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Bor den Stichwahlen.

Regierung und Stichwahlen,

Die Nordb. Allgem. Sig." schreibt zu den Stich wahlen: Der Vorwärts veröffentlicht eine ganze Spalte von Gludwünschen der internationalen Sozial­bemotratte. Ste hofft, daß die Sozialdemokraten thren Steg bet ben Stichwahlen noch vervollständigen werden. Der Steg bes Sozialismus in Deutschland set auch der Steg ber internationalen Sozialdemokratie. Diese Gludwünsche zeigen mit aller Deutlichkeit die Kluft awischen den nationalen Barteten und den Sozialisten. Der deutsche Reichstag ist die Vertretung des deutschen Boltes; die Sozialdemokratie aber macht ihn zum Tum­melplay threr internationalen Interessen. Welcher bür­gerliche Wähler will ihr babet behilflich fein?"

Nach der Nationalztg." soll die Reichsregierung fich mit der Abficht tragen, auf dte maßgebenden Führer ber maßgebenden Parteten, namentlich ber nationallibe ralen im Sinne der vom Reichskanzler ausgegebenen Stichwahlparole einzuwirken, um eine direkte oder in­birette Unterstübung der Sozialdemokratte zuungunsten bes Bentrums im Rheinland und in Westfalen oder der Konservativen zu verhindern. Von einem Wechsel in der Stellung gegen rechts erhoffe die Regierung einen günstigen Ausfall der Stichwahl und eine Verminde= rung der sozialdemokratischen Mandate.

Stichwahlparole des Bundes der Landwirte.

Der Bund der Landwirte gibt für die Reichstags= Stichwahlen folgende Leitfäße aus: Unfer Grundsatz bleibt unverändert: Gegen die Sozialdemokratie. Unter ftübung anderer bürgerlicher Bartelen selbstverständlich unter Voraussetzung gleichwertiger Gegenleistungen. Biernach ist die Stichwahl einzurichten.

Die Auffassung der Nationalliberalen. zu den Stichwahlen schildert die parteiamtliche Na­Honalliberale Korrespondenz". Es heißt darin u. a.: Schon ein Biertel siegreicher Stichwahlkreise würde ihr ( der Sozialdemokratic) eine Gesamtmandatszahl von nahezu 100 bringen! Es muß deshalb von neuem an die Wahlfäumigen und Wahlfaulen, die ia in aller Hauptsache zu den bürgerlichen, staatserhaltenden Par­feien gehören, der dringende Appell gerichtet werden, durch Erfüllung ihrer Wahlpflicht wenigstens in der Stichwahl ein weiteres Ansteigen der roten Flut auf Jede Weise zu verhindern.

Die Stichwahlparole der Sozialdemokratie. Im Vorwärts" veröffentlichte der Parteivorstand der Sozialdemokratie einen Aufruf für die Stichwahlen, der auf die Beschliffe des Jenaer Partettages von 1911 verweist. Diese Beschliffe lauteten:" Die Genossen dür­fen nur denjenigen standidaten ihre Stimme zuwen­den, die sich vor Zeugen oder schriftlich verpflichten: 1. für Aufrechterhaltung des bestehenden Wahlrechts für den Reichstag; 2. gegen eine Beschränkung des Vereins­und Versammlungs- und des Koalitionsrechts; 3. ge= gen eine Verschärfung der sogenannten politischen Pa­ragraphen des Strafrechts; 4. gegen ein wie immer ge­artetes Ausnahmegefeß; 5. gegen jede Erhöhung oder Neueinführung indirefter Steuern auf Verbrauchsarti­fel der großen Maffe; 6. gegen jede Neueinführung oder Erhöhung indirekter Steuern auf Verbrauchsartikel der großen Maffe einzutreten und zu stimmen. Stehen in der engeren Wahl zwei Kandidaten, die beide bereit sind, die aufgestellten Bedingungen zu erfüllen, so ist der Li­berale dem Nichtliberalen vorzuziehen. In jedem ant­deren Falle ist stritte Stimmenenthaltung zu problamie­ren.

Englische Admiralität gegen Kriegsamt.

Als die englische Reaterung im Juli ernstlich mit der Möglichkeit rechnete, Frankreich in einem serieg ge= gen Deutschland Waffenhilfe leisten zu müssen, kam es zwischen der Admiralität und dem Kriegsamt zu einem erbitterten Streit über den Reitpunkt, in dem Frank­reich die versprochenen fechs Divisionen gestellt werden fönnten. Das Kriensamt verlangte ihre Entfendung im Augenblick des Kriegsbeginns. die Admiralität er= flärte sie für urmöglich. so lange England nicht im un­bedingten Besiße der Seeherrschaft set, mit anderen Worten, so lange Deutschland nicht geschlagen oder blockiert set.

