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Gießener Zeitung
Bezugspreis 40 pfg. monatlich
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( Neueste Nachrichten)
verteljährlich 1,20 m., vorauszahibar, frei ins Haus. Abgeholt in unserer Expedition oder in den Zweigausgabestellen vierteljährlich 90 Pfg.- Erscheint Mittwochs und Samstags. Redaktion: Seltersweg 83. Für Aufbewahrung oder Rücksendung nicht veriangier Manuskripte mird nicht garantiert. Verlag der ,, Gießener Zeitung" G. m. b. S. Nr. 24.
Telephon: Nr. 362.
Die bessische Besoldungvorlage.
Die langerwartete Besoldungsvorlage ist am Donnerstag dem Landtage zugegangen. Sie wird keine ge= nerelle Reform, sondern nur eine prozentualle Erhöhung Der Gehälter bringen. Der„ Tgl. Anz." erfährt, daß die geplante Aufbesserung der Gehälter 12 bis 13 Prozent bei den unteren, 10 bis 11 Prozent bei den mittleren und 6 bis 8 Prozent bei den oberen Beamten bis zu 7000 Mark betragen wird. Bei Gehältern über 7000 Mark soll die Erhöhung etwa 4 Prozent betragen. Die Erhöhung wird den Landesbeamten nach dem Gehalt, das sie zurzeit beziehen, berechnet, nicht wie der jetzige der Talschnel Wohnungsgeldzuschuß nach dem erreichbaren Höchstgehalt des Beamten.
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Außer dieser Gehaltserhöhung ist beabsichtigt, das Wohnungsgeld nach dem Muster von Preußen und dem Reich auf bestimmte Sätze zu erhöhen, die etwa 75 Prozent des jetzigen Aufwandes für Wohnungs miete entsprechen sollen. Das Land soll in drei ServisLassen eingeteilt werden, wobei die größeren Städte in sie erste Klasse kommen. Für die erste Klasse gelten
folgende Sätze: Untere Beamte 330, mittlere Beamte gt. Legehun 400-500, höhere Beamte( bis zu 7000 Mt. Gehalt) 800-1000 Mark. Bei mehr als 7000 Mt. Gehalt 1250 Mart, Minister 1800 Mark. In der zweiten Klasse be= eschäftsrägt das Wohnungsgeld etwa 80 Prozent der ersten fonft. günti klasse, in der dritten Klasse 70 Prozent der zweiten g. verkaufen klasse. Die Besoldungsvorlage soll einen integrierenden ngebot unter Bestandteil und eine von der Kammer wiederholt verReta& Beg angte Besoldungsreform darstellen. obleng
Eine demnächst den Kammern des Weiteren 311= met gehende Vorlage soll die Härten, die sich im Laufe der eit in der Besoldungsordnung von 1898 gezeigt haben, 261. Etg. Hefeitigen.
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Nach dem Bergarbeiterstreik im Ruhrgebiet.
Der Streif im Ruhrgebiet ist jetzt zu Ende und die Robanlage Arbeit geht in gewohnter Weise von statten. Wie mit Creteilt wird, beträgt nach genauer Berechnung der Lohncrusfall der Bergarbeiter in Bochum 6 750 000 mark. Cs fommt auf jeden Streikenden ein Lohnverlust von EL Mark. Das aus Anlaß der Ausschreitungen während des Streiks in das Ruhrgebiet beorderte Militär ilit zurückgezogen und in die Garnisonen zurückbefördert. Die in das Streifgebiet beorderten Gendarmen hingegen berden noch bis Mitte nächster Woche bleiben. Mit bemerkenswerter Geschwindigkeit werden die Streif bergehen in Hamborn zur Aburteilung gebracht. Worgestern standen bereits 8 Streifvergehen vor der
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Unter Feinden.
Roman von Karl Mattbias.
( Nachdruck verboten.)
