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Gießener Zeitung

Bezugspreis 40 pfg. monatlich

( Neueste Nachrichten)

verteljährlich 1,20 Mt., vorauszahlbar, frei ins Haus. Abgeholt in unserer Expedition oder in den Zweig­ausgabestellen vierteljährlich 90 Pfg. Erscheint Mittwoche und Samstags. Redaktion: Selters. weg 83. Für Aufbewahrung oder Rücksendung nicht verlangter Manuskripte wird nicht garantiert. Berlag der ,, Gießener Zeitung" G. m. b. H.

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Nr. 85.

Telephon: Nr. 362.

Expedition: Seltersweg 83.

Mittwoch, den 23. Oftober 1912.

deren Umgebung fich die türkische Hauptkraft befinden soll, äußerst harte Kämpfe statt, die bisher unentschie­den blieben. Die türkische Verteidigungslinie foll durch­brochen sein. Das Kresna Defile" sei von den Bulga­ren genommen worden.

Der Vormarsch der Bulgaren.

Sofia, 22. Oft. Die bulgarischen Truppen setzen den Vormarsch am Ufer des Bregalnizzaz fort. Struma Mesia, Douen und Mehomi wurde von den Bulgaren besetzt. Bei Mehomi ergaben sich zwei türkische Kom­pagnien.

Bulgarische durch Mazedonier verstärkte Frei­schhärler operieren bereits im Rüden der türkischen Linie. Es ist ihnen heute gelungen, hinter Adri anopel an die Bahnstrecke der Orientbahn zu gelan­gen und die Schienen auf eine Entfernung von 230 Meder loszulösen und vom Bahndamm zu werfen.

Zum Geburtstag der Kaiserin. gegend Gestern am Dienstag beging Kaiserin Augusta Bil­d Bäckerfund sie ihren 54. Geburtstag. Das ganze deutsche Volk bigt ihr als seiner Kaiserin. Ist doch die hohe Frau Inbegriff aller Frauentugenden geworden, und ng htet doch ihr Beispiel als Leitstern gerade in einer ren reflektiert die sich müht, den Inhalt des Frauenideals nach n besonderes, men Gesichtspunkten zu modeln. Nicht immer glüdlich; Te entgegen dfadh in verkehrtem Sinne. Da dürfen wir uns freuen, an die Er höchster Stelle im Reiche eine Frau zu sehen, deren ift und Herz in allen Lebenslagen stets das Rechte fen, eine Frau, die als Gattin wie als Mutter, auf Throne wie in der Familie gleich vorbildlich wirkt. fenen Auges und offenen Herzens ist Kaiserin Au­he Vittoria bestrebt, allen Veranstaltungen und Ein­hungen ihre Unterstützung zu leihen, die auf die He­Jung der Volkswohlfahrt gerichtet sind, und dem von ern- Wolle ausgehenden Impuls verdankt manche Seite der ftigung, gialen Fürsorge eine Förderung, die sonst der Ver­en 2 Strickanleitunge loigung anheimgefallen wäre. An der Seite eines etc. selbst zu strickerier 5, dem Deutschland nicht nur eine wuchtige poli­elegant! Geltung, sondern auch einen ungeahnten wirttiker ab, der sich jedoch in größere Höhen zu schrauben ahre gleich praktischefi lüchen Aufschwung verdankt, verkörpert Raiserin Au­Sport. jt Viktoria so recht die harmonische Ergänzung, die brik Grossisten un atfräftigen Wirten des Mannes zu wünschen ist, rei, Altona- Bahrental forgende Liebe, die zartsinnige Ausgleichung un­sbleiblicher Gegensätze und ungewollter Härten und Friedrich Teipel Vertiefung der Aufgaben, die der Frau ureigenstes biet find. Wir wissen feinen besseren Wunsch am Wie­

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jefte der Kaiserin als den, daß das deutsche Volk hr und mehr das Wirken der hohen Frau fennem

lechten verstehen lerne. Heil unserer Kaiſerin!

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Vom Balkankrieg.

usschläge, Aderben Huf dem Kriegsschauplatze ziehen gegenwärtig die Finger, alte Wurgänge an der bulgarisch- türkischen Grenze die bisher vergeblich aufmerksamkeit auf sich. Gegenüber der hohen ghoffte, versuchentugkeit der dortigen Ereignisse treten die Vorgänge währte u. ärztl.den Grenzen Griechenlands, Serbiens und Monte­no- Salbos in den Hintergrund.

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Die Schlacht bei Kirk Kiliffe.

Sofia, 22. Oft. Sicherem Vernehmen nach fan­gestern und heute vor der Festung Kirk Kilisse, in

Das Glückskind.

Roman von Frene von Hellmuth.

( Nachdruck verboten.) Er mochte wohl fühlen, daß sein Zorn ihn hinge­, daß er zu wett gegangen.

eine wertlojen rum vieles milder, als vorher, begann er:

sondern

Set doch vernünftig, Aurelia, hast Du denn nicht

gen meinen Kecht, daß das, was Du getan, einem Raube an un­

ngen mein weltben te zukünftigen Kindern gleichkommt? Uebrigens,

ftr. hygien er fort, als fie unbeweglich in ihrer Stellung be­buch gegen te, werde ich selbst die Sache in die Hand nehmen ( gefchloff. u pod sie zum schnellen Ende bringen."

