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Frühlingstage auf Korfu.

Benizze, einer der schönstgelegenen Küstenorte der Insel Korfu.

Durch einen altehrwürdigen Torturm tritt man in die engen, schattigen Gassen der Altstadt. Im Bogen führt die Hauptstraße zur Esplanade hervor, wimmelnd von Menschen, die sich zwischen den Tischen und Buden der Händler drängen, ein lebhaftes Markt- und Basartreiben, durch das der Fremde sich fast schon in den Orient versetzt fühlt. Oben angelangt, staunt man über die kolossalen Häuserwürfel, mit denen die Engländer einst die Esplanade und die höchsten Teile der Stadt geschmückt haben; sie leisten jetzt zum Teil dem Fremden­verkehr treffliche Dienste, indem die stattlichen Räume zu prächtigen Gasthöfen umgewandelt sind.

Die Stadt selbst ist bald gesehen. Die öffentlichen An­lagen, mangelhaft gepflegt, sind kaum imstande, das verwöhnte Auge des Nordländers, der hochgespannte Erwartungen mit­bringt, dauernd zu befriedigen. Umsomehr richtet sich das Auge des Beschauers auf das bunte Leben und Treiben, das sich besonders an den griechischen Ostertagen auf Straßen und Plätzen entwickelt.

Schon am Palmsonntag kommen die Landlente scharen­weise zur Stadt. Ihre bunten Trachten beleben die städtische Menze. Der weibliche Sonntagsstaat gelbes Kopstuch, rote Tücher auf blendend weißen Hemden, viel derbes Schmuckzeug auf der Brust und an den Ohren, mutet ganz italienisch an. Nun beginnt ein schwungvoller Schaf- und Lämmerhandel. Die Tiere werden teils herdenweise durch die Straßen ge­trieben, teils einzeln an Stricken von Haus zu Haus gezogen; und wenn sie schließlich nicht mehr gehen können, so trägt sie der Bauer wohl nach Art des guten Hirten bequem über den Schultern, oder auch nach Art der bösen an den zu: sammengebundenen Beinen, den Kopf nach abwärts, bis ihnen die Augen starr aus den Lidern hervorquellen und manche schon mehr tot als lebendig erscheinen. Bald steht vor jedem Haus ein Opferlamm, von den Hausgenossen liebreich gepflegt und mit bunten Bändern geschmückt, ein willkommenes Spiel­zeug der Kinder.

Am Ostersamstag zieht vormittags eine große Prozession durch die Straßen; auf kostbarer Tragbahre wird die Leiche des heiligen Spiridion, des Schutzpatrons der Stadt, voran­getragen. Sobald gegen 11 Uhr der festliche Zug die Haupt­lirche wieder erreicht, erklingen alle Gloden, Schüsse und Feuerwerk flingen allerorts, ja aus allen Fenstern fliegen alte Töpfe und Teller auf die Straße und zerschellen klappernd auf dem Pflaster; ein Höllenlärm, wohl geeignet, auch den bösesten Geist in die Flucht zu schlagen. Gleichzeitig stürzt der Hausherr mit gezücktem Messer auf den erschreckten

Haushammel und schneidet ihm jählings den Hals ab. Das Tier wird nun am Türpfosten aufgehängt, abgehäntet und ausgenommen; die Gedärme werden zu dem Blut in die Gosse geworfen, eine Beute der Hunde, die Felle aber wandeln rasch zum Händler, und wenn am Nachmittag die Familie andächtig um das offene Feuer sitt, über dem der Hammel langsam am Spieße gedreht wird, hängen sie bereits vor der Stadt an langen Seilen beisammen, um an der Sonne zu trocknen.

