Deutscher Reichstag.
Am Mittwoch wurde zum Präsidenten Abg. Kämpf ( fortschr. Vp.) und zum zweifen Vizepräsidenten an Stelle des zurückgetretenen Abg. Paasche( natl.) der Abg. Dove( fortschr. Vp.) gewählt. Dann wurde mit der Etatsberatung begonnen. Staatssekretär Wermuth hielt die Einführungsrede. An Ausgaben soll der neue Etat 140 Millionen Mart mehr betragen. Davon kommt wenig mehr als eine halbe Million auf die Ausgaben für die Wahrung unserer Stellung in China. Beim Heer liegt eine Mehrausgabe von 15 millionen deshalb vor, weil alle Naturalten im Preise gestiegen sind. Der Staatssekretär schloß mit einem von der Rechten mit Beifall aufgenommenem Appell, daß das Reich bet seiner bewährten Wirtschaftspoltttt festhalten solle. Am Donnerstag wurde die Etatsberatung fortgesetzt. Nach dem Abg. Franc( Soz.), der sich nach einigen sarkastifchen Bemerkungen über die Präsidentenwahl allgemeinen Betrachtungen über die innere Politik zuwandte und dabet zugleich die Initiativanträge seiner Partet empfahl, nahm der Zentrumsabgeordnete Speck das Wort. Er lehnte eine neue Erbschaftssteuervorlage ab und empfahl, sich mit den Reichsmitteln einzurichten. Abg. Westarp( tons.) vertrat die Meinung, daß für unfer deutsches Vaterland nur eine starte Monarchte auf christlicher Grundlage möglich ist. Reichskanzler von Bethmann Hollweg gab über die Beziehungen zwischen Deutschland und England folgende Erklärung ab: Der englische Kriegsminister Haldane hat bei seiner hiesigen Anwesenheint, wenn auch ohne Ermächtigung zu bindenden Abmachungen so doch im Auftrage des englischen Kabinetts die Punkte, an denen sich die Interessen der beiden Länder berühren, mit uns durchgesprochen, ( hört, hört im ganzen Hause) um eine Grundlage für vertrauensvolle Beziehungen herzustellen.( Lebhafte Zustimmung). Die Aussprache, die von uns lebhaft begrüßt worden ist, hat in mehrfachen eingehenderen offttellen Unterhaltungen stattgefunden und wird fortge= fetzt werden.( Lebhafte Bewegung im ganzen Hause und großer Betfall.) Ich wollte nicht zögern, dem Reichstage Mitteilung von der Tatsache der Besprechung und von thren Bielen zu machen. Abg. Innd( natl.) wandte sich gegen neue indtrekte Steuern. Hierauf vertagte sich das Haus auf Freitag.
England gut Freund?
Aus angeblich sicherer Quelle wetß die„ Tgl. Ndsch." Einzelheiten über die deutsch- englischen Verhandlungen mitzuteilen. Die gegenseitig gewonnenen Eindrücke follen schriftlich niedergelegt werden, und diese Schriftstücke sollen die Grundlage für den weiteren Meinungsaustausch bilden, der schon in kurzer Zeit feinen Anfang nehmen wird. Die offiziellen Verhandlungen werden noch in diesem Monat in London beginnen und deutscherseits von dem Grafen Wolff- Metternich geführt werden. Der Besuch des englischen Königs= paares bei den europäischen Höfen im Spätfrühling dieses Jahres führt König Georg auch nach Berlin, und es wird sich dabet Gelegenheit bieten, daß die beiden Monarchen thre Gedanken über die Beziehungen ihrer Länder austauschen. Doch erst gelegentlich des Ge= genbesuch unseres Kaisers in London wird das Werk der Diplomatte durch die Zusammenkunft der betden Herrscher seine Krönung finden, und es darf schon heute gesagt werden, daß der nächsten Anwesenheit unferes Kaisers in London die wetttragendste politische Bedeutung zukommt. Uebrigens scheint die englische Regierung schon jetzt Beweise ihrer veränderten Gesinnung geben zu wollen. Wie verlautet, soll im Frühjahr ein englisches Geschwader deutsche Häfen anlaufen. Ferner wird bekannt, daß Bestrebungen im Gange sind, den Bundesratsausschuß für auswärtige Angelegenheit einzuberufen.
Rundschau vom Cage.
Politisches.
