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Im Lande der weißen Elefanten.

Leute kommen, um ihre Besorgungen zu machen, in zahl= reichen Booten. Jedes Haus hat natürlich sein Boot und obendrein besitzen noch viele Kinder kleine Kanoes, in denen sie sich munter herumtummeln.

Die meisten uns begegnenden Boote werden von Frauen gerudert, und wir beobachten, daß in Siam überhaupt den Frauen bei weitem die meiste Arbeit zu= fällt; das männliche Geschlecht ist bestrebt, es sich so be= quem wie möglich zu machen, eine stark ausgeprägte Landessitte. Während die Männer rauchend und schwatzend herumlungern, verrichten die Frauen alle Arbeiten, die zum Lebensunterhalte erforderlich sind. Wir sehen Hun­derte von Booten, die schwer mit Waren beladen sind, durch schwächliche Mädchen von Haus zu Haus rudern. um Früchte, Gemüse und allerlei andere Artikel feil­zubieten. Auch die schweren Frachtboote werden von al­tersschwachen Frauen, unter größter Anstrengung, vor­wärts bewegt, furz immer und immer ist es die Frau, welche die Arbeit besorgen muß.

Bemerkenswert ist die siamesische Reinlichkeit; drei­viermaliges Baden des Tages lieben die meisten Siamesen, und Parfümieren des Körpers ist sehr gebräuchlich. Mit­unter ziehen die Frauen es vor, anstatt des Badens sich fleißig Wasser über den Kopf zu gießen. Nie­mals gehen sie gänzlich nackt in den Fluß, da bei ihnen vollständige Nacktheit bei erwach­senen Personen als im höchsten Grade unsitt­lich betrachtet wird. Auch kann eine Frau nicht ärger beleidigt werden, als wenn in ihrem Beisein obscön geredet wird.

Sehr geneigt zur Konversation, hat der Siamese keine Schwie­rigkeit, sich klar über seinen lebhaften Ge­dankengang auszu­drücken; von Natur gut­herzig, bescheiden und höflich, ist er hingegen hochfahrend, wenn von ihm mehr Unterwürfig­feit verlangt wird als ihm von Rechts wegen zukommt. Beide Ge­schlechter haben Abscheu vor Trunkenheit, und die Eltern schulen ihre Kinder in sittsamem Be­tragen und Unterwür­figkeit gegen ältere Per­sonen. Zwischen den Gatten besteht, unge­achtet der ungerechten Arbeitsüberbürdung der Frau, große An­hänglichkeit. Stark ausgeprägt ist bei den Siamesen der Hang am Althergebrachten, und eine Folge dieser Neigung ist die Verehrung der verstorbenen Verwandten, während sie für die ihnen in der Neuzeit aufgedrungenen fortschritt­lichen Unternehmungen wenig Sinn an den Tag legen. Gleichgültigkeit, Ruhe und Frieden geht ihnen über alles andere, und ein außerordentlicher Abscheu vor dem Ver­gießen von Blut ist ihnen eigen.

befindet, als mehr ehrenvoll angesehen wird, wie die rechte Hand in wichtigen Angelegenheiten bindende Ver­sicherungen schließt.

Wenn der König die Stadt besucht, was jährlich einmal mit orientalischem Pomp ohnegleichen geschieht, werfen sich alle Eingeborenen auf der Straße auf das Ge­sicht so lange nieder, bis er vorüber geritten ist, erst dann richten sie sich wieder auf und starren ihm staunen­den Auges, mit heiliger Scheu nach. Der König macht seine Ausflüge auf weißen Elefanten, die so kostbar geschmückt sind, daß jeder Elefant ein ungeheures Vermögen mit sich auf dem Rüden herumträgt. Das Gefolge mit einer Unmenge Elefanten ist gleichfalls ungemein verschwende­risch ausgestattet. Mitunter läßt sich der König auch in cinem riesigen Stuhl herumtragen, der ebenso wie der Baldachin von Gold und Edelsteinen stroßzt.

Weder Geburt noch Besitz verhelfen in diesem Lande einer Person zu hoher Stellung, die Gunst und der Wille des Königs allein sind maßgebend, und bewirken, insofern nicht selten Wunder, als ganz niedere Personen, in­folge irgendeines Ereignisses, das ihnen zur Gunst des Königs verhilft, plötzlich zu hoher Stellung und Macht aufrücken, während andere, weit befähigtere Männer zu­

Wot Poh in Bangkok, die größte Tempelanlage.

