Ausgabe 
16.3.1912 Zweites Blatt
 
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Hansa- Bund, Wehrvorlagen und

Deckungsfragen.

Für die Deckung des Mehrbedarfs kann daher nur eine Erbanfallsteuer in Betracht kommen, während jede weitere einseitige Belastung der deutschen Erwerbsstände im Interesse der Sicherung der produktiven und natio­nalen Arbeit von Handel, Gewerbe und Industrie ener­gisch zu bekämpfen ist.

zu erwartenden Wehrvorlagen vom Standpunkte einer gesunden Finanzpolitik notwendig erscheinen, gilt es, dem Grundsatz des Hansabundes, einer gerechten Verteilung der Staatslasten unter sämtliche Erwerbsstände und un­Das Direktorium des Hansa- Bundes hat in seiner ter die einzelnen nach Maßgabe ihres Besitzes und ihrer letzten Sizung zur Frage der Wehrvorlagen und ihrer Leistungsfähigkeit, auch hier zum Siege zu verhelfen. Deckung einmütig folgenden Standpunkt eingenommen: Bon den in Betracht kommenden allgemeinen Besitz Gemäß dem Standpunkt der Richtlinien des Han- steuern ist aber die Erbanfallsteuer gerade unter dem Ge­sa- Bundes, die nationalen Forderungen den gewerbsichtspunkt sozialer Gerechtigkeit diejenige Abgabe, wel­lichen voranzustellen, erklärt das Direktorium, daß die­che sowohl mit Rücksicht auf die Interessen der gesam­jenigen Opfer, welche zur Festigung des Reichs und ten Volkswirtschaft als auch der Wirtschaft des Einzel­Sicherung seiner Wirtschaft in Krieg und Frieden not­nen am wenigsten drückend empfunden werden würde. wendig sind, unbedingt getragen werden müssen, daß aber eine Ausgabenvermehrung ohne ausreichende Deck­ung auch nach kaufmännischen Gesichtspunkten unzulässig ist. Die Prüfung des Reichsetats und besonders der Er­gebnisse der Reichsfinanzgesetze vom Jahre 1909 ergibt nun aber, daß die damals bewilligten, Industrie, Ge­werbe, Handel und Verkehr einseitig belastenden Steuern zur Deckung neuer Ausgaben nicht hinreichen. Es steht vielmehr fest, daß bei den Einnahmeschätzungen des Etatsentwurfs für das Jahr 1912( unter Berücksichtig­ung der Einnahmen und Einnahmeschätzungen für das Etatsjahr 1911) im äußersten Falle mit dem amtlich angenommenen Ertrage der Reichsfinanzgesetze von 1909 in Höhe von 417 Millionen gerechnet werden kann. Da­bei ist in Betracht zu ziehen, daß bei einigen Steuern Mindereinnahmen bereits eingetreten sind, und daß wei­tere infolge Veränderungen oder Schwankungen der Wirtschaftslage auch von amtlicher Seite angenommen werden.

Da, somit neue Reichseinnahmen zur Deckung der

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sind als zuverlässige Nähr- und Kräftigungsmittel selbst dann noch erfolgreich gewesen, wenn manches andere nutzlos war.

Aus Stadt und Land.

Gießen, den 16. März 1912.

o Bad Nauheim. Bauinspektor Wilh. I o st, der frühere Vorstand der Großh. Baubehörde für die Neubauten in Bad- Nauheim, zurzeit stellvertretender Kreisbauinspektor des Kreises Worms, wurde am 11. März zum Stadtbaurat der Stadt Halle a. S. gewählt. Der Künstler war von der Stadt Halle zur Bewerbung um die Stelle, die nicht öffentlich aus­geschrieben war, aufgefordert worden.

o Bad Nauheim. Als das Zeppelin- Luftschiff Viktoria Luise" heute morgen unsere Stadt von

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o Wetterfeld. Die Genossenschaftsmolkerei hat im abgelaufenen Geschäftsjahr über eine Million Liter Milch verarbeitet. Der Reingewinn der 255 Genossen beläuft sich auf 1700 Mark.

o Homberg a. D. Der Uhrmacher F. G. Ker­sten fing einen Hecht von 17 Pfund an der Angel. ):( Gumbs heim. Hier feierte der Lehrer Jung seinen 90. Geburtstag. Jung trat 1842 in den Lehrerdienst und 1894 wurde er pensioniert.

Literarisches.

? Der Rückgang des Adels in der Volksvertretung hat sich, wie das soeben er­schienene Büchlein Kürschners Deutscher Reichstag 1912­17"( Hermann Hillger Verlag, Berlin W. 9, Preis 60 Pfg.) feststellt, gewohnheitsmäßig auch bei der Wahl 1912 fortgesetzt. Im Reichstag sitzen noch 57 Adelige gegen 1907: 72, 1903: 77, 1898: 83, 1893: 102, 1890: 126, 1878: 162, 1876: 139 unter damals 297 Abge­ordneten. Von den Adeligen gehören zur Rechten 27 ( 1907: 41), zur Linken 7( 7), zum Zentrum und den Welfen 14( 12), zu den Polen 8( 11), zu den Sozial­demokraten 1( 1). Das äußerst instruktive Büchlein ist in allen Buchhandlungen vorrätig.

? Griebens Reiseführer, Band 78: Ober­italien", achte Auflage( Mt. 5.-). Verlagsbuchhand­lung Albert Goldschmidt, Berlin W. 35. Der Führer erfuhr eine gründliche Neubearbeitung sowohl inbezug auf den Text, als auf das Kartenmaterial, welch lez­teres auf den neuesten Stand gebracht und um den Plan von Pisa, sowie die Karte vom Gardasee bereichert worden ist, sodaß der Führer nunmehr 14 Karten auf­weist. Als Sonderdruck aus obigem Führer erschien Band 121 Florenz und Umgebung" zum Preise von 1 Mark.

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