Eine Krisis in Direktorium des Hansabundes? Die Rheinisch- Westfälische Zeitung", die dem Hansabunde nicht gerade wohlwollend gegenübersteht, bringt folgende Meldung:„ Der Geschäftsführer des Hansabundes, Oberbürgermeister a. D. Knobloch, wird von seinem Urlaub, den er am 18. Februar angetreten hat, nicht mehr auf seinen Posten zurückkehren. Wie es heißt, sollen Differenzen mit Geheimrat Nießer die Veranlassung zu seinem Rücktritt gegeben haben; nach anderen Melbungen aber ist auch die finanzielle Grundlage des Hansabundes nicht mehr derart, daß er den ersten Geschäftsführer mit 30 000 Mark besolden kann. Als Nachfolger wird Dr. Stresemann, Syndikus des Verbandes sachfischer Industrieller, genannt." Zu dieser Meldung verlautet aus Streisen des Bundes, daß schon längere Zett von einem Rücktritt Knoblochs die Rede gewesen ist, für ben persönliche Gründe ausschlaggebend sein sollen. Die nationalliberale Reichstagsfraktion hat einen Antrag eingebracht, in dem sie die Vorlage von Gesetz
2)
Unter Feinden.
Roman von Karl Matthtas. ( Nachdruck verboten.)
Tyrolt verneigte sich höflich und bot der Dame setnen Arm, indeß Desire, dem Papa zujauchzend, dte Stufen der Veranda hinaufsprang.
Fräulein Bourlter war ein reizendes anmutiges Persönchen, nicht mit besonderer Schönheit ausgestattet, doch voller Lieblichkeit in den etwas unregelmäßigen Gesichtszügen, welche von einer Fülle dunkelbrauner Haare umgeben waren. Krause Löckchen spielten auf der flugen Stirn. Die zierliche Nase war tokett aufstrebend. Unter den dunkeln, scharfgeschwungenen Augenbrauen funkelten die schwarzblauen Aeuglein wie zwet Diamanten. Der kleine rote Mund, hinter dessen Lippen zwei blizende Reihen scharfer Zähnchen sichtbar waren, jubelte:„ Papa, Papa", indem sie thm Itebevoll die Arme entgegenstreckte.
„ Da bist Du ja, mein Wildling," antwortete er in gleicher Wetse, und wie hübsch Du ausschaust! Komm, tüsse mich noch einmal, mein Goldkind! O, wie wohl das tut! Schwester Nataly, ich begrüße Dich von Herzen, willkommen in meinem Hause! Wie liebenswürdig, daß Du Wort gehalten hast. Ich mache Dir mein Kom= pliment, Du hast mir meinen Liebling gut gepflegt."
,, Das war nicht ganz leicht", antwortete die würdige Dame, ihren Bruder küssend, nachdem sie Tyrolt mit freundlichem Kopfnicken freigelassen hatte. Desire hat in Brüssel Sachen angestellt- Sachen- nun ich erzähle Dir, sobald ich einigermaßen zu Atem gekommen bin. Bin ich auffallend mager geworden, Jean?"
" Nicht, daß ich's bemerken könnte", erwiderte BourIter lächelnd. Du siehst majestätischer und schöner aus als je."
entwürfen uver das Erfinderrecht von Angestellten und über das Recht der Konkurrenzklausel und weiter die Schaffung eines einheitlichen Privatbeamtenrechts forbert.
Das neue Reichsvichseuchengefeß wird, wie verlautet, voraussichtlich zum 1. April 1912 in Kraft treten, nachdem die Ausführungsgeseze in den letzten Monaten in allen Bundesstaaten erlassen worden sind.
Kaiser und Zar. In Petersburger Hoffreifen wird als sicher angesehen, daß auch in diesem Jahre eine Begegnung zwischen dem Zaren und Kaiser Wilhelm stattfindet.
Italienische Verstärkungen für Tripolis. Nach der Meldung eines Mailänder Blattes sind Vorbereitungen für die Expedition eines weiteren italienischen Armeekorps in Stärke von 40 000 Mann nach Tripolis beendet. Die Einschiffung hat bereits begonnen. General Caneva, der wieder unterwegs nach Tripolis ist, beabsichtigt, wie es heißt, in Zukunft eine ganz veränderte Taktik den Eingeborenen gegenüber zu bes folgen. Besonders sind auf seine Weisung die unsinnigen Massenhinrichtungen Kriegsgefangener bis auf weiteres eingestellt worden und die Galgen sind sogar zum Teil schon abgebrochen worden. Der Bau der projektterten Eisenbahn ins Innere von Tripolis macht nur geringe Fortschritte.
Das englische Unterhans fezte die Adreßdebatte über die Thronrede heute fort. Es wurde ein Antrag der Arbeiterpartet auf Verhütung von Arbeiterunruhen, Mindestlöhnen, Verstaatlichung der Eisenbahnen, Bergwerke und anderer Unternehmungen abgelehnt.