Es ist charakteristisch für cnalische Wehrverhält­niffe, daß eine Frage von so grundlegender Bedeutung hat unentschieden bleiben können, bis man dicht vor et­nem Kriege stand, und es ist ebenso charakteristisch für sie, daß auch hente feine Entscheidung darüber gefällt ift. Der Marinemitarbeiter der Londoner Times" hat eben festgestellt, daß die Admiralttät durchaus an dem Standpunti festhält, den sie diesen Sommer einnahm, und sagt mit vollem Recht. daß alle verantwortlichen Secoffiziere die Ansicht teilen, daß die Entsendung et­ner Expeditionsarmee nach dem Festlande sofort nach Kriegsbeginn unmöglich ist". Diese Ansicht hat ohne Zweifel auch die aroße Majorität der Nation hinter sich.

Die Herren von Dieskaut.

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Original- Roman von Franz Treller. ( Nachdruck verboten.) Vor allem wundere tch mich, daß ein Edelmann von so altem Hause seine Tochter diesem reich gewor­benen Spekulanten geben will."

So tief gesunken Dieskau durch sein nur den ma­teriellen Geniffen gewidmetes Leben in moralischer Beziehung auch war, die Berufung auf seine alte Ab­stammung übte doch ihre Wirkung aus und er ver­ftummte für einen Augenblick, denn er taxierte Sakal nach seinem wahren Werte. Aber das Bild des Elends, das der Justizrat und Harald von der Zukunft der Dieskaus entworfen hatten, stieg vor seiner schwachen, genußsichtigen Seele auf, die 500 000 art, die allem Jammer abhelfen sollten, erschienen in verlockender Mähe, und der Stolz des Edelmannes tauchte unter, ebenso rasch wie er aufgestiegen war.

" Du verstehst das nicht, Kind," erwiderte er ge= schmetbig, heutzutage muß man über Standesvorur­teile erhaben fein."

Aber nicht über das Gefühl der Verachtung, des Cfels." So wirdest Du Dich wirklich ernstlich weigern?" " Ich glaube, ich habe mich deutlich genug ausge­sprochen."

" Und wenn ich Dir befehlen wirde, diesen treff­Itchen Mann, gegen den Du ganz unbegründete Vor­urtelle hegst, den Freund Deines ritterlichen Bruders zu heiraten, zu Deinem eigenen Besten, was dann?" " So witrde ich mich Iteber von dem alten Turm Dieskaus herabststrzen, als diesem Befehle folgen."

Das kleine, sterliche Wesen stand da mit einem solchen Ausdruck von Entschlossenhett auf dem fast kind­lichen Antlitz, daß selbst thr Vater fühlte, daß ein furcht­

Wir empfehlen den Franzosen, die etwa für die erste Entscheidungsschlacht immer noch auf 160 000 Eng­länder rechnen, folgende Erklärung des recht autorita­Hiven Mitarbeiters der Times", die tatsächlich nur ein Echo der Admialttätserklärung ist, zu eingehender Be­achtung: England kann teine Truppen nach dem Mon­tinent schiden, so lange mit der feindlichen Flotte nicht abgerechnet worden ist, d. h., so lange ste nicht entweder blockiert oder vernichtet worden ist. Das mag viel oder wenig Zeit in Anspruch nehmen, kann aber nicht im Handumdrehen geschehen, und so lange es nicht gesche­ben tit, tit es nublos, fa fchädlich, von der Entsendung eines Expeditionstorps zu reden."

Die Haltung der englischen Admiralität entspricht übrigens durchaus den Grundfäßen, wie sie die mo­berne Kricaführung für überfeetsche Expeditionen als zweckmäßig erachtet und wie sie auch in der Praxis, so 8. B. tm ruffisch- japantschen Sertege, mit vollem Erfolge zur Anwendung gelangt sind.

Rundschau oom Cage:

Politisches.

Der Kaiser hörte am Sonntag mittag im König­Itchen Schloffe zu Berlin den Vortrag des Reichsfanz­lers v. Bethmann Hollweg und Montag vormittag den des Chefs des 3iviltabinetts, wirkt. Geh. Rats v. Va­lentint. Am Montag fand im Reichsfanzlerpalais eine Konferenz zwischen dem Satser und dem Reichskanzler statt, die etwa eine Stunde dauerte. Der Kaiser war um 1 Uhr bet dem Reichskanzlerpalais vorgefahren und verließ das Balais kurz nach 2 Uhr. Das faiser­Itche Hoflager ist am Montag von Potsdam nach Ber­lin verlegt worden.

