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Gießener Zeitung
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Redaktion: SeltersFür Aufbewahrung oder Rücksendung nicht verlangter Manuskripte wird nicht garantiert. Berlag der ,, Gießener Zeitung" G. m. b. H.
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b. H.
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Telephon: Nr. 362.
Vom Balkankrieg.
Expedition: Seltersweg 83.
Mittwoch, den 16. Oktober 1912.
ist, darüber hat die Türkei in der Herzegowina, in Oitrumelier und schließlich auf Kreta so eindringliche Erfahrungen sammeln können, daß sie sich in den ihr jetzt noch verbliebenen europäischen Gebietsteilen damit unter feinen Umständen befreunden wird. Im Gegen teil, das ganze heutige Regierungssystem legt auf die Erhaltung des jetzt noch rund 170 000 Quadratkilometer großen, von 9 Millionen bewohnten europäischen Gebietes den größten Wert. In Konstantinopel hat mar außerdem immer wieder betont, daß man sich niemals zu solchen Reformen nötigen lassen würde, die den Charakter einer Einmischung in die inneren Angelegenheiten der Türkei trügen.
*
Die serbische und bulgarische Note sind Konstantinopel überreicht worden. Sie sind in ihren prichen maẞlos; u. a. werden ihre Forderunnicht nur für die europäische, sondern auch für die fatische Türkei gestellt. Man kommt unwillfürlich auf Gedanken: Hinter diesen Ansprüchen der Kleinen Ballan bergen sich die Wünsche einiger Großen er den Mächten. Die in der serbischen und bulgariben Note enthaltenen Reformforderungen den nach genaueren Angaben: 1. Bestätigung der bnischen Autonomie der Volksstämme Reiche mit allen Konsequenzen, 2. Proportionale Batretung jedes Volksstammes im ottomanischen Parament, 3. Zulassung der Christen zu allen öffentden Aemtern in den von Christen bewohnten Provin4. Anerkennung der Gleichberechtigung der christden Gemeindeschulen aller Grade mit den ottomanihen Schulen, 5. Verpflichtung der Pforte, keinen Verzur Aenderung des ethnologischen Charakters der Beninzen des ottomanischen Reiches durch Verpflanz= ang muselmanischer Bevölkerung zu machen, 6. Regioale Rekrutierung der Christen für den Heeresdienst mit a christlichen Radres und bis zur Bildung der KaAufschub der Aushebung, 7. Reorganisation der endarmerie nach den Wilajets in der europäischen Türunter dem tatsächlichen Kommando schweigelten als unüberwindlich. Eicher oder belgischer Organisatoren; in den auch wn Christen bewohnten Wilajets die Ernennung hweizerischer oder belgischer Walis(!), von den Mächten zu bestätigen sind, denen von den Mahlbezirken gewählte Generalräte zur Seite stehen, 9. Linrichtung eines aus Christen und Muselmanen in eicher Anzahl zusammengesetzten höheren Rates bei
Großwefirrat zur Ueberwachung der Anwendung ider Reformen. Die Botschafter der Großmächte nd die Gesandten der vier Balkanstaaten folOm die Aufgabe haben, die Tätigkeit und die Arbei
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dieses Rates zu beaufsichtigen. Die buliche Regierung spricht die Hoffnung aus, daß die le diese Reformen binnen 6 Monaten einen und zum Zeichen ihres Einverständnisses die bilijierung rüdgängig machen wird. Für die Demoierung ist keine Frist gestellt.
Eine eingehende Besprechung dieser Forderungen fen wir uns wohl schenken. Sie bedeuten den
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nehmbar, wenn sie sich nicht in Asien ihrer Oftofellung entäußern und in Europa ihren Besitz
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aufgeben will. Daß die sogn. ethnische Aumie nur der Anfang vom endgültigen Verlust
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durch die Röschen weinerlich.
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Roman von Irene von Hellmuth. ( Nachdruck verboten.) Aber Tante, was hast Du nur, laß mich doch los," Du, Du Glückskind, Du!" rief diese ein über andere Mal," Du bist ja an dem ganzen Glück uld, Du allein, ich kann es noch immer nicht ben. Aber Du sollst Deinen Teil bekommen. Dahrhaftig, das verspreche ich Dir feierlichst:„ An Deten Hochzeitstage sollst Du die Hälfte des gewonnenen Bldes ausbezahlt bekommen. Ich hab's ja immer ge=
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und nun fällt uns solch eine Summe in den
Mathilde, die ihre vorhin ebenfalls bedenklich ins wanten geratene Fassung bereits wieder erlangt te, trat ruhig auf Aurelia zu, indem sie mit leicht bei Leipzig Lierender Stimme sagte:
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Was Du von dem halben Gewinn sprachst, das ist buhl leichter gesagt, als getan. Bis Röschen sich einhal verheiratet, ist lange, lange hin, und Du wirst es Ich denke, Du kennst mich genau genug, um zu ben, daß ich Versprochenes zu halten pflege; denn
verlang, Eine bh längst wieder vergessen haben."