Kleine Nachrichten.
Die Hamburger Hoch- und Untergrundbahn ist am Donnerstag feierlich eingeweiht worden. Die Tetlstrecke Rathausmarkt- Barmbeck soll am 1. März dem Verkehr übergeben werden. Mit dem Bau der Bahn ist im Sommer 1906 begonnen worden.
Das Zeppelin- Luftschiff„ Schwaben" wird Ende März wieder in Düsseldorf stationiert werden, von wo aus dann ausgedehnte Passagterfahrten unternommen werden. Der neue Beppelin- Luftkreuzer Viktoria Luise" unternahm auch gestern eine längere wohlgelungene Probefahrt.
Eine Ortsarme als Erbin. Der in einem Orte in der Nähe von Dresden verstorbene Volksschullehrer Rademacher bat feiner in Landsberg a. W. wohnenden einzigen Schwester, der Witwe Witt, die Armenunterstüßung erhielt, 2= bts 300 000 Mart testamentarisch vermacht.
Der englische Spion Stewart tst gestern von Leipzig in Begleitung zweier Transporteure in der Festung Glaz angekommen. Die Aufsicht auf der Festung ist jetzt äußerst scharf
Ein Legat von 400 000 Mark zur Gründung eines Instituts für Krebsforschung wurde der Stadt Danzig aus Tsingtau in Oftasten von einem früheren Bürger zugewiesen, der seine Gattin an Krebserkrankung verloren hatte.
Eine Stiftung für arme Augentrante. Der frühere Arzt an der Würzburger Klinik, festge Augenarzt in Milwaukee, Josef Schneider, stiftefe 100 000 art für die Würzburger Augenklinik zur unentgeltlichen BeHandlung und Verpflegung armer Batienten.
Streit der Madrider Theaterdirektoren. Die Theaterdirektoren in Madrid haben im Einverständnis mit den Autoren und Schauspielern beschlossen, von Son= abend ab alle Theater so lange geschlossen zu halten, bis thren Klagen über zu hohe Besteuerung des Theatergewerbes durch Steuerermäßigung abgeholfen wird.
Menternde amerikanische Matrosen. Nach einem Telegramm aus Norfolk in Virginia meuterten 200 Mann des amerikanischen Schlachtschiffes„ Vermont" wegen eines Befehles zu ihrer Impfung mit Antityphusserum. Die Meufere wurden von Offizieren und Hilfsmannschaften anderer Kriegsschiffe überwältigt und in Etfen gelegt.
Im Leuchtturm dem Hungertode preisgegeben. Aus Madrid wird gemeldet: Im Leuchtturm auf der Insel Lobeira befinden sich sechs Personen, dte sett 25 Tagen ohne Nahrung sind. Es ist bisher unmöglich gewesen, in die Nähe des Leuchtturmes zu gelangen. Jede Hoffnung ist daher geschwunden, die Abgeschnit fenen noch lebend zu erreichen.
Ermordnna eines Deutschen in der Mongolei. Nach in Moskau eingelangten Privatmeldungen soll in Urga, der Hauptstadt der Mongolet, die dem österreichtfchen Staatsangehörigen Heinrich gehörige Bierbraueret überfallen und geplündert worden sein. Der in der Braueret angestellte Retchsdeutsche Drittenhofer foll von ien Chinesen getötet worden sein.
Aus den Gerichtssälen.
Ein Monat Gefängnis für eine Ohrfeige. Das Schöffengericht zu Osterhofen in Niederbayern hat etnen Landwirt, der einem Hauptlehrer eine Ohrfeige ge= geben und sich dessen gerühmt hatte, zu einem Monat
Du bist ein Schmeichler", seufzte ste, sich in einen Sessel werfend, während sie ihr Bild in den Spiegelscheiben der gegenüberliegenden Salontüre betrachtete; ,, tch weiß es besser, ich fühle mich zu schwach. Dein Kind hat mir in Wahrheit Sorgen gemacht; es ist zu lebhaft, um nicht zu sagen tollkühn; ich bin glücklich, der Verantwortung für ihr Wohlbefinden ledig zu sein.
Der Gegenstand threr Klagen hörte gar nicht, was die gute Tante sprach. Desire hatte sich zum Fabrikdirektor gewendet und ihm zu wiederholtem Gruße die Hand gereicht, welche er zerstreut mit den Fingern der Rechten festhielt, indem er entzückt in thre Augen blickte.
