Ausgabe 
16.3.1912 Erstes Blatt
 
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Deutscher Reichstag.

Die alles jezt aufs lebhafteste bewegende Frage des Bergarbeiterstreifs hat am Donnerstag auch in Gestalt einer Interpellation ein Echo im Reichstage gefunden. Zu­nächst freilich gab es einen Att internationaler Höflichkeit, indem Präsident Kaempf des Attentats gegen das italienische Königspaar gedachte und um die Erlaubnis zur Absendung eines Sympathietelegrammes an die italienische Kammer er­suchte. Die Rede wurde stehend angehört. Auch ein Teil der Sozialdemokraten hatte sich bemerkenswerteriveise erhoben. Dann ging man zur Tagesordnung über. Der Zentrums abgeordnete Schiffer begründete die Interpellation, in­dem er die Notwendigkeit einer Lohnerhöhung betonte und die Haltung der Christlichen Gewerkschaften rechtfertigte. In einer ausführlichen Rede ging Staatssekretär Del­brück auf die Verhältnisse im Ruhrrevier ein, nachdem er angekündigt hatte, daß der verhinderte Kanzler evtl. selbst noch in weiterem Verlaufe der Verhandlungen das Wort ergreifen werde. Der Staatssekretär schilderte dann den ganzen Verlauf des Lohnkampfes und hob das Ent­gegenkommen der Zechenverwaltungen hervor, weshalb ihm bon den Bänken der Sozialdemokraten das Wort Zechen­anwalt" entgegenschallte. Schließlich erörterte Herr Del­brück noch den Schuß der Arbeitswilligen und betonte, daß erforderlichenfalls auch Militär herangezogen würde. Dem Staatssekretär erwiderte der dem sozialistischen Berg­arbeiterverbande nahe stehende Abgeordnete Sachse, der der Stretfenthaltung der christlichen Gewerkschaften polttische Motive unterschiebt. Man müsse den Zechen die Zähne geigen, auf ihre Versprechungen sei kein Verlaß. Der fol­gende konservative Redner Rogalla v. Bieberstein meinte, mit derartigen Reden würde kein Friede geschaffen. Im übrigen gab der konservative Abgeordnete seiner Ge nugtuung über die Heranziehung von Militär Ausdruck. Seine Bemerkung erregte den lebhaftesten Widerspruch der Sozialdemokraten, wobei Abg. Sachse sich einen Ordnungs­ruf zuzog. Die Darlegungen des Staatssekretärs ergänzte dann noch Handelsminister Sydow in ähnlicher Weise, wie er es kürzlich im preußischen Abgeordnetenhause getan hatte. Den Schluß machte der nationalliberale Abgeord­nete Böttger, der auf die Lohnverhältnisse im Ruhr­revier einging, und die Haltung der Zechenverwaltungen In großen und ganzen zu rechtfertigen suchte.

Attentat auf den König von Italien.

Der König unverlegt geblieben.

Die Hauptstadt Italiens ist Donnerstag morgen durch ein Attentat auf den König in gewaltige Aufre= gung versetzt worden. Ein Unbekannter feuerte auf den König mehrere Revolverschüsse ab, die glücklicherweise ihr Ziel verfehlten und nur einen Begleiter des Königs verwundeten. Es werden folgende Einzelheiten gemel­det:

Als der König sich in Begleitung der Königin zu einer Seelenmesse für den König Humbert nach dem Pantheon begab, feuerte ein Unbekannter mehrere Re­volverschüsse auf den König ab. Die Majestäten blieben unverlebt, während der Kommandeur der den Wagen begleitenden Kavallerieabteilung, Lang, durch einen Revolverschuß verwundet wurde. Der Täter wurde als­bald verhaftet. Die Bevölkerung berettete dem Königs­paar lebhafte Ovationen.