Den Höhe und Wendepunkt der Festwoche bezeichnet der nächtliche Gottesdienst, der kurz vor Mitternacht auf der Zitadelle beginnt. Auf dem freien Plaß vor der tempel­artigen Burgkirche wird ein viereckiges Podium aus Holz aufgeschlagen und mit Girlanden geschmückt; ein einfaches Lesepult steht in der Mitte. Während zwei Priester in der Kirche endlose Litaneien absingen, sammelt sich draußen all­mählich die Gemeinde und besetzt still und geordnet den Kirchplatz mitsamt den Wällen und Mauern und den steilen Felshängen ringsherum. Endlich um 12 Uhr ziehen die Priester in feierlicher Prozession aus der Kirche. Fackelartige Lichter von erstaunlicher Dicke und Länge werden voran­getragen, dann folgt das Kreuz und hinter ihm der älteste Pope mit dem Evangelium, von zwei jüngeren Priestern begleitet. Knaben mit Heiligenbild und Lichtern schließen den Zug, dem die Menge nachdrängt; jedermann hat eine brennende Kerze in der Linken, die Rechte frei, um jederzeit das Zeichen des Kreuzes vor Gesicht und Brust machen zu

können.

Nun zündet auch die Gemeinde rings auf ihrem erhabenen Standpunkt die Lichter an; ein zauberhafter Anblick, alle die beleuchteten Gesichter auf den Wällen und Felsen im Rahmen der dunklen Mitternacht.

Die Priester psalmodieren weiter, während das Heiligen­bild zum Kuß herumgereicht wird. Da schlägt es Mitternacht. In feierlicher Formel verkündigt der Pope:" Der Herr ist erstanden", und sofort ertönen schmetternde Fanfaren, die den Donner der Festungsgeschütze auslösen, der die frohe Kunde hinüberwettert in die schweigende Stadt. Nachdem noch die Herren und Damen der hohen Gesellschaft das Evangelienbuch getüßt, schreitet die Prozession, wie sie gekommen, feierlich zur Kirche zurück, während der Hof abfährt.

Nun aber läßt sich auch die Menge nicht mehr halten; sie strömt durch das Tor der Festung ihren Behausungen zu, um sich endlich am lecker bereiteten Österlamm für die lange, entbehrungsreiche Fastenzeit zu entschädigen.

Im südlichen Schwarzwald.

seinen Trompeter geführt und den stillen Mann so schöne Lieder singen ließ. Das schimmernde Wiesental mit seinen stattlichen, betriebsamen Dörfern ist's, dem der ganze zehnte Tag geweiht. Bilder von Hans Thoma, Gedichte unsers Alemannendichters Hebel erlebt und sieht man, wenn man diese entzückende Gegend voller landschaftlicher Reize durchstreift. Von Schweigmatt streben wir dem Dertchen Zell zu und fahren nach dem in lieblicher Talweitung am Fuße des Belchens be­findlichen Schönau. Im­posant wirkt die einge­prägte, urwüchsige Ge stalt dieses Berges, den wir als Ziel des folgen­den Tages auserkoren. Stolz blickt seine noc) schneegekrönte Kuppe her­nieder, fraftstroßend auch schaut der düstere Hoch­wald und ringsum die mächtige Felswelt des Hochfelch. Auf steilen Pfaden klimmen wir bergan. Weiche Moos­polster überziehen die Felstrümmer, welche die

Kaarränder bedecken. Mählich lichtet sich der Wald, und immer selte­ner werden die knorrigen, zerzausten, windgepeitsch­ten Tannen, die da oben den Stürmen trozen. Auf dem Kamm aber ist alles fahl, und unge­hindert fegt der Wind über die rauhe Hoch­dem fläche. In ladenden Belchenhaus halten wir Einkehr und bestaunen die Pracht der end­los scheinenden Höhenwelt, die rings um uns sich auf­tut und die eine lautlose Stille, der feierliche Berg­friede, gebreitet.

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auf der Rückfahrt nach Freiburg passieren. Die in­folge des Erdbebens am 16. November 1911 daselbst entstandene heiße Quelle ist ein Anziehungspunkt der Fremden geworden. Schon trägt man sich mit dem Gedanken, die Nenaquelle", welcher Name sie schmückt, nuzbar zu machen und in Krozingen Badeanstalten zu errichten. Auch nach der Breisgauperle Freiburg will man das heilbringende Wasser leiten und Inhalatorien größeren Stils u. dgl. herstellen. Diese Breisgauperle

Schloßteich in Badenweiler.

