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Auf die eigene Kraft vertraut.

Noch immer tst es Gepflogenheit, daß die Staats­pberhäupter am Neujahrstage politische Empfänge ab­halten und die Diplomaten Grüße und Wünsche aus­tauschen. Aber hinter diesen Kundgebungen entschet­dende Entschlüsse zu suchen, wäre verfehlt. Jezt spre­chen die Ereignisse selbst mit eherner Stimme. Im fer­nen Osten geht das gewaltige Drama in China seinen Gang wetter. Rußland legt die Hand auf die Mongo­lei, Tibet schwankt zwischen England und Rußland, in Persien beginnt die Aufteilung. Mit unheimlicher Schnelligkeit, mit plöblicher Gewalt bricht eine Umwäl­zung der Gebiets- und Machtverhältnisse in Asien berein, wie sie die Weltgeschichte noch kaum gesehen hat.

Deutschlan ist nach seiner geographischen Lage an diesen Katastrophen politisch nicht unmittelbar beteiligt, aber wirtschaftlich in hohem Grade interessiert, und hin­ter wirtschaftlichen Interessen einer Großmacht muß heutzutage auch immer die nationale Wehrmacht stehen. Auf allen Posten aber in der wetten Welt, wo Deutsch­land Fuß fassen und Wurzel schlagen will, begegnen wir Großbritannien, das dte Diktatur über den Erd­ball als sein Recht in Anspruch nimmt. Wir haben's erfahren im vorigen Herbst und alle glatten Reden und füßen Beteuerungen von der Themse können den Hefen Ingrimm in unserem Volte nicht dämpfen. Mit dieser Gegnerschaft müssen wir auf absehbare Zeit rech­nent.

Es ist wohl denkbar, daß Frankreich durch die schwere Aufgabe, Marokko sich untertan zu machen, auf lange Zeit in Anspruch genommen wird; schon hört man bedenkliche Stimmen fiber die Opfer an Menschen und Geld, die Maroffo, wie einst Algier, den Franzo­fent fosten wird! Aber immer wird Frankreich sich wil­Itg England als Soldaten auf dem Festland zur Ver­fügung stellen, wenn die von der jeweiligen Bartet­tonstellation unabhängige Auslandspolitik Großbritan­niens den Zeitpunkt für gekommen erachtet, Deutsch­land ein Halt zu bieten.

Wir haben den Strauß im vorigen Sommer allein ausfechten müssen und, wie die Münch. N. N." richttg ausführen, nur die Erfahrung fann lehren, ob wir wirklich so schlecht abgeschnitten haben, wie die erste Enttäuschung angenommen hat. In unseren großen Handels- und Hafenstädten beginnt man wenigstens die Garantien in Marotto wie die Erwerbungen am Kongo allmählich günstiger zu bewerten. Im Hinblick auf Desterreich- Ungarns und Italiens diplomatische Unterſtüßung ist zu sagen: Der Dreibund ist nicht dafür geschaffen, uns aus weltpolitischen Schwierigkeiten her­auszuhelfen, und wer die Bundesgenossen an der Do­nau und am Tiber oft laut und schwankend findet, der mache sich klar, ob ihre Bündnisfestigkeit in einem Weltbrande etwa nicht wesentlich davon abhängt, daß wir uns auch selbst genug wehren und sie schützen fön­nen. Bundesgenossen sind aut, aber das deutsche Volk weiß trotzdem daß es um seine höchsten Güter, um den Bestand des Reiches, um die Ehre der Nation, um sein politisches und wirtschaftliches Leben, vor allem mit feiner eigenen Kraft einzutreten die Pflicht hat. Das fam uns allen fin Sommer 1911 zum vollen Bewußtsein und das sollte uns eine bleibende Mahnung sein.

Rundschau vom Cage.

Politisches.

Die Ernennung des Kronprinzen zum Obersten wird für den Geburtstag des Kaisers erwartet. Das Gerücht, daß der Kronprinz die Führung seines Re­giments vorläufig bis Ostern abgeben wird, weil er das Klima niht vertrage, trifft nicht zu. Der Kron­prinz wird nur während der Hoffeste in Berlin von Danzig abwesend sein.

Das Kartell der mittleren Beamten der preußisch­heffischen Staatsbahnverwaltung hat beschlossen, an den Minister der öffentlichen Arbeiten eine Eingabe zu richten, daß die erlittenen Strafen der Beamten des äußeren Dienstes nach Verlauf von fünf Jahren aus den Personalatten entfernt werden können. Ebenso foll der Minister gebeten werden, daß diejenigen Be­amten, die seinerzeit gegen ihren Willen aus dem Het­matsbezirk in einen anderen versetzt worden sind und bereits längere Zeit am neuen Dienstort zugebracht ha= ben, auf thr Gesuch wieder zurückversetzt werden sollen. So sind seinerzeit Beamte vom Rheni nach Bosen und von Schlesien nach der französischen Grenze verfett worden, wo sie bis jetzt verbleiben mußten, obgletch He alles darangefeßt haben, in thre alte Heimat zurüta­zukehren. Ihre Gesuche um zurückverseßung sind ab­gelehnt worden.

Die Zahl der Innungen in Breußen betrug nach Der neuesten amtlichen Zusammenstellung 5803 frete Jungen, 3005 Amanasinnungen und 310 Innungs­ausschüsse. Geaen das Jahr 1902 ist die Zahl der freien nnungen um 221, die der Zwangsinnungen um 824, die der Ynnunasausschiffe, um 170 gefttegen.

Die Herren von Dieskaut.

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Original- Roman von Franz Treller. ( Nachdruck verboten.) Mein Gott, wie sich die Zetten ändern! Aber es ist vergeblich, gegen den Strom zu schwimmen. Man muß sich fügen."

Mit einer. Miene der Ergebenheit goß er sich ein Glas Bordeaux etn und leerte es nicht ohne Behagen.

Die sorgenvolle Miene der Tochter des Hauses hellte fich, während sie weiter langsam weiter ritt, auf. Eine freundliche Gedankenreihe zog durch ihr Köpfchen und ( verscheuchte die trübe Stimmung. In weiter Ferne weilte der Blick, ein sanftes Lächeln umspielte die Lip­pen und ein Ausdruck wehmittiger Freude belebte die anmutigen Züge.

Es war ein Bild aus ihrer Seele Schacht empor= gestiegen und stand lebendig vor threm Geistesauge bas Bild eines Mannes, der, ach, nur so flüchtig, thren Lebensweg berührt hatte.

Der Sommer hatte sie mit ihrer mütterlichen Pfle­gerin zu kurzem Besuch nach England geführt und auf Der Rückfahrt von Southampton nach Hamburg trat er thr entgegen. Sein starker Arm bewahrte sie vor einem Jähen Falle und dieses Intermezzo vermittelte die flitch­Hge Bekanntschaft. Bet Tische führte der Zufall oder ble Laune des Oberstewards thn neben ste und Frau von Herstell und die See war auf der kurzen Fahrt durch den Kanal und die Nordsee so ruhig, daß die Mahlzeiten regelmäßig eingenommen werden konnten, auch das Wetter so sonnig und freundlich, daß das Deck tmmer angenehmen Aufenthalt für die Retsenden bot. Er war etn Deutscher, ein Herr Holtau, der in England ein großes technisches Institut lettete und sich nach set­nem Vaterlande begab, um seiner Pflicht als Reserve­offizter zu genügen.

Ueber

Die Republit" China und ihr Präsident. die Eidesleistung des von den Revolutionären zum Präsidenten der Republik China erwählten Dr. Sunyat­sen und seinen Einzug in Nanking wird aus Schang­hai folgendes berichtet: Dr. Sunyatsen hat am Montag nachmittag um 6 Uhr seinen feierlichen Einzug in die republikanische Hauptstadt Nanting gehalten. Er wurde von etwa 10 000 Soldaten, die Spalier gebildet hatten und ihm zu Ehren einen Geschübsalut von 21 Schüs= sen abfeuerten, mit großer Begeisterung begrüßt. Um 11 Uhr nachts übernahm er feierlich und in aller Form die Präsidentschaft der Republik China und die Leitung der provisorischen Regierung. Er legte sodann den Eid ab, die Mandschudynastie abzusetzen und den Frieden wieder herzustellen, ferner dem Lande eine Verfassung zu geben, die auf dem Willen des ganzen Volfes ba­fieren solle. Sobald dies geschehen sein werde, wolle er von seinem Posten zurücktreten und es dem chinesischen Volte anheimstellen, den Präsidenten der Republik zu erwählen. Um Mitternacht, nach Beendigung der Fel­erlichkeit, wurde ein neuer Salut abgefeuert. Die Be­völkerung bewegte sich auf den Straßen, die alsbald eine glanzvolle Beleuchtung zeigten. Das festliche Trei­ben dauerte bis gegen Tagesanbruch.

Kleine Nachrichten.

Königin Wilhelmine guter Hoffnung? Das Fern­bleiben der Köntain Wilhelmine von Holland vom Hof­ball am Neujahrstage wird mit den Gerüchten in Ber­bindung gebracht, nach denen die Königin einem freu­digen Familienereignisse entgegensteht.

Wieder ein Spionagefall? In der Silvesternacht war in Deutsch- Eylau auf den Bosten, der das Brigade­und Regimentsbüro zu überwachen hatte, in denen wich­tige Papiere aufbewahrt werden, ein Schuß abgegeben worden. Gestern soll zum zwetten Male auf den Posten vor diesen Büros ein Ueberfall beabsichtigt gewesen sein, ohne daß es gelungen wäre, dem Täter auf die Spur zu kommen.

Ein Reichstagskandidat verunglückt. Der für den pommerschen Wahlkrets Byriz- Saßnitz aufgestellte nationalliberale Reichstagskandidat Bürgermeister Wie­acker aus Prenzlau ist heute nacht auf einer Automobil­fahrt von Noerenberg nach Stargard verunglückt. Das Auto wurde gegen einen Baum geschleudert, wobet Wie­acker eine schwere Gehtrnerschütterung erlitt. In be= bewußtlosem Zustande wurde er in das Krankenhaus zu Stargard eingeliefert. Seine beiden Begleiter erlitten nur geringfügige Verlegungen.

Das Kanonenboot Banther" im Kongsgebiet. Das Kanonenboot Banther" hat am Freitag früh die Retse nach der westafrikanischen Station angetreten. Es wird auch das Kongogebiet besuchen, doch hängt es von Wind und Wetter ab, ob das Schiff auf dem Kongofluß weit hinauffahren kann.

Vergiftungen überall. In Duisbura sind zwei Versonen unter Vergiftunaserscheinungen gestorben. In einem Falle wird die Vergiftung auf den Genuß von verdorbenen Fischen zurückgeführt, in dem zweiten Falle ist die Ursache der Vergiftung noch unbekannt.

Beim Rafieren ermordet. Wie aus Belgrad gemel­det wird, hat in Naaz wegen eines geringfügigen Stret­tes der Friseur Dufulte dem Grundbesißer Vukrunic, der sich rasieren lassen wollte, den Hals durchschnitten und die Leiche in die Save geworfen. Der Täter wurde verhaftet.

Bolizeiliches Hutnadelverbot in der Schwetz. In Zürich ist vor kurzem eine Polizeiverordnung erlassen worden, durch die den Damen das Tragen von lang­hervorstehenden Hutnadeln untersagt und fedes Zuwt­derhandeln mit Geldstrafe belegt wird. Obwohl diese Verordnung erst am 1. Januar 1912 in Kraft getreten ist. find bis gestern bereits 120 Strafverfügungen er­lassen worden.

Ein Opfer feines Berufes. Dr. Simon in Zürich, der Schwiegersohn August Bebels, ist an Blutvergif= tung gestorben, die er sich bei einer bakteriologischen Untersuchung zugezogen hatte.

Ihr 101. Lebensjahr vollendete am Mittwoch die in Düffeldorf lebende Witwe Friedrich Röder. Die Gret­fin erfreut sich noch völliger körperlicher und geistiger Frische

Ein flüchtiger Banffaffierer. Der Kaffterer Will­komm von der Vereinsbank in Dippoldiswalde( Sach­sen) ist verschwunden. Es soll eine Veruntreuung von Geldern vorliegen, die der Kassierer bet Spekulations= geschäften verloren hat. Die Geschäftsräume der Bank sind geschlossen. Die Höhe der Verluste ist noch nicht genau festgestellt, doch hofft man, daß sie nicht sehr groß find.

Unzuverlässige Elemente in der franzöfifchen Kriegsflotte. Der Weifung des französischen Marine­ministers zufolge, die Kriegsflotte von allen unzuver= läfftgen Elementen zu säubern, wurden vierzehn Mann des gegenwärtig in Brest ankernden dritten Geschwa= ders Straffompanien zugeteilt.

Rauferet nnter Militärsträflingen. Im Mili­tärgefänante au Oran brach unter den Häftlingen eine

Selbst die peinlich ängstliche und gewissenhafte Frau von Herstell duldete die Gesellschaft des jungen Mannes, der mit einem angenehmen männlichen Aeußern die Ma­nteren des Gentleman verband und überaus anregend zu plaudern verstand. Sie schten es nicht zu beachten, wie Hilda im Verkehr mit diesem Manne eine Lebhaf= tigkeit und Lebensfreude zeigte, die sonst an der jungen Einsiedlerin von Dieskau gänzlich ungewohnt war, und sie sagte sich wohl, daß die baldige Ankunft in Hamburg dieser Bekanntschaft für immer etn 8tel setzen würde.

Und sie lauschte mit Vergnügen, wie die beiden jun­gen Leute lebhaft plaudernd Meer und Land, Kunst und Wissenschaft in den Krets threr Unterhaltung zogen. Hilda war wohl unterrichtet, und der Fremde zeigte eine außerordentlich umfassende Bildung, die ihr bisher bet fungen Herren threr Gesellschaft noch nicht begegnet war.

So vergingen die Stunden eines glücklichen Bet­sammenseins, das leider durch einen von Frau von Herstell sehr beschleunigten Abschied ein allzu tähes Ende fand. Aber das Bild des Fremden nahm Hilda im Her= zen mit sich fort, es hatte sich viel tiefer dort eingeprägt, als sie selbst ahnte.

Dieses Bild ftleg vor threm Geistesauge auf, als sie jetzt langsam auf der von hochstämmigem Walb ein­gefaßten Landstraße einherritt und es brettete sich gol= dener Sonnenschein über thre 3lge.

Ste berührte thr wohlgeschultes Tter mit der Gerte und in leichtem Galopp trug es file auf dem einsamen, schattigen Wege bahtn. Das waren des jungen Mäd­chens Lieblingsstunden und das sichere Pferd hinderte ste nicht, sich ihren Gedanken ganz zu überlassen.

Da, wo etn Settenweg in den Wald führte, stand ein Herr und blickte nach thr hin. Die hochragenden Bäume und der brettrandige Filz beschattete sein Ge= ficht, aber jetzt 300 er mit höflicher Geberde den Gut und

schwere Rauferet aus, in derem Verlaufe ein Fremden­legionär von einem Sträfling tödlich verlegt wurde.

Vier Personen im Rhein ertrunken. Gestern abend ertranten bet Rodenkirchen vier Personen im Rhein. Ste hatten sich mit einem Kahn an einen Schleppzig gehärgt. Als fte die Kette löften, schlug der Kahn um und alle vier Insassen ertranten.

400 000 Mark zur Förderung der deutschen Kulturs bestrebungen. Der Neuyorker Banfier Jakob Schiff hat der Cornell- Universität zum Zweck der Förderung der deutschen Kulturbestrebungen in Amerika 100 000 Dollars gespendet.

Vermischtes.

Schreckschüsse eines abgewiesenen Bittstellers. Eine eigenartige Rache hat ein abgewiesener Bittsteller an einem Generalfonful in Berlin genommen. Der 25 Jahre alte stellungslose Kommis Leichter hat an den Generalkonsul E., der in der Hildebrandt- Privatstraße wohnt, ein Bittgesuch um eine größere Unterstübung gerichtet. Er wurde abgewiesen, dafür rächte sich Leich­fer in der Weise, daß er abends vor dem Hause, in dem der Generalkonsul wohnt, 2 scharfe Schiffe in die Luft abgab. Er wurde festgenommen und gab auf dem Bolt­zeirerier an, daß er den Generalkonsul erschrecen wollte, um ihn für die ihm zuteil gewordene Abwet­sung zu bestrafen.

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Verwegene Flush cines Berliners aus der frana zösischen Fremdenlegion. In der marokkanischen Stadt Melilla befindet sich seit einigen Tagen als Gefangener der Spanier ein 35jähriger Deutscher namens Paul Gumprich, der aus Berlin gebürtig ist. G. war vor 1% Monaten mit neun Kameraden aus der französischen Fremdenlegion in Maroffo desertiert, auf der Flucht ftelen sie in die Gewalt der Eingeborenen, die ihnen alles raubten, was sie bet sich trugen. Nachdem die Ma­rokkaner sieben der Flüchtlinge getötet hatfen, gelang es G. mit einem Kameraden Ernest Lacort aus Lüttich sich in Sicherheit zu bringen. Auf ihrer Flucht gelangten fie schließlich zu den Vorposten der in Marokko operte renden spanischen Armee vor Zekuan, von wo sie als Gefangene Spaniens nach Melilla ins Hauptquartier gebracht wurden. G. trägt eine höchst originelle Täto­wierung auf dem Arm: ein Schwein, das mit einer französischen Offiziersuniform bekleidet ist.

Streifende Nenyorker Wäschermädchen. In Neu­york haben fünfzigtausend Wäschermädel die Arbeit nie­dergelegt. Die Folge davon ist, daß viele Leute mit schmutzigen Kragen umhergehen. Am Dienstag haben die Streifenden einen großen Umzug in der Stadt und eine Versammlung im Zentralpark abgehalten, in der sie sich verpflichteten, nicht eher an die Arbeit zurückzu­fehren, bis thre Forderungen erfüllt sein werden. Pub­likum und Presse stehet auf ihrer Sette, die einen sehr geringen Lohn erhalten und metst unter gesundheits­schädlichen Verhältnissen zu arbeiten gezwungen sind. Der Scherif Haarburger hat eine Anzahl von Damen der besten Gesellschaft als Unterscherifs ernannt, um diese Verhältnisse zu untersuchen.

Im Freiballon von Amerika nach Europa. Der Gordon- Bennet- Sieger im Freiballon, Ingenieur und Oberleutnant der Reserve Gericke- Berlin, ist erst am 30. Dezember von Amerika nach Deutschland zurückge= fehrt. Ihn beschäftigt jetzt ein neuer großer Plan, den er schon in Amerifa mit allen in Betracht kommenden Personen besprochen hat: er will im nächsten Herbst im Freiballon die Fahrt über den Ozean unternehmen. Ein Ballon von rund 10 000 Raummetr. Größe soll zu dies fem Zweck gebaui werden, der sich bis zu zwei Wochen schwebend erhalten tann. Gertae nimmt aber an, daß er in etwa fünf Tagen den Flug, der in Buffalo begin= nen dürfte, um zuerst ein paar hundert Kilometer über den Kontinent zu führen, vollenden kann. Eingehende Studien der Windverhältnisse, die das tägliche Material der letzten 12 Jahre umfaffen, haben ihn davon über= zeugt, daß die ganze Luftmasse sich auf der nördlichen Route im Herbst und Winter regelmäßia von Amerika nach Europa bewegt, durchschnittlich noch schneller als dte Dampfer, mitunter sogar nur in zwei Tagen. Auch die deutsche Transatlantische Flugerpedition" in um gefehrter Richtung auf der Südroute hält es für ein ficheres Unternehmen.

Gefährdung des Eisenbahnverkehrs in Frankreich. Es scheint fast so, als ob die Atte verbrecherischer An­fchläge aller Art im öffentlichen Verkehr zu einer stän digen Rubrik der französischen Zeitungen werden sol­Ien; denn es nergeht fein Tag, an dem nicht neue Ver­brechen gemeldet werden, die nur zum Teil durch die Wachsamkeit des Aufsichtsnersonals unschädlich gemacht werden können. In der Nähe von Armentieres( Dep. Nord) haben nachts zwet unbekannte Männer die Wet­chenlaternen zertrümmert, einen Stein auf das Gleise aewälzt und die Schienen in einer Länge von neun Meter aufgerissen. Als der Wächter, kurz vor dem Schnellzuge, die Stelle passierte, wurde er durch meh­rere Revolverschüsse schwer verletzt. Der Zug konnte dicht vor der beschädigten Stelle zum Halten gebracht werden, sonst wäre unermeßliches Unheil angerichtet worden.

grüßte. Mit einem leichten Schret riß sie an dem Zü­gel so heftig, daß das gute Tier, an eine solche Behand lung nicht gewöhnt, stehen blieb und unwillkürlich den Kopf schüttelte. Ein helles Rot war in Hildas Gesicht gestiegen und ein Strahl inniger Freude aus den sanf­ten Augen traf den hochgewachsenen Fremden, der mit nicht minder leuchtenden Augen zu ihr hinüber sah. Es war eine vornehme und zugleich männliche Gestalt, die da so unerwartet vor Hildas Augen aufgetaucht war, und das schöne Gesicht des Fremden, gebräunt von dem anstrengenden Dienst im Manöverfelde, zeigte in diesem Augenblick den Wiederschein hoen Glückes.

Eine verlegene Scheu bemächtigte sich nach der er­sten jähen Ueberraschung Hildas, denn sie hatte gefühlt, wie ein heißer Blutstrahl ihr in die Wangen schoß und schüchtern und doch tnnig blickte fie auf den Mann, der den Hut in der Hand, das Antlitz ihr zugekehrt, vor ihr stand.

Sekunden vergingen so, denn keines der beiden freudig überraschten Menschenkinder fand ein Wort. Endlich sagte Hilda: Ste hter, Herr Holtau? Wer hätte das vermutet?"

,, Gnädiges Fräulein, ein glücklicher Zufall, den ich fegne, führte mich mit meiner Reisegefährtin wieder zusammen."

Er log ganz schamlos, denn er hatte diesen Weg nur eingeschlagen in der Hoffnung, thr zu begegnen. Aber wie kommen Sie in diese Gegend?" " Ich bin Gast auf Meerholz. Mit Erhard Meer­holz bin ich von der Schule und vom Regimente her befreundet."

Und wußten Ste nicht, das Dieskau ganz nahe Itegt?"

Ich wußte es," sagte er letse und auch in sein Ge ficht stieg eine leichte Röte; er war jetzt nicht weniger verlegen als fte.

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