Das wirst Du nicht tum!" rief die Angeredete aufs te erzurnt und doch erschrocken aus. Noch heute,

VOD Dank sc werden mir dant gleich eile ich zu Mathilde, ihr zu sagen, daß ich das, Ells. Sche Debamme a. D., ausgeben dürfe, auch Dir nicht, und sie wird sich W. 10, Ritteritrobl hüten, es zu tun. Ich werde ihr sagen, daß sie

as ich versprochen, unter allen Umständen halten und daß sie keinem, wer es auch sei, den Schein

Grund dessen ihr gutes Recht verfechten möge." Bei diesen Worten brach die schwer gezügelte Wut lederum aus seinen grauen, haßerfüllten Augen. Die

fze nur milde ballten sich zur Faust, keuchend ging sein Atem.

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Mitßten wir eine solche Handlungsweise nicht als e ewige Schmach empfinden?" begann die gequälte au: von neuem, laß Dir genügen an dem, was wir haben, es ist ja doch genug."

Ein Beutel ist's, den ich Dir am liebsten vor die einfältiges Weib," Sie werfen möchte, dummes, Dufte er auf.

Blötzlich schien ihm ein Gedanke zu kommen, der hollständig beherrschte. Er sprang von seinem Size dile Höhe, stellte sich dicht vor seine Frau hin, und On thückischen, fazenartigen Blick auf sie gerichtet, fragte lamernd:

Und wenn das Mädchen nicht heiraten sollte, was

Sofia, 22. Okt. Die erste Verwendung Don Flugmaschinen im Ballantriege hat heute statt gefunden. Bei wunderschönem Wetter stieg heute Don Mtafa Pascha aus ein bulgarischer Militäre pilot auf und erhob sich 300 Meter in die Luft. In raschem Fluge wandte sich der Flieger nach Adria nepel, um dort die türkischen Stellungen auszufund­schaften. Als die türkischen Vorposten die Flugmaschine bemerften, gab fie fofort Steilfeuer auf den kühnen Avia­

vermochte und dadurch dem Gewehrfeuer entging. Er log die ganze Front ab und fonnte wichtige außerordentlich zu statten fommen werden. Nach halb­Beobachtungen machen, die dem bulgarischen Vormarsch fündigen Beobachtungsfluge über der türkischen Linie fehrie der Flieger in das bulgarische Lager zurüd, wo er dem Generalstabe seine Meldungen unterbreitete.

Vom westlichen fürkisch- bulgarischen Kriegs= Schauplatz liegt folgende amtliche Meldung aus Konstan­tinopel vor: Der Befehlshaber der türkischen Detache­ments stellte fest, daß die bulgarischen Streitkräfte bei Hamlar im Bezirk Dospad an der bulgarischen Grenze zusammengezogen waren. Da an die bulgarische Stellung wegen der Unzulänglichkeit des Geländes nicht heranzukommen war, täuschte der türkische Be fehlshaber den Feind, indem er einen schein­baren Rüdzug unternahm. So zog er den Feind auf türkisches Gebiet und griff dann plötzlich seinen linken Flügel an, der völlig aufgerieben wurde.

Die türkische Flotte hat die Offensive ergriffen und Varna bombardiert. Das Bombardement dau­erte drei Stunden. Es gelang auch der türkischen Flotte, ein Korps von 4000 Mann zu landen. Es kam zwi­schen ihnen und der 8000 Mann starken bulgarischen Be­sagung zu einem heftigen Kampfe, in dessen Verlauf sich

dann? Haft Du diesen Fall auch auf dem famosen Schein vorgesehen?

Nein."

Artur Böhler rieb bie bageren Hände und sein Geficht nahm etnen frohlockenden, befriedigenden Ausdruck an.

Ja, ja, fo wird es eben auf diese Weise gehen müffen."

Wenn denn, was finnst Du aus?" Rosa wird überhaupt nicht heiraten." " Wolltest Du sie etwa daran hindern?"

Ich werde fie verhindern, verlaß Dich darauf." " O, Röschen wird dennoch einen Weg finden, hüte Du ein junges Mädchen, Du Kluger Mann," höhnte Aurelia. Röschen verspricht dereinst eine Schönheit ersten Ranges zu werden, und ihr guter Stern wird fie schon auf den rechten Weg führen, ich zweifle nicht daran," fuhr sie zuversichtlich fort.

Tue Du das Deine und laß mich das meine tun, wir werden ja ſehen, wer recht behält."

Na, jedenfalls werde ich die Augen über dem ge= liebten Kinde offen halten," beharrte Aurelia, indes Artur zornig mit dem Fuße den Stuhl umstieß und eilig das Zimmer verließ.

