Ausgabe 
16.3.1912 Erstes Blatt
 
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sammlungen vor den einzelnen Bechen zu zerstreuen. Mehrere Wirtschaften, in die sich die Streifenden flüch­feten, wurden polizeilich geschlossen. In Buer wurde, wie die Polizeiverwaltung mitteilt, der Bergmann 8a­polla von einem Gendarmen erschossen. Der Sach­verhalt ist kurz folgender; Die Gendarmerie wurde mit Steinen beworfen. Als sie nun zur Verhaftung eines der Beteiligten schritt, wurde sie von fünf bis sechs Personen angegriffen und abermals mit Steinen be­worfen. Mehrmaligen Aufforderungen, auseinander­zugehen, leisteten sie feine Folge. Die Gendarmen wa­ren schließlich gezwungen, von der Schußwaffe Ge­brauch zu machen. In Herne wurden wiederum Schutz­leute beschoffen, und machten auch ihrerseits von Schußwaffe Gebrauch. Der 20jährige Bergmann Za­remba erhielt einen Schuß in den Unterschenkel. In Hamborn wurden vier Personen verhaftet, weil sie auf vereinzelt reitende Patrouillen geschossen haben und eine Person, weil sie aus einem Fenster auf einen vorübergehenden Polizeikommissar mit einem Etsen­Stitch geworfen hatte. Infolge der zunehmenden Un­ficherheit hat der Polizeipräsident angeordnet, daß die Polizeistunde für die Wirtschaften in der Nähe der He­chen auf 9 Uhr abends festgesetzt wird. Auch ist der Verkauf von Branntwein allen Wirten, Händlern und Brennereten verboten worden. Am Donnerstag wurde Militär in das Streitgebiet beordert, und zwar meh­rere Bataillone Infanterie mit einem Maschinenge­wehr und einige Schwadronen Kavallerie.

Ein Klub der Spione in England.

In England, dem Lande der Klubs, gibt es, wte der Inf." aus London geschrieben wird, auch eine ge­sellschaftliche Vereinigung, deren Zweck geradezu die Spionage ist. Dieser Verein nennt sich natürlich nicht der Klub der Spione, sondern Klub der Freunde des englischen Heeres". Diese Freundschaft besteht darin, daß die Klubmitglieder sich ständig auf dem Laufenden erhalten, wie groß die Heere der anderen Länder sind, wie start ihre Flotte ist, und welche Zukunftsabsichten der betreffende Staat hat. Es ist die Pflicht der Klub­mitglieder, alles, was in ihren Kräften steht, dazu bet­zutragen, um sich Kenntnis dieser Dinge zu beschaffen und sie dem Klubarchiv einzuverleiben.

Es handelt sich natürlich hier nur um angesehene und wohlhabende Männer, also nicht um Berufsspione, sondern um Gentlemen, deren Handlungsweise nur durch patriotische Gründe erklärt werden kann. Der Jüngst in Leipzig verurteilte englische Spion Steward soll dem Vernehmen nach auch ein Mitglied dieses Klubs der Freunde des englischen Heeres gewesen sein. Es ist ganz selbstverständlich, daß dieser Klub in innt­gen Beziehungen zu dem englischen Heere steht, zumal ein großer Teil diese Mitglieder sich aus aktiven oder ehemaligen Offizieren zusammensetzt. Man kann als ficher annehmen, daß die Reisen der Klubmitglieder des offeren in Spionageangelegenheiten erfolgen, und daß die Erfahrungen, welche die Mitglieder auf solchen Rei­fen machen, auf irgend eine Weise dem Heere zugute tommen.

Der Name Freunde des Heeres" hindert die Klub­mitglieder übrigens nicht, sich auch den fremden Mari­nen sehr freundlich und liebreich anzunehmen. So er­Strecken sich denn auch die Nachforschungen des Klubs auf die Marinen aller Mächte. Die Namen der Mit­glieder werden im allgemeinen nicht bekannt, wie es überhaupt äußerst schwierig ist, in dem Klub als Mit­glied aufgenommen zu werden. Nur fünf untereinan= der nicht verwandte Mitglieder sind in der Lage, durch Ihre Empfehlung die Aufnahme eines neuen Mitglie= des zu erwirken.

