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Ein Duell.
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In eines der ersten Kaffeehäuser zu Marſeille trat im Jahre 1860 ein unbekannter Mann von etwa 45 Jahren, sehr einfach gekleidet, und wenn man etwas an ihm lururios nennen durfte, so war es die feine und blendend weiße Wäsche, die er trug. Sich ein abgesondertes Ecktischchen wählend, ließ er sich vom flinken Marqueur nach holländischer Manier ein Tonpfeifchen bringen, stopfte dies mit Varinas, schlürfte dazu eine Tasse Mokka und las eine englische Zeitung. Er mochte etwa zehn Minuten in seiner ruhigen und behaglichen Stellung verweilt haben, als an der Spize mehrerer französischer Offiziere ein Leutnant eintrat, letzterer sich brüst umsah, den einfach gekleideten, anspruchslosen, ruhig sein Pfeifchen rauchenden Mann erblickte, ihn scharf firierte und seine Kameraden, indem er auf einen Tisch, der sich in jenes Mannes unmittelbarer Nähe befand, zuschritt, mit den Worten zum Niederlassen aufforderte: Laßt uns hier placieren, Ihr sollt heute Euren Spaß haben."
Ein Schwall von lauten Worten ließ in ihm einen jener Händelsucher, die stets eine Impertinenz auf der Zunge spüren, erkennen. Und der junge Dffizier war heute ganz besonders bei
Laune und wählte zu seinem Ziele den schweigsamen Mann mit der Pfeife. Nachdem er mehrere Scherze plumpster Art auf ihn losgelassen, dieser aber davon gar feine Notiz genommen hatte, sondern ruhig, als sei er ganz allein, fortlas, sagte der Leutnaut zu den anderen Herren:" Der hat ein dickes Fell, dem muß man schon etwas bieten, ehe es durchdringt; wahrscheinlich ein Holländer?"
stand auf, ging mit seiner Zigarre zu des Einsamen Tisch, zündete sie, ohne sich zu entschuldigen, an und verlöschte dann die Lampe.
Die anderen Offiziere unterhielten sich köstlich. Doch der Fremde stand ruhig auf, zündete sein Licht an einem nebenste= henden an und las, als wenn nichts Außerordentliches geschehen, weiter.
Jetzt glaubte der Leutnant seinen Mann zu kennen, und sich selbst an dessen
Duell.
,, Höchst wahrscheinlich, und gewiß eine sehr lehrreiche!" entgegnete der Fremde lakonisch. Ich bin Schiffskapitän und erwarte Sie morgen früh pünktlich um sieben Uhr." Ruhig wandte sich der Fremde um und ging, ohne ein Wort weiter zu sagen, fort.
Am nächsten Morgen erschien mit dem Leutnant die ganze gestrige Gesellschaft auf dem bezeichne= ten Plazze, wo sie der Kapitän bereits erwartete, der weiter nichts Militärisches als seine Seemannsmütze mit der Goldborte trug. Die gegenseitige Begrüßung war äußerst artig, und als die Begleiter des Leutnants bemerkten, daß der Kapitän keinen Sekundanten bei sich habe und sich einer der Herren freiwillig dazu offerierte, antwortete derselbe:„ Ich danke, meine Herren; ich brauche keinen Sekundanten. Hier steht mein Steward, der, wenn ich falle, weiß, was er zu tun hat. Sie alle sind Män= ner von Ehre und werden mir kein Unrecht zufügen lassen." Sich darauf zu dem Geforderten wendend, sagte er:„ Sollten Sie, Herr Leutnant, keine guten Pistolen haben, so stehen Ihnen welche von den meinen zu Befehl!" Dabei rief er seinen Steward, der ein Mahagonikästchen trug, öffnete es und langte vier präch= tige Pistolen heraus, wovon er zwei dem Leutnant offerierte. Dieser dankte jedoch, wobei er ungemein ernsthaft und feierlich aussah, da er auf seine Pistolen eingeschossen sei.
Nach dem Feste.")
Nun sind die Lichter leise ausgegangen, Jm Silberkleide schläft der Tannenbaum, Die Wünsche, die am Sternenzelt gehangen, Sind Glück und Glanz in tiefem Kindertraum.
Was war das für ein überlautes Lachen, Von frischen Lippen selig- freier Dank, Ersehntes Spielen mit den Weihnachtssachen Trompetenton und frischer Trommelklang.
Nun ist es still. Das schwarze Nachtkleid düstert, Ein Wolkenschwarm sich nach der Heimat müht- Mein blonder Bub' im Kinderbettchen flüstert Noch einmal sacht sein kleines Weihnachtslied...
*) Aus dem Gedichtbuch„ Glück und Glanz" von Hans Herbert Ulrich( Verlag L. Heege, Schweidnitz).
Ruhe aufregend, trat er zu ihm hin und bot ihm die Hand mit den Worten:„ Guten Abend, Schulmeisterchen!", wobei er ihm zugleich die irdene Pfeife in mehrere Stücke zerbrach. Ein lautes, allgemeines Gelächter der anderen Herren begleitete diese Tat.
Der Fremde bewahrte seine Ruhe und rief: Marqueur, eine andere Pfeife!", brannte diese wieder an und las, als wenn gar nichts vorgefallen wäre, weiter.
Der Leutnant nannte den Gehänselten einen„ göttlichen Kerl"! Da aber mit ihm durchaus nichts anzu= fangen war, folgte er der Einladung eines anderen Offiziers zu einer Kartenpartie, ließ den Einsamen an seinem Tisch sitzen und entfernte sich mit seinem Gefolge in ein Nebenzimmer.
Der Fremde las noch mehrere Zeitungen, rauchte eine neu gestopfte Pfeife, ließ sich Tee bringen, und auch nicht ein Zug von Unwillen über jenen erduldeten Hohn war zu erblicken. Nach Verlauf von etwa einer halben Stunde stand er auf, ging ins Nebenzimmer, wo der Leutnant spielte, trat vor ihn hin, faßte ihn an einem Knopf seiner Uniform und sagte mit eiserner Ruhe:„ Sie werden sich morgen um sieben Uhr am Strande einfinden und mit mir Kugeln wechseln, mein Herr!"
Unter heftigem Lachen entgegnete ihm der Leutnant: , Wahrscheinlich bringen der Herr Schulmeister dero Fibel mit!"
Die Distanz wurde auf fünfzehn Schritte bestimmt, die Pistolen geladen, der fleine Raum abgemessen und die Duellanten auf ihre Stellungen gewiesen. Da sagte der Sekundant des Leutnants zum Kapitän: „ Sie, als der beleidigte Teil, haben den ersten Schuß, beginnen Sie."
Der Kapitän rief seinen Gegner an, überlegte einen Augenblick und sagte dann ernst:
„ Meine Herren, ich bin kein Raufbold, noch weniger ein Windmacher! Auf welche Weise ich mit Pisto= lenkugeln umgehe, möge Ihnen eine kleine Probe beweisen." Er rief seinem Steward zu:„ Wirf etwas in die Höhe, ein Stück Geld, einen Knopf oder dergleichen!"- worauf dieser eine Pflaume aus der Tasche nahm und sie aufwarf. Der Kapitän zielte und schoß, und gleich darauf flog die Frucht in tausend kleinen Stückchen zersplittert auseinander.
Alle Umstehenden machten bedenkliche Gesichter; der Leutnant zitterte, und obgleich er gefaßt erscheinen und sogar seine Bewunderung über die Geschicklichkeit des Kapitäns aussprechen wollte, war es ihm nicht möglich, ein Wort über die geschlossenen Lippen zu brin= gen.
Der Kapitän sprach kein Wort, lud in Gegenwart jämtlicher Offiziere seine Pistole von neuem, stellte sich auf seinen Plaz und rief dem Leutnant zu:„ Schießen Sie jetzt, die Geschichte dauert mir schon zu lange!" Als aber wiederholt der Sekundant Einsprache dagegen erheben wollte, wurde der Seemann rauhborstig und rief laut und kräftig:„ Herr, schießen Sie!"- und der Leutnant schoß, und fehlte.
Ohne auch nur eine Miene zu verziehen, sagte jetzt der Kapitän: Sie haben nicht gut gezielt. Schießen Sie noch einmal, Herr Leutnant! Falle ich, so ist es hier für die anderen Herren ein Glück; denn so wahr ich hier ſtehe, Sie alle, die Sie gestern über mich lachten, müssen mir einer nach dem andern vor meiner Pistole stehen!" Diese Erklärung, an die keiner der Herren im entferntesten gedacht hatte, strich wie ein Würgengel an den Versammelten vorüber. Jeder beteuerte sich jetzt im
Ein Duell.
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Jm Lande der weißen Elefanten.
Innern, gar nicht gelacht zu haben, und keiner widersprach mehr der Aufforderung des Kapitans, daß der Leutnant noch einmal schießen sollte, denn dieser schoß jetzt für sie alle; streckte er dieses Ungeheuer jetzt nicht in den Sand, so traf sie alle dies traurige Los; die überzeugung hatte ein jeder.
Der Leutnant nahm sich zusammen, blickte auf den ruhig und fest ihn anblickenden Seemann, und zitterte unwillkürlich vor Aufregung. Da sagte der Kapitän: ,, Gestern war ich Ihr kleiner Schulmeister', heute muß ich schon Ihr großer sein; selbst die Fibel' ist nicht vergessen, nur halten Sie dieselbe sehr schlecht und dürften kaum einen Nutzen daraus ziehen. Sie halten zu hoch, Herr, und werden mich so nicht treffen! Vorwärts also!"
Der Leutnant zielte, schoß und- traf fehl.
Ein falter Fieberschauer traf alle Glieder des Offiziers, als der Kapitän kurz anlegte, gleich aber wieder mit den Worten absetzte:„ Herr Leutnant, Sie sind ein elender Krakehler und Maulheld, ein Renommiſt in der Uniform. Ich habe mich gestern abend noch genau nach Ihnen erkundigt, und alle Leute sprachen schlecht von Ihnen. In zwei Minuten sind Sie tot! Beten Sie fromm zu Gott um Vergebung aller Ihrer Sünden; bitten Sie allen Menschen, die Sie so vielfach belei
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digt haben, ab, und Gott wird Ihnen ein barmherziger Richter sein! Meine Herren, Hüte ab! wenn ich von Gott in dieser Weise spreche!" rief der Kapitän, seine Mütze ziehend, zu allen Anwesenden mit einer Löwenstimme und unwillkürlich, wie auf Kommando, entblößten alle ihre Köpfe, eine furchtbare, angstvolle Bause entstand.
„ Amen!" rief der Kapitän, legte rasch an, zielte, setzte ab, gab seine Pistole dem Steward, und sagte verdrießlich: ,, Dieser Mann ist kein ehrliches Seemannspulver wert! Doch Sie, meine Herren, wünschen Sie eine Genugtuung? Hier stehe ich zum Frieden, wie zum Streite!"
Alle Offiziere reichten dem Seemann die Hände und versicherten aufrichtig, daß ihnen der ganze Vorfall sehr ärgerlich, die daraus gezogene Lehre aber von Nutzen sei!
,, Gut denn, meine Herren! Ich wünsche einen guten Morgen!" sagte ernst der Kapitän, winkte seinem Steward und entfernte sich grüßend mit ihm.
Noch an demselben Abend erschien er wieder in demselben schwarzen Frac im Kaffeehause und las seine Zeitung. Der Leutnant war gezwungen, sogleich seinen Abschied zu nehmen.
Im Lande der weißen Elefanten.")
enn uns einer der Dampfer des Norddeutschen Lloyd, die den Verkehr zwischen Singapore und Siam vermitteln, nach Bangkok bringt und wir uns der siamesischen Hauptstadt nähern, so haben wir, während wir den Menam hinaufsegeln, die beste Gelegenheit, uns sofort ein richtiges Bild von Land und Leuten in Siam zu gestalten. Zu beiden Seiten des breiten Flusses tritt der tropische Urwald in seiner ganzen Pracht bis dicht an die Ufer heran. Auf den durcheinander geschlungenen Zweigen der kraftstrozenden Baumriesen bemerken wir prachtvoll gefiederte Vögel ohne Zahl, und die geschwätzigen Affen treiben an den Ufern ihr munteres Spiel. Hunderte schwimmender Häuser bedecken die Wasserfläche, mit den Kanälen Straßen lebhaften Verkehrs bildend. Die Ortschaften, die sich an den Ufern hinziehen, tragen ungemein zur Charakteristik dieses fremdartigen Landes bei. Die Häuser sind ausnahmslos auf hohen Pfählen errichtet, doch ist der Baustil ein sehr einfacher. Die Rahmen des Hauses sind gewöhnlich aus Bambusstäben hergestellt und ebenso wie das Dach mittels Strohmatten bekleidet. Je mehr wir uns der Stadt Bangkok nähern, desto lebhafter wird das Bild. Die Kanäle werden zahlreicher und die schwimmenden Häuser beginnen ein Chaos zu bilden, durch das wir uns nur langsam unseren Weg zu bahnen vermögen zu Tausenden aller= wärts verstreut verleihen sie der Landschaft ein wunderbar malerisches Gepräge. Vor unserem entzückten Auge beginnt sich ein Panorama zu entrollen, wie es selbst der schöne Osten selten zu bieten vermag.
Bangkok, das„ Venedig des Ostens". Die Hauptstadt, an den Ufern des Menam gelegen, ist
mel, das daselbst herrscht, machen, wenn man bedenkt, daß von der Gesamt- Einwohnerzahl Bangkoks, die 700 000 beträgt, allein 600 000 in den schwimmenden Häusern wohnen. Dieselben sind entweder verankert, oder mittels Bambuspfeiler in ihrer Lage gehalten, und Tausende und Abertausende winziger Boote vermitteln den Verkehr zwischen den Bewohnern. In diesem Gewirre primitiver Fahrzeuge dampfen und puffen die Motorboote der europäischen und reichen chinesischen Kaufleute herum, das Chaos noch bedeutend vermehrend. Es ist in der Tat ein sinnverwirrendes, aber zugleich ein wunderbar fesselndes Bild. Tagelang fönnte man in Bangkok verweilen, ohne jemals bei seinen Ausflügen oder geschäftlichen
Siamesisches Landschaftsbild.
etwa 40 Meilen vom Golf von Siam entfernt und von einem Wall von sechs Meilen Länge umgeben. Innerhalb dieser Umwallung befindet sich der berühmte Palast des Königs, die Tempel und Heiligenschreine, wie auch die öffentlichen Gebäude. Auf eine Entfernung von etwa zehn Meilen, flußauf und-ab, schließt sich die Unzahl der schwimmenden Häuser an, die den Fluß und die Kanäle bedecken, ohne die das Bild Bangkok kein vollständiges sein würde. Man kann sich annähernd eine Idee von dem Gewim
Besorgungen das Land betreten zu müssen. Noch ist es erst wenige Jahre her, daß nicht ein einziger Wagen in der siamesischen Hauptstadt aufzutreiben war. Seitdem hat jedoch der inzwischen verstorbene unternehmungslustige König Chu- la- lang'- forn reichlich für die ausländischen Gebrauchsgegenstände Sorge getragen. So sehen wir denn auch jetzt an Einrichtungen der Neuzeit sogar ein Netz von Straßenbahnen die Hauptverkehrswege kreuzen, elektrische Bogenlampen werfen ihr grelles Licht auf erotische Eingeborene in phantastischen Kostümen, und Telephone sind allenthalben im Gebrauche. Auch das Eisenbahnnetz des fleißig aufstrebenden Staates wird beständig erweitert.
Wir wollen nun einen Streifzug durch Bangkok unternehmen, um uns von allem Sehenswerten ein Bild zu verschaffen und betreten zunächst eins der schwimmenden Wohnhäuser, alles einstöckige Giebelgebäude, die selten mehr als drei Wohnräume enthalten. Die innere Einrichtung ist äußerst primitiv und Möbel sind so gut wie gar nicht vorhanden. Die schwazhaften Bewohner sihen der orientalischen Sitte gemäß auf dem Fußboden, niedere Bambus- Pritschen dienen als Bettstätten. Das Kochen geschieht an kleinen, offenen Feuern mittels Holzkohle und in Ermangelung von Schornsteinen muß sich der Rauch durch die als Fenster dienenden öffnungen den Weg bahnen. Einzelne der schwimmenden Häuser dienen den Kaufleuten als Lager- und Verkaufsräume und die
*) Jm Monat November hat in Bangkok die Königsfrönung stattgefunden.