Die heftige Unterredung mit dem Gatten hatte die arme Frau doch mehr aufgeregt, als sie sich eingestehen mochte. Was Wunder auch! Wie ein Bliz war ihr die Erkenntnis gekommen, daß ihr Gatte nur das Geld befizzen wollte. nicht sie, und diese Erkenntnis hatte ein häßliches Licht auf den Charakter des bis dahin vergötterten Mannes geworfen, und ihr den niederen Sinn desselben in vollem Umfange gezeigt.

Sie würde es unter diesen Umständen als eine Erleichterung empfunden haben, wenn er auf längere Zeit verreist wäre, wie es doch sein Beruf eigentlich verlangte; aber darnach von ihr befragt, erklärte er

( Gießener Tageblatt)

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Telephon Nr.: 362.

24. Jahrg.

das tür fische Landungsforps genötigt sah, sich unter dem Schuh der Schiffsgeschütze zurückzuziehen. Der Hafen von Kavarna ist in einen Trümmerhaufen verwandelt worden.

Vom serbischea Kampfplatz.

Belgrad, 22. Oft. Die Stadt Romanowo ist in serbischen Händen. Ebenfalls wurde Egri Pa la nfa bei geringen Verlusten von den Serben ge­nommen. Seit gestern mittag haben die Gerben be gennen, Novibazar zu beschießen, die Er­gebung der Stadt steht unmittelbar bevor.

Belgrad, 22. Oft. Die serbische dritte Armee und die Jbar- Armee hat auf dem Terrain von Velja­glava bis Basta und in der Umgebung von Novibazar gegen die Türken und Albanesen erbitterte Kämpfe zu bestehen. Die Stärke der Türken wird auf 40 000- banesen und zehn Nizam- Abteilungen mit vier Batte­rien geschätzt. Gestern früh begann die dritte Armee eine energische Offensive, warf den Gegner zu rüd und erreichte Malokossowo. Von der Jbar- Ar­me e find günstige Meldungen eingetroffen. Das Ar­mee- Hauptquartier befindet sich in Branja, wohin sich auch der König begeben hat.

Vom montenigrinischen Kampfplan.

Der Sieg über die türkischen Truppen bei Poddo­tiza war mit bedeutenden Verlusten verbunden. Prinz Petar erhielt das Kommando über die neuformierte Bri­gade Bjelopolje.

In Serajewo trafen ein türkischer Offizier und 34 türkische Soldaten ein, die nach den Kämpfen mit den: Montenegrinern im Sandschaf über die österreich- ungarische Grenze geflüchtet waren, wo sie sich den Behörden stellten und die Waffen ablieferten.

Die Aktion der Griechen.

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Die griechischen Streitkräfte dirigieren linken Flügel über Diskatha vorwärts. Die Türken wurden zu einem überſtürzten Rückzug gezwungen. Der Kronprinz Konstantin hatte inzwischen Reserven heran­gezogen, mit denen er die Türken fast bis Selfidjem verfolgte. Ein Gefecht von großer Bedeutung ist in Der nächsten Tagen zu erwarten, da die türkischen Stel­

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ohne Schen, daß er den Posten aufzugeben c fich ein ruhigeres und behaglicheres Lev... zu ver schaffen.

Aurelta war sprachlos. Was wollte er denn dann anfangen? Irgend etwas muß der Mensch doch zu tun haben; wollte er am Ende von dem Gelde leben? Die Zinsen würden kaum hinreichen, da Artur ein feines, kostspieliges Leben gewöhnt war.

Und wenn dann die Hälfte herausbezahlt werden mußte, was dann? Also deshalb diese furchtbare But, deshalb diese Flut von Vorwürfen; er gedachte über­haupt nichts mehr zu arbeiten; o pfui über diesen Mann, der den ganzen lieben langen Tag auf der faulen Bären­haut liegen wollte, der seine gesunden Glieder und Kräfte nicht dazu anwenden mochte, wozu sie ihm ge­geben, zur Arbeit.

Eine unsägliche Angst schnürte der armen Frau die Kehle zusammen. Sie fühlte mit Schrecken, daß sich unter diesen Umständen ihre Liebe zu dem Gatten in das Gegenteil fehrte, daß sie verachten mußte, wo sie achten sollte.

Was würde das für ein Leben in Zukunft werden, eine Ehe in Verachtung und Haß. Sie wollte daher alles daran sezen, Artur zu seiner Pflicht zurückzuführen.- Vergebens. Umsonst stellte sie ihm vor, daß es eine Sünde wäre, das Leben ohne alle Arbeit hinzubringen, er lachte sie aus.

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Du wirst sehen, mein Täubchen, daß mir die Zeit gar nicht lange wird," sagte er in höhnischem Ton, ich schlafe, esse, trinke, rauche, gehe nachmittags ins Cafee zu einer Partie Schach und abends zu einer Partie Billard oder was sich sonst findet; nebenbei mache ich ein kleines Spekulationsgeschäftchen, es geht ganz gut." ,, Um Gottes willen nicht, Artur, eines Tages stehen wir danu, entblößt von allen Mitteln, da." Gortsegung folgt.)