Vermischtes.

Einem ungeheuren Schwindel, der seit einem Vier­teljahre die deutsche Geschäftswelt auf das schwerste ge= schädigt hat, ist die Schöneberger Kriminalpolizet auf die Spur gekommen. Ihr gelang es am Dienstag, wie schon furz gemeldet, eine Bande von Schlitten­fahrern" zu verhaften, die in Berlin und mehreren Vor­orten thr Domizil aufgeschlagen hatte. Durch das Trei ben der Bande sind große Firmen und Fabriken in allen Teilen Deutschlands um Summen betrogen worden, deren Höhe sich vorläufig noch gar nicht abschäßen läßt. Es handelt sich um eine Gaunerbande, die unter der intellektuellen Leitung des 30jährigen, feit längerer Beit von der Staatsanwaltschaft steckbrieflich verfolgten R. L. Schäfer in den verschiedensten Stadtteilen Geschäfts­räume eingerichtet und dort Warenschwindeleten in gro­Bem Umfang betrieben hat. Die sämtlichen Geschäfte waren in großem Sttle aufgemacht. Auf Briefbogen, auf denen Banffonten, Telegrammadresse und Telephon vermerkt waren, wurde an große Firmen in allen Tet­len Deutschlands geschrieben und das Ersuchen an sie gerichtet, Musterkollektionen und Preisverzeichnis ein= zusenden. Wenn die Proben eintrafen, gingen sie, um Vertrauen zu erwecken, nach einigen Tagen an die Fir­ma zurück. zugleich mit großen Bestellungen im Werte von mehreren hundert Mark. Als Referenzen wurden

Er sog den Strahl in sich auf in seliger Hoffnung; Stille dann kam es wie Todesmattigkeit über thn. ringsum, nur der leise Sprühregen zischte auf die Dach­trümmer. Waldemar sank in tiefen, erquickenden Schlaf.

Gegen zwet Uhr morgens wurde es lebhaft in Mou­zon. Die Hörner bliesen, die Trommeln lärmten in den Gassen. Der Ort, der nach den fürchterlichen Ereignissen des Vorabends wie in Todesstarre dagelegen hatte, bot, che noch das neur Tageslicht am umwölften Himmei emporgestiegen, den Anblick eines wimmelnden Kriegs­lagers. Schon dröhnte der Taktschritt der bayerischen Kolonnen durch die Straßen; sie, die unermüdlichen Frühaufsteher, rückten, von Westen kommend, dem noch unbekannten Ziele entgegen. Preußische Batterien raf­felten in unabsehbarer Reihe hinter ihnen her. Die sächsischen Truppen blieben nicht zurück. Im Laufschritt stürmten ste nach den Appellplägen.

,, Herr Leutnant es geht los", meldete Neumann, ſet= nen Kopf zur Tür hereinsteckend. Stehen Sie gehor­famst auf. Die Hornisten tuten schon. Die 9. Kom­panie!" eine ganze Weile."

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Tyrolt fuhr empor. Nach der Waffe und dem Tscha­to greifend, stand er mit einem Ruck aufrecht da. " Was ist geschehen?" fragte er noch traumbefangen. " Ich weiß es nicht," entgegnete Neumann, den Mantel rollend. Ich glaube aber, Befehl vom Haupt­quartier. Es geht vorwärts."

,, Nun denn, in Gottes Namen", sagte der Offizter, den Tornister umhängend. Mit dem Frühstück ist es wohl nichts?"

,, Bliemchenkeffee, nee," lachte der Bursche. Aber eine Flasche Rotwein habe ich gefunden beim Schul­lehrer. Er schmeckt scheene."