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e ich das viele Geld nicht an,- Du könntest sonst wider in Ver ing geraten, wie früher, wo Du elia," unterbrach die blaß gewordene Sprecherin,„ Du hast kein Recht, mir sen, ich bin so schon unglücklich genug, - feinen Pfennig ich verle auch für mich nichts, menen Schazes." end fant Mathilde auf den nächsten Stuhl, elia neben ihr niederkniete. Maß uns nicht streiten, Liebste,- an einem solchen
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Konstantinopel, 15. Oft. Die Pforte hat beschlossen, ihre Gesandten in Sofia, Bel grad und Athen abzuberufen und nur einen Sekretär zur Bewachung der Archive zurückzulassen. * Sofia, 14. Okt. Der Abbruch der Beziehungen zur Türkei steht unmittelbar bevor. Die Vertretung der türkischen Interessen in Bulgarien wird dem deutschen Gesandten anvertraut.
Sofia, 15. Oft. Die wichtigsten Pässe von Krazsna, welche die Straße nach Saloniki beherrschen, sind von irregulären Truppen besetzt und befestigt. 2000 ausgerüstete Freischärler und etwa 1000 bewaffnete Bauern halten die Pässe besetzt. Diese
Athen, 14. Okt. Der König äußerte zu einem Vertreter einer Großmacht, es bestehe keine Hoffnung auf Erhaltung des Friedens.
Athen, 15k Okt. Prinz Georg, der frühere Oberlimmissar von Kreta, wird, wie verlautet, zum Chef des Generalfiabes ernannt werden.
4
Belgrad, 15. Okt. Die vom Volke ungedultig erwartete Kriegserklärung verzögert sich von Tag zu Tag. Man glaubt aber, daß die Kriegserklärung Serbiens am Samstag erfolgen werde, während Griechenland vermutlich schon am Donnerstag vor gehen wird.
* Belgrad, 15. Oft. Der Kriegszustand kann bereits als bestehend angesehen werden. Die Kriegserklärung ist nur noch eine Formsache.
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Rumänien wird nicht mobilisieren, wird nur den letzten Jahrgang unter den Waffen behalten.
Vom Briegsschauplak.
Von, verschiedenen Kriegsschauplätzen an der türtisch- montenegrinischen und der türkisch- serbischen Grenze liegen widersprechende Meldungen vor.
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Tage, der für uns alle ein Freudentag ist, Ihr sollt mit mir genießen, aber Röschen, das Glückskind, das mir dieses Los gezogen hat, sie will ich ganz besonders bedenken. Da Du meinem gesprochenen Worte nicht glauben willst, so sollst Du es schriftlich haben. Bringe mir Feder und Papier, rasch, so-"
Mathilde stellte das Gewünschte vor ihre Schwägerin hin, und diese begann zu schreiben, mit krausen, viel verschnörkelten Buchstaben:
„ Die Unterzeichnete erklärt sich hiermit bereit, ihrer Nichte Rose Mahler an deren Hochzeitstage die Hälfte des auf Los- Nr. 135 692 gefallenen Gewinnes von 60 000 Mart, mit Worten Dreißigtausend Mart, auszubezahlen. ..., den 18. Januar 18.
Aurelia Mahler."
„ So, nun schreibst Du hierher Deinen Namen, meine Liebe, und unsere Kleine soll mal rasch hinüberlaufen zum Nachbar Krause und König: die können das Schriftstück ebenfalls unterzeichnen, der Ordnung wegen, dann ist es vollständig rechtsgültig und Du hast für Deine Kinder ausgesorgt. Den Jungen will ich etwas Tüchtiges lernen lassen, er soll studieren auf meine Kosten; und nun, Mathilde, weine nicht mehr, jezt Commt eine bessere Zukunft für uns alle!"
Frau Mahler war tief gerührt, fie füßte die gute, treu besorgte Tante innig und dankbar auf Mund und Wangen.
Die beiden Nachbarn tamen richtig herbei, waren zuerst sprachlos vor Erstaunen über Fräulein Aurelias unverhofftes Glück und lobten dann die Tante wegen thres hochherzigen Versprechens über alle Maßen.
Die beiden Männer unterschrieben auch wirklich das Schriftstück und Mathilde verwahrte den Schein bei ihren Schmucksachen und Kostbarkeiten auf das Sorgfältigste.
( Gießener Tageblatt)
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Telephon Nr.: 362.