Der Zuruf ihres Anführers brachte die Franzosen aum Stillstand. Sie ballten sich in einem Knäuel zufammen; aber Schuß auf Schuß lichtete die belagerten Reihen, die Ueberlebenden flüchteten die Stiegen empor, Stufe für Stufe gegen die Nachdrängenden verteidigend.
Den Degen in der Linken, den Revolver in der fruftlosen Rechten, stürmte Tyrolt den Seinen voraus. Die erſte Etage wurde geräumt, Körper auf Körper Brolle über die blutgetränkten Stufen in die Tiefe. Un
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aufhaltsam tletterten die Sachsen ins zweite Stockwerk erpor, wo sie die Schützen von den Fenstern verjag= ten, die wie Schießscharten mit eisernen Läden geblendot waren. Die Geschosse vom jenseitigen Ufer hatten feinen Schaden getan. Wenn nicht Kanonen mitspra= chem blieb die Fabrik nebst ihrer Besatzung unversehrt. es erkannte Waldemar sehr wohl, um so nachdrückfiber verfolgte er den Feind. Als er sich den Eintritt irt die erste Etage erzwungen hatte, verfolgte er die Banktireurs bis in die äußersten Winkel. Einer bog fiber die linke Galerie nach der verborgen gelegenen Sortierfammer. Tyroit, der eine Gewalttat befürchtete, fulgte der eilig dahin huschenden Gestalt und befand sich Clivier gegenüber.
Beide Feinde erfannten fi sogleich. „ Ach, Monsieur, sind Sie zu uns zurückgekehrt", hidhnte der Sohn des Hauses.„ Ich wünschte, mein Vater, und Desiree fönnten Ste in diesem Augenblick fe: jen." On Walde" Schweigen Sie, Unseiiger!" Herrschte ihn Walde" Ich bin Franzose, Herr, ein Offizier wie Sie. Aus mit einer Hand voll Leute den sieggewohnten Deutschen mar an. Was in aller Welt konnte Sie veranlassen, entgegenzutreten?"
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Expedition: Seltersweg 83.
Samstag, den 23. März 1912. Straffammer in Duisburg zur Verhandlung an. Da von wurden nur 5 Fälle erledigt; zwei Fälle wurden vertagt und ein dritter an das Schwurgericht verwiesen. Ein Färbereigehilfe, der einen Polizeikommissar mit dem Fuß einer Grubenlampe leicht verletzte, erhielt 4 Monate Gefängnis. Wegen Beleidigung eines Polizeikommissars erhielt ein Kesselheizer einen Monat Gefängnis. Ein Hauer erhielt wegen tätlichen Angriffs auf einen Gendarmeriewachtmeister sechs Monate Gefängnis. Ein Schlepper fam wegen Beleidigung eines Arbeitswilligen ( Streikbrecher) und Körperverletzung mit einer Woche Gefängnis davon.
Die Angriffe der Dreibundführer auf die bürgerliche Presse.
Wie aus der in der Revierkonferenz der drei Bergarbeiterverbände gefaßten Resolution hervorgeht, sind die Verbandsführer um Gründe für den Abbruch Streiks, durch die sie die eigene Schuld an dem frivol heraufbeschworenen Ausstand im Ruhrrevier zu verdecken
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suchen, nicht verlegen. Vielfach eingetretene Beschränkung der staatsbürgerlichen Rechte der Bergleute, rücksichtsloses Vorgehen der Polizeimannschaften und namentlich die systematische Irreführung der öffentlichen Meinung durch die bürgerliche Presse hätten es vermocht, den Streifenden den Erfolg aus der Hand zuschlagen. Durch die für die Arbeiter ungünstig lautenden Streifziffern seien die Ausständigen immerfort irregeführt und nach und nach teilweise so auseinandergerissen worden, daß nicht mehr möglich gewesen sei, den Kampf mit Erfolg weiterzuführen.
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Die Behauptung, die in der bürgerlichen Presse veröffentlichten Zahlen über den Stand des Streits seien nicht richtig, ist dieser Tage schon vom Zechenverband flipp und flar widerlegt worden. Außerordentlich bemerkenswert ist nun, was der Dortmunder General- Anzeiger hierzu noch zu sagen hat. Das Blatt schreibt im Anschluß an die Wiedergabe der Resolution des Dreibundes, es habe sich mehrere Tage lang immer wieder vergeblich bemüht, die ihm von den Führern des Bergarbeiterdreibundes versprochenen Streitzahlen vom sozialdemokratischen Bergarbeiterverband zu erhalten. Es wäre gewiß von großem allgemeinen Interesse gewesen, die von den beiden gegnerischen Parteien angegebenen 3ahlen miteinander zu vergleichen, aber trotz aller Bemühungen sei es ihm nicht gelungen, vom Dreibund das versprochene Zahlenmaterial zu erhalten.
Den sozialdemokratischen Verbandsführern wird diese Mitteilung, aus der hervorgeht, daß sie nicht ohne Absicht die von ihnen ermittelten Zahlen den Zeitungen
Patriotismus verteidige ich mein Vaterland, aus Trozz mein Eigentum gegen Euch Mörder, und Mordbrenner. Ich habe den Kürzeren gezogen, weil Sie der Spion waren, welcher die Schleichwege kannte und uns den Rückweg abschnitt. Fahr zur Hölle, Verräter!" schrie er, plößlich sich aus seiner gedeckten Lage aufrichtend, und stieß mit seinem Degen nach des Feindes Brust. Aber dieser war auf seiner Hut. Mit einem kraftvollen Hieb parierte er derart, daß die feindliche Waffe klirrend zur Erde fiel
,, Halten Sie sich still, Herr", sagte Waldemar, ohne die Ruhe zu verlieren, wenn Sie meine Leute hören, sind Sie verloren, ich aber möchte Sie schonen, trotz aller Bosheit, denn das Blut der Bourlier soll nicht auf mir lasten."
„ Sie wollen mich schonen?"
" Ich bin es Ihrem Vater schuldig. Ich werde Sie retten, denn Sie müssen einsehen, daß Ihre Position unhaltbar, Ihr Leben verwirkt ist, da man Sie als Befehlshaber der Franktireurs angetroffen hat. Dennoch will ich Ihnen forthelfen, still, uur still!"
Olivier nickte dem Deutschen mit falschem Blicke zu, dann ließ er sich theeatralisch vor ihm auf den Boden nieder. Er berührte mit der linken Hand Herz und Lippen, als sich aber Tyrolt abwandte, die offenstehende Tür zu schließen, ergriff er mit der Rechten den Säbel, der am Boden lag, sprang auf und stieß seinem Gegner den Stahl rückwärts durch die Rippen, daß jener lautlos zur Erde fiel.
In diesem Augenblick erschien Neumann, von mehreren Schüßen begleitet, auf der Schwelle. Er hatte setnen Herrn in Verfolgung der Franktireurs über den Gang eilen schen. Ein Blick sagte ihm, daß er zu spät erschienen sei. Unbändige Wut stieg in ihm auf. Mit dem Schrei eines Tobsüchtigen sprang er auf den Fran= zosen ein, der sich nicht verteidigen konnte, da sein De gen in der Wunde stecken geblieben war, packte ihn mit betden Händen und schmetterte ton gegen die Holzge=
( Gickener Tageblatt)
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Telephon: Str. 362. 24. Jaure.
vorenthalten haben, nicht gerade angenehm sein. Sie beweist, daß der Verband selbst keine Streitzahlen vor= liegen hatte, die die ausständigen Bergleute zur Fortsetzung des Streiks hätten ermutigen können. Trotzdem hat aber die sozialdemokratische Presse die bürgerlichen Zeitungen unausgesetzt in der heftigsten Weise angegriffen und sie der Jrreführung der Bergarbeiter und der öffentlichen Meinung beschuldigt. Falsche Nachrichten über den Stand des Streiks hat, wie zweifellos feststeht, die sozialdemokratische Presse verbreitet und da= mit den Bergarbeitern unermeßlichen Schaden zugefügt. Hätte sie, wenn sie den Angaben des Zechen- Verbandes feinen Glauben schenken wollte, die fast gleichlautenden Zahlen des Königlichen Oberbergamts veröffentlicht, so würde der Ausstand sicher schon weit früher sein Ende erreicht haben, da die Bergarbeiter dann die Nutzlosigkeit des Ausstandes erkannt haben würden. Daß die streikenden Bergarbeiter selbst zu der Ueberzeugung ge= den Stand des Streits falsch unterrichtet worden sind, kommen sind, daß sie von den Verbandsführern über kam auch in den am Dienstag abgehaltenen Bergarbei
terversammlungen, in denen den Verbandsführern von vielen Seiten dieserhalb die heftigsten Vorwürfe gemacht wurden, zum Ausdruck. Wenn die Führer es dennoch wagen, der bürgerlichen Presse irreführende Berichterstattung vorzuwerfen, so darf man das Urteil hierüber wohl der Oeffentlichkeit und namentlich auch den Bergarbeitern selbst überlassen.
Politische Rundschau.
Deutschland.
Berlin, 23. März. Die Mittelmeerreise des Kaisers ist gestern Freitag angetreten worden. In seiner Begleitung befinden sich das Prinzenpaar August Wilhelm und die Prinzessin Viktoria Luise. Von persönlichen Bekannten wird Fürst Egon zu Fürstenberg an der Reise teilnehmen.
s Darmstadt. Der vortragende Rat in der Abteilung für öffentliche Gesundheitspflege des Ministerium des Innern, Geh. Obermedizinalrat Dr. Neidhart ist aus sein Nachsuchen mit Wirkung vom 16. April d. Is. an in den Ruhestand versetzt. Er erhielt vom Großherzog das Komturkreuz 2. Klasse des Verdienstordens Philipps des Großmütigen.
Holland.
Prinz Heinrich der Niederlande traf gestern mittag mit großem Gefolge zur Besichtigung der Kruppschen Fabrik in Essen ein. Er wurde am Hauptbahn= hof von Herrn Krupp von Bohlen und Halbach em
faßten Scheiben des hohen Bogenfensters. Mit markerschütternder Schrei sauste Olivier in die Tiefe hinab und schlug dumpf auf den Hof nieder, wo er ohne Lebenszeichen liegen blieb.
Neumann wollte sich jammernd über den Körper seines Leutnants werfen, aber die Kameraden hinderten ihn daran.
" Erst den Degen heraus, vielleicht ist noch Hilfe", sagte eine Schüße.
Der brave Bursche bezwang seinen Schmerz. Vorfichtig entfernte er den Stahl. Die Wunde durchquerte den ganzen Körper. Das Blut quoll aus ihr in Strömen, der Verwundete stöhnte und seine Lippen färbten sich mit rotem Schaum. Neumann riß die Uniform he= runter und verband seinen Herrn so gut es ging.
„ Hole Wasser, Gottlieb", sagte er zu seinem Kameraden, und Du, Brenner, paß auf, daß wir hier nicht gestört werden", befahl er dem andern.„ Lauf, Gottlieb, schaff Wasser herbei!"
,, Das wird wohl nicht mehr helfen", meinte der Schüße, unser armer Leutnant muß in's Gras betßen. Aber ich will nach Wasser suchen, vielleicht bekommt er doch noch Durst."
Der Mann entfernte fich. Brenner bezog feinen Posten auf dem Gange. Neumann legte das Haupt Waldemars auf seinen Schoß, damit das Blut nicht mehr auf seine Lippen steigen könne.
,, Mein armer, armer Herr," seufzte er, so niederträchtig zu Falle zu kommen; so ein gemeiner Hund, heimtückisch nach Franktireurart! Aber ich habe es ihm gegeben. Und doch, was hilft's?! Mein guter Herr wird dadurch nicht wieder gesund."
( Fortfegung folgt.)