Er fredenzte seinem Herrn eine dunkle Flüssigkeit im 3innbecher, den er stets neben der Feldflasche trug. Zyrolt trant den Wein mit sichtlichem Bebagen.

die übrigen Firmen des Schwindeltonzerns angegeben,| die über die Bonität des Bestellers natürlich die glän­zendsten Auskünfte gaben! Die Bestellungen erstreckten fich auf alle Gebiete der Fabrikation. Bücher wurden überhaupt nicht geführt. Bei dem ungeheuren Umfang, den die Schwindeleten im Laufe der Zeit angenommen hatten, unterliefen Schäfer, der schon zweimal in einer Frrenanstalt untergebracht war, Fehler, die zur Auf­deckung des Riesenschwindels führten. Schäfer sowohl wie die Filialleiter sind vollkommen insolvent.

Eine deutsche Fleischermeisterin nach Amerika en­gagiert. Der Frau des Metzgermeisters Littich in Er­goldsbach( in Niederbayern), die bei der Prüfung mit Sicherheit und Gewandthett einen Ochsen tötete, berufs­gerecht ein Schweiz und ein Kalb schlachtete, und dann in mustergültiger Weise die geschlachteten Tiere für die Fleischbank herrichtete, hat, wie die Allgem. Fleischer­zeitung" mitteilt, der Besizer eines großen amerikant­fchen Hotels das Anerbieten gemacht, ihr 50 000 Dollars für ein zweijähriges selbständiges Auftreten in seinem Hotel zu zahlen.

Ein Hundertjähriger. Der Berliner Schlossermet­fter Wilhelm Fritsch feierte in diesen Tagen sets nen hundertsten Geburtstag. Fritsch macht noch alle Wege zu Fuß und bedient fich nur beim Lesen einer Brille. Er ist geistig völlig frisch und sieht aus wie ein Siebzigjähriger. Er dichtet sogar noch und hat einem Neugierigen, der ihn nach seinen Konservierungsmitteln fragte, folgendes Verslein mit auf den Weg gegeben: Rede wenig, rede wahr,

und trink', bezahle bar, Fürchte Gott und sei verschwiegen, Was nicht dein ist, das laß liegen Spar' in dieser schönen Welt

Die Gesundheit und das Geld.

Ein hartnäckiger Schulschwänzer. Daß ein Junge vier Jahre larg die Schule schwänzt, ohne daß die Leh­rer oder Eltern dahinterkommen, sollte man faum für möglich halten, und doch hat sich dieser Fall in Dort­mund zugetragen. Bis zu seinem neunten Lebensjahre besuchte der jetzt 13 Jahre alte Schüler Erich Steiner, Sohn eines Bergmanns, die Melanchthonschule, und als seine Eltern im Jahre 1908 in einen anderen Stadt­teil übersiedelten, wurde er der Krimschule überwiesen. Durch irgend ein Versehen muß der Name deb An­geklagten nicht in die Schullisten aufgenommen worden sein, und das machte sich der Junge zunuze, indem er feit dieser Bett die Schule schwänzte. Jeden Morgen Iteß er sich von seiner Mutter sein Schulränzel packen und mit einer ordentlichen Frühstücksfulle ausgerüstet begab er sich angeblich zur Schule. Statt dessen aber trieb er sich auf den Wochenmärkten umber, wo er sich durch allerhand Botengänge einige Groschen verdiente. Jetzt erst, nach vier Jahren, kamen die Eltern hinter dies Doppeggynmnt thres Spröling Der Vater brachte thn sofort zur Schule, die der Junge nun wohl etwas länger als bis zu seinem vierzehnten Lebensjahre wird besuchen müssen.

