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16.3.1912 Erstes Blatt
 
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Hessischer Landtag.

Darmstadt, 13. März 1912. Kap. 36, Landesuniversität, fam heute zur Beratung. Abg. Korel l- Angenrod( Bbd.) hält die bestehenden Zustände nicht für haltbar. Das land­wirtschaftliche Institut soll für den Dienst der Landwirt­schaft ausgebaut werden, es fordere weniger Mittel als man glaubt. Wir rechnen mit 80-90 000 Mart. Die Landwirtschaftslehrer müssen dort die nötige Grundlage für ihre Ausbildung finden. Ein Gutachten des Prof. v. d. Soltz spricht sich für die Möglichkeit aus. Die nö­tigen Ausgaben der nächsten Zeit wären 14 000 Mark. Ein Ausbau ist möglich.

Abg. Grünewald( F. Vp.): Unser Hessenland fann stolz auf seine Universität sein und der kommenden Konkurrenz der Universität Frankfurt muß entgegenge arbeitet werden. Das landwirtschaftliche Institut darf unter feinen Umständen aufhören zu existieren. Es muß ausgebaut werden. Die Zahl der Studierenden wächst von Jahr zu Jahr, zur Zeit 56 Hessen von 69 Stu­denten.

Abg. Fenchel( Bbd.): Die Regierung fam seiner zeit den Wünschen unseres Freundes Köhler sehr ent­gegen. Die Tätigkeit des Instituts hat sich bewährt. Er möchte den Berichterstatter bitten, sich in dieser Angele­genheit zu äußern und daß die Worte für die Zeit und Zukunft" gestrichen werden.

Abg. Urstadt( F. Vp.) wünscht Unterstützung des Studiums der neueren Sprachen.

Abg. Molthan( 3tr.) erklärt, daß der Passus für Zeit und Zukunft" aus besonderen Gründen auf­genommen wurde. Er verweist auf die großen Aus­gaben, die auch dieses Jahr wieder gemacht werden. Er hält es nicht für nötig, jetzt größere Ausgaben für das landwirtschaftliche Institut zu machen.

Abg. Breidenbach( Bbd.) findet es auffällig, daß gerade bei der Landwirtschaft gespart werden soll. Er betont, daß der Antrag Grünewald bei Abfassung des Berichtes noch gar nicht bekannt war. Wir wollen in Hessen Ausbau in allen Angelegenheiten. Wir kran­fen ja an zwei Hochschulen. Besonders kostet die techn. Hochschule Millionen; für Ausländer werden diese Summen ausgegeben. Für das landwirtschaftliche In­stitut muß etwas getan werden, denn hier studieren 56 Hessen von 69 Studierenden.

Abg. Wolf- Stadecken( Bbd.) wünscht Zustimmung zum Ausschußantrag.

Als Berichterstatter erklärt Abg. Brauer( Bbd.): Wir wollen für die Landwirtschaft in erster Linie tüch­tige Winterlehrer. Gerade auf diesem Gebiete ist Halb­bildung am allerschädlichsten. Es könnte auch die Frage geprüft werden, das landwirtschaftliche Institut an die technische Hochschule anzugliedern, wie in München. Die Kosten des Ausbaues würden ziemlich große sein. Auf eine dauernde große Hörerzahl wird man in Zukunft in Gießen nicht rechnen können. Er steht auf dem Stand­punkt, daß im Interesse der Landwirtschaft vor allem tüchtige Winterlehrer nötig seien.

Abg. Bähr( Bbd.) dankt der Regierung für die geplante Errichtung einer Nasen- und Ohrenkli­mif. Er steht auf dem Standpunkt des Abg Brauer und hält das Institut, wie es jetzt besteht, für ausrei­chend. Im Interesse der Sparsamkeit muß man von weiteren Ausgaben absehen.

von

Minister v. Hombergt wünscht ebenfalls, daß für Gießen alles getan werden müsse, was nötig

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Samstag, den 16. März 1912.

sei, doch momentan sei es nicht möglich, das Landwirt­schaftsinstitut auszubauen.

Abg. Dr. Osann( Natl.) hält die Erörterungen über diesen Punkt für unnötig, denn der betreffende Pro­fessor hat selbst für dieses Jahr feine Wünsche.

es

Geh. Rat Weber möchte konstatieren, daß eines Druckes auf die Stadt Gießen nicht bedurfte, um die geforderten Beiträge von 100 000 Mark zu erhalten.

Abg. Korel l- Angenrod: Wenn der dortige Pro­fessor keine Wünsche äußerte, so ist er an den Beschluß des Senates gebunden, daß bis 1915 keine Forderun­gen mehr gestellt werden sollen.