„ Ich begrüße Ste von ganzem Herzen in Ihrer schönen Heimat, Fräulein Desire", sprach er mit vor Aufregung bebender Stimme.„ cogen Sie nicht sobald da= ran denken, uns wieder zu verlassen, die wir unaufhörlich an Sie gedacht haben. Es muß sehr schön la Brüssel gewesen sein, daß Sie uns so lange allein lassen konn ten."
,, Haben Sie mich denn auch vermißt, Herr Tyrolt?" fragte sie ein wenig tokett.
Wie können Sie daran zweifeln, gnädiges Fräulein! Bedarf es der Worte, um Ihnen klar zu legen, daß unser Heim öde wird, sobald der gute Geist nicht mehr darin waltet?"
,, herrlich! Was nicht das Retsen tut! Jezt bin tch ein guter Geist geworden, und früher, als ich noch durch diese Räume tollte, nannte man mich des Hauses Kobold. Da hoffe ich bald zu einer güttgen Fee zu avancieren, wenn ich der Tante wieder nach Belgien folgen werde."
„ Ach, tun Sie das ja nicht", bat Waldemar erschrocken;„ bleiben Sie bei uns, verlassen Ste mich Ihren Herrn Vater nicht mehr. Wir wollen alles tun, um Ihnen den Aufenthalt so angenehm wie möglich zu machen. Ich schaffe Ibnen die neuesten Noten, dte
Gefängnis und zur Zahlung von 616 Mart Buße, Schmerzensgeld und gegnerischer Kosten verurteilt.
Um aus dem ihr läftigen Dienste zu kommen, zün dete, so wird aus Gretz geschrieben, das 15jährige Dienstmädchen Johanna Stier, ein uneheliches kind, das früh die Mutter verlor, bet einem Gutsbesiber ein Settengebäude an, das mit Erntevorräten gefüllt war. Das Mädchen, das sich jetzt wegen fahrlässiger Brandstiftung zu verantworten hatte, gab zu, das Feuer vorfäßlich angelegt zu haben, um sich nicht mit den Kin dern der Herrschaft herumärgern zu müssen und aus dem Dienste zu kommen, den sie erst 5 Tage innehatte. Das Urteil lautete auf 1 Jahr sechs Monate Gefängnis.
Gefängnis wegen Belästigung Arbeitswilliger. In einem Stahlwerk zu Hagen 1. W. war ein Ausstand ausgebrochen und einer der ausständigen Arbeiter hatte zu einem Arbeitswilligen gesagt:„ Wenn Du anfängst, schlage ich Dir die Knochen kaput." Das wurde als Vergehen gegen§ 153 der Gewerbeordnung aufgefaßt. Da der Arbeiter mittlerweile beim 81. Infanterie- Regiment eingestellt worden ist, so hatte das Kriegsgericht über den Fall zu urtetlen. Es erkannte auf einen Monat Gefängnis.
Der Eisenbahnräuber als Morphinist.
Die Affäre des in Meran verhafteten Berliner Ins genieurs Emil Dreyer, der in dem Verdacht steht, zahl= reiche Juwelendiebstähle in D- Zügen und Hotels verübt zu haben, ist fept in ein neues Stadium getreten, durch das die Angelegenheit in einem ganz anderen Lichte erscheint. Wie mitgeteilt, waren dem Nürnberger Fabrikanten Eckardt im D- 3ug auf der Fahrt zwischen Halle und Bitterfeld Juwelen im Werte von etwa 20000 Mart gestohlen worden. Anfangs d. M. erschten der in Groß- Lichterfelde wohnhafte Dreyer bei dem Bestohle nen in einem Hotel bei Untermais bei Meran und übergab ihm den größten Teil der gestohlenen Juwe len mit der Angabe, daß er sie in Berlin im Viktortas Cafee gekauft habe. Ein Teil der Schmucksachen set von seiner Ehefrau auf ihren eigenen Namen versetzt wor den. Irgend einen Anspruch auf die von dem Bestohlenen ausgesetzte Belohnung hat Dreyer, wie sich jetzt ergeben hat, keineswegs erhoben. Er wurde trotzdem un ter dem Verdacht des Diebstahls verhaftet und in das Untersuchungsgefängnis in Meran eingeliefert. Hier brach Dreyer vollständig zusammen. Die körperliche Untersuchung ergab, daß D. ein schwerer Morphinist war und täglich mehrere Gramm Morphium oder Oplum zu sich genommen hatte. Von dem Gerichtsadvokaten in Meran wurde es deshalb durchgesetzt, daß dem Verhaf teten auch im Gerichtsgefängnis Morphium geliefert wurde, um ihn vor dem förperlichen Verfall zu retten, der bet plötzlicher Entziehung eintritt. Die Ueberfüh rung nach Deutschland soll schon in den nächsten Tagen vor sich gehen.