Wer hat die Hofe an? Die Bettschrift Betten und Völker" plaudert über birmesische Sitten und berichtet dabei folgendes:" Nach einigen Forschern sollen die Ur­einwohner Birmas Australneger gewesen sein. Die jetzt im Lande lebende Bevölkerung ist wohl zweifellos von Norden eingewandert und mongolisch- chinesischer Ab­stammung. Männer wie Frauen tragen ein um die Hüften kunstvoll geschürztes weißes Tuch, das bet den Frauen entweder an der einen Sette offen getragen wird( Tamein) oder auch als Rock( Lungi) genäht ist. Bei den Männern ist dieses 2% Meter lange Tuch nur etwa 1 meter breit; sein Ende wird durch die Beine ge­zogen und dann über die Schulter geworfen. Bet beiden Geschlechtern ist ferner noch die kurze weiße Jacke in Gebrauch, über welche die Frauen noch ein buntes set­denes Luch, die Bawa, malerisch schlingen. Für den Mann gehört noch zur vollständigen Bekleidung die " Hose", die er sich der größeren Dauerhaftigkeit wegen direkt auf den Leib tätowieren läßt. So schmerzhaft diese Operation auch ist, so unterzieht sich jeder mann­bare Jüngling ihr doch gerne, denn keine birmesische Schöne würde ihit erhören und zum Gatten nehmen, trüge er nicht diese Hose", das Zeichent seines Mutes. Selbstverständlich haben in den besseren Kreisen euro­pätsche Anschauungen Plaß gegriffen, und die jungen Gigert, die im Dogcart auf der Promenade von Rangun paradieren, tragen die traditionelle Hose nicht mehr, da­füir follen aber jetzt ihre Frauen die Hosen anhaben. Ueberhaupt ist die Stellung der Frau in Birma bet wei­tem geachteter als im übrigen Indien; sie leistet dafür aber auch ganz achtbares, vor allem im Handel. Sogar die englische Regierung hat die Fähigketten der Birmesin anerkannt und ihr im Post- und Telephondienst die­felben Stellungen eingeräumt wie in dem europäischen Dienst."

Drabtnachrichten und Deuestes.

Ein Vater unter Verdacht des Kindesmordes. Frankfurt a. M., 15. März. In einem hiesigen Hotel wurde heute vormittag die 27 Jahre alte Loch­

" Du bist wohl auf Requisition gewesen, während tch schlief?" fragte er, sich auf den Weg machend.

" Zu Befehl", schmunzelte Neumamu. Eine Flasche habe ich getrunken, eine habe ich hier und eine habe ich im Tornister. Bitte, Herr Leutnant, noch einen fleenen Kuhschluck"

Waldemar ließ sich nicht nötigen. Der Wein wärm­te seine von Nachtkälte und Feuchtigkeit starren Glie­der, gab ihnen Geschmeidigkeit und seinem Geist Fri­sche. Die verlegte Schulter schmerzte noch immer, aber sie hinderte ihn nicht in der raschen Bewegung, als er ins Frete trat.

Die Straße war fast unpassterbar. Die Heeressäu­len der deutschen Armee füllten sie ganz aus. Reiteret und Geschüße zogen ohne Unterbrechung und dicht auf­einandergedrängt darauf hin. Die Infanteriekolonnen marschierten rechts und links vom Dorfe durch Obst= gärten und über die bereits abgeernteten Felder. Alles strebte in nordwestlicher Richtung vor. Im Hofe der Mairie sammelte sich das Schützenregiment Nr. 108. Nur mit Mühe gelangte Tyrolt dorthin. Die Mann­schaften, welche teilweise im Freien biwaktert hatten, standen bereits in Reih und Glied, die Offiziere waren bei thren Zügen.

Der Oberst hielt vor der Front. Als sich der Leut­nant bei ihm meldete, reichte er ihm die Hand.

,, Wie geht es mit der Blessur?" fragte er Teutseltg. Ist das Loch wieder zu?"

3u Befehl, Herr Oberst, der Arm ist freilich ein bischen lahm."

Kein Wunder, wenn man selber die Mitrailleusen umschmeißt. Fünf Stück erobert, alle Achtung! Diese Tat vergesse ich Ihnen nicht. Haben Sie geschlafen?" " Zu Befehl, in der Dorfschule ohne Dach." " Immer noch besseres Quartter als das meine", lachte der joviale Herr." Ich mußte mit einem Kubitaui

ter des Privatlers Boegel erschossen aufgefunden. Des Mordes verdächtig ist der eigene Vater, der seit gestern abend verschwunden ist.