Subordination ist den Siamesen von alters her an­erzogen, und auch jetzt noch ist es Sitte, daß Dienstboten in Gegenwart ihrer Herrschaft niemals stehen, sondern knien, oder auf den Fersen sitzend, den Kopf ein wenig vorgeneigt, die Hände vor die Stirn legen. Wenn Un= tergebene ihre Herren auf der Straße treffen, so haben sie den Oberkörper tief zu beugen und mit den zusam­mengelegten Händen die Stirn zu berühren. Besucht ein Niederer eine höher stehende Person, so fniet er nieder, legt den Oberkörper nach vorn über, bis er mit der Stirn den Boden berührt und bleibt in dieser Situation so lange, bis der Vorgesetzte ihn angesprochen hat, denn er darf niemals das Gespräch eröffnen. Im Leben Gleichge­stellte bieten dem Besuchenden ihren eigenen Platz an, den sie inne hatten, und außerdem muß jener auf der rechten Seite des Zimmers sitzen, da alles, was sich rechts

rückstehen müssen. Als die europäischen Staaten anfin= gen, Gesandtschaften und Konsulate in Siam einzurichten, entstanden nicht geringe Schwierigkeiten dadurch, daß der König gewohnt war, als Gottheit betrachtet zu werden.

In der Art ihrer Ernährung sind die Siamesen äußerst bescheiden Reis bildet die Hauptspeise, nur verschiedenartige Früchte, Gemüse und Fische bringen et­was Abwechslung in das monotone Menu. Fleischnahrung ist der buddhistischen Religionslehre zuwiderlaufend und wird daher von den Siamesen ausgeschlossen. Dem Glau= ben der Buddhisten zufolge wandert die Seele eines Menschen nach dem Tode in ein Tier über; daher der Tierkultus bei den Gläubigen.

Obgleich die Siamesen im allgemeinen nicht ein un­schöner Menschenschlag genannt werden können, wird ihr Äußeres jedoch durch die Unsitte, die Zähne schwarz zu färben, sowie infolge des auch hier üblichen Betelkauens, wodurch Mund und Lippen sich in häßlicher Weise röten, stark beeinträchtigt. Die Kleidung ist natürlich dem hei­Ben Klima entsprechend eine sehr leichte und beschränkt sich bei den Männern der Reichen auf luftige Unterbein­kleider und ein langes Muslinhemd, während die Frauen meist einen farbigen Kaliko- Unterrod und einen Mus­linschal als ausreichend ansehen.

Polarhunde.

Die dünnen, breiten Sohlen fer­tigt man zumeist aus Birken­holz an, die Verbindungsstücke sind aus hartemLärchenholz her­gestellt. Kein Nagel oder Pflock wird beim Zusammenfügen ver­wandt, alles wird durch Riemen stark verfestigt, so daß selten ein Bruch vorkommt. An jedem Tage vor dem Aufbruch werden die Schlittenkufen mit Wasser über­gossen, so daß sich eine glatte Kruste bildet, die weit besser als Stahlbänder funktionieren. Am

Kap Dejenew in der Beringstraße.

Nordpol- Expeditionen.

Vor dem Kap, das aus weißent Marmor besteht, frenzen zwei Tschuttschen- Boote.

einfach mit dem buschigen Schwanze und lassen sich durch nichts stören. Nur einmal am Tage, und zwar nach getaner Arbeit, werden sie abgefüttert. Jedem Hunde fällt dann ein Fisch im Gewicht von 3 bis 5 Pfund zu, beziehungs­weise einige kleinere Fische im gleichen Gewicht. Bom getrock­neten Fisch( Juckola), rechnet man auf einen Schlitten mit 12 Hun den 320 bis 480 Pfund im Mo­nat. Je nachdem, ob die Tiere leichte oder schwere Arbeit zu leisten haben.

Die Schlitten sind lang­gestreckt, schmal und außerordent­lich niedrig. Der obere Teil der Korb ist vollkommen flach

und hat nur eine niedrige Berte.

Vor einem Eskimozelt.

Borderende des Schlittens befindet sich ein starker Bügel, an dem die Zugleine befestigt ist und der im übrigen als Handhabe dient, wenn Hindernisse zu be­seitigen sind und er sich festgefahren hat, besonders im Packeise. Die Zugleine ist aus Walroßhaut und etwa 20 Fuß lang. An diese sind wiederum die fleineren Zugleinen für die einzelnen Hunde wechsel­ständig befestigt. Das Geschirr stellt eine sattelförmige Vorrichtung mit breiten Bruſtriemen dar. Eine gut bespannte Narte trägt etwa 800 Pfund nebst einem Menschen. Zuweilen packt man wohl

auch 2000 Pfund auf.

Wir sehen also, wie schwierig und mannigfaltig die Vorbereitungen sind, die für eine Fahrt durchs trügerische Polareis erforderlich werden. Und dann die Fahrt selbst. Mit der Hoffnung im Herzen, den Pol zu erreichen.