Ein Besuch Kaiser Wilhelms in der Schweiz. Am Sonnabend hat der deutsche Gesandte in Bern, von Bülow, dem schweizerischen Bundespräsidenten mitge­teilt, daß der deutsche Statfer der Schwetz im Septem­ber dieses Jahres einen Besuch abzustatten gedente. Der Bundespräsident hat dem Gesandten seine Freude über den Entschluß mitgeteilt.

Das englische Königspaar wird auf seiner Besuchs= reise auf dem Kontinent in der ersten Maiwoche nach Wien kommen, um feinen Antrittsbesuch bei Satser Franz Josef zu machen. Der Aufenthalt in Wien wird zwei oder dret Tage dauern.

Der Versuch einer Bergewaltigung der Türket. Nach der Pforte zugegangenen Mitteilungen hat Nuß­land den Signatarmächten des Berliner Vertrages el­nen Vorschlag zur Beilegung der Feindseligkeiten zwt­schen Stalten und der Türket unterbreitet. Erst wenn die Signatarmächte ihn angenommen haben, soll der russische Vorschlag der Türkei unterbreitet werden. Da im wesentlichen die russische Vermittlung auf einen vollständigen Verzicht der Türkei auf ihre afrikanischen Provinzen ausgeht, so ist die Möglichkeit einer An­nahme derselben durch die Pforte von vornherein aus­geschaltet.

1teber die Revolution in China meldet das Neu­tersche Bureau aus Beting: Eine Rettungsabteilung mit 19 englischen und 13 schwedischen Missionären aus Sianfu, der Hauptstadt von Schenfi ist in Senanfu ein­getroffen. Die Provinz Schenfi befindet sich in voll­ständigem Aufruhr. Viele Städte find geplündert und verlassen. Die Niedermeßelung von 10 000 Mandschus wird bestätigt Die an der transsibirischen Eisenbahn gelegene mandschutrische Stadt Chatlar wurde von be­waffneten Monavlen besetzt. Die chinesischen Behörden und die chineftfche Garnison find in die russischen An­ftedlungen geflohen. Die Mongolen haben neue Be­hörden eingesetzt und ihre unabhängigkeit erklärt.

Kleine Nachrichten.

Prinz Waldemar von Prenßen, ein Sohn des Brinzen Heinrich von Preußen, hat am Kieler Ober­landesgericht das Referendareramen abgelegt. Diens­tag vormittag wurde der Bring in einem feterlichen Art für den Justizdienst veretdigt.

Mit einer halben Minion Schulden geflüchtet. Wte ans Posen gemeldet wird, ist der Hotelbestier Hüttner in Schroda, nachdem er zahlreiche dortige Kaufleute, Groß­grundbesitzer der Umgegend, höhere Beamte um etwa 500 000. gefchädigt hat, flüchtig geworden. Man hielt thn irrtitmlicherweise für einen vermögenden Mann. Hüttner hat das ganze Geld besonders in ausländischen Papieren verfpefultert.

Wegen Schulden in den Tod gegangen. Wie jetzt erst bekannt wird. ist sett Donnerstag der Großkauf­mann und Fabrikbesitzer Ernst Heuer in Magdeburg unter Hinterlassung einer Schuldenlast von 400 000 M verschwunden. Es sollen Wechselfälschungen in Höhe von 300 000 M. vorliegen. Nach einem an seine Familie gerichteten Schreiben hat er den Tod in der Elbe gesucht.

Kustmord an einem Schulmädchen. Bet Litten an der Elbe wurde ein Schulmädchen unwett der Stadt entkleidet mit zahlreichen Wunden sterbend aufgefunden. Es ist das Opfer eines Lustmordes, den ein flüchtiger

barer Ernst hinter diesen Worten sich barg. Was war das für ein Mädchen? Dieses stille Geschöpf war fa trotziger als seine wilden Söhne.

Moralischer Mut war nie seine starke Sette ge­wesen und er fithlte ihn dieser Entschlossenheit gegen­Aber wanken.

Einlenkend sagte er: Nur. Du wirst Dir die Sache überdenken und zu der Einsteit kommen, daß Dein alter Vater es gut mit Dir gemeint hat."

Mit demselben starren Gesichtsausdruck sagte sie: ,, Befiehlst Du sonst noch etwas?"

Geh in Dich, geh in Dich, Du liebes Kind! Guter Rat kommt itber Nacht. Morgen wirst Du anders denken."

Hilda ging.

Bewegt von einem Sturmt von Gefühlen, dte thre Seele erschittterten, schritt sie zu dem Flitgel des Schlof­ses hinüber, den sie mit Frau von Herstell bewohnte.

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Ein tiefer Abscheu vor dem Treiben auf Dieskaut, wenn die männlichen Mitglieder der Famille anwesend waren, hatte sie längst Harald und auch dem Vater ent= fremdet. Hugo hielt sich meist fern von der Heimat so stand sie allein mit ihrem Fühlen und Denken. Also das wagte man thr zu bieten? Ste sollte ihre Hand einem Menschen retchen, der thr persönlich widerwärtig war und nach den gelegentlichen Aeußerungen thres Bruders trotz feines erkauften Abelswappens keine eh­renwerte Vergangenhett hinter sich hatte. Und Harald steckte dahinter, ihr Bruder, der ihr unheimlicher war als te. Wahrscheinlich steckte er bet dem Millionär in Schulden, und die Hand eines Fräulein von Dieskau sollte sie bezahlen.

Daneben stleg wieder das Bild des Mannes auf, der, allein im Leben stehend, den Kampf mit diesem aufgenommen und in diesem Kampfe gestegt hatte.

Zum ersten Male fühlte sie fetzt mit ungeabnter

Handwerksbursche verttbte, nachdem er beretts eine Frau überfallen hatte.

Diebstahl als Sport. Wie aus Paris gemeldet wird, wurde in Tours ein reicher Privatmann, der öffentliche Ehrenstellen bekleidet, verhaftet. Es stellte sich heraus, daß er sett einem Jahrzehnt im Departement Loire zahl reiche Diebstähle, bet dem thm Hunderttausende in die Hände flelen, verübt hatte. Er behauptet, aus den Diebstählen einen Sport gemacht zit haben.

Der Nachlaß des Philofophen von Randa". In der Wohnung des verstorbenen Bauerngelehrten Thell in Rauda,( Altenburg), der unter dem Namen Philo­soph von Rauda" bekannt war, ist eine große Menge vollendeter Werke sowie von ihm verfaßter Gedichte vor gefunden worden; ebenso hat Theil feine Lebensbeschrei bung verfaßt, über deren Drucklegung bereits Ber­handlungen mit Verlegern im Gange find.

Bur Anlegung eines Naturschuhparfes in der Lütz neburger Heide ist dem Naturschußpartverein Stutt­gart die Ausspielung einer Geldlotterie für den Um­fang der preußischen Monarchte mit einem Spieltapital von 1 380 000 Mart und einem Reinertrag von 460 000 Mart gestattet worden.

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Ein Selbstmordversuch des englischen Spions Trench. Ju Glaß wird die Nachricht verbreitet, daß der englische Kapitän Trench, der als Gefangener auf der Festung wellt, einen Selbstmordversuch verübt habe. Man habe Trench an einer Schnur am Ofen hängend, aber lebend aufgefunden. Man glaubt in Glaß, daß es sich um einen fingierten Selbstmordversuch handelt, den Trench verlibte, um in das Lazarett zu kommen.

Aus den Gerichtssalen.

Bum Tode verurteilte Giftmischerin. Vor eini gen Monaten hatte in Olmüß ein zwanzigjähriges Dienstmädchen feine Schwester durch vergiftetes Back­werk zu ermorden versucht, um sich in den ungeteilten Besitz einer kleinen Erbschaft zu setzen. Der Anschlag mißallickte zwar in dieser Richtung, forderte aber das Leben zweter Knaben zum Opfer, denen die Schwester das Backwert überlassen hatte. Das Dienstmädchen wurde gestern von den Geschworenen mit zehn en zwei Stimmen zum Tode durch den Strang verurteilt.

Wermischtes.

Der Jagowlche Schießerlaß, wonach die Schußleute früh von ihrer Waffe Gebrauch machen sollen, wird in der nächsten Berliner Stadtverordnetenversammlung besprochen werden, um möglichst seine Zurücknahme zu erzielen. Der Polizeipräsident hat dagegen betont, daß seine Verfügung durchaus gesetzlich sei daß die Stadt­verordnetenverfommlung mit dem jebigen Vorgehen ihre Zuständigkeit überschreite, denn der Waffenge= brauch der Schußmannschaft sei keine gemeindliche, son­dern eine staatliche Dienstangelegenhett. Es seten hier nur Herrenhaus und Haus der Abgeordneten zustän dia. Seine, des Polizeipräsidenten, persönliche Auffas­sung gehe dahin, daß nur durch schärfstes Einschreiten der Schußmannschaft Berlin vor Apachenzuständen be­wahrt bleiben könne. Der Verbrecher, der die Hand gegen fremdes Leben erhebe, feße eben sein eigenes Le­ben aufs Spiel. An die unsozialen Teile der Bevölke= rung möge auch aus der Stadtverordnetenversammlung die Mahnung ergehen, bei polizeilicher Festnahme et­nes Verbrechers sich nicht einzumifchen und selbst zum Verbrecher zu werden. Der Ausschuß der Stadtverord­neten, der sich mit der Angelegenheit beschäftigte, hat eine Protestrefolution gefaßt, ble in der nächsten Sit­zung der Versammlung am Donnerstag beraten mird.

Die Kälte in Amerita. Sett Jahren ist in den Ver­einigten Staaten feine so außergewöhnlich falte Tem­peratur zu verzeichnen gewesen, wie sie fich fetzt in ei­nem großen Teil des amerikanischen Festlands, nament­lich an der Küste des Atlantischen Ozeans, bemerkbar macht. In Washington, das auf demselben Breitegrad wie Palermo Iteat, ging das Thermometer in der Nacht zum Montag auf dreizehn Grad unter Null zurück. In der Nacht vom Freitag auf Sonnabend zeigte es zwan­zig Grad Kälte. Heftige Schneestirme sind die unan­genehmste Begleiterscheinung der sett zehn Tagen herr­schenden eiftaen Witteruna, da sie den Rugverkehr in einigen Teilen des Landes lahmlegen. Im Neuvorfer Hafen fängt das Eis an, die Schiffahrt zu hindern. Die Zahl der Todesopfer, die das Frostwetter fordert, wächst von Tag zu Tag. In den Hofpitälern Neuvorks liegen insgesamt über 100 Personen mit erfrorenen Gliedern

Ein Wahltrick. Der englische Bolitiker R. G. Web­ster hat vor einiger Zeit ein amüsantes Büchlein über Wahltricks und Wablerfahrungen erscheinen lassen, in dem er soralosen Wählern allerlei nittliche Winke gibt. Dabei erzählt er auch folgende fleine Geschichte: Eine Viertelstunde vor Schluß der Wahlen marschiert ein behäbiger Bürger zu seinem Wahllokal. Unmittelbar vor dem Einaana tommt ein sehr eleaanter Herr auf den phlegmattschen Wähler zu. ein Anhänger der Ge= genpartet, und beginnt. dem Wähler allerlei sensatto­nelle politische Mentafetten zu erzählen. Der feine Herr

Stärke, daß dieses Bild sich stets zwischen sie und jeden anderen drängen würde, dem man sie zum Weibe geben wollte. Und er? Hatte ste nicht seinen Blick tief im Herzen empfunden feinen Blick. deffent Leuchten das

innige Fühlen einer teilnahmsvollen Seefe barg?

Aeußerlich ruhig, doch in einem Aufruhr ihrer See­Ie, wie ste thn nie zuvor gekannt hatte, betrat sie das 3immer threr mütterlichen Pflegerin und Freundin.

Frau von Herstell, etne Dame von feinen durchgei­stigten Zitgen und güttgem Gesichtsausdruck, die in dent Antlitz ihres Lieblings wie in einem Buche las, er­kannte sofort, daß Hildas Zusammenkunft mit ihremt Vater eine schwerwiegende Bedeutung gehabt habe, und die Starrheit in dem Gesicht Hildas erschreckte sie.

Die Mehrzahl aller jungen Mädchen würde nach einem solchen Sturme in threm Innern sich an die Brust einer mütterlichen Freundin geworfen und ihrer Seelenqual in einem Sturm von Tränen Luft gemacht haben.

Nicht so Hilda. Ihre Seele war durch die Notwen digkeit, sich auf sich selbst zu verlassen und die nötige Kraft aus dem ergenen Innern zu schöpfen, frlih gefe­sttgt worden.

So sehr sie auch ihre mütterliche Freundin liebte, sv nab es doch Gebiete in ihrem Innern, die auch vor dieser verschloffen blieben. Nicht immer verstand Frau von Herstell thr Pflegekind.

" Was gab es. Liebling?" fragte ste besorgt. " Ach, nicht viel. Allein es drängt mich, Dieskaut fo fort zu verlassen und nach der Stadt überzusiedeln, ich hätte überhaupt nicht so lange hter bletben sollen. Bitte, lassen Ste packen, ich werde den Wagen bestellen".

Es war ein ernster Blid, mit dem die alte Dame Hildas verschloffenes Gesicht durchforschte. " Bast Du kein Vertrauen mehr zu mir, Silda? Wa­rum reifen wir so plötzlich?"

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