Selbstmord einer Schauspielerin,

Gera, 15. März. Die Schauspielerin Fräulein Naumann hat sich gestern aus unbekannter Ursache m ihrer Wohnung erschossen.

Ein Monat Gefängnis für eine Unachtsamkeit. Naumburg, 15. März. Die hiesige Straffams mer verurteilte den fiebzigjährigen Arbeiter Röhr aus Leubingen bet Colleda zu einem Monat Gefängnis, weil er vorigen Herbst bet Erntearbeiten von einem Getreidediemen eine Reichgabel so unvorsichtig herab­geworfen hatte, daß ein junges Mädchen in den Rücken getroffen wurde und an den Folgen gestorben ist. Folgenschwerer Zugzusammenstoß.

Wittenberge, 15. März. Heute früh 2,20 Uhr ist der Postzug 6067 infolge Ueberfahrens des Ein­fahrtssignals auf den letzten Wagen des nach Lüneburg auslaufenden Zuges 6964 gestoßen. Der Zugführer und ein Schaffner wurden getötet, vier andere Bugbe amte verletzt. Der Materialschaden ist groß. Dret Wa gen des Zuges 6067 find verbrannt.

Eine ganze Familie durch Gas betäubt. Berlin, 15. März. In der Wohnung der Fas milie Gericke in Malchow strömte in der Nacht infolge etnes Defeftes der Leitung Gas aus. Die Nachbarn fanden morgens Gericke, seine Frau, seine beiden Kin der, das Kinderfräulein und eine im Hause beschäftigte Schneiderin bewußtlos auf. Erst nach mehrstündigen Bemühungen gelang es, die Bewußtlosen ins Leben zurückzurufen.

Aeroplannnfall beim Blumenkorfo in Nizza. Paris, 15. März. Während gestern nachmittag auf der Promenade in Nizza die Blumenschacht aus Anlaß der Mitfastenfeter tobte, warfen der Flieger Mo­rin und sein Begleiter Pentra Konfetti aus der Luft in die Menge. Infolge eines Defettes des Motors stürzte der Apparat plöblich ins Meer. Die Flieger wurden durch Boote gerettet.

Prinzessin Luise dementiert.

Paris, 15. März. Prinzessin Lutse von Bel­glen erklärt, daß weder durch ein Pariser noch ein an­deres Gericht der Antrag gestellt worden ist, ste unter Kuratell zu stellen.

Berliner Getreide- und Viehmarkt.

Die Festigkeit des Auslands für Weizen machte auch am Berliner Markt ihren Einfluß geltend. Für Wet­zen zeigte sich in Nord- und Süddeutschland viel Bes gehr nach ausländischem, schnell erreichbaren Weizen und es wurden daher große Posten von dem in den russischen Ostseehäfen lagernden Wetzen der Ernte von 1909 und 1910 erworben. Von Roggen kamen, trotzdem viel Ware abgelenkt wurde, noch ziemliche Mengen nach Berlin, um bei Erledigung der im Mai fälligen Liefe rungsverpflichtungen Verwendung zu finden. Hafer gewann gleichfalls 2 bis 3 Mart, obwohl die Zufuhren ziemlich reichlich waren. Gerste stieg bedeutend, da Rußland nur sehr geringe Ausfuhr darin hatte. Mats war bei ruhigem Geschäft fest. Am letzten Tage der Be­richtswoche trat im Anschluß an das Ausland ein we­sentlicher Umschwung zur Abschwächung ein. Offenbar haben die start gestiegenen Preise überall vermehrtes Angebot hervorgerufen. In Berlin wurde namentlich Roggen auf späte Termine verkauft, Die Schlußnotic­rungen stellten sich für Lieferung im Mai wie folgt: Wetzen 216%, Roggen 1934, Mais 167 M.