Inzwischen haben die Ermittelungen noch folgendes ergeben. Der Vater des D. hinterließ bei seinem Tode 2 Millionen Mark, wovon 165 000 Mark für die Kinder des D. festgelegt sind. Er selbst war bet einer Patentverwertungsgesellschaft in Frohnau ald Reifeingenieur angestellt und führte mit seiner Familie ein sehr einfaches Leben. Von seinen Rechtsbeiständen ist dem zuständigen Gericht gegenüber auf mehrere zum Tell schon vor Jahren ausgestellte Atteste Bezug ge= nommen worden zum Beweise dafür, daß Dreyer, wenn die weiteren Ermittlungen überhaupt das Vorliegen einer strafbaren Handlung ergeben sollten, sich offen= bar tm Dämmerzustande befunden habe. Wie sich ergeben hat, ist Dreyer seit vielen Jahren dem More phiumgenuß verfallen. Während er unter der Einwir tung des Morphiums fleißig und tüchtig war, wurde er, so bald diese Wirkung nicht vorhanden war, tindisch und verübte die törichtsten Streiche. Er faufte in diesem Bustande die albernsten Sachen zusammen, so u. a. ein mal acht Maufefallen, trotzdem er schon ein ganzes Dußend dann besaß und keinerlei Verwendung dafür hatte.
Vermischtes.
Europas älteste Fürstin gestorben. Wie ein Mär chen, wie eine Erscheinung an eine längst verklungene Beit taucht vor uns ein Name auf, der in Deutschland so gut wie vergessen war: Luise von Egidy teilt in einer schlichten Todesanzeige durch die Tagespreffe im Namen ihrer Kinder und Enkel mit, daß ihre Tante Charlotte, Amalte Baronin von Jud, Prinzessin von Schwarzburg- Sondershausen, im 96. Lebensjahre am 5. Februar gestorben ist. Charlotte Amalte ist eine von den wentgen europäischen Prinzessinnen ihrer Zeit, die sich über alle Standesunterschiede hinwegfeste und bet der Wahl the res Gatten einfach dem Zuge thres Herzens folgte. Ste vermählte sich mit einem Schwetzer namens Jud, einem fleinen Beamten, dem sie auch in seine Heimat folgte. Der Fürst von Schwarzburg- Sondershausen erhob die sen in den Adelsstand. In threr Heimatstadt Arnstadt tst ste sett einem halben Jahrhundert nicht wieder ge
interessantesten Bücher, die unterhaltendsten Spiele; wenn Papa es erlaubt, rette, fahre, fische ich mit Ihnen ich widme Ihnen jede Stunde-"
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Tyrolts Rede stockte, denn ganz unerwartet schob sich zwischen ihn und die junge Dame das gelbe ver= Iniffene Geficht Oliviers, welcher mühsam vom Diener unterstützt, den Landauer verlassen hatte und nun gleichfalls auf der Veranda erschienen war.
„ Sie werden gut tun, Ihre galanten Vorfäße nicht jetzt schon auszuführen", sagte er mit heiserer Stimme, indem er sich der nachlässigen Pariser Sprechweise be= diente. Als wir bei der Fabrik vorbeikamen, bemerkte ich an der Brücke einen Trupp feiernder Arbetter. Die Leute faulenzen, wenn man ihnen nicht auf die Finger sieht. Ihre Anwesenheit ist in der Fabrik jedenfalls nötiger als hier."
Tyrolt biß sich heftig auf die Lippen. Sollte er dem anmaßenden Menschen sagen, daß sein Vater selbst thr fast mit Gewalt zurückgehalten habe? Sollte er sich förmlich entschuldigen? Nein, das kam einer Anerkennung seiner Herrschaft gleich. Er durfte sich nichts vergeben, am allerwenigsten in Gegenwart der Tochter des Haufes, die er liebte.
Desire tam seinen Worten zuvor.
,, Pfut Olivter", rief sie heftig.„ Wie kannst Du nur mit der dummen Geschäftsangelegenheit unser Wieders sehen stören? Die Fabrik wird doch wohl warten können, bis Herr Tyrolt mir einige freundliche Worte gefagt hat, auf die ich mich auf der ganzen Herretse gefreut habe. Aber Du bist neidisch und rücksichtslos. Ich bin Dtr ernstlich böse."
Der Gescholtene ging mit geringschäßigem Achfelzucken zurück. Waldemar füßte die Hand Destres.
" Ihr Bruder hat Recht", sagte er beklommen;„ tch war schon zu lange abwesend. Vor allem die Pflicht und darum bitte ich, mich zu beurlauben."
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