Der Verüber des Anschlags auf den König Viktor Emanuel ist ein junger, bartloser, verhältnismäßig gut­gekleideter Mann von dem charakteristischen Aussehen eines Avachen. Er nennt sich Antonio Dalba. Wie sich bet dem Verhör herausstellte, ist er mehrfach vorbe­straft, darunter dreimal wegen Diebstahls. In den lez­ten Jahren ist er Anarchist geworden. Zuerst behauptele er, den Revolver gefunden zu haben, doch räumte er später ein, daß er ihn seit einiger Zeit befize. In set­nem Verhör protestterte Dalba dagegen, daß er von der Menge, die ihn lynchen wollte, mißhandelt worden set. Ueber die Absichten, die er bet seinem Attentat gehabt, fagte er aber nur wentg. Später begann er von seiner Vergangenheit und seinem bisherigen Leben zu spre­chen. Er stellte in Abrede, daß ein Komplott bestünde. Er habe das Verbrechen allein ersonnen und es auch allein ausgeführt. Er habe Vater, Mutter und einen Bruder. Dalba wurden einige Papiere abgenommen. Er hatte einige Schrammen im Gesicht, die ihm von der Menge im Augenblick bei der Verhaftung zugefügt wa­ren. Dalba hatte sich hinter der Säule eines Balastes verborgen. Sobald der königliche Wagen, in dem sich der König und die Königin befanden, an dem Palais vorüberfuhr, feuerte er feinen ersten Schuß ab.

Der König blieb nach dem Attentat völlig ruhig, aber die Königin wurde letchenblaß. Sie faßte den Kö­nig am Arm und warf sich über ihn, um ihn zu schütt­zen. Der König wehrte fanft ab und befahl, die Fahrt nach dem Pantheon fortzusetzen. Mator Lang, der Kommandeur der den Wagen des Königs begleitenden Kavallerteesforte, hat außer einem Kopfschuß durch den Fall vom Pferd eine Gehirnerschütterung davongetra­gen. Ein Mailänder Blatt bestreitet, daß der Atkentä­

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Unter Feinden.

Roman von Karl Matthias.

( Nachdruck verboten.)

,, So, nun fahren Sie mit dem Kühlen fort," ord­nete der Arzt an; bis wir weiter marschteren, wird der Schmerz wohl aufhören. Soll ich Ste frank melden?" " Ich bitte nein," antwortete der Offizier eifrig ,,, ich marschtere auf alle Fälle mit."

,, Habe nichts dagegen," nickte der Stabsarzt und sah sich nach wetteren Objekten seiner Kunst um. Leider war daran kein Mangel. Tyrolt entfernte sich schnell. Er benetdete den Arzt nicht um sein Amt.

Eine halbe Stunde später- Neumann hatte gerade Beit, die Uniform seines Herrn oberflächlich zusammen­zunähen setzte sich das Regiment wieder in Be­wegung.

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Hauptmann Bergetström begrüßte seinen Offizier mit einem Handschlag. Er mußte sich mit der Linken be­gnüger, denn dieser trug den rechten Arm in einer Binde. Obgleich die Schmerzen nachgelassen hatten, war er außer Stande, irgend etwas zu fassen oder zu halten. ,, Wir beide nehmen uns gut aus," lachte Berget= Ström, auf seine Bandage am Betn zetgend. Zwet Invaliden an der Spitze der Kompagnie. Aber das tut nichts. Im Kriege sind Schönheit und Eleganz Nebensache."

In langen Marschkolonnen rückten die Hundert­achter in das Tal von Letanne. Die Bayern hatten tichtig von den Höhen hinabgepfeffert. Der ganze Weg und die angrenzenden Felder waren von den gefallenen Franzosen dicht besät- wie roter Mohu schimmerten überall die historischen Rothosen aus dem Grase und Getreide. Trümmer aller Art, Kadaver von Pferden Gepäckstücke, Leichen machten die Chausseen fast un­passterbar.

Leutnant Tyrolt marschterte unverzagt an der Spize

ter der Anarchistenpartet angehöre, er set ein gewöhn­licher Verbrecher, der auch schon wegen Mißhandlung feiner Eltern verurteilt set.