Preise des städtischen Schlachtviehmarktes. 1. Och­fen: a) vollfleischige ausgemästete höchsten Schlacht­wertes, ungejocht 81-86 M., 6) junge, fleischige, nicht ausgemästete und ältere ausgemästete 75-84 M., C) mäßig genährte junge und gut genährte ältere 66 bis 72 M. 2. Bullen: a) vollfleischtge ausgewachsene höch= sten Schlachtwertes 75-81 M., b) vollfleischige jüngere 71-79 M., c) mäßig genährte jüngere und gut genährte ältere 66-72 M. 3. Färfen und Kühe: a) vollfleischige, ausgemästete Färsen höchsten Schlachtwertes 77-80 M., b) vollfleischige ausgemästete Kühe höchsten Schlacht­wertes bis zu 7 Jahren 72-77 M., c) ältere ausge= mästete und wenig gut entwickelte jüngere Kühe und Färfen 67-73 M., b) mäßig genährte Kühe und Färjen 57-66 M., e) gering genährte Kühe und Färsen bis 64 Mart, f) gering genährtes Jungvteh( Fresser) h 4. Kälber: a) Doppellender feinster Mast 114-146 M b) feinste Mastfälber 105-110 M, c) mittlere Mast- und beste Saugfälber 97-103 M., d) geringere Mast- und gute Saugfälber 88-98 M., e) geringe Saugfälber 64 bis 84 M. 5. Schafe: a) Mastlämmer und jüngere Mast­Hammel 70-80 M., b) ältere Masthammel, geringere Mastlämmer und gut genährte junge Schafe 60-68 M., c) mäßig genährte Hammel und Schafe 56-68 M. 6. Schweine: a) Fettschweine über 3 Zentner Lebendge­wicht 70 M., b) vollfleischige Schweine 250-300 Pfund 68-70 M., c) vollfleischige 200-240 fd. 66-69 M., d) vollfleischige Schweine 160-200 Pfd. 63-67 M., e) voll­fletschige Schweine unter 160 Pfd. 58-63 M., f) Sauen 63-64 M.

vorlieb nehmen, natürlich unter Abwesenheit des Kind­viehs. Aber das Odeur war schauderhaft. Mußte die Tür offen lassen, und mein Rheumatismus meldet sich infolgedessen in wenig Itebenswürdiger Weise."

So scherzte man über die Strapazen, welche der Feldzug selbst den hochgestellten Offizieren auferlegte. Da mußte die gute Laune auch bei dem gemeinen Man­ne Platz greifen.

Niemand wußte, weshalb nach der Einnahme von Mouzon mitten in der Nacht der Weitermarsch befoh­len worden war. Nur der König selbst und sein Stab kannten das Geheimnis. In Vouzier angelangt, hatte der König sich entschlossen, den eisernen Gürtel um Se­dan zusammenzuziehen. In der Nacht zum 31. August kam der Befehl, unverzüglich aufzubrechen. Die Maas­armee sollte sich östlich von Sedan entwickeln, die dritte Armee den Westen und Norden umfassen. Das Garde torps hatte den Auftrag, für den Fall, daß die Fran­zosen die belgische Grenze überschreiten sollten, den= felben unverzüglich zu folgen und rückte östlich an der Spize auf Sedan vor. Westlich von ihm marschterten die sächsischen und preußisch- posenschen Regimenter. Al der Tag graute, stand das ganze 11. Korps bei Don chery, die Jäger bet Bazeilles, die Garde bet Sally links von Chiers bis Francheval. Das 12. Korps war bet Douzy das 1. bayerische Korps bet Remilly, das 2. baye­rische bet Roncourt, die Württemberger bel Fliege, das fünfte Korps bet Connage, das vierte bei Autrecourt. Der König selbst hatte Vouzier verlassen und war nach Vandresse mit dem Hauptquartter übergesiedelt.

Die furchtbare Schlinge lag berett. Ein Wink des flegreichen Feldherrn, und sie zog sich zusammen zu tödlicher Umarmung.

Fortsetzung folgt.)