Abg. Grünewald( F. Vp.) erklärt, daß der Passus für die Zukunft" gestrichen werde.

Abg. Molthan( 3tr.) stellt fest, daß im Finanz­ausschuß die Vertreter der Landwirtschaft selbst über diese Frage nicht einig waren.

Das Kapitel Landesuniversität wird genehmigt. 3um folgenden Kapitel, Gymnasien, hat Ab­geordneter sann und Genossen den Antrag einge­bracht, daß der Zeichenunterricht an den Mittel­schulen derart gefördert werden möchte, daß die Zei­chennote eventuell als Kompensationsnote gebraucht wer­den soll.

Abg. Münch( Natl.) wünscht die Wiederschaffung der sechsklassigen Schule, bei deren Abschlußprüfung mög­lichst milde geurteilt werden soll, womöglich soll die Prüfung ganz wegfallen.

Abg. Korel l- Angenrod spricht über die Frage der schriftlichen Schülerarbeiten. Die Extemporalien hält er für eine veraltete Einrichtung; er wünscht ähnliche Ein­richtungen wie in Preußen. Es ist nötig, daß die Kin­der sich zuerst gründlich mit dem Lehrstoff befassen kön­nen. Die Aenderung sei im Interesse der Jugend, der Eltern, wie der Familie wichtig. Bei den Prüfungen zum Einjährigen- Examen wünscht er weniger Stoff und gründlicheres Wissen. Für die Lehrer der höheren Schu­len sei eine längere Vorpraxis ev. Unterricht in den un­tersten Volksschulklassen empfehlenswert. Ebenso solle man den Wechsel der Lehrer im Interesse des Kindes vermeiden.

Abg. Urstadt( F. Vp.) wünscht Besserstellung der Schuldiener. Eine Neuordnung der höheren Mädchen­schule hält er für wichtig. Er hält bei diesen wichtigen Angelegenheiten die Befragung des Elternrates" für gut. Er tritt dann für die koedukation ein, wünschens­wert sei auch die Einführung der Stenographie in den letzten Volksschulklassen. Große Erspar­mit nisse, mindestens von 110 000 Mart, fönne man der Kürzung des Unterrichtes um zwei Stunden ma­chen. Auch pädagogische Gründe sprächen dafür.

Bei der Fortsetzung des Voranschlages in der Zwei­ten Kammer erklärte Ministerialrat Hölzinger zu Kapi­tel 67 betreffend Reichsversicherung, die Re­gierung werde einen gesetzlichen Ausschluß der Land= frankenkassen nicht vornehmen. Was die Zu­lassung der Hilfskassen betrifft, so teilte der Red­ner mit, daß von den im Großherzogtum Hessen be­stehenden Hilfskassen 67 gänzlich in Wegfall kämen, 6 seien unbedingt zuzulassen und für 39 käme eine fatul­tative Zulassung in Frage. Mit Ausnahme von beson­deren Fällen würde die Regierung feine neuen Hilfs= fassen mehr zulassen, wenn sie nicht mindestens 1000 Mitglieder haben. Erwünscht sei aber, daß auch diese Hilfstassen nicht mehr bestehen bleiben, und daß wei­tere Hilfskassen nicht mehr zugelassen werden. Einstimmig wurden

15000 Mark für Jugendpflege bewilligt. Minister v. Hombergf betonte, die von der Regierung unterstützten Vereine sollten keine Kampf­organisation gegen die Sozialdemokratie sein, es sollten aber nur Bestrebungen auf vaterländischer Grundlage und unterstützt werden. Die Abgeordneten Korell Adelung forderten, daß die Verwendung ohne Rück­sicht auf politische und religiöse Gesinnung erfolge. Für Volksschulen wurden 2 830 000 Mark, für Gymnasien, Realgymnasien und Realschulen 2 053 000 mt. in Ein­nahme und 3 049 000 Mark in Ausgabe bewilligt.

Scharfe Kritik wurde an dem Zustande der Kreisstraßen in Oberhessen geübt. Mehrere Redner forderten Kleinpflaster und Pflasterung der Zu­fahrtsstraßen zu den Kreisstraßen. Minister von Hom­bergk stellte eine Denkschrift in Aussicht, die eine Reform des gesamten Bauwesens anstrebt. Das Kapitel wurde mit 1 230 000 Mark bewilligt.

( Gießener Tageblatt)

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Telephon: Nr. 362. 24. Jahrg.

Aus Stadt und Cand.