Ungern scheiden wir von dieser märchenhaften Stätte; ein länger Verweilen versagt uns die Zeit. Nach kräftigem Marsch kommen wir zum Blauen, der einen herrlichen Niederblick auf das weingesegnete Marf­gräflerland und die vielge­staltige Landschaft um Basler Rheinfnie, auf das Oberelsaß und die burgundische Pforte gewährt. Dort aber, wo der Blauen in unendlich mannig faltigen Abstufungen des Bodens sich zur Tiefe nieder­senkt, hat die Natur dem Menschen ein wahres Paradies geschaffen: Badenweiler ist's, dessen Vorzüge hinsichtlich sei­nes milden Klimas, seiner windgeschützten Lage, der Heil­fraft seiner warmen Quellen und nicht zuletzt der idyllischen Schönheit der Waldlandschaft

aber, das also Aussicht hat, in kurz oder lang ein Badeplatz ersten Ran­ges zu werden, wird das Endziel unserer Schwarz­waldfahrt. In seinen frohen Mauern benutzen wir die Stunden des viele Aufenthalts, um reiche und schöne Er­innerungen zu wecken und an unserm geistigen Auge Bild um Bild bergangener, frohverleb­ter Tage vorüberziehen zu lassen.

Ein Wort noch über den heiligen St. Blasius, dem Laryngologen unter seinen Standesgenossen, dessen Kult sich aus dem fernen Orient über die ganze Erde verbreitet hat.

St. Blasius( um 300) war Bischof zu Sebaste in Kappadozien und foll inter Diokletian den Märtyrertod erlitten haben. Offenbar übte er wie viele mittelalterliche Priester ärztliche Praxis aus. Die Legende berichtet von einer wunderbaren Errettung eines Knaben, dem eine Fischgräte in den Hals gekommen war, voni Erstickungs­tode. Noch jetzt spricht man in vielen Teilen Deutschlands an seinem Festtag( 3. Februar) den Blasiussegen gegen Halsfrankheiten. Der Priester hält zwei geweihte Kerzen in der Gestalt eines Andreaskreuzes mit der linken Hand

vor das Gesicht oder den Hals des Kranken, und, mit der rechten in der oberen Sereuzöffnung das Kreuz schlagend, spricht er den lateinischen Segensspruch, der den Kranfen von dem Hals­leiden befreien soll. Blasius gehört zu den vierzehn Not­helfern, die in großer Gefahr von den gläubigen Statholiken angerufen werden. Reliquien von ihm werden in Tarent, in Ragusa in Dalmatien und in St. Blasien im Schwarzwald verehrt. Besonders in hoch und einsam gelegenen Waldgegenden finden sich seine Kultstätten. Ebenso verborgen wie unser St. Blasien im Schwarzwald liegt nahe der französischen Grenze in den Vogesen das elsässische Saint­Blaise; auf hoher Bergkuppe im Westerwald die Blasius. Kapelle. Jm Thüringer Wald, unweit von Oberndorf, erinnert der Ort Zella St. Blasii an den Kult des Heiligen. Aber auch außerhalb Deutschlands begegnen wir Plätzen, die nach ihm ihren Namen haben: so in England dem Ort Saint Blazey auf der Halbinsel Ja, bis in den skandinavischen Norden Cornwall. ist sein Kult vorgedrungen.-

Die Ravenna- Schlucht im Höllental.

mit den stimmungsvollen Ausblicken auf das Rhein­tal schon die Römer zu schäßen wußten. Heutzutage aber suchen zur Sommerszeit Tausende und Aber tausende zur Kräftigung ihrer Gesundheit und zur Erholung nach strenger Berufsarbeit dieses berückend schöne Thermenbad auf, dem auch wir auf unserer Reise einen vollen Tag widmen.

Den Abschluß der so wechselvollen Tour bildet schließlich ein kurzer Aufenthalt in Krozingen, das wir