Der Attentäter im Gefängnis.

Rom, 15. März. Der Attentäter Dalba wurde in der Nacht aus dem Polizeigewahrsam nach dem Un­tersuchungsgefängnis gebracht. Bet seiner Einlieferung erklärte ec dem Gefängnisdirektor unter Tränen, daß er seine Tat bereue. Er verweigert die Nahrungsauf­nahme. Der bet dem Attentat verwundete Major Lang wurde am Donnerstag im Krankenhause operfert. Die Kugeln wurden entfernt. Sein Befinden ist zufrieden­stellend.

Die Anteilnahme Deutschlands.

Die Nordd. Allg. 3tg." schreibt: Der frevelhafte Anschlag auf das Leben des um sein Land hochverdien­ten Monarchen muß bet der ganzen gesitteten Welt et= nen tiefen Abscheu hervorrrufen. Dem italienischen Königshause und dem verbündeten italienischen Volke bringen wir die herzlichsten Glückwünsche zur Erret­tung des geliebten Königs aus schwerer Gefahr dar. Die Empfindungen, mit welchen die Kunde von der un­tat und ihrem Mißlingen überall aufgenommen wer= den, werden die Sympathie für die Person des mutt­gen und pflichttreuen Herrschers noch erhöhen und die Stellung noch befestigen, die Viktor Emanuel in den Herzen seiner Italiener und in der Hochschäßung seiner Bettgenossen erworben hat. Der deutsche Reichskanzler begab sich Donnerstag nachmittag zum italienischen Botschafter, um wegen des Anschlages auf das italie­nische Königspaar seine Entrüstung und die wärmste Teilnahme auszusprechen.

Rundschau vom Cage.

Politisches.

Die angefagte Ministerkonferenz zur Beratung über die Wehrvorlagen und die Deckungsfragen hat am Donnerstag stattgefunden. Die Nordd. Allg. 3tg." schreibt darüber: Donnerstag vormittag begannen unter dem Vorsitz des Reichskanzlers im Bundesratssaale des Reichsamts des Innern die vertraulichen Bespre= chungen über die Wehrvorlagen und ihre finanzielle Deckung, zu denen der Reichskanzler die leitenden Mi­nister der Einzelstaaten geladen hatte. An den Bespre­chungen nahmen die Chefs der beteiligten Reichsres forts und die Finanzminister der größeren Bundesstaa­ten teil.

Die Beratung des Postetats wurde am Donners­tag in der Budgetkommission des Reichstages beendet. Die Kommission beschloß, die Eingaben der Postunter­beamten, die eine Erweiterung der Arbeiterausschüsse anstreben, der Reichsregierung zur Erwägung zu über­mitteln. Petitionen, die eine bessere Anrechnung der Dienstiahre herbetzuführen wünschen, wurden als Mia­terial überwiesen. Ueber Petitionen, die Gewährung von Zulagen, bezw. deren Ausgleich verlangen, wurde zur Tagesordnung übergegangen.

Ueber die Flottennovelle wird in der Tägl. Rund­schau" mitgeteilt, daß sie in erster Linie eine starke Ver­mehrung der Mannschaften ins Auge faßt, die für die Bemannung des dritten Geschwaders nötig sind. Es besteht die Absicht, im Herbst dieses Jahres 2500 Mann neu einzustellen und, da nach dem Flottengeset rund 3400 Mann tährlich mehr erforderlich sind, so würde man insgesamt jährlich mit einer Mehreinstellung von 5900 Mann rechnen müssen. Die Kosten der neuen Mannschaften belaufen sich auf 7% Millionen Mart, wo­bet der einzelne Mann jährlich 3000 Mart fostet. Die zweiten 7% Millionen Mark, die für das erste Jahr in Aussicht genommen sind, werden zum Ausbau unserer Unterseeflottile verwendet werden.

Der Direktor des Haufabundes, Oberbürgermeister a. D. Knobloch, wird. wie der Hansabund mitteilt, doch von seinem Bosten zurücktreten. Dte aufreibende Tätig­feit während der beiden Jahre hat seine Gesundheit der­art angegriffen, daß er sich entschlossen hat, um seinen Abschied einzukommen, obwohl sein Vertrag noch meh­rere Jahre läuft. Er scheidet, wie versichert wird, im vollen Einvernehmen mit allen Instanzen aus. Sein Austritt foll bereits am 15. März erfolgen. Als Nach­folger Knoblochs wird test wieder der Syndikus des Verbandes sächsischer Industrieller Dr. Stresemann ge= nannt. Wie weit das Gerücht begründet ist, läßt sich schwer beurteilen.

Ferri und Bebel. Der italienische sozialistische Ab­geordnete Ferrt, der wegen seiner Stellungnahme zum Tripolisfeldzuge zur Niederlegung seines Mandats ge­zwungen wurde, hatte sich auch auf August Bebel be­rufen, der sich auch fitr eine koloniale Expansionspolt­ttt ausgesprochen habe. Die Redaktion eines sozialistis fchen Blattes wandte sich deshalb direkt um Aufklärung an Bebel und erhielt folgende Antwort: Werte Genos­fen! Sett 26 Jahren, d. h. seit Deutschland Kolonial­politik treibt, bin ich der entschiedenste Gegner dieser Politik gewesen und bin es bis auf den heutigen Tag. Ferri kann sich also auf keinen Fall auf mich berufen. Meine Gegnerschaft gegen die Kolonialpolitik ist auch

seines zuges. Als der Befehl kam, das Dorf Ville­mortry zu nehmen, trat eine ernste Aktion ein. Von den Preußen war beim Sturm das 96., 86. und 71. Regiment, von den Sachsen das 101. und 108. Regiment beteiligt. Letzteren fiel die Aufgabe zu, die Franzosen aus dem unteren Dorfe zu vertreiben. Diese, insbeson­dere die Marineiruppen, wehrten sich mit Löwenmut, und fingen erst an zu weichen, als zwet bayerische Bat­terien eine westlich gelegene Anhöhe besetzten und, Ge­schoß auf Geschoß in die Gehöfte schleudernd, Haus für Haus in Brand steckten. Mit klingendem Spiel rückten die Hundertachter in die Dorfstraße ein; doch bald mußten sie aufs neue zu den Waffen greifen. Während die französischen Soldaten sich vor den nie fehlenden Bündnadeln und den Bayerischen Schrapnells flüchteten, schickten sich die Bauern an, ihre Häuser zu verteidigen. Aus Fenstern und Luken, von den Dächern und aus den Kellerlöchern schossen sie auf die vorbeiztehenden Steger. Die Folgen diefer wahnsinnigen Tat blieben nicht aus. Die Franktiteurs wurden niedergemacht, ihre Häuser eingeäschert. In Mauzon endlich wurde ange= sichts des Feindes Biwak bezogen.

Leutnant Tyrolt hatte nach langem Suchen in dem zusammengeschossenen Schulhause einen Platz gefunden, um nach den Strapazen des Tages auszuruhen, so zu sagen unter freiem Himmel, denn das Dach war zerstört und flaffte welt auseinander, den feinen Sprühregen, der sich gegen Abend eingestellt, fret einlassend. Den­noch war dem Totmüden der etwas abgelegene Ort will= kommen. Nach dem anstrengenden Marsche, den aus= gestandenen Schmerzen, nach der Aufregung des Kamp­fes, mit allen seinen Greueln und Schrecken, fühlte er sich wie zerschlagen. Nur nach Ruhe Techzte er. Nur furze Augenblicke wollte er normal denken, vielleicht träumen. In der zerstörten Schule fand er den geetg­neten Platz und bat Neumann, dafür zu sorgen, daß er allein bliebe.

die der deutschen sozialistischen Bartet. Im übrigen habe ich Ferri schon felt langem nicht mehr als Sozia listen angesehen. Herzliche Grüße. August Bebel." Ferri veröffentlicht nun in römischen Blättern einen offenen Brief an den Abgeordneten Bebel, dem er vor. wirft, nichts anderes als ein verkappter Monarchist zu fein. Er schließt mit den Worten: Ich wete jeden An­griff Bebels auf mich entschieden zurück, da ich stets mit ehrlichen Waffen kämpfe und nicht wie andere un­ter Zuhilfenahme von Fälschungen."

Kleine Nachrichten.

Nene Militärflugapparate. Die deutsche Heeresvers waltung hat bei den Aeroplanwerken Jgo Etrich in Trautenau 40 Flugapparate in Auftrag gegeben, da­von 16 nach dem Typ der Taube". Die Lieferung soll in Berlin im Mat erfolgen.

Die Aburteilung der englischen Frauenrechtlerin= nen. Die Verhandlungen gegen die Suffragetten vor dem Londoner Gerichtshof dauern fort. Gestern sind wiederum sieben Frauenrechtlerinnen zu vter Monaten und eine zu sechs Monaten Gefängnts verurteilt wor­den.

Beim Billardspiel gestorben. Bei einem Billard­turnier, das Mittwoch abend in den Billardsälen im Zentralhotel in Potsdam zwischen den Meisterspielern Kerkau und Algner veranstaltet wurde, fiel plöblich Algner während des Spiels entfeelt neben dem Billard zu Boden. Als Todesursache wird Herzschlag ange­

nommen.

Der Streif im Schneidergewerbe. Nach den bishe= rigen Feststellungen find im ganzen etwa 22 000 Schnet­dergehilfen ausgesperrt. Aus 40 Orten fehlt aber noch die genaue Angabe von Zahlen über die Aussperrung. Dynamitanschlag im Kohlenrevter. In der Ge= meinde Auf dem Höchsten" bei Schwerte wurde auf dem Fensterbrett des Hauses, in dem ein arbeitswilliger Bergmann wohnte, Mittwoch abend etne Dynamitpat rone zur Explosion gebracht. Das Fenster und die Mö­bel in dem 3immer wurden völlig demoltert. Personen sind hierbet glücklicherweise nicht zu Schaden gekommen.

Massenerkrankungen in einem Lehrerseminar. Im Schullehrerseminar zu Würzburg sind 20 Schüler unter Vergiftungserscheinungen erkrankt. Eine Untersuchung ist eingelettet.

Der Bandit Lesniak, der in Fürstenwalde an der Spree den polnischen Bauer Tonczik ermordet und seiner Barschaft von 700 Mark beraubt, der des wet­teren in Breslau mehrere polnische Auswanderer er­mordet und beraubt hatte, ist in Krakau verhaftet wor den.

Streifende Winzer am Rhein. Nachdem der Aus­stand der Winzer in Rheinhessen zum größten Teil gütlich beigelegt werden konnte und in den Weinber gen die Arbeit wieder aufgenommen worden ist, hat fetzt die Lohnbewegung auf den Rheingau übergegrtf­fent. In Hochheim haben die Arbeiter bereits zu stret= fen begonnen. Zwischen Arbeitswilligen und Stret­fenden ist es mehrfach zu Zusammenstößen gekommen. Attentat anf amerikanische Richter. Das Graf­schaftsgericht von Hillsville im Staate Virginia war am Mittwoch der Schauplatz einer bösartigen Gesetz­losigkeit. Der Richter Masste verurteilte einen gewissen Floydallen zu einem Jahr Gefängnis, worauf dessen Bruder und Freunde mit ihren Revolvern einen wah­ren Kugelregen eröffneten. Der Richter, der Staats­anwalt, ein Geschworener und der Sheriff wurden von mehreren Kugeln getroffen und getötet, andere Ge­fchworene verlegt. Die Täter entkamen.

Großer Juwelendiebstahl im Expreßzug.. Auf der Fahrt von Amsterdam nach Paris wurde einem Diamantenhandler im Erpreßzug eine Kiste mit Ju­welen im Werte von 150 000 Mart gestohlen.

Verhaftung eines Millionenbetritaers. In Lille wurde der nach Verumtreuung von zwet Minionen Francs geflüchtete Kaffterer der Sitez- Kanal- Gesell­schaft namens Lepreuty verhaftet.

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Der Schwarze" Arieg im Ruhrgebiet.

Aus den verschiedensten Teilen des Ruhrbezirks laufen wiederum Nachrichten über Ausschreitungen ein, die nach Beendigung der Schichten Mittwoch nach­mittag vorgekommen sind. Aus dem Bezirk Castrop und auch aus einigen anderen Bezirken, in denen die Zahl der Arbeitswilligen die der Streifenden mehr oder weniger beträchtlich übersteigt, wird berichtet, daß gerade dort die Arbeitswilligen außerordentlich start belästigt werden. In dem Essener Revter hat die Polizeibehörde durchweg in der Nähe der verschiedenen Bechen so starte Boltzetaufgebote untergebracht, daß fe­der Versuch einer Zusammenrottung von Menschen­massen von vornherein vereitelt wird. In Bottrop trieb die Polizei mit Waffengewalt eine Versammlung von Streifenden, die sich auf freiem Felde zusammengefun­den hatte, auseinander. Aus dem Dortmunder Revier wird gemeldet, daß es dort zu heftigen Zusammenstö­Ben gekommen ist. Die Polizei mußte in vielen Fällen mit der Waffe vorgehen, um die Menschenan­

Sie sollen es genießen," sagte der Bursche, seinem Herrn die Lagerstätte auf einem Soldatenmantel, den Tornister als Kopfkissen, bereitend. Ich lege mich quer vor die Türe und sage jedem: Hier sind die Cholera­blattern!" Da laufen sie alle davon!"

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Er ging auf seinen Posten. Waldemar streckte sich auf sein hartes Bett nieder. Das herabwehende Naß störte ihn nicht; es fühlte seine Stirn; es mäßigte die Glut in seinem Innern. Seine Gedanken weilten bei der Geliebten. Gottlob, Desiree war weit von dem Kriegsschauplaze entfernt. Unter dem Schuße der gütt­gen Tante war sie nach Belgten gepflüchtet. Nur Olt­vier weilte in Bazatlles. Zu welchem Zwecke? Sollte er wirklich den wahnsinnigen Plan gefaßt haben, den nachrückenden Deutschen Stand zu halten? um so schlimmer für ihn. Dann gedachte Waldemar seiner Eltern in Reichenbach. Von ihren Segenswünschen be­glettet, war er zu der Verteidigung des Vaterlandes ausgezogen. Er hatte ihnen zulezt von Dieuze geschrte­ben. Er sah die lieben Alten vor seinem inneren Auge, wie sie ungeduldig den Feldpostbrief aufbrachen, wie sie dicht anetandergedrängt. ihn gemeinschaftlich lasen und sich freuten, daß er wohl und guter Dinge set. Guter Dinge? Mit dem Gram um Desiree im Herzen? Doch, gleichviel, sie kannten ja den Grund seiner Trauer nicht. Wozu sollte er ste auch damit betrüben? Aber sie lob­ten ihn und den braven Neumann, der ihn so auf­opfernd pflegte und jetzt draußen vor der Tür lag. Ein trenes Herz!- Ob ihm auch Desiree die Treue bewah ren wird, ob sie ihn noch Itebt, ob sie seiner gedenkt?" Mit Halbgeschlossenen Augen blickte er zu dem wol­tenverhüllten Nachthimmel empor. Kein Lichtstrahl wett und breit! Doch! Dort gerade über ihm ein einzelner, schwachleuchtender Stern auftauchend, verschwindend. Ob auch Desirees Auge ihn in dieser Nacht sehen wird, ob dort sich ihre Gedanken kreuzen?"