Gießen, den 16. März 1912. n Gießen. Im Gießener Fröbel- Semi­nar, dessen erster Kursus jetzt zu Ende geht, fand am letzten Montag unter dem Vorsitz von Kreisschulinspek­tor Professor Dr. Alles die Schlußprüfung statt. Sämt­liche Seminaristinnen bestanden.

n Gießen. Mit Rücksicht auf die noch in einzel­nen Gemeinden bestehende Maul- und Klauenseuche bat das Kreisamt angeordnet, daß zu dem am 20. März stattfindenden Markt Pferde aus Sperr- und Beobach­tungsgebieten nicht aufgetrieben werden dürfen. Beim Antrieb der Tiere ist eine Bescheinigung der Ortsbehörde der Herkunftsgemeinde darüber vorzulegen, daß die Pferde nicht aus solchen Gebieten stammen. Diese Be­scheinigung muß eine nähere Beschreibung der Pferde enthalten.

):( Diez. Der Kreistag des Unterlahnkreises hat die Errichtung einer Kreiswanderhaushaltungsschule be­schlossen.

r Wetzlar. Hier wird von Handwerkern und Gewerbetreibenden dte Veranstaltung einer Handwerks­Ausstellung geplant, in welcher das Vorwärtsstreben und können des heimischen Handwerks in Werk­statt und Fabrik gezeigt werde.

s Darmstadt. Der Zweiten Kammer ging eine Regierungsvorlage, betr. die Blindenanstalt in Friedberg zu. Die alte Blindenanstalt soll an die Kulturinspektion in Friedberg vermietet werden. Für bauliche Herstellungen werden 9000 Mark gefordert, die aus vorhandenen Mitteln bestritten werden.- Die Ab­geordneten Diehl und Wolf- Stadecken haben bei der Kammer einen Antrag betr. den Bau einer Bahn von Undenheim nach Arnsheim eingereicht.

ihre

s Darmstadt. Die Hessische Handwerker- Zentral­Genossenschaft, A.-G., gemeinnützige Gewerbeförderungs­anstalt, hielt letzten Donnerstag, den 14. März, 8. ordentliche Generalversammlung ab. Von der Ver­waltung konnte wiederum ein sehr günstiger Geschäfts­bericht erstattet werden. In dem abgelaufenen Jahr, ob­wohl es wegen Verlegung des Jahresschlusses von Ende Dezember auf den 30. November nur 11 Monate um­faste, stieg dennoch der Umsatz von Mt. 285 000 auf rund Mark 290 000. Besonders lebhaft war der Ge­schäftsgang in der Maschinen- und Benzin- Abteilung; aber auch in der Kohlen- und Glas- Abteilung wurden die gehegten Erwartungen durchaus erfüllt. Das Netto­erträgnis im Betrage von Mt. 8509 gestattete die Ver­teilung der statutarisch zulässigen Höchstdividende von 4 Proz. und die Ueberweisung von Mt. 4306 an die Reserven. Das Institut erstrebt dem tüchtigen Hand­werker die Beschaffung der zu seiner Konkurrenzfähigkeit notwendigen Maschinen durch Gewährung entgegenkom­mender Teilzahlungen zu erleichtern. Die Aussichten für das neue Geschäftsjahr wurden als sehr gute bezeichnet. Infolge der allgemein günstigen Geschäftslage und des Baues der Ueberlandzentralen in den Provinzen Star­fenburg und Rheinhessen herrscht insbesondere in der Maschinenabteilung ein außerordentlich lebhafter Ge­schäftsgang. Gegenwärtig liegen bereits für rund Mt. 200 000 Aufträge vor. In der Versammlung wurde auch darauf hingewiesen, daß das Institut allen Hand­werkern unentgeltlich technischen Rat und Auskunft er­teilt.

! Mainz. Der Gesamtertrag, der bei dem am letzten Sonntag nachmittag in der Stadthalle veranstal­teten großen Kinderfestspiel erzielt wurde, stellt sich auf rund 3080 Mt. Nach Abzug aller Kosten ver­bleibt ein Barüberschuß im Betrage von 2600 Mk., der teils zum Besten des Mainzer Hauspflegevereins, teils für die Ferienkolonien Verwendung finden soll.- Der für den nächsten Sonntag nachmittag im Saalbau zu Mombach angekündigten Frühlingsfeier" der Mombacher Schuljugend sieht man mit besonderem In­teresse entgegen. Der Reingewinn fließt auch hier dem Mainzer Hauspflegeverein und den Ferienkolonien zu. ):( Bad Wildungen. Einen recht ehren­vollen Auftrag erhielt Geh. Sanitätsrat Dr. Marc hierselbst, indem er an den kaiserlichen Hof in St. Pe­tersburg berufen wurde. Großfürst Constantinowitsch, der schon mehrere Jahre hierher zur Kur kam, ist er­frankt und hat deshalb Herrn Dr. Marc zu Rate ge­zogen.

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