24. Jahrg.
Podgoriza, 14. Oft. Die Stadt Tuzi ergab sich der montenegrinischen Armee. Der Kommandant, Kronprinz Danilo, empfing den türfischer. Offizier und nahm die Bedingungen zur Uebergabe der Garnison an. In den Befestigungen fand man mehrere Geschütze, sie waren sämtlich durch das montenegrinische Feuer schwer beschädigt. Die Beute umfaßte ferner 8 Mitralleusen, 7000 Mausergewehre, viele Pferde, 800 Ferkel und Lebensmittel für 10 Tage. Die Garnison bestand aus 6 Bataillonen.( 20 000 Mann haben also 6 Bataillone besiegt!)
Kronprinz Danilo gratulierte dem türkischen Kommandanten zu der heldenmütigen Verteidigung. Als dieser den Säbel übergab, gab ihm Danilo denselben mit den Worten zurüd:„ Sie sind ein Held und einem Helden statte ich den Säbel zurück."
Die Armee des montenegrinischen Generals Martinowitsch scheint einen Angriff auf das von deutschen Ingenieuren gebaute Fort von La= rabosch unweit Stutari unternommen zu haben, der offenbar nicht glücklich verlaufen ist, denn sonst würde man mehr davon gehört haben.
Die bisherigen Verluste der Montenegriner beziffern sich für die ersten 5 Tage seit Beginn der kriegerischen Operationen auf 256 Tote und 800 Verwun
dete.
Die„ Agence Havas" meldet dagegen aus Konstantinopel, die türkischen Truppen hätten in der Gegend von Gussinje die Montenegriner über die Grenze zurückgeworfen. Die Verluste der Montenegriner seien beträchtlich.
Ein Grenzkampf bei Ristowatz dauerte den ganzen eröffneten das Feuer gegen die Serben und besetzten eröffneten das Feuer gegen Serbien und besetzten serbisches Gebiet längs der Grenze in einer Ausdehnung von fast vier Kilometer bis Gorgortogoch. Die serbische Regierung erklärt, sie werde sich auf die Devenfive beschränken und die Offensive nur dann ergreifen, wenn der Einfall größeren Umfang annehme.
* Warschau, 15. Oft. Jn wohlinformierten Kreisen wird versichert, daß die Probemobilisierung nicht nur nicht eingestellt, sondern auf weitere Gou= vernements ausgedehnt wurde.
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Wien, 14. Oft. Das Eindringen der Montenegriner in den Sandschal- Nowibazar bei Bjelopolje wird nach Ansicht amtlicher Kreise auf Desterreich- Ungarns Haltung feine Rüdwirkung haben. Nach Abschluß der triegerischen Ereignisse auf dem Balkan würde Cester- reich- Ungarn dafür Sorge tragen, daß ihm der Weg
Selbstverständlich blieb das große Glück, das Fräulein Aurelia so unerwartet zugefallen war, nicht lange ein Geheimnis in der Stadt. Es war daher nicht zu verwundern, daß sich báld verschiedene Bewerber fanden, denen Aurelia um des Geldes willen begehrenswert erschien.
Sie selbst schwamm in einem Meer von Wonne uns Glückseligkeit. Ihres Lebens schönster Wunsch würde sich erfüllen, ein Mann würde sie an sein Herz nehmen, und von dem Besitz eines Gatten erwartete sie das höchste Glück.
Eines Tages gestand Aurelia strahlenden Gesichtes denn auch wirklich ihrer überraschten Schwägerin, daß sie sich verlobt habe.
Mathilde hegte zwar bange Zweifel an dem dauernden Glück des alternden Mädchens. Eine Ahnung stieg in ihr auf, daß das Geld wohl die Wahl des Bräutigams beeinflußt haben könnte. Auch hatte der junge Mann, den Aurelia bald darauf vorgestellt, nicht eben den günstigsten Eindruck auf Mathilde gemacht. Seine so offen zur Schau getragene Zärtlichkeit für Aurelia schien erkünftelt und unnatürlich.
Selbstverständlich bemerkte die letztere nichts von allem, und so mochte auch die erfahrene Frau nicht ein Mißtrauen erwecken, für das sie keinerlei Beweise hatte. Aureliens Ausstattung war schon seit Jahr und Tag fertig bis auf das fleinste Stück, und lag wohlverwahrt in Kisten und Kasien. So brauchte man nicht lange zu warten. Die Hochzeit sollte bereits in sechs Wochen der Verlobung folgen.
Der Bräutigam war Reisender eines angesehenen Hauses, hatte einen gutbezahlten Bosten; nur eines schmerzte Aurelia dabei, daß sie sich so oft von ihrem geliebten Artur werde trennen müssen, da er sich immer nur furze Zeit zu Hause aufhalten konnte.
( Fortsetzung folgt.)


