tiberhafen sei? So hebt er wohl ein wenig den müden Kopf und antwortet: das war früher ein mal..." Am andern Ufer aber ragt steil der Aventin empor mit seinen dunklen Pinien und Zypressen, mit mächtigen Ruinen und der ältesten römischen Bafilifer St. Sabina. Ernst blickt er und starr in den schnellen Fluß, träu­merisch umstrahlt ihn der weite römische Abendhimmel wie einst, im silbergrauen Schimmer dehnt sich das alte Gemäuer auf seiner Höhe, und es scheint dann, als sei auch der früher so bewegte Hafen erstarrt und verstimmt vor der An­dacht einer großen Vergangenheit.

Der Fremde, der heute in das Volf von Trastevere gelangt, be­schränkt sich in der Regel auf den Besuch der beiden alten Kircher St. Cecilia und St. Maria in Trastevere, die einst durch die Straße der Töpfer verbunden waren und noch heute ständig von einer bunten Volksmasse umlagert sind. Dann steigt er empor zum Monte d'oro, um längst der Passeg­giata Marguerita in die Villa Corsini zu gelangen. Auf den Monte d'oro verlegt die Legende die Kreuzigungsstelle von Petrus und Paulus. Heute steht dort die Kirche St. Pietro in Montorio, von deren Terrasse man die er­

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habenste Aussicht über Rom genießt. Die Treppe ist von einer Schar Bettler belagert, die dem Vor­überwandelnden auf­dringlich das menschliche Elend in allen Gestalten und Verkrüppelungen

veranschaulichen. Bis oben hin aber dringt fein Laut mehr aus dem Volksgetümmel. Welch eine wunderbare Ruhe lagert hier bei Sonnen­untergang über der ewi gen Stadt, finster und schweigsam wirken die Schatten des alten Rom: Palatin, Aventin und Celio nach der Höhe des Janiculum, das ehemals die Gärten der Agrip­pina, des Nero und des Domitian einnahmen. Mit wenigen Schritten fühlt man sich weit hinweggehoben über alles Alltags­geschrei unserer Zeit. Hat doch hier Tasso sein neues Jerusalem zu Ende geträumt, noch steht die vom Blizz getroffene Eiche auf dem Janiculum, unter der Tasso zu sitzen pflegte, und daneben das Kloster St. Onofrio, in dem der große Dichter starb. Aber wir modernen Menschen sind eben gesellige Wesen und nach den Ewigkeitsschauern, die uns oben ergreifen, suchen wir frohbewegtes warmes Leben. Kaum haben die Glocken von St. Pietro in Montorio das Ave Maria geläutet, so blicken wir noch einmal über die ewige Stadt, die weite öde Campagne und die blauumschleierte Berg­form hinweg und steigen dann wieder hinab in das sympatische urwüchsige Volf von Trastevere, erfreuen uns an den bunten, sonnedurchglühten Gestalten, ber­mischen die Eindrücke des Neuen mit der Einbildung vom Alten, tauschen Empfundenes mit Erlebtem und überlassen es sorglos dem funkelnden Wein von Frascati, Traum und Wirklichkeit in unserm Hirn vollends zu vermengeu. Schneller als anderswo) schlägt die Uhr in Trastevere. schnell ist Mitternacht vorbei, ehe man den meist weiten Weg zu Fuß nach Hause findet.

Bonte Eifto mit Blid auf Trastevere.