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Gießener Zeitung
( Neueste Nachrichten)
Bezugspreis 40 pfg. monatlich verteljährlich 1,20 Mf., vorauszahlbar, frei ins Haus. Abgeholt in unserer Expedition oder in den Zweigausgabestellen vierteljährlich 90 Psg- Erscheint Mittwochs und Samstags. Redaktion: Seltersweg 83. Für Aufbewahrung oder Rücksendung nichi verlangter Manuskripte wird nicht garantiert. Verlag der ,, Gießener Zeitung" G. m. b. H.
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Nr. 14.( 2. Blait).
Die Kohlen werden teurer,
diese Meldung weiß schon jede Hausfrau und darum interessieren wohl gerade jetzt die beiden nachfolgenden Artikel. k
Bergarbeiterlöhne und Betriebsüberschüsse.
Bekanntlich sind der sozialdemokratische BergarbeiterVerband, die polnische Berufsvereinigung( BergarbeiterAbteilung) und der Gewerkverein Hirsch- Duncker'scher Bergarbeiter dieser Tage in einer Eingabe an den Vorstand des Zechenverbandes herangetreten mit dem Ersuchen, auf die Grubenverwaltungen wegen einer allgemeinen Erhöhung der Bergarbeiterlöhne einzuwirken. Als Grundlage für die Lohnausbesserungen sollen die im Ruhrbergbau bisher gezahlten höchsten Durchschnittslöhne( 4,99 Mk. auf den Kopf der Gesamtbelegschaft und 6,14 Mt. Hauerlohn) angenommen werden, die im 4. Viertel des Hochkonjunkturjahres 1907 erreicht wurden. Hierzu soll noch ein Aufschlag treten, durch den die inzwischen eingetretene Lebensmittelteuerung ausgeglichen werde. Zur Begründung dieser Forderung wird darauf hingewiesen, daß der Kohlenbergbau sich gegenwärtig in einer günstigen Konjunktur befinde und die Mehrzahl der Werke höhere Betriebsüberschüsse auszu weisen habe.
Der rein agitatorische Zweck dieser von den drei Verbänden eingeleiteten Lohnbewegung liegt klar zu Tage. Kurz vorher war noch in der Presse aus bergbaulichen Kreisen berichtet worden, daß die Zechenbesitzer die Absicht haben, die Löhne entsprechend den gebesserten wirtschaftlichen Verhältnissen im Kohlenbergbau herauszusetzen; es stehe zu erwarten, daß die Löhne im Bergbau bei Anhalten der jetzigen Konjunktur ihren bisherigen Höchststand von 1907 demnächst wieder erreichen, vielleicht sogar überschreiten würden. Unter Hin= weis auf diese aus den Kreisen der Zechenbesitzer ſtammende Meldung hat denn auch der Gewerkverein christlicher Bergarbeiter in der Presse erklärt, daß für ihn feine Veranlassung vorliege, sich an der Stellung Lohnforderungen zu beteiligen.
von
Da die von den drei Verbänden eingereichten Lohnforderungen mit höheren Betriebsüberschüssen der Werke begründet werden, und die Forderung gestellt wird, die im 4. Quartal des Hochkonjunkturjahres 1907 ge=
Ruhr
Samstags liegt für die Stadtabonnenten der
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Expedition: Seltersweg 83.
Samstag, den 17. Februar 1912.
1907
Harpener Bergbau- Aft- Ges. 14900835 Mülheimer Berwerfs- Verein 2134149
Mont Cenis
Königin Elisabeth
König Ludwig
Graf Bismarc
Unser Fritz
Johann Deimelsberg
Alte Haase
Aplerbecker Actien- Verein
bis 1. Oktober
1911
11 662448 1630519
1072959
817263
1888229
1520897
2284714
1815570
4573 777
2712964
1957 233
829567
388 477
229 022 462595
143284 80 297 318662
mith. 1911 weniger 3238387
503 630 225 696
367332
469154
1860813
1127 666 245 193 148 725 143 933
Es zeigt sich hier, daß 1911 die Betriebsüberschüsse bei allen Werken wesentlich geringer waren als 1907; einzelne Zechen wie„ Unser Fritz",„ Alte Haase" und " Johann Deimelsberg" haben nicht einmal die Hälfte des Ueberschusses von 1907 aufzuweisen. Auch heute liegen die Verhältnisse selbstredend bei weitem nicht so günstig wie damals. Eine Besserung der Konjunktur ist zwar nicht zu verkennen, ob sie anhalten wird, vermag niemand zu sagen. Angesichts dieser Besserung auf dem Kohlenmarkte ist zwar eine Steigerung der Bergarbeiterlöhne als berechtigt anzuerkennen, durchaus unbillig ist aber die von den Arbeiterverbänden gestellte Forderung, als Grundlage für eine sofort vorzunehmende Lohnaufbesserung diejenigen Löhne anzunehmen, die in dem wirtschaftlich günstigsten Quartal, das der Bergbau bisher zu verzeichnen hatte, gezahlt wurden.
Eine Statifik der, Hungerföhne" im Buhrbergbau. Der sozialdemokratische Verband der Bergarbeiter Deutschlands beabsichtigt, seiner Forderung auf eine
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zahlten Löhne als Grundlage für die vorzuhehmenbe 250 mk. monatlich Lohnaufbesserung anzunehmen, so dürfte es angebracht sein, die in den ersten 3 Quartalen 1907 im bergbau erzielten Ueberschüsse mit denen des Jahres 1911 in Vergleich zu ziehen. Vom 4. Quartal 1911 liegen die Zahlen noch nicht vollständig vor, sodaß ein Ver= gleich der Jahresergebnisse von 1911 und 1907 nicht angängig ist. Es kann indes schon jetzt festgestellt werden, daß, wie in den ersten 3 Quartaien, auch das Ergebnis des 4. Vierteljahres 1911 hinter dem des gleichen Quartales 1907 erheblich zurückbleibt. Die Betriebsüberschüsse betrugen in der Zeit vom 1. Januar
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Lohnerhöhung vor der öffentlichen Meinung das nötige Relief durch eine Hungerlohnstatistit zu geben; durch eine Vertrauensmänner läßt er 3. 31. eine Zusammenstellung der auf den einzelnen Gruben vorkommenden Hauerlöhne unter 5 Mark machen, um das Geschrei der Unternehmer über die hohen Bergarbeiterlöhne zu widerlegen." Was ist nun mit einer solchen Statistik be wiesen? Wenn tatsächlich eine größere Zahl von Hauern, an deren Leistungsfähigkeit und Leistungswilligkeit kein Zweifel bestände, mit ihrem Verdienst erheblich hinter dem Durchschnittssatz ihrer Kameraden zurückbliebe, so würden sich daraus allerdings berechtigte Einwendungen gegen die Lohnfestsetzung im Ruhrbergbau ergeben. Da aber die Menschen nun einmal nach Körperkraft, Geschicklichkeit und Intelligenz, und nicht zum mindesten dem Fleiße nach sehr verschieden sind, so kann es nicht ausbleiben( wenn man nicht annehmen will, die Bergarbeiter machten hiervon eine Ausnahme), daß auch die Hauerlöhne selbst bei gleichem Gedinge und sonst im wesentlichen übereinstimmenden Verhältnissen erhebliche Unterschiede aufweisen. Deshalb ist das Vorkommen von Hauerlöhnen unter 5 Mark, bei einem derzeitigen Durchschnittsverdienst von annähernd 6 Mark ( einschl. der dem Arbeiter obliegenden Knappschaftsgefälle) an sich nichts überraschendes und berechtigt auch angesichts der anderen Arbeitergruppen im Bergbau und den Angehörigen der übrigen Gewerbe bezahlten Löhne noch lange nicht, von„ Hungerlöhnen" zu sprechen. Im übrigen handelt es sich bei den Hauern, die keine 5 Mark verdienen, nur um eine